Und der Papst hat es doch nicht gesagt

Am 16. Mai 2015 veröffentlichte SRF einen Beitrag, in dem es fälschlicherweise gleich 4 Mal behauptete, der Papst Franziskus habe den Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas als Friedensengel bezeichnet. Als ich SRF auf den Fehler hinwiesen, hatten die Verantwortlichen kein Einsehen und weigerten sich, eine Korrektur vorzunehmen. Siehe: HIER!

Vor ein paar Tagen wies ich auch die Schweizerische Depeschenagentur AG (sda) darauf hin, dass es sich um einen Übersetzungsfehler handle. sda hatte, wie SRF auch, behauptet, der Papst hätte Abbas einen Friedensengel genannt. Im Unterschied zu SRF ging die sda dem Hinweis jedoch sofort nach, stellte fest, dass es sich tatsächlich um einen Übersetzungsfehler handelt und korrigierte diesen, wie es die richtige Profis tun. Details siehe HIER!

Nun wandte ich mich erneut an SRF mit dem Hinweis, auf den Entscheid der sda. Dadurch sah sich auch SRF veranlasst noch ein Mal den Sachverhalt zu überprüfen. Bei der erneuten Prüfung wurde festgestellt, dass es sich tatsächlich um einen Übersetzungsfehler gehandelt hat, wie mir gestern Abend Fredy Gsteiger, Stellvertretender Chefredaktor Radio/Deputy Editor-in-Chief Radio, in einer E-Mail mitteilte. [Ganze E-Mail ist am Textende zu finden]
Heute wurde der umstrittene Beitrag auch von der SRF-Webseite gelöscht. Ich bin wirklich froh, dass diese unappetitliche Geschichte endlich ein Ende findet. Ob Löschung oder doch ein Update richtig gewesen wären, darüber lässt sich streiten – ist jedoch sekundär.

Nein, mit diesem Beitrag möchte ich nicht nachtreten. Im Gegenteil. Danke, liebes SRF-papst_nennt_abbas_friedensengel@1x
Team, dass Sie den Fehler korrigiert haben. Zudem möchte ich mich für meine Wortwahl in der ersten E-Mail entschuldigen. Es ist zwar keine Rechtfertigung, aber ich hatte mich leidenschaftlich aufgeregt. Leidenschaftlich, weil mir die Brisanz der Fehlübersetzung rasch klar war. Es ist die Konstellation Papst Franziskus und der Schurke Abbas.

Zu Recht empörten sich viele Menschen über die Meldung und nannten sie skandalös. In der Tat, es wäre auch für den oberflächlichen und äusserst mitteilungsbedürftigen Papst Franziskus ein Skandal gewesen, hätte er Mahmud Abbas einen Friedensengel genannt. Denn Abbas ist alles andere als ein Engel und schon gar nicht will er den Frieden auf der Erde.
Abbas ist ein Holocaustleugner, der sich illegal an der Macht hält, Hilfsgelder in die eigene Tasche wirtschaftet, den palästinensischen Kinder die Kindheit raubt und sie zu Terroristen erzieht, die eigene Bevölkerung mit Lügen gegen Israel aufhetzt usw.

Nun wird sich die Falschübersetzung von der SRF-Webseite nicht mehr weiterverbreiten und das ist ein Gewinn für den Qualitätsjournalismus, den auch SRF für sich beansprucht. Auf einen gemeinsamen Nenner können sich SRF, Papst und ich einigen: Wir wünschen auch, Abbas SOLLE ein Friedensengel sein und sich für den Frieden aktiv einsetzen. Damit würde er seiner eigenen Bevölkerung Gutes tun, sowie Israel und der ganzen Welt. Allein, mir fehlt die Hoffnung.

Von: Gsteiger, Fredy (SRF)  
Gesendet: Donnerstag, 14. Januar 2016 16:28
An: Dani Brandt
Cc: Borner, Lis (SRF); Matter, Rudolf (SRF)
Betreff: Papst/Abbas

Sehr geehrte Frau Brandt,

ich bin aufgrund Ihrer letzten Intervention der Sache selber nochmals nachgegangen.

Wie Kollege Christoph Brander Ihnen bereits früher schrieb, basieren unsere Meldungen in den Radio-Nachrichten sowie ein Grossteil unserer Online-Kurzbeiträge auf Agenturmaterial. In diesem Fall wird online die „dpa“ als Quelle genannt. Vermutlich wurde die entsprechende „dpa“-Meldung von der „sda“ übernommen.

Wir wählen die Agenturen, die uns als Quellen dienen, sorgfältig aus und berücksichtigen selbstverständlich deren Reputation und Verlässlichkeit. In den allermeisten Fällen können wir uns in der Tat auf sie verlassen. Hundertprozentig lassen sich indes Fehler und Irrtümer nie und nirgends ausschliessen.

Es ist uns schlicht nicht möglich, sämtliche der hunderten von Nachrichtenmeldungen, die wir täglich verwenden, selber nachzurecherchieren. Der Aufwand dafür wäre enorm und überstiege unsere Kapazitäten bei weitem.

Im vorliegenden Fall handelte es sich offensichtlich um einen Übersetzungsfehler. Der autorisierte, schriftliche Originaltext der Papstaussage lag uns zum Zeitpunkt, als die Agenturmeldung eintraf, nicht vor. Möglicherweise existierte er da noch gar nicht. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass der Papst den Konjunktiv gewählt hat und mit seinen Worten nicht sagen wollte, Abbas sei tatsächlich ein Friedensengel. Der Papst drückte lediglich die Hoffnung aus, er möge zu einem solchen werden. Ein wichtiger Unterschied.

Wie dem auch sei: Die bei uns publizierte Aussage im Indikativ war falsch. Diesen Fehler gestehe ich ein und bedaure ihn. Ich schliesse mich damit ohne Wenn und Aber der Entschuldigung des SDA-Kollegen Winfried Koesters an.

Nicht akzeptieren kann ich jedoch den Vorwurf der Lüge. Eine solche setzt Absicht, setzt Mut- oder gar Böswilligkeit voraus. Es ist jedoch unser ganz zentrales Anliegen, sachgerecht und fair zu berichten. In einem derart heiklen, langwierigen und emotional aufgeladenen Konflikt wie dem israelisch-palästinensischen ist das besonders geboten.

Und wie Sie es anmahnen, gebührt jenen, die uns auf Fehler und Irrtümer aufmerksam machen, Dank. Sie helfen uns weiter. Ihnen deshalb: un grand merci!

Mit freundlichen Grüssen

Fredy Gsteiger
Stellvertretender Chefredaktor Radio/Deputy Editor-in-Chief Radio

Schweizer Radio und Fernsehen/Swiss Radio and Television SRF
Schwarztorstrasse 21, CH-3000 Bern 14

Update: Schweizer Journalist 02.03.2016

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4 Gedanken zu “Und der Papst hat es doch nicht gesagt

  1. Es gibt immer noch genug darüber zu berichten, was der Papst oder der Vatikan gesagt oder nicht gesagt hat.

    Betreffend Juden, Judentum und dem Jüdischen Staat Israel.

    Inzwischen hat der Vatikan einen künftigen Staat „Palästina“ anerkannt, mit Jerusalem als Hauptstadt. Das ging schnell, nicht jahrzehntelang wie mit Israel, mit Tel Aviv als Hauptstadt. Obwohl die PA und der Islam die Christen im Nahen & Mittleren Osten dezimieren und obwohl nur in Israel sich Christen frei und ungefährdet entfalten können.

    Die PA sind bekannterweise meisterhafte Geschichtsklitterer und Lügner. Das kann der Vatikan allemal auch: Irgendwann wird die Welt erfahren, dass Jeschu ben Pantera kein Jude, sondern ein Prä- Palästinenser war, und dass Israel von Rechtes wegen der katholischen Kirche gehört, weil die Juden damals den Jeschu ben Pantera nicht als Messias und Sohn Gottes anerkannten.

    Und, dass der Vatikan deshalb in Israel keine Steuern zahlen muss, der grösste private Grundstückbesitzer in Israel ist, und weiterhin antisemitisches Gift wie seit bald 2000 Jahren verspritzt.

    http://www.breakingisraelnews.com/60162/nostra-aetate-confronts-catholic-anti-semitism-opinion/?utm_source=Breaking+Israel+News&utm_campaign=a48a234457-BIN+Op-ed+RSS&utm_medium=email&utm_term=0_b6d3627f72-a48a234457-86804037#yj0yvfbfEZKtgji4.97

  2. Pingback: Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) gesteht Fehler ein bei Nahost-Bericherststattung « World-Media-Watch

  3. Das ist genau die Art der differenzierten Diskussion, die ich mag. Hier wurde exakt recherchiert und sowohl Dani Brandt als auch Fredy Gsteiger und der Kollege vom SDA haben in ihren abschließenden Statements die richtigen (in meinen Augen logischen) Worte gefunden.

    Ich möchte nicht wissen, wie bei uns der WDR oder ZDF-Heute geantwortet hätten – wenn sie es überhaupt für notwendig gehalten hätten, zu antworten.

    Aber, wie sagte doch Serdar Homuncu: die Schweizer sind eben die besseren Nazis.

  4. Liebe Dani

    Danke, dass Du so ekelhaft hartnäckig bist! Gut, dass SRF den Artikel vom Netz genommen hat. Allerdings: Was einmal in die Welt hinaus posauniert worden ist, lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Mir wäre lieber gewesen, wenn SRF die Grösse gehabt hätte, den Fehler einzugestehen. Ich weiss nicht, wie viele Leute Du mit Deiner „etwas anderen Kritik“ erreichst, ganz sicher aber nur einen Bruchteil von den SRF-Konsumenten.

    Nun, SRF weiss jetzt, dass es da eine ebenso hartnäckige wie giftige Person gibt, welche mit Argusaugen über SRF wacht. Das ist doch auch gut.

    Gute Nacht und liebe Grüsse

    Béatrice

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