Warum ich das KEV-Referendum unterstütze

Alex Baur_Die Zürcher ProzesseAlex Baur

Der Ausgangspunkt ist ein Naturgesetz, das derart fundamental und banal anmutet, dass es fast schon peinlich erscheint, es in Erinnerung zu rufen: Wo man Strom rausnimmt, muss man Strom einspeisen – und zwar exakt so viel, wie man rausnimmt, kein Watt mehr und keines weniger. Und da wir die Elektrizität in aller Regel brauchen, wenn wir sie brauchen – und nicht wenn wir wollen -, bestimmt im Wesentlichen die Nachfrage das Angebot. Das heisst: Die Kunst besteht darin, immer exakt so viel zu produzieren, wie gerade gebraucht wird. Sonst kommt es zum ominösen Blackout.

Wir können unseren Konsum zwar da und dort anpassen – etwa indem wir den Elektrospeicher in der Nacht laden oder die Waschmaschine laufen lassen, wenn der Strom am billigsten ist. Aber das ist, insbesondere in der Wirtschaft, die rund zwei Drittel des Stroms verbraucht, nur in sehr geringem Umfang möglich. Müsste eine Firma ihre Produktion – also von den Arbeitsplänen des Personals bis zur Auslastung der teuren Maschinen – nach einer ständig wechselnden Verfügbarkeit von Strom richten, wäre sie schnell bankrott. Die fast unbegrenzte, flexible und fein dosierbare Verfügbarkeit ist der schlagende Vorteil der Elektrizität: Man muss nicht erst tanken, einen Motor anwerfen und hochfahren, wenn man sie braucht – man kippt den Schalter um, und, zack, ist die Energie da.

Die Schweiz verfügt, nicht zuletzt dank ihrer Topographie, über ein nachgerade geniales System der Regulierung: Fünf Kernkraftwerke (rund 40 Prozent des Gesamtproduktion) und Flusslaufkraftwerke (rund 10 Prozent) liefern rund um die Uhr die so genannte Bandenergie; sie sichern gleichsam die Grundversorgung. Fein regulierbare Pump-Speicherkraftwerke in den Alpen liefern die so genannte Regelenergie, also den besonders wertvollen Strom, den man kurzfristig abrufen kann, um die Produktion exakt der Nachfrage anzupassen. Dieses weitgehend CO2-freie System hat uns eine verlässliche, günstige und saubere Stromversorgung beschert (einer der letzten Standortvorteile, der unserer Industrie geblieben ist). Und dieses bewährte System soll nun durch eine „Energiewende“ revolutioniert werden – eine Wende notabene, die in Deutschland gerade am Scheitern ist.

Das Kernproblem liegt neben den exorbitant hohen Kosten daran, dass Solar- und Windanlagen für die Stromversorgung denkbar schlecht geeignet sind. Der teure Zappelstrom, der, je nach Witterung, mal kommt, oder auch nicht, nur ganz sicher nicht dann, wenn man ihn am ehesten brauchen würde (im Winter), ist in der Praxis wertlos. Im besten Fall fällt er nicht ins Gewicht, im schlimmeren Fall stört er die Stabilität der Netze. So sind Tschechien und Polen gerade daran, das eigene Stromnetz gegen Deutschland abzuriegeln, weil sie es satt haben, dauernd die starken Produktionsschwankungen der deutschen Windmühlen auszugleichen. In den aufstrebenden Ländern des Ostens, von Tschechien über Russland und China bis Japan, werden deshalb neue AKW gebaut. Und selbst in Obamas Amerika entstehen (trotz riesiger neuer Gasfunde) neue Atommeiler.

Dazu nur zwei Zahlen: Wollte man Mühleberg, das kleinste AKW in der Schweiz, durch Windmühlen ersetzen, bräuchte es dazu mindestens 600 Megaanlagen (über 130 Meter Nabenhöhe) oder 6000 normale Windräder. Voraussetzung wäre dann immer noch, dass ein Wunder passiert und eine revolutionäre Methode zur langfristigen Speicherung von Strom erfunden würde, die heut nicht existiert. Denn Windrädern stehen in der Schweiz bekanntlich während 80 Prozent der Zeit still.

Bei den Solaranlagen ist der Verschleiss an Ressourcen (Rohstoffe, Landschaft) noch gigantischer, wenn man diesen am kläglichen Ertrag misst. Die Verschandelung der Natur, die hier im Namen der Ökologie betrieben wird, steht in einem krassen Missverhältnis zum Nutzen. Zum Vergleich: Die Menge an Uran, die im KKW Mühleberg in einem Jahr verbrannt wird, hat (ohne Verpackung) im Kofferraum eines Autos Platz.

Das wissen auch die Leute, die mit hoch subventionierten Windmühlen und Solarzellen Milliarden scheffeln. Sie haben deshalb die 2000-Watt-Gesellschaft auf dem geduldigen Papier entworfen. Das heisst: Der Mensch muss seinen Energieverbrauch erstens radikal einschränken, und zweitens, das ist der springende Punkt, muss sich die Nachfrage dem Angebot anpassen. Und wie immer, wenn man etwas Hässliches kaschieren will, hat man ein englisches Wort dafür erfunden: „Smart Grid“ – das „intelligente Netz“, das den Strom optimal verteilt und jedem sagt, wann er wie viel verbrauchen darf.

Das präzise Wort für „Smart Grid“ auf Deutsch heisst Planwirtschaft: Der Verbraucher muss das konsumieren, was ihm der Staat zuteilt – und wenn das Zentralkomitee dem Volk mehr Bohnen und weniger Fleisch verordnet, dann muss das Volk halt mehr Bohnen und weniger Fleisch essen. In der Theorie. In der Praxis ist die Planwirtschaft bekanntlich immer gescheitert, am Schluss gibt es weder Fleisch noch Bohnen, sicher weiss man nur, wie es endet: im wirtschaftlichen Elend.

Verheerend ist die Planwirtschaft vor allem dort, wo sie Dinge betrifft, die für das Leben von fundamentaler Bedeutung sind: Ernährung, Gesundheit, ein Dach über dem Kopf oder eben die Versorgung mit Energie. Wer in diesen Bereichen an einem gut funktionierenden System herum experimentiert, muss sich die katastrophalen Konsequenzen vor Augen halten, die ein Scheitern nach sich zieht. Umso unverständlicher ist es, dass unsere Politiker auf eine „Energiewende“ setzen, von der zum Vornherein klar ist, dass sie keinen Erfolg haben kann. Nicht weil wir technologisch noch nicht so weit wären, sondern weil – einfach und banal – die Gesetze der Physik dagegen sprechen.

Dass unsere Politiker es trotzdem tun, hat verschiedene Gründe. Die Leute, die heute an den Hebeln der Macht sitzen, sind Kinder des „Wirtschaftswunders“. Materieller Reichtum ist für sie eine Selbstverständlichkeit – die Milch kommt von der Migros, das Geld vom Bancomat und der Strom aus der Steckdose. Gibt es ein Problem, dann löst es der Staat, der uns, von der Kinderkrippe bis zum kostenlosen und nach Wunsch gen Mekka ausgerichteten Grab für alles zuständig ist. „Ich, subito, alles“, lautete das unbescheidene Motto der 68er – alles ist Machbar, wir können uns alles leisten.

Wenn ich etwa mit meiner Schwester (lic.iur.) über die physikalischen Grenzen der Alternativ-Energie diskutiere, sagt sie mir jeweils: „Vielleicht hast Du recht, aber ich finde Ökostrom halt doch irgendwie besser, ich zahle dafür auch gerne ein bisschen mehr.“ Stromversorgung ist für sie so etwas wie eine Gucci-Tasche: Lifestyle. Und wenn Akademiker so daher schwatzen (ich liebe meine Schwester, aber darum geht es hier nicht), frage ich mich bisweilen, ob wir vielleicht einfach zu dekadent sind und ob es überhaupt noch einen Sinn hat, gegen diese Windmühlen zu kämpfen.

Dass man mit der Energiefrage die Menschen kaum elektrisieren kann, weiss ich als Journalist nur zu gut. Das Thema ist unsexy, einfach zu technisch, es verkauft schlecht und ist bei den Inserenten extrem unbeliebt. Das wusste wohl auch der Bundesrat, als er nach Fukushima – obwohl wegen der nuklearen Havarie in Japan bislang kein Mensch gestorben ist und mutmasslich auch in Zukunft niemand sterben wird – aus dem Stand heraus den Atomausstieg beschloss. Zumal die Tsunami-Gefahr in der Schweiz relativ gering ist und – wie sich schnell herausstellte – das Fukushima-Szenario selbst im ähnlich gebauten Mühleberg-Meiler technisch nicht möglich wäre, gab es keinen sachlichen Grund für das überstürzte Handeln. Der Atomausstieg und die „Wende“ waren schlicht und einfach der Preis, den CVP und BDP für den Verbleib von Eveline Widmer-Schlumpf im Bundesrat bezahlten.

Natürlich spielte auch die medial inszenierte Massenhysterie um Fukushima eine entscheidende Rolle. Die Befürworter der Kernenergie, die wenige Wochen zuvor noch für den Neubau von Mühleberg geweibelt waren, kippten wie Dominosteine – ein Phänomen, das mir den letzten Rest an Respekt gegenüber unserer „Classe Politique“ raubte. Dabei wurde einmal mehr schmerzhaft klar: Der Horizont von Politikern reicht prinzipiell nur bis zu den nächsten Wahlen – und wenn sie Visionen haben, dann beziehen sich diese sicher auf einen Zeit, zum Beispiel auf 2030 oder 2050, in der man sie garantiert nicht mehr zur Verantwortung ziehen kann. Die Stromversorgung, die langfristig und umsichtig geplant werden muss, darf man deshalb niemals den Politikern überlassen.

Kernkraftwerke seien, so hiess es nun plötzlich, nicht mehrheitsfähig. Woher weiss man das? Weil es in der SonntagsZeitung stand? Hat nicht das Schweizer Volk den Atomausstieg schon mehrmals an der Urne verworfen, letztmals 2003 mit 65 Prozent Nein? Ist dieser Volksentscheid Makulatur? Wie wäre es, wenn man andere Volksentscheide – etwa das knappe Ja zur Alpenschutz-Initiative, zum Zweitwohnungsverbot oder zur Anti-Rassismus-Strafnorm – einfach so schnell wegkippen würde?

Alternativenergien werden propagiert, um die Illusion zu vermitteln, dass es auch ohne Kernenergie gehe. In Tat und Wahrheit lautet die Alternative, wie schon vor fünfzig Jahren, „Atom oder Fossil“. Etwas anderes haben wir zurzeit schlicht nicht zur Verfügung. Jeder, der auch nur die wichtigsten Grundgesetze der Physik kennt, weiss das. Es ist wie bei der Sage um des „Kaisers neuen Kleider“ – eigentlich sieht es jeder Ingenieur und jeder Physiker, aber keiner traut sich, es offen zu sagen. Jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Die Realität ist bisweilen einfach unsäglich unanständig.

So ganz geheuer ist es den Politikern und Lobbyisten in Bern bei ihrer Energiewende aber offenbar doch nicht. Statt der grossen „Wende“ haben sie nun eine „Wende light“ beschlossen – so ein bisschen will man schon wenden, aber dann doch nicht ganz. Zusätzliche 600 Millionen Franken sollen die Stromkonsumenten jährlich zahlen, um den Bau von Solar- und Windanlagen zu subventionieren. Rechnet man alle bisherigen Subventionen und Subventiönli für Alternativenergien dazu, dürfte die Milliardengrenze überschritten werden. Besonders fatal an der KEV (Kostendeckende Einspeise Vergütung) ist, dass es sich nicht um eine einmalige Auszahlung von Fördergeldern handelt. Der Staat verpflichtet sich vielmehr, den Produzenten den sündhaft teuren „Ökostrom“ während den nächsten 20 Jahren abzukaufen, gleichgültig, ob man diesen brauchen kann oder nicht. Ein Ausstieg aus diesem Subvenziuns-Perpetuum-Mobile gibt es, zumindest finanziell, nicht mehr. Die Zeche für den Irrsinn wird, wie üblich, die nächste Generation zahlen.

Für Grüne und Rote ist der Atomausstieg eine Art religiöses Dogma. Über religiöse Ansichten kann man schlecht streiten, sie sind einfach zu respektieren. Wirklich deprimierend an der ganzen Sache ist, dass sich keine bürgerliche Partei und kein gewichtiger Verband in diesem Land sich gegen den KEV-Unsinn wehrt – und das nicht etwa, weil man an diese unselige Energiewende glauben würde, sondern ganz einfach, weil mit diesem Thema keine Lorbeeren zu holen sind.

Immerhin: In der Schweiz gibt es die direkte Demokratie – und das Referendum. Ein einzelner Bürger, Christian Riesen aus Wangen bei Olten, Informatiker beim Kernkraftwerk Gösgen, mag der sinnlosen Geldverschleuderung und die Verschandelung unserer Umwelt durch Windmühle (für ihn sind es „Vogelschredder“) und Solarpanele (er nennt sie „Sondermülldeponien“) nicht länger zusehen – und hat die Initiative ergriffen, das heisst, ein Referendum lanciert. Es wäre ein echtes Wunder, wenn Riesen als einzelner Bürger, ohne Unterstützung irgendeiner namhaften Gruppierung, in der Zeit von bloss drei Monaten die nötigen 50 000 Unterschriften zusammenbrächte. Aber manchmal kann man nur noch auf ein Wunder hoffen. Allein schon deshalb habe ich, ein Novum für mich, den Unterschriftbogen für das KEV-Referendum vom Internet heruntergeladen, unterschrieben – und gleich noch ein paar Freunde gebeten, ihren Namen auch drunter zu setzen.

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31 Gedanken zu “Warum ich das KEV-Referendum unterstütze

    • wie oder was „tja“? Die Energiestrategie des Bundes ist unabhängig von der Lage in Japan ein riesen Chabis. Das gilt auch für die Deutsche Energiewende. Wenn die Leute keine AKW mehr wollen, ist das zu respektieren. Aber nicht mit einer Idiotie zu quittieren…Bald einmal werden wohl Abwracksubventionen fällig, dass bestehende leistungsschwache PV-Anlagen als Sondermüll entsorgt und durch neue Technologien ersetzt werden können. Leider hinkt die Entwicklung den technischen Möglichkeiten hinterher, weil wir statt zu forschen und zu entwickeln alles Geld in die Montage minderwertiger Technologien stecken. In PV-Anlagen, die über ihre Lebensdauer noch nicht einmal ihre graue Energie zu kompensieren vermögen.

      • @Markus es lohnt sich nicht mit dem Troll Aegler zu diskutieren. Er geht seinem Hobby Stalking nach. Faktenresistent. Wir haben ihn auf der FB-Seite von Naturfreunde für Atomstrom sperren müssen!

  1. Also Die Japanische Bevölkerung Demonstriert ja auch gegen die AKWs. Ausserdem ist bei den AKWs ja nicht das Strom Produzieren (ausser vielleicht bei den Meldungen aus Mühleberg) das Problem sondern der Abfall.
    http://www.tagesschau.sf.tv/Nachrichten/Archiv/2012/07/29/International/Japans-AKW-Gegner-gruenden-Gruene-Partei

    Ich gehe mit Ihnen jedoch einig, dass Windräder und Solarzellen solange keine Option sind, wie es nicht möglich ist den Strom zu speichern. Ausserdem sind diese Windräder wirklich kein Blickfang.

    Schon seid Längerem verfolge ich die Hubspeicherkraftwerke als mögliches Medium grosse Mengen Strom zu speichern. Leider scheint diese relativ effiziente Speichertechnik kaum diskutiert zu werden.

  2. DER ABARTIGSTE ENERGIE-SKANDAL ALLER ZEITEN (top-seriös recherchiert & interviewt vom zdf!).
    purer horror und kriminellste energie-politik, wie sie auch in „naiv heidiland“ nicht wesentlich anders läuft. auch wenn dieses filmli knappe 30 min. dauert. bedingungslose allgemeinbildung für’s dritte jahrtausend, auch für den fossil denkenden alex baur … a must!

    stell dir einfach das ganze „übersetzt auf die ch-politik, ensi etc.“ vor … es kommen viele japanische politiker & leute aus dem jap. atom-biz zu wort … kev-referendum NEIN! NIEMALS!
    >>> http://www.youtube.com/watch?v=9Hnfz06kDiU&feature=player_embedded#

  3. aussage gegen aussage. das referendum wird beim ch-volk keine chance haben. ausserdem ist das märchen vom günstigen atomstrom ne richtig freche, dreiste, fette lüge.
    luo.ch wird nicht gegen die akw-lobby krieg führen, sondern einfach mit erstaunlich grossem budget „berechenbarere energie“ produzieren und exponentiell ausbauen, bis die akw-lobby knickt. die akw-lobby hat schon 40 jahre gelogen, ausgebremst, verzögert, geschwiegen. es gibt kein zurück!
    der zdf-report für die>>> http://www.youtube.com/watch?v=Dk4LcmkgOr0

    • Lieber Beat Aegler, Sie wissen ich diskutiere mit Ihnen nicht, ist mir viel zu blöd, obwohl ich für manche Blödheit zu haben bin. Sogar Bel hat es aufgegeben, wie Sie gemerkt haben… Ebenfalls sollte Ihnen bekannt sein, dass Alex u Christian Sie ignorieren! Aber Sie dürfen selbstverständlich weiter schreiben, wenn Ihnen danach ist.

  4. Der Beitrag ist typisch süffiger Baur-Stil, die Fakten allerdings sind dünn:

    – Zum Naturgesetz: Was will uns Baur damit sagen? Dass auch Atomstrom nicht immer verfügbar ist – siehe Japan nach Fukushima, wo zweieinhalb Jahre nach dem Unfall von 50 AKW immer noch nur deren zwei laufen?

    – Da doch die Wirtschaft so viel Strom verbraucht, ist Solarstrom wunderbar geeeignet, denn der fällt zu Produktionsspitzen an – deshalb übrigens montieren derzeit in Deutschland so viele kleinere und mittlere Betrieb Solarstromanlagen, teils bereits auch, ohne KEV in Anspruch zu nehmen, es lohnt trotzdem.

    – Von der Entsorgungsproblematik von Atomstrom liest man im Beitrag bezeichnenderweise gar nichts. Aber diese Atomfässer wird Baur ja gern in seinem Haus in der Zürcher Innenstadt lagern, wo er an den Fassaden beredtes Zeugnis seiner Atomliebe abgibt. Oder er versorgt eben den Mühlebergabfall in seinem Auto!

    – Zu Mühleberg: In Deutschland wiederum – das eben ein Beispiel einer erfolgreichen Energiewende ist – gibt es bereits so viele Windräder, die 100 Mühleberg ersetzen könnten (30 GW Kapazitäten). Da werden wir es hierzulande schon noch mit einem schaffen.

    – Dass der Verschleiss an Rohstoffen bei Solaranlagen gigantisch sei, ist ein Hirngespinst – die energetische Rückzahldauer beträgt 1-3 Jahre und der Rohstoffaufwand bewegt sich bei weitem unterhalb von jenem, die etwa jeder Haushalt fürdie Fenster seiner Wohnung aufwendet.

    – Die Schwester von Baur wird es ihm auch bestens verdanken, dass er sie öffentlich auch noch anätzt!

    – Es gäbe noch Dutzende von Fakten, die easy zu widerlegen sind in Baurs Elaborat zu den Erneuerbaren, das schenke ich den geneigten LeserInnen, die ob der Länge seines Textes eh schon leicht müde sein dürften.

    • Das können Sie nicht érnst meinen, oder? „ist Solarstrom wunderbar geeeignet, denn der fällt zu Produktionsspitzen an“ -schreiben Sie. Ihnen ist die Anzahl Sonnen-Tage in DE u CH bekannt, oder?

    • @Guntram Rehsche

      Da liegen Sie leider in vielen Punkten falsch!

      1. Sie verschweigen wissentlich, dass sich in Japan seit Fukushima der Import von fossilen Brennstoffen vervielfacht hat. Brennstoffe welches dieses böse CO2 ausstösst! Oder ist dieses CO2 nur dann an der Klimaerwärmung schuld, wenn man daran verdienen kann? ( Würde so manche Links/Grüne Haltung erklären)

      2. Wenn angeblich dieser „Solarstrom wunderbar geeignet, denn der fällt zu Produktionsspitzen an“ ist, heisst es somit, die Bevölkerung muss samstags und sonntags arbeiten um den Strom zu verbrauchen! Interessante Ansichten!

      3. Das Sie gegen Atomstrom sind, benützen Sie demzufolge in der Nacht (Es sei denn, bei Ihnen scheint in der Nacht die Sonne auf die Solarzellen?) und im Winter keinen Strom? Oder kommt der Strom bei Ihnen einfach aus der Steckdose, wie die Milch aus der Migros kommt?

      4. „Entsorgungsproblematik von Atomstrom“, welche Entsorgungsproblematik? Strom ist Strom!

      5. Nicht die Kapazität ist entscheidend sondern die tatsächliche Produktionsmenge!

      • @ Martin Bracher

        Zu 1) Die japanische Handelsbilanz hat sich wegen der Importe von fossilen Brennstoffen in ein massives Defizit verwandelt, das ist unbestritten – aber ebenso unbestritten ist, dass es eben doch der Atomstrom derzeit fast vollständig ausfällt. Übrigens wurde Japan innert kürzester Zeit zum grössten Solarmarkt der Welt, dort werden 2013 mehr PV-Anlagen installiert als in Deutschland.

        Zu 2) Schauen Sie sich mal die PV-Anlage der Wegmüller AG in Attikon an – http://solarmedia.blogspot.ch/2012/10/extrem-gunstiger-solarstrom.html, ein Holzverpackungsunternehmen, welches eine grosse Solarstromanlage für Produktionszwecke verwendet.

        Zu 3) Ich beziehe zertifizierten Ökostrom, der in der Stadt Zürichs nachts aus Wasser- und Windstrom besteht. Wo auf Atomstrom verzichtet wird, gehen hierzulande nirgends die Lichter aus.

        Zu 4) Seit 40 Jahren betreibt die Schweiz Atommeiler – und ausser Konzepten hat sie es immer noch nicht geschafft, ein Endlagerkonzept auch in die Tat umzusetzen. Dabei scheint es auch für die kommenden Jahrzehnte zu bleiben – wahrlich ein Problem, dem sich allerdings die ältere Generation ja nicht mehr stellen muss…..

        Zu 5) 30 GW Windkapazitäten in Deutschland erzeugen gegen 10 Prozent des dortigen Stromverbrauchs, also rund 50 TWH – das ist dann doch über 20mal mehr als der Mühleberg-Output. Weshalb der Hinweis eben stimmt, dass die dortigen Windkapazitäten zeigen, wozu Wind- (und auch Sonnen) Energie in der Lage sind.

    • Zur Entsorgung von „Atommüll“: technisch gelöst, aber ein Politikum.
      Die Schweiz hat ein vollständig ausgereiftes Endlagerkonzept. Der sogenannte Atommüll wird vollständig aus der Biosphäre entfernt, nämlich ca.600 Meter unter der Erde. Wie lange er dann dort lagert bis er ganz von selbst ungefährlich wird, spielt eigentlich keine Rolle, da der vorgesehene Opalinuston noch Jahrmillionen dort sein wird. Auch eine Gefährdung des Grundwassers kann man ausschliessen, ja auch für unvorstellbar lange Zeit.
      Aber wenn Terroristen(!) …falsch, nicht Terroristen sondern unsere Kinder oder Grosskinder werden diesen „Müll“ eines Tages ausgraben und als grossartige Energiequelle verwenden. Selbst mit heutiger Technik, könnte aus diesem „Müll“ für Jahrzehnte Elektrizität erzeugt werden. Man muss nur rezyklieren, also wiederaufarbeiten. Würden wir das schon heute tun, bliebe nur etwa 1 Prozent der Menge an „Atommüll“ übrig und der wäre ausserdem auch noch viel kurzlebiger, ca. 300-500 Jahre, und ,wie gesagt, Jahrzehnte an Elektrizität.
      Noch ein Wort zu Vergleichen: Wenn es 30 GW an alternativen Kapazitäten zur Stromerzeugung gibt um damit z.B. ein KKW zu ersetzen, dann nützt das garnichts, weil nicht die Gigawatt entscheidend sind sondern die Gigawatt-STUNDEN(!). Auch tausende von Windmühlen können kein KKW ersetzen, da sie nicht regelmässig und bedarfsgerecht die nötigen Kilo/Mega/Gigawattstunden liefern. Strom misst man in Wattstunden nicht in Watt. Bei Windmühlen und PV gilt installierte Leistung ist NICHT erzeugter Strom, der ist in der Regel viel geringer. Bei KKW und fossilen Kraftwerken dagegen ist die installierte Leistung praktisch gleich der erzeugten Strommenge (abzüglich Auszeiten für Wartung).

    • Einem Deutschen wird es richtig warm ums Herz, wenn ein Schweizer voll des Lobes für Deutschland ist. Wir sind ein geniales Volk. Wir haben die Technik erfunden, die heute der Menschheit das Leben erleichtert. Doch diese Genialität hat eine Kehrseite. Das ist die unausrottbare Liebe zu Ideologien. Vornehmlich zu Sozialismen. Und die kümmern sie sich wenig um die Gesetze der Vernunft. Alle haben sie das gemacht, was der grüne Ökosozialismus (GÖS) heute macht: Den Menschen einen süßen Brei ums Maul geschmiert, um möglichst viele für sich zu gewinnen. Lügen, Demagogie und Meinungsterror. „Wollt ihr Kanonen oder Butter?“

      Was aus der „Energiewende“ wird ist klar. Sie wird das gleiche Schicksal erleiden, das eine andere, noch genialere deutsche Technikinnovation erlitten hat: Sie wird absaufen wie das Schlachtschiff „Bismarck“. Und die Lügen, die perfide Demagogie und der unerträgliche Meinungsterror des GÖS werden die gleichen Folgen haben wie die Propaganda der Nazis: Armut in heute kaum vorstellbarer Dimension. Es sei denn, es gelingt, rechtzeitig auf den Boden der Vernunft zurückzukehren. Das KEV-Referendum ist ein solcher Hoffnungsschimmer.

      Was Sie schreiben ist GÖS-Propaganda und jedes einzelne Wort ist einfach nur falsch. Es geht nicht. Man kann sich nicht zum Frühstück Kanonen aufs Brot schmieren.

      Das Endlagerproblem. Es existiert nicht. Weil bereits weltweit eine Nachfrage nach endzulagerndem Atommüll feststellbar ist. Er ist höchst wertvolle Energiequelle. Und was macht der GÖS im Berliner Bundestag? Er verbietet den Export. Warum? Weil er kein Endlager findet? Weil er die Menschheit retten will? Oder etwa, weil er für die nächsten Wahlen ein Killer-Argument braucht, damit die Wähler vor Angst erstarrt zu Mitläufern des GÖS werden?

      Der folgende Link enttarnt das Endlagerproblem als Propagandalüge:

      http://www.climatecolab.org/web/guest/plans/-/plans/contestId/10/planId/1304005/tab/DESCRIPTION

      Übersetzung: Der Integral Fast Reactor (IFR) ist ein vollständig geschlossenes System zur Stromerzeugung aus Kernenergie. Es bereitet seinen eigenen nuklearen Abfall so auf, dass daraus wieder Energie entsteht. Dadurch reduzieren sich die Halbwertzeiten des am Ende immer noch übrigbleibenden Abfalls auf wenige 100 Jahre.

      IFRs können sowohl abgebrannte Brennstäbe aus anderen Reaktoren, spaltbares Material aus abgerüsteten Atomwaffen und sogar abgereichertes Uran in Energie und ungefährlichen Abfall verbrennen. Der von diesem Prozess erzeugte Abfall kann die Umwelt nicht zehntausende von Jahren belasten, weil seine Radiotoxität in wenigen 100 Jahren unter die von natürlich vorkommendem Uranerz sinkt. Dadurch wird insbesondere das Endlagerproblem für Atommüll gelöst.

      Während die heute üblichen Leichtwasserreaktoren nur ca. 0,6% des radioaktiven Brennstoffs in Energie umwandeln, verbrauchen IFRs fast das gesamte Material und sind so 150mal effizienter.

      Der IFR wurde entwickelt von Argonne National Laboratory bis 1994. Die Finanzierung des Programms durch den Kongress wurde beendet, nachdem es abgeschlossen war. Der Versuchsreaktor EBR-II lief 30 Jahre lang. Mit ihm wurden alle Aspekte des Systems erprobt. Ziel der Entwicklung war, alle Probleme zu lösen, die mit der Erzeugung von Energie aus Kernkraft zusammenhängen: Sicherheit, Wirtschaftlichkeit, Proliferation, Brennstoffprobleme, Bauzeit etc. Das Programm war erstaunlicherweise in allen Punkten erfolgreich. Dennoch verschwand es in den Archiven, geriet in Vergessenheit und wurde erst 2008 neu publiziert.

      Während der Entwicklungszeit bei Argonne beteiligten sich alle namhaften amerikanischen Unternehmen an diesem Projekt, mit dem Ziel, einen Reaktor für den wirtschaftlichen Produktionseinsatz zu entwickeln. Es entstand ein Reaktor mit einer Leistung von 300 MW. In den folgenden Jahren wurde sein Design leicht verbessert. Es handelt sich um ein modulares System, das für die Massenproduktion von Strom bestimmt ist. Es kann jederzeit mit dem Bau begonnen werden.

      • Sehr interessant. Aber nur nebenbei: Die Deutschen sind in hohem Masse zu beneiden: Bach, Beethoven, Brahms, Goethe, Schiller …. Die neueren Generationen sind aber etwas dünn vertreten.

  5. Meines Erachtens ist in Sachen „Energiewende“ jetzt eine Zwischenbilanz dringend notwendig. Dabei stelle ich ohne Erstaunen fest, dass man seit mehr als einem Jahr kaum viel weiter gekommen ist. Dies war meiner Meinung nach zu erwarten. Dafür ist mit dem Zwischenfall in St.Gallen die Kakafonie in der Diskussion noch um einiges lauter geworden und kaum mehr zu ertragen. Die anfängliche Euphorie bei vielen ist inzwischen grosser Ernüchterung gewichen. Typisch scheint mir, dass beispielsweise auch beim sonst so „hilfreichen“ Fernsehen die Kritiker der geplanten „Energiewende“ jetzt vermehrt zu Worte kommen, wie kürzlich Kurt Rohrbach, der Präsident des VSE, der aufgrund von untrüglichen Fakten eine ziemlich schonungslose Lagebeurteilung vorgenommen hat. Es ist danach unter dem Strich extrem wenig an effektiv noch möglicher Ersatz-Produktion bei den erneuerbaren übrig geblieben. Es wird interessant sein bei Gelegenheit zu vernehmen was das BFE zur Lage zu sagen hat. Im Moment ist man noch an der Verteidigung irgendwelcher – ziemlich aus der Luft gegriffener – früher bezogener Positionen und Annahmen. Schlimm finde ich auch, dass die ganze Strombranche samt ihren Fachleuten (mit ganz wenigen Ausnahmen) es überhaupt nicht mehr wagt in der öffentlichen Diskussion klar Stellung zu beziehen bzw. die geringsten Widersprüche zu äussern. Es macht ganz den Eindruck, dass das offizielle Bern diesen Leuten einen Maulkorb verpasst hat.

    Es zeichnet sich jetzt immer mehr ab, dass die vom Bundesrat extrem hochgesteckten Ziele, vor allem bei der Produktion bei den neuen erneuerbaren Stromquellen, völlig unrealistisch sind. Vermutlich setzt man daher schon bald noch mehr auf Effizienzmassnahmen.

    Noch immer ist kein klares Konzept und kein provisorischer Masterplan vorhanden, es trägt niemand Verantwortung für dieses Jahrhundertprojekt. Verschiedene Interessengruppen sind daran sich bei der Verteilung der KEV gegenseitig zu bekämpfen, beispielsweise mehr PV auf Kosten der Geothermie (welche aber noch lange brauchen dürfte bis sie einigermassen entwickelt ist). Es macht den Eindruck, dass vor allem Leute am Werk sind, welche praktisch keine Ahnung von der Abwicklung von Grossprojekten haben.

    Erstaunlich in diesem Zusammenhang, dass sogar der Tages-Anzeiger bei der Berichterstattung über ein Referendum gegen die Erhöhung der KEV-Beiträge den Initianten mit dessen Aussage zitiert hat, dass „ Parlamentarier ohne technisches Fachwissen über die Energiezukunft des Landes entscheiden, sich die Physik der Politik aber nicht unterordnet“.

    Ich denke, dass jetzt ein Marschhalt dringend nötig wäre bevor man Jahr für Jahr das KEV-Füllhorn für ineffiziente neue erneuerbare Stromquellen ausschüttet. Es ist aber kaum damit zu rechnen, dass BR Leuthard dies tun wird. Man wird also warten müssen bis in den Energiekommissionen der eidgenössischen Räte im Herbst hoffentlich einiges in Bewegung geraten wird.

  6. Wenn drei sich streiten freut sich der Rest. Aber es ist richtig das Ganze vehement zu hinterfragen, weiter so!

  7. Zu Herrn Hug: Ich habe nie behauptet, Kernenergie sei „Co2-neutral“; aber sie weist, ähnlich wie die Wasserkraft, unter Berücksichtigung des Verschleisses an Ressourcen und gemessen am Ertrag, ein massiv bessere C02-Bilanz aus als beispielsweise Wind oder Sonne, und zwar unter Berücksichtigung aller Faktoren (Bau, Betrieb, Rückbau, Entsorgung; die Daten lassen sich z.B. beim PSI abrufen). Der Grund liegt in der extrem hohen Energiedichte, die wir im Uran haben. Und wenn Herr Hug der Meinung ist, dass es nicht stimme, dass der jährliche Verbrauch an Brennstoff (ohne Verpackung) von Mühleberg im Kofferraum eines Autos Platz habe, dann soll er bitte beziffern, wie viel es denn seiner Meinung nach ist. Eine Lastwagenladung? Zehn Eisenbahnwagen? Und wir fordern dann die exakten Zahlen an. Alex Baur

    • Naja, das sind marginale Differenzen (Baur vs. Hug) im Vergleich zum heutigen Beitrag von Rechsteiner in der NZZaS. Es ist schon kaum zu fassen, dass die dort eine solches Elaborat überhaupt bringen. Dieses hat mit Analytik so wenig zu tun, dass die Zahlen überhaupt keine Rolle mehr spielen. Alles falsch. Ich habe mich mit Rechsteiner auch schon darüber gestritten. Sinn- und zwecklos.

    • Finde es grundsätzlich schon mal toll, dass wir einen Konsens haben und Strom aus Kernkraft gemeinsam nicht als CO^2-frei bezeichnen können.

      Leider ernten wir Uran als Brennstoff nicht bereits in Pelletform sondern mühsam als natürliches Uran in tiefer Konzentration .. und die Cat-Dumpers, Gestein-Mühlen, Zentrifugen, Konzentratoren etc. drehen sich nun mal nicht gratis Auch die Castorbehälter transportiere ich am Schluss zumindest nicht in meinem Kofferraum ins Zwilag noch in den aufwändig gebauten Nagra-Stollen (sollte es ihn dereinst geben).

      Ich denke 60g CO2 pro kWh ist bei KKW ein fairer Mittelwert (die 8-11 von PSI schon etwas gar optimistisch und basieren auf Daten des vergangenen Zeiten – Ich würde sagen dies waren die „low hanging fruit“ im Uranabbau. … wenn man mit anderen Studien weltweit vergleicht, muss man den Wert (erst recht für die Zukunft) deutlich nach oben korrigieren – Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und ich denke 60g als Mittelwert könnte eine Basis sein.

      Bei Wasserkraft und Erneuerbaren sind unterdessen wohl 10 resp. 40g dagegen fairer Werte … Tendenz fallend. Wirkungsgrad in der Betrieb- wie auch Produktionphase verbessert sich von Generation zu Generation – dies im Unterschied zum weltweiten Trend im Uranabbau.
      Mal schauen was der Markt und die Forschung auch bezüglich Aufbereitung von „ausgebrannten“ PV-Modulen in 20-30 Jahren dereinst bringen wird … dreckiger als Sellafield wird es kaum sein.

        • selbstverständlich:

          z.b:

          Website vom „Bundesministerium für Umwelt Naturschutz und Reaktorsicherheit“

          Pressemeldung: Nr. 113/07 | Berlin, 24.04.2007
          „Atomstrom – weder billig noch gut fürs Klima“

          Mit google werden Sie dann noch zig weitere Studien finden …. selbst Blick-Leser hatten in der Vergangenheit eine faire Chance einen Artikel zu diesem Thema zu lesen . 😉

          • Zu Herrn Hug: Sie zitieren Pressemitteilungen aus Berlin. Über den Wert dieser Drucksachen kann ich Ihnen einiges sagen:

            Die BMU-Mitteilung Nr. 053/11 Berlin, 13.04.2011 titelt mit „Kabinett verabschiedet CCS-Gesetz“

            Dort werden Förderungen, die inzwischen etliche 100 Millionen erreicht haben und mitnichten gestoppt worden sind, beschrieben und als für die ganze Welt absolut notwendige technische Innovation gepriesen. Verdeutlicht man sich diesen Vorgang mit einfachen Zahlen und Grundschulmathematik, wird die Qualität dessen klar, was von dieser milliardenschweren Behörde produziert wird.

            CCS bedeutet zunächst Abscheidung von CO2 aus den Abgasen eines Verbrennungsprozesses. Danach soll es transportfähig gemacht und dauerhaft gespeichert werden. Dazu ein Beispiel:

            Laut Jahresbericht des Großkraftwerks Mannheim (GKM) von 2010 hat GKM im Jahresschnitt Tag für Tag 6500 Tonnen Kohle verbrannt. Grob gerechnet entstehen aus dieser Menge Kohle ca. 18000 Tonnen CO2. Geht man davon aus, dass gasförmiges CO2 pro m3 etwa 2 kg wiegt, ergeben sich daraus 9.000.000 m3 CO2-Gas. Das sind in etwa 100 Fußballfelder 9 m hoch mit CO2-Gas bedeckt. Und die werden jetzt Tag für Tag transportfähig gemacht, irgendwohin transportiert und dort in die Erde verpresst. Fällt Ihnen dazu noch was ein?

            Es geht schon damit los, dass in die Erde die 3-fache Masse verpresst werden muss, die ihr vorher entnommen wurde. Immer unterstellt, dass es möglich ist, CO2-Gas so sehr zu verdichten, dass es das Volumengewicht von Kohle erreicht. Darüber hat seit Menschengedenken noch niemand nachgedacht. Weil man es physikalisch für nicht möglich gehalten hat. Das ist natürlich heute ganz anders. Ein paar hundert hochdotierte Sesselfurzer unter Führung von Gestalten wie Töpfer, Röttgen und Atlmayer streuen ein paar 100 Millionen EURO aus und die Physiklehrbücher der Menschheit werden neu geschrieben. Sorry, aber darüber kann man eigentlich nicht mehr lachen.

            Und es geht weiter mit dem Verdichten. Wie sollen denn die Kompressoren aussehen, die pro Tag 9 Mio m3 Gas verdichten. Es ist sicherlich kein Problem ein paar hundert Industriekompressoren aufzustellen. Die schaffen das schon. Das Problem ist nur, dass die sich nicht von selbst drehen. Für das BMU kein Problem. Der Strom kommt ja aus der Steckdose.

            Doch das ist noch nicht alles. Bei Wikipedia kann man zu CCS nachlesen, dass eine Abscheidung von CO2, das durch Verbrennung von Kohle unter Zuführung von atmosphärischer Luft entstanden ist, gar nicht möglich ist. Es braucht dazu einen neuen Kraftwerktyp, der erst noch entwickelt werden muss und der Kohle nicht mit Luft, sondern mit einem speziellen Mischgas verbrennt. Wie sich das genau zusammensetzt, ist noch nicht so richtig klar. Genauso wenig wie die Antwort auf die Fragen wo es herkommt, ob es in ausreichender Menge produziert werden kann, wie viel Energie für die Produktion benötigt wird, wie viel es kosten wird, und, und, und…

            Das soll fürs Erste mal reichen. Hier kommt in den heiligen Hallen des BMU alles zusammen, was keinen positiven Wert hat. Dummheit, Arroganz, Ignoranz, Verantwortungslosigkeit, Menschenverachtung, vorsätzlicher Betrug, Veruntreuung von Steuergeldern und Zerstörung der Lebensqualität der folgenden Generationen. Die Förderung dieses Wahnsinns wird in Kürze die Milliardengrenze übersteigen.

            Mit Verlaub, mein lieber Herr Hug, übertrage ich die hier beschriebene Qualität einer BMU-Drucksache auf alle anderen BMU-Drucksachen. Es wäre zu kurz gegriffen, wenn man sagte, sie seien das Papier nicht wert auf dem sie gedruckt sind. Sie haben den erwähnten negativen Wert. Sie sind Propagandamachwerke einer Ideologie, der ich den Namen „Grüner Ökosozialismus“ gegeben habe. Wer diesen Schund kritiklos hinnimmt und ihn benutzt, um andere zu bekehren, enttarnt sich nicht nur als Mitläufer einer kruden Ideologie. Er macht sich auch mitschuldig.

  8. Sensationeller Beitrag! Vielen Dank dass endlich einmal Ehrlichkeit ausgesprochen wird und nicht immer dieses naive Politikergequassel!

  9. Schon ziemlich viel Ideologie und leider auch bei den Fakten nicht immer ganz präzise.

    Kernkraft war nicht mal zu denn Zeiten als Marie Curie Pechblende am köcherln war C0^2-neutral. Ich schlage eine Ferienreise in eine Uranmiene vor … mal schauen wie viel Öl dann am „Nur-ein-Kofferraum-Voll“ Uran klebt … und dank tendenziell abnehmendem Uran-Gehalt in den Abbaugebieten wird es zukünftig sicher nicht besser. Die graue Energie für den Bau und Abbruch von Anlagen wäre dann ein weiteres Stichwort zur „Co^2-freier-Atomstrom-Illusion“. Selbstverständlich steckt auch graue Energie und Co^2 in anderen Energieproduktionen (inkl. den Erneuerbaren) drin.

    Smart Grid als Planwirtschaft zu verunglimpfen macht es dann auch nicht besser. Stromnetze (und speziell die Grossverbraucher) haben eine lange Tradition der lastgangabhängigen Steuerung und wenn hier mit moderner Technik endlich etwas feiner justiert werden kann und mehr „Yield-Management“ wie in anderen Bereichen unserer Wirtschaft (z.b. Transport, Hotellerie, Rohstoffe …) Einzug halten wird, dann ist dies zu begrüssen. Dies hat ganz und gar nicht mit LPG und 5-Jahresplan zu tun. Meine Tankstelle und mein Gemüsehändler kennt auch nicht nur einen (oder von mir aus zwei) fixe/starre Tarife … und beide Lieferanten empfinde ich dennoch als ziemlich wichtig für meine „Grundversorgung“.

    Ich habe auch eine etwas andere Erklärung und Zugang zu den „Herausforderungen“ im deutschen Strommarkt. Die hochsubventionierten Kohlekraftwerke lassen sich nur sehr schwer regulieren. Im Vergleich zu den erneuerbaren Energien fliessen und flossen massiv mehr Subventionen in diesen Bereich und daran krankt nun das System. Eine paradoxe Folge davon ist, dass flinke Gaskraftwerke nicht mehr wettbewerbsfähig sind gegen die subventionierten Kohlenbrenner. Fazit: Bandleistung der Kohle ist das primäre Problem in Deutschland und nicht die Wind und Solarfarmen.
    Deutschland hat im Gegensatz zur CH verhältnismässig wenig Speicherkraftwerke/Pumpleistung. Auch solche Unterschiede müssen berücksichtig werden – gerade der böse „Zappelstrom“ müsste eine Stärke der CH sein.
    Überschüssigen Strom lässt sich mit einem Wirkungsgrad von 80-85% in einem Pumpspeicherkraftwerk problemlos „lagern“ und eben auch wieder auf „Knopfdruck“ abrufen.

    Apropos Subventionen: In Relation zu den bisherigen Subventionen für Kohle und Kernkraft sind die Erneuerbaren und deren Lobby noch absolute Stümper. Wenn man als Liberaler über Subventionen wettern will, dann sollte man die (verfehlten?) Subventionen der anderen Energieträger während den letzten 50 Jahren auch im Auge behalten.

    Die relativ mickrigen 200-300MW von Mühleberg auf einen Schlag und vollständig mit Windräder zu ersetzen scheint ein tendenziöser (eher bösartiger?) Plan …. jedoch 200-300 handelsübliche Blockheizkraftwerke (jeweils in der Grösse von einem Norm-Container à 1 MW el.) in der Heizzentrale von 200-300 grossen Gebäuden (Schulanlagen, Spitäler, Industrie, Grossüberbauungen, Einkaufszentren etc.) könnten bereits Mühleberg vollständig ersetzten.

    Analog der Kernkraft würden die Dinger auch im Sommer (reduzierter Wärmebedarf) weniger produzieren was wiederum ideal zum Leistungsprofil von „bösen“ PV-Anlagen passen würde. Auch die CO^2 Bilanz sähe unter dem Strich vermutlich gar nicht so übel aus wenn man damit primär tumbe Öl und Gas-Brenner ersetzten würde.

    Fazit: besser nicht wie Don Quijote gegen Windmühlen anrennen sondern Visier öffnen und verschiedene Alternativen umfassend in Betracht ziehen – dies wäre für mich echt liberal.

    • Es hat ein paar bedenkenswerte Punkte im Hugschen Post. Nur mit alten Subventionen sollte man nicht kommen, weil sie nicht mehr entscheidungsrelevant sind (sondern so genannte versunkene Kosten darstellen). Es ist nun einmal so, dass die etablierten Unternehmen mit den künftigen Kosten rechnen – die Newcomer auch, nur sind bei diesen noch keine sunk costs angefallen, stellen also noch Bestandteil der langfristigen Grenzkosten dar. Etwas weniger mikroökonomisch formuliert. Ein Vollkostenvergleich zwischen alten Anlagen zu historischen Kosten und neuen Anlagen zu laufenden Kosten macht keinen Sinn. Relevant sind nur (für beide) die langfristigen Grenzkosten. Wäre dem nicht so, dann würden wir alte Anlagen immer viel zu schnell abwracken.

      • Hi Markus

        leider sind Subventionen für Braunkohle nicht nur Geschichte (sunk ..) Selbst (oder erst recht?) SPD-Landesregierungen buttern weiterhin gerne Kohle in die Kohle.

        Ich stütze mich dabei auf eine Studie welche im Auftrag des Bundesumweltamtes erstellt wurde. Je nach Abgrenzung des Subventionsbegriffes kommt man auf einen Wert von 2 bis 20 cent pro kWh. Da macht unser KEV schon fast wieder Freude.

        Scheint auf den ersten Blick paradox aber „Kumpels“ sind halt auch Wähler.

    • Was soll denn diese Rumreiterei auf der CO2-Bilanz der Kernenergie. Dass die, wie ja Herr Baur schon dargelegt hat, wegen der hohen Energiedichte besser ist als bei Wind und Photovoltaik, ist naheliegend. Oder wollen Sie uns etwa weismachen, dass die Windkraftanlagen mit Segelschiffen aufgestellt werden und die Photovoltaikanlagen mit Flaschenzügen und ägyptischen Pyramidensklaven auf die Dächer gelangen. Gerade bei der Photovoltaik dürfte die CO2-Bilanz besonders dürftig sein, werden die Anlagen ja nicht durch Sonnenstrom, sondern durch billigen chinesischen Kohlestrom produziert.
      Und wenn die Kosten von Smart Grid über die Netztarife von der Allgemeinheit getragen werden müssen, ist das sehr wohl Planwirtschaft oder zumindest Umverteilung. Der technische und damit auch finanzielle Aufwand für die Netzsteuerung wird durch die nicht steuerbaren Einspeiser wie Wind und Sonne verursacht. Es ist aus ökonomischer Sicht purer Irrsinn, dass diese Technologien nicht nur subventioniert werden, sondern die Kosten für die Netzsteuerung nicht auf diese Energieträger abgewälzt werden. Ein Photovoltaikanlagebetreiber sollte keine KEV kriegen, sondern für die Netzeinspeisung bezahlen müssen!

  10. Der Artikel gefällt mir sehr gut. Ich hoffe, er wird viel gelesen. Einem Punkt möchte ich jedoch gerne widersprechen. Grüne spielten 1968 und auch Jahre später noch in Deutschland keine Rolle. Sie gewannen erst durch die Kampagnen gegen ein angebliches Waldsterben an Bedeutung. Wie verlogen diese Kampagne war, haben Maxeiner und Miersch erst vor einiger Zeit aufgedeckt. Tschernobyl nutzen die Grünen bis heute werbewirksam für ihre Klientelpolitik. Die 68er hatten einen aufklärerischen Anspruch, dagegen hatten die Grünen um Cohn-Bendit und Joschka Fischer stets nur ihre Karriere und die Macht vor Augen.

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