König Didier I.

david-dc3bcrrDavid Dürr

Seit vorgestern haben wir ja wieder einen neuen König. Didier I. von und zu Neuenburg hat in der Neujahrsnacht sein Amt als oberster Herrscher der Schweiz angetreten. Die ganze Bevölkerung hat ihm und Königin Friedrun von Österreich mit Feuerwerken und knallenden Champagnerkorken begeisterte Ergebenheit gezeigt. Gnädig, wenn auch etwas blaublütig steif und in einem etwas gar gebrochenen Deutsch, hat er die Huldigungen seiner Untertanen entgegen genommen und gelobt, für sie immer nur das Beste zu wollen.

Anlass zu dieser Inauguration gab bekanntlich der Rücktritt des bisherigen Königs Ulrich II. von und zu Hinwil, vom Volk auch liebevoll Ueli genannt. Normalerweise treten Könige zwar nicht einfach ab, sondern beenden ihr Amt – wenn schon – durch Tod oder Revolution. Doch beim Wechsel von Ulrich zu Didier war etwas ganz anderes der Grund, etwas viel friedfertigeres: Das Amt Ulrichs war nämlich – im Unterschied zu sonstigen Königen – von allem Anfang an auf ein einziges Jahr beschränkt. Dies hatte man noch dadurch unterstrichen, dass man seinen Königstitel gar nicht eigens erwähnte, sondern bloss vom „Bundespräsidenten“ sprach. Und nach Ablauf dieses Amtsjahres war Ulrich II dann so fair, sich an diese Abmachung zu halten. Wie ja auch schon seine Vorgängerin Eveline II. von den Schlumpfs.

Ulrich II. ist übrigens nicht zu verwechseln mit Ulrich I. Ochsenbein von Schwarzenegg, einem der engagiertesten Initianten des im Jahr 1848 neu proklamierten Vereinigten Schweizerischen Königsreichs. Allerdings war jener erste Ulrich insofern glücklos, als er es wegen unschöner Hofintrigen bloss zum Vizekönig geschaffte hatte und sich dann trotzig nach Frankreich absetzte. Dort krönte man ihn zwar ebenso wenig zum König, doch traf er wenigstens einen königlichen Seelenverwandten, bei dem er dann noch eine schöne Militärkarriere machte. Dieser Seelenverwandte war Napoleon III., der im nachrevolutionären Frankreich zunächst so tat, wie wenn er bloss Staatspräsident auf vier Jahre wäre. Doch schon vor Ablauf seiner ersten Amtszeit outete er seine wahre Stellung, erklärte sich zum königlichen Regenten und liess sich kurz darauf zum Kaiser der Franzosen auf Lebenszeit krönen.

Doch zurück zu unserer schweizerischen Gegenwart und zur Ablösung von Ulrich II. durch Didier I. Wegen des doch recht häufigen Personalwechsels an der Spitze unseres vereinigten Königreichs hört man immer wieder Stimmen, die behaupten, die Schweiz sei eigentlich gar keine Monarchie, sondern schon fast so etwas wie eine Demokratie. Eine vielleicht originelle, aber doch ziemlich wirklichkeitsfremde These. Zwar mag es ja sein, dass das dem Königshof angegliederte Parlament bisweilen für eine gewisse Volksnähe sorgt. Etwa indem es alle vier Jahre aufgrund einer mässig repräsentativen Volksbefragung zu einem kleinen Teil neu besetzt wird. Doch etwas zu sagen haben diese 246 Hofschranzen nicht wirklich. Gesetzgeber und Vollstrecker in einem ist der König mit seinem Ministerrat und seiner Verwaltungsbürokratie.

Und im Moment ist das nun Didier I. Wir sind gespannt, ob er in einem Jahr wieder abtritt oder ob er es mit Napoleon III. hält. Warten wir’s ab.

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