SRF und Daniele Ganser: Ist die grosse Liebe der Schweizer Staatsjournalisten zum Verschwörungstheoretiker zu Ende?

Dr. Daniele Ganser unterstützt die No-Billag-Initiative. Ist damit die grosse Liebe der Schweizer Staatsjournalisten zum Verschwörungstheoretiker zu Ende, fragen wir uns besorgt?

SRF und Daniele Ganser waren 15 Jahre lang ein Traumpaar. Die mehrere Dutzende Auftritte auf den 29 Sendern der SRG verhalfen dem Verschwörungstheoretiker zu schweizweiter Berühmtheit und machten seine wirren Theorien erst salonfähig. Die SRF-Qualitätsjournalisten verhalfen dem «Friedensforscher», «Erdöl-Experten», «Nahost-Experten» und «ausgewiesenen Historikers», wie sie ihn ehrfurchtsvoll bezeichneten, zu unschätzbarem Renommée.

In Wissenschaftskreise hat Dr. Daniele Ganser zwar in etwa so viel Ansehen wie Dr. Axel Stoll, aber keine seiner Thesen waren den SRF-Journalisten zu unwissenschaftlich und wahrheitsfern, als dass sie nicht willig zu deren Verbreitung gesorgt hätten.
Seit den barbarischen Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte er beim Staatsfunk quasi ein Abo als „der Superexperte“ in Nachrichten- und Interviewsendungen. Ganser führt auf seiner Webseite denn auch mit stolz zahlreiche Interviews auf.

Die Crème de la Crème der SRF-Staatsjournalisten hofierte den Verschwörungstheoretiker: Daniel Voll im hoch gelobten «Echo der Zeit», Karin Frei im «Doppelpunkt» und im «Tagesgespräch» war er gleich mehrfach zu Gast.

Der Verschwörungstheoretiker wurde sogar als Experte für Verschwörungstheorien eingeladen. Warum auch nicht? SRF-Qualitätsjournalist Marc Lehmann lud in seiner Sendung «Tagesgespräch» sogar einen Antisemiten als Antisemitismusexperte ein.

SRF ist der Sender, der mit Abstand am meisten Interviews mit dem Verschwörungstheoretiker publizierte. Dicht gefolgt von Putins Staatssendern Sputnik und Stimme Russlands sowie dem Kanal des geistig verwirrten Antisemiten Ken FM («Ich weiss, wer den Holocaust als PR erfunden hat»).

Notabene: Die SRF-Staatsjournalisten hielten auch dann noch zu Daniele Ganser und seiner „Expertise“, als sich die ETH von den Aussagen ihres Senior Researcher am Center for Security Studies längst distanzierte hatte und ihn 2006 entliess.

Von der akademischen Welt abgehängt, gründete Daniele Ganser 2011 eine Firma, die er grossmäulig Swiss Institute for Peace and Energy Research SIPER nennt. SRF blieb ihm treu.

Wer SRF darauf aufmerksam machte, dass Daniele Ganser ein Antisemit, Verschwörungstheoretiker und Truther sei, der seine Bücher beim rechtsradikalen Verlag Kai Homilius publiziere und seine Lesungen von der antisemitischen Band Bandbreite begleiten lasse, der wurde von den verantwortlichen Journalisten ignoriert. Die Chefredaktorin vom Schweizer Radio, Lis Borner, beschimpft solche Kritiker in internen Mails als «grobe Stänkerer» (Screenshots vorhanden). SRF-Qualitätsjournalisten halten sich für unfehlbar – sie haben den Gottkomplex.

Seit Jahren schafft es Daniele Ganser mit seinem Antiamerikanismus und Antisemitismus sowohl die Bedürfnisse der Linken wie der Rechten und der Pseudo-Libertären zu befriedigen – wenn auch auf unterschiedlichen Plattformen. Er lässt sich auf Anlässen zu Alternativer Energie von Rot-Grünen-Wählern feiern. Der Grüne Geri Müller beispielsweise ist ein grosser Fan des Verschwörungstheoretikers Ganser und verbreitet seine Peak Oil-Märchen. Georg Kreis und Ueli Mäder halten ihm nach wie vor die Stange. Aber auch die Holocaustleugner auf den irren Sektenveranstaltungen von Ivo Sasek sind von ihm begeistert, und auf den Veranstaltungen des seltsamen SVP-Bürschlein Anian Liebrand wird er von Rechtsextremen und geistig verwirrten Libertären mit Beifall überschüttet.

Nach enormen Widerständen sickerten die von uns mitverbreiteten Informationen über Ganser ins Hirn des einen oder anderen SRF-Journalisten durch – und das enge Band, das SRF und Daniele Ganser einte, bekam langsam Risse.

Zum definitiven Bruch kam es, als Ganser bei der «Arena» zu Gast war zum Thema «Trumps Krieg» und das Misstrauen gegenüber den Medien. Arena-Moderator Jonas Projer besitzt leider nicht die Kompetenz, ihn sachlich und fair zu widerlegen.

Am Ende war es die von SRF herangezüchtete Ganser-Fangemeinde, die den SRF-Ombudsmann mit Aberhunderten Beschwerden eindeckte. Sie bekam vom Ombudsmann Recht. Daniele Ganser ist vom «Arena»-Moderator unfair behandelt worden.

Den Geist, den die SRF-Journalisten riefen, werden sie nicht mehr los.

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12 Gedanken zu “SRF und Daniele Ganser: Ist die grosse Liebe der Schweizer Staatsjournalisten zum Verschwörungstheoretiker zu Ende?

    • Mag zwar sein, aber warum soll der Begriff Verschwörungstheorie unzutreffend sein?
      Eine Theorie ist eine ausformulierte These, die wenn’s geht mit gelungenen Experimenten bewiesen wird, so lange bis andere Experimente (mit anderen, resultierenden Thesen, die zu neuen Theorien führen) sie widerlegen. Außerhalb der Naturwissenschaft geht man ähnlich vor, um neue Theorien zu formulieren, bloß das Experiment ist schwierig, und manchmal ist es nicht möglich: In der Geschichtswissenschaft etwa kann es kein Experiment geben. Trotzdem gibt es da allgemein gültige Theorien. Manche sind vielleicht faktisch oder historisch falsch.

      Es sind Verschwörungstheorien denkbar und feststellbar, die sich durch Dokumente und durch glaubhafte Aussagen beweisen lassen. Etwa die Zusammenarbeit von Obama und Killary Clinton mit den Putinrussen lässt sich beweisen (es wird grad bewiesen; diese Mühlen mahlen leider langsam), und die internationalen Geldflüsse pro BDS und pro Israel-Dämonisierung lassen sich ja auch beweisen.
      Das wären dann bewiesene Verschwörungstheorien.

    • So etwas zu behaupten ist absolut lächerlich!

      Genau so gut hätten Sie in der UdSSR behaupten können, die Pravda sei kein Staatsmedium.

      Die SRG wird zu 100% vom Staat finanziert und kontrolliert.

      Sie sagt nur das, was der Verwaltung (nicht dem Parlament!) genehm ist.

      70% aller „Journalisten“ sind bei der SP oder den Grünen, also bei den Parteien der Staatsangestellten, und machen für deren Wünsche Propaganda.

      Alles andere ist gelogen.

      • Lol. Nehmen Sie’s mit Humor. Der Justsaying meint hoechstwahrscheinlich, dass oeffentlich-rechtlich resp. dessen Schweizer Variante nichts Staatliches seien, und vor Allem hofft er, dass man ihm das erstaunlich dumme Geluege abnehme.

        Lea Pluess und ich hatten weiter unten gewettet, dass etwa so einer heut auftauchen werde, also ein Antisemit oder ein proSRGler. Haha, die Wette wurde gewonnen.

    • @ Justsaying:
      Weshalb weisen die Staatsjournalisten vom Staatsfunk und ihre Unterstützer dann immer so staatstragend darauf hin, dass man die Zwangsgebühren auch dann bezahlen müsse, wenn man keinen Fernseher besitzt resp. keine SRF-Produkte konsumiert, weil man ja auch für den staatlichen Eisenbahnbetrieb SBB, die staatliche Volksschule, das staatliche Postunternehmen Die Schweizerische Post sowie die Strassen Steuern bezahlen müsse, auch wenn man diese nicht benutze?

      Ein bisschen Konsistenz in der Argumentation wäre schon wünschenswert.

  1. Danke für den sachlichen Artikel, der in jeder Hinsicht faktisch ist.

    Wetten, dass hier spätestens morgen der erste Antisemitizist auftaucht und behauptet, es gebe eine hmähm Verschwörung der Judenlobby gegen den guten Dr. Ganser und gegen den heiligen Staatsfunk?

    • Ich wette mit. Zu mindest taucht eine pro SRG Antwort auf und natürlich ist in der Schweiz kein Antisemitismus fest zu stellen! 🙂

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