Leif Simonsen – aus dem Leben eines journalistischen Hinterbänklers

David Klein fullsizerender

Extra früh aufgestanden, in froher Erwartung einer Verurteilung händereibend zum Gericht gepilgert, um im Auftrag der «Schweiz am Sonntag» diesem Rassisten Klein mal so richtig den Marsch zu blasen, und dann das: Freispruch.

Fast hätte man so etwas wie Mitleid mit Leif Simonsen haben können, diesem schmächtigen Häufchen Journaille, wie er nach der Urteilsverkündung mit seinen löcherigen Röhrchenjeans und dem ungewaschenen, verfilzten Wollpullover im Vorraum des Basler Appellationsgerichts herumlungerte, die Enttäuschung über das Urteil förmlich ins Gesicht geschrieben.

War es der Frust darüber, seinen bereits geschriebenen Text neu verfassen zu müssen, der ihn derart gegen mich aufbrachte? Oder dass ich ihn dabei erwischt hatte, wie er – entgegen den gerichtlichen Anordnungen und reichlich ungeschickt – sein Handy in den Gerichtsaal schmuggeln wollte? Oder war es doch meine zugegebenermassen etwas schadenfrohe Mail (naja, ein bisschen Spass muss schon sein, nach zwei Jahren ungerechtfertigter Stigmatisierung), die ihn letztlich zu einer faktenfreien «Character Assassination» in der «Schweiz am Sonntag» animierte, statt sich mit der Tragweite des mutigen und visionären Urteils zu befassen?

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Simonsen bezieht sich in seinem ad hominem Feldzug gegen mich auf meine Mail an ihn, beklagt meinen Mangel an «Demut» und lamentiert: «Noch ehe die «Schweiz am Sonntag» die bereits verfassten Fragen über sein Befinden nach dem Freispruch sowie mögliche neue Musikprojekte gemailt hatte, fuhr der Jazzmusiker seine nächste Attacke.»

Hier stellt sich unweigerlich die Frage, weshalb der mitfühlende Lokalreporter sich nicht an Ort und Stelle nach meinem «Befinden» und meinen «Musikprojekten» erkundigte. Schliesslich hatte mich Simonsen im Vorfeld des Gerichtstermins mehrmals kontaktiert, um nach der Verhandlung «am Rande» mit mir zu sprechen. In einem längeren off-the-record-Gespräch hatte ich ihn ausserdem ausführlich über meine Projekte informiert. Darüber, wie Simonsen mit vertraulichen Informationen umgeht, später mehr.

Rufmord

Fakt ist, Simonsen hat mit «Der Missverstandene» ein Pamphlet abgeliefert, das objektiv gesehen, sämtliche geltenden Kriterien des Rufmords erfüllt:

• vorsätzliche falsche Anschuldigungen
• das Verbreiten von Gerüchten, irreführenden Übertreibungen, Beleidigungen, Verleumdungen und/oder Halbwahrheiten
• die Manipulation von Informationen
• herabwürdigende Anspielungen
• die Verbreitung von Falschinformationen
• ungerechtfertigte und exzessive Kritik
• beabsichtigte, narzisstische Darstellung, mit dem Vorsatz einer negativen und unsympathischen Wahrnehmung meiner Person
• negative Anspielungen auf meinen jüdischen Glauben und die Verwendung des antisemitischen Stereotyps des «rachsüchtigen Juden»

Partik Müller sieht «keinen Anlass für eine Replik»

Um es gleich vorweg zu nehmen, Patrik Müller, Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag», beurteilt den Artikel, in dem Simonsen vorsätzlich falsche Anschuldigungen, Gerüchte, Falschinformationen und Halbwahrheiten verbreitet, Informationen manipuliert sowie antisemitische Stereotype bemüht, auf meine Nachfrage und nach meiner Forderung einer Gegendarstellung, als «fair und sachlich» und sieht «keinen Anlass für eine Replik».

Hier zeigt sich exemplarisch der Unterschied zwischen dem Schweizer Medienmainstream und der «Basler Zeitung». Dort erhielt die gottlob gescheiterte Regierungsratskandidatin und Israel-Boykotteurin Heidi Mück gleich zwei Mal die Möglichkeit einer Richtig- beziehungsweise Gegendarstellung, wenngleich sich diese in beiden Fällen in Schutzbehauptungen, Worthülsen und mantraartig wiederholten Falschaussagen erschöpften.

Simonsen zitiert aus off-the-record-Gespräch

Im Rahmen seiner obsessiven Prämisse, mich und meine Leistungen zu diskreditieren, liess sich Simonsen ausserdem zum journalistischen Kardinalfehler schlechthin hinreissen: Er zitiert bedenkenlos aus dem oben erwähnten off-the-record-Gespräch.

Hintergrundinformationen aus sogenannten off-the-record-Gesprächen sind für Journalisten unverzichtbar. Sie vertiefen das Verständnis für das jeweilige Thema und führen oft zu anderen wichtigen Quellen. Vertrauliche Informationen zu veröffentlichen ist ein journalistisches No Go. Wenn aber besagte Informationen auch noch falsch wiedergegeben werden, wie in Simonsens Fall, erfüllt das den Tatbestand der Rufschädigung.

Ein anderer Journalist einer bekannten Wochenzeitung, die mir im Gegensatz zur «Schweiz am Sonntag» eine Gegendarstellung zugestand, beging den gleichen Fehler, jedoch mehr aus Unachtsamkeit, denn aus Hinterfotzigkeit, wie Simonsen. Diesem Journalisten war die Brisanz des Sachverhalts bewusst und er bat mich, in meiner Richtigstellung nichts davon zu erwähnen:

«Ich würde nie bewusst aus einem off-the-record-Gespräch zitieren, sonst könnte ich als Journalist einpacken, da mir alle Informanten zurecht abspringen würden.»

Presserat rügt «Schweiz am Sonntag»

Derartige Skrupel haben offensichtlich weder Simonsen, noch sein Chef Patrik Müller. Wobei das Wort «vertraulich» im Zusammenhang mit Leif Simonsen ohnehin ein Oxymoron ist.

Das wiederum erstaunt wenig. Den grobfahrlässigen Umgang mit der Wahrheit sowie der Intim- und Privatsphäre anderer Leute von Müller und seinen journalistischen Heckenschützen, bestätigt das Résümé Nr. 23/2016 des Presserats vom 11.06.2016, gemäss dem die «Schweiz am Sonntag» Artikel Ziffer 7 über den Schutz der Privatsphäre der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten schwer verletzt» hat.

Falschinformationen, Verzerrungen, Hörensagen und Verleumdungen

Auf sämtliche Falschinformationen, Verzerrungen und Verleumdungen einzugehen, mit denen Simonsen meine vermeintlichen charakterlichen Defizite zu dokumentieren versucht, würde hier den Rahmen sprengen. Nur so viel:

Die von mir mitgegründete Klezmer-Band «Kol Simcha» hat sich nicht «aufgelöst», wie Simonsen völlig haltlos behauptet. Aber die wenigen Klicks Recherchearbeit, die das belegen, haben den journalistischen Hinterbänkler offensichtlich überfordert. Dass eine erfolgreiche Band, die seit 20 Jahren bis heute existiert, sich «aufgrund der Eitelkeit Kleins» aufgelöst haben soll, wie der Schreiberling das von einem «Freund eines früheren Bandmitglieds» erfahren haben will, ist demnach nichts anderes als pure Verleumdung. Dass es jedoch in einer Band, die länger zusammen war und ist, wie die meisten Ehen halten, auch immer wieder mal kriselt, beweist ein TV-Auftritt von Olivier Truan, dem Pianisten von «Kol Simcha», bei «Aeschbacher» aus dem Jahr 2013. Dort erzählt Truan, er hätte aufgrund einer «Krise als Komponist», die Band auflösen wollen. Er machte diesen Entscheid zwar rückgängig, es dürfte jedoch einigermassen nachvollziehbar sein, dass auch hier nicht meine vermeintliche Eitelkeit der Grund für Truans Krise gewesen sein kann, da ich seit 2006 kein Bandmitglied mehr bin.

Auch mit der Aussage, Anna Rossinelli wolle «heute keinen Kommentar zu Klein abgeben», impliziert Simonsen, ich hätte mir Anna gegenüber etwas zuschulden kommen lassen. Sagen wir mal so: Hätte ich Anna so behandelt, wie sie mich, würde ich an ihrer Stelle ebenfalls keinen Kommentar abgeben wollen. Damals las ich in einem Interview von Anna: «Ich erlebe heute Dinge, für die andere Musiker zehn Jahre harte Arbeit benötigen. Da denke ich manchmal schon, «ist eigentlich unfair». Tja, liebe Anna, «unfair» trifft es ziemlich genau.

Ob ich mit Anna und den bis in die letzte Faser ihrer gebührengesättigten Existenz unfähigen Sesselfurzern des SRF – die ein serviler Simonsen gegen meine «Vorwürfe» glaubt verteidigen zu müssen – zu hart ins Gericht gehe, kann man hier nachlesen.

Kranker Journalismus

Der deutsche Bundesrichter Thomas Fischer sagte kürzlich über (nicht alle) Journalisten:

«Wichtigtuerei ist ihre Berufskrankheit, Ahnungslosigkeit ihre Verfassung und grottenfalsche Texte ihr Geschäft. Wie Kritikabwehr, Selbstgefälligkeit und reflexhafte Vorneverteidigung funktionieren, muss man ihnen nicht erklären. Sie gefallen sich in Larmoyanz, wenn es um die geringste Kritik an ihren eigenen Fehlleistungen geht, meinen aber zugleich, jeder Tag, an dem sie nicht fünf angebliche Fehlleistungen anderer Menschen öffentlich anprangern, sei ein verlorener Tag für den Pulitzerpreis.»

Simonsen, der in seiner Unperson alles vereint, an dem (nicht nur) der Schweizer Journalismus (oder was sich dafür hält) krankt, dem jegliche Objektivität und Faktentreue abgeht und für den Berufsethik, Anstand und Fairness auf immer ein Buch mit sieben Siegeln bleiben werden, darf mit einigem Stolz für sich beanspruchen, diesem Bild voll und ganz zu entsprechen.

2 Gedanken zu “Leif Simonsen – aus dem Leben eines journalistischen Hinterbänklers

  1. David Klein, lieber David Klein, um höflich zu sein: Hör endlich auf mit deiner Menschen verachtenden Rede gegenüber jeden und jede, der/die nicht in dein Weltbild passt. Hör endlich auf, alle als dumm zu brandmarken, die deine krankhafte Vorstellung von einem, so nicht existierendem Judenhass, in allen Ecken unserer heutigen westlichen Gesellschaft nicht teilen. Die meisten Leute, finde ich, haben kein Problem mit Juden. Keins! Die allermeisten Leute, finden es schrecklich, wozu der Judenhass führt und führte. Ich auch.
    Ich bitte dich, in aller Bescheidenheit: Mach Musik! Es verbindet. Barenboim scheint dies zu verstehen.
    Deine rechtsliberalen Freunde dagegen, schüren heute aufs Neue den blinden Rassenhass. Willst du das wirklich?

    • Dafür, lieber Markus Seger, dass Du auf deiner Website behauptest, Texten sei dein «Kerngeschäft» und Du dich über schlechte Kommunikation «fürchterlich aufregen» kannst, klingst Du, um höflich zu sein, mit Verlaub, reichlich inkohärent. Leute wie Du, die sich damit brüsten wahrhaftige Kommunikations-Genies zu sein, haben leider oft keine Ahnung wovon sie sprechen (Judenhass). Aber glücklicherweise entscheidest nicht Du, was ich in meiner «krankhaften Vorstellung» zu tun und lassen habe. Ich weiss ausserdem nicht, wen Du als meine «rechtsliberalen Freunde» bezeichnest. Zu Barenboim hätte ich einiges zu sagen, ich glaube aber, dass es bei Dir vergebliche Liebesmühe wäre. Ich bitte Dich in aller Bescheidenheit: Mach Grafik! Und schweig zu Dingen von denen Du nichts verstehst.

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