Wie sich SRF selbst überflüssig macht

Update: 15.01.2016, Siehe: Und der Papst hat es doch nicht gesagt! 

Gesendet: Donnerstag, 11. Juni 2015 um 14:42 Uhr
Von: „Dani Brandt“
An: „Greogr Meier“, „Rudolf Matter“, „Urs Leuthard“, „srf@srf.ch“
Betreff: Beitrag vom 16.05.2015, Bitte um Korrektur
Sehr geehrte Damen und Herren

Mit dieser Mail mache ich Sie auf eine Lüge aufmerksam, die Sie wiederholt verbreitet haben.
Ich bitte Sie, diese öffentlich zu korrigieren.

Am Samstag, den 16. Mai 2015, strahlten SRF den Beitrag aus «Papst nennt Abbas Friedensengel»:

http://www.srf.ch/news/international/papst-nennt-abbas-friedensengel

Die Aussage «Papst nennt Abbas Friedensengel» ist eine Lüge. Nicht der Papst,

papst_nennt_abbas_friedensengel@1x

Screenshot SRF

sondern das Meinungskartell der Journalisten bezeichnet den Holocaustleugner Abbas als «Friedensengel».

Haben Sie das einfach ungeprüft abgeschrieben? Oder versteht niemand bei SRF italienisch? Oder lügen Sie mit Absicht?

Jorge Mario Bergoglio schenkt jedem Politiker resp. Regierungschef den gleichen Friedensengel und er sagt dazu stets dasselbe. So sagte er zu Abu Mazen, als er ihm ein Medaillon mit einem Friedensengel schenkte, wie er das traditionell bei allen Politikern macht:
«L’angelo della pace distrugge lo spirito cattivo della guerra. Ho pensato a lei: che lei possa essere un angelo della pace».
http://vaticaninsider.lastampa.it/vaticano/dettaglio-articolo/articolo/palestina-palestine-palestina-vaticano-vatican-vaticano-41113/

Also auf Deutsch:
«Der Engel des Friedens zerstört den bösen Geist des Krieges. Ich dachte an Sie: Dass Sie ein Friedensengel sein können/Seien Sie ein Friedensengel.»
Auf Englisch:
«As is tradition with heads of State or of government, Francis presented a gift to the Palestinian leader, commenting: “May the angel of peace destroy the evil spirit of war. I thought of you: may you be an angel of peace.” Pope Francis had called Abu Mazen a “man of peace” when he visited Bethlehem in May 2014, just as he called the then Israeli Prime Minister, Shimon Peres, a “man of peace” during his subsequent visit to Jerusalem.»
http://vaticaninsider.lastampa.it/vaticano/dettaglio-articolo/articolo/palestina-palestine-palestina-vaticano-vatican-vaticano-41113/

Der Papst sagte NICHT: «Sie SIND ein Friedensengel.»

So lügten Sie ihre Zuschauer an – gleich vier Mal (!) auf wenigen Zeilen:
«Papst nennt Abbas Friedensengel»
«Ich musste an Dich denken, weil Du ein Friedensengel bist.»
Dann sagte Franziskus zu Abbas: «Ich musste an Dich denken, weil Du ein Friedensengel bist.»
Und nochmals auf dem Video: «Franziskus zu Abbas: Du bist ein Friedensengel.»

Nicht, dass ich etwas darauf gebe, was der Papst sagt, aber es ist nun mal ein Unterschied, ob man zu jemandem sagt: «Du bist ein Friedensengel.» Oder: «Seien Sie ein Friedensengel.»

Ich bitte Sie, diese Aussage öffentlich zu korrigieren. Oder haben Sie Ihren Fehler schon korrigiert und ich habe es verpasst? Dann wäre ich Ihnen dankbar, wenn Sie mir dies zeigen könnten.

Mit freundlichen Grüssen

Dani Brandt

PS. Gestern meldete SRF: Papst mahnt Putin zum Frieden. Da geht’s plötzlich mit dem Italienisch-Übersetzen.

Gesendet: Donnerstag, 11. Juni 2015 um 16:22 Uhr
Von: „Brander, Christoph (SRF)“
An: „Dani Brandt“ 
Betreff: AW: Beitrag vom 16.05.2015, Bitte um Korrektur

sehr geehrter herr brandt.
wir haben als basis für unseren artikel die meldung der deutschen presseagentur dpa verwendet, eine zuverlässige quelle. auch andere agenturen berichteten identisch. tatsächlich ist es so, dass die „stampa“ den papst anders zitiert. eine offizielle, vom vatikan autorisierte version der aussage gibt es nicht. es handelt sich hier also nicht um mangelndes übersetzungstalent unsererseits oder um böse absicht (wie sie vermuten), sondern um eine unklare quellenlage.
besten dank für ihr verständnis und freundliche grüsse, christoph brander

Christoph Brander
Stv. Leiter SRF News

Schweizer Radio und Fernsehen
Fernsehstrasse 1-4 – 8052 Zürich

Von: Dani Brandt 
Gesendet: Freitag, 12. Juni 2015 12:22
An: Brander, Christoph (SRF); Kundendienst SRF (SRF)
Betreff: Aw: AW: Beitrag vom 16.05.2015, Bitte um Korrektur

Sehr geehrter Herr Brander

[Es ist Frau, nicht Herr Brandt!]

Haben Sie vielen Dank für Ihre prompte Rückmeldung. Es freut mich immer wieder, wenn Mitarbeiter von SRF mir schriftlich beweisen, wie überflüssig SRF sich selber macht. SRF argumentiert bezüglich der Rechtfertigung der enormen Billag-Gebühren ja immer wieder mit den Phrasen «Qualität» und Auslandkorrespondentennetz. Dabei copy-pasted SRF einfach Beiträge von anderen Agenturen ohne diese nachzurecherchieren – und noch nicht mal im Nachhinein zu korrigieren, obgleich diese Agenturen eine Korrektur herausgegeben haben.

Die ursprüngliche Nachricht stammt von AP und nicht von dpa.

Wenn SRF eine unklare Quellenlage hat, dann nimmt SRF also jene zu Ungunsten Israels. Danke, dass Sie mir das so deutlich klarmachten und schriftlich geben.

Während nun andere Medien, die zuvor berichteten hatten, dass der Papst Abbas einen Friedensengel genannt habe, soviel Rückgrat und Professionalität besitzen, die Kontroverse über diese Aussage nochmals aufzunehmen und den Papstsprecher Lombardi zu zitieren, schweigt sich SRF aus.

SRF macht sich selbst überflüssig. Und das ist die gute Nachricht.

– Pope ‚angel of peace‘ Abbas comment was encouragement: Vatican

– http://edition.cnn.com/2015/05/18/living/pope-abbas-angel/

– http://bigstory.ap.org/article/8bed117d12ff4564a10c92dd6b18e829/correction-vatican-palestinians-story

– http://www.newsweek.com/did-pope-actually-call-abbas-angel-peace-333064

Mit freundlichen Grüssen

(Frau) Dani Brandt

Gesendet: Freitag, 12. Juni 2015 um 13:32 Uhr
Von: „Brander, Christoph (SRF)“ <Christoph.Brander@srf.ch>
An: „Dani Brandt“ <dani.brandt@gmx.ch>
Betreff: AW: AW: Beitrag vom 16.05.2015, Bitte um Korrektur

sehr geehrte frau brandt.

herzlichen dank für die links, die sie mir gestern noch geschickt haben. diese artikel machen ziemlich deutlich, dass das problem nicht bei srf, dpa oder anderen identisch berichtenden medien liegt, sondern wohl im vatikan selber.

es dürfte sich hier also um einen der immer häufiger werden fälle handeln, wo die entourage des papstes nach einer seiner spontan-aussagen schadensbegrenzung zu machen versucht. die nervosität im direkten umfeld des „spontifex“ nimmt bekanntlich zu und liefert bereits stoff für mehrseitige titelgeschichten.

wir sehen deshalb keine veranlassung, eine aussage zu berichtigen, die nicht nachweislich falsch ist, resp. von offizieller seite als falsch moniert wurde.

freundliche grüsse,

christoph brander

Fazit: Sie kapieren es einfach nicht. Andere Medien haben es korrigiert oder differenziert. SRF bleibt bei seinen Lügen, obwohl sogar AP es korrigierte.

5 Gedanken zu “Wie sich SRF selbst überflüssig macht

  1. Wäre der Kommentar über ein moslemisches Thema, dann hätte SRF SOFORT reagiert. Doch es macht den Anschein, dass es um Israel und Abbas geht,also lässt man es stehen,obwohl es andere Nachrichten änderten

  2. Unabhängig davon, ob die ursprüngliche Original-Meldung missverständlich war, es stünde der SRF gut an, solche Missverständnisse nachträglich zu erwähnen und die Aussagen zu relativieren.
    Was nützt uns ein staatlich aufgezwungenes Informationssystem, das sich nicht korrigiert, um die Dinge richtig zustellen.

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