Stelldichein der Heuchler

[Nachtrag: 21.09.2018

David Sieber ist sein Job als Chefredaktor der bz los. Man hat ihn entlassen. Siehe: PERSÖNLICH.COM ]

Der niederträchtigste aller Schurken ist der Heuchler, der dafür sorgt, dass er in dem Augenblick, wo er sich am fiesesten benimmt, am tugendhaftesten auftritt. Marcus Tullius Cicero

Am 20., 21. und 22. August veröffentlicht die bzBasel Online und im Print mehrere Artikel zu Jolanda Spiess-Hegglin, in denen es ursprünglich um eine Anzeige gegen eine Rentnerin geht. In boulevardesker Weise heizt bzBasel dabei jedoch eine andere Geschichte an und titelt in Artikeln, Frontanriss, Kasten und Tweet: «Nach Hasskommentar: Spiess-Hegglin geht gegen Basler vor – einen Juso-Politiker», «Nach Hassattacke: Spiess-Hegglin geht gegen Basler vor – einen Juso-Mann», «Spiess-Hegglin zeigt Juso-Politiker an», resp. «Anzeige gegen Juso-Politiker». 


Darunter wird berichtet, dass Spiess-Hegglin eine weitere Person anzeigen «müsse», nämlich – entgegen den reisserischen Fake-News-Titeln – einen ehemaligen Juso-Politiker.

Dieser hatte in einem Kommentarstrang auf Facebook geschrieben: «Ich frag mich ja echt warum genau ist diese Frau so berühmt? Weil sie eine Geschichte erfunden hat?», «Wenn ich Sie (Anm.: eine dritte Person) beleidige und JSH mich anzeigt, ist einfach nur eine geldgeile Frau» und «Aber in fremden Gruppen nach Tätern suchen die noch nie mit ihr Kontakt hatten zeigt definitiv einen psychischen Knacks.» (sic!)

Wenn man keinen Wert darauf legt als seriös zu gelten, dann ist es nur folgerichtig, wenn die Journalisten von der bzBasel den Inhalt dieser Kommentare aus dem Zusammenhang reissen, bis zur Unkenntlichkeit zuspitzen und irreführende Pseudozitate erfinden, wie jenes, dass der Mann ihr einen «psychischen Knacks bescheinigt», wo er vielmehr das Verhalten (nämlich in fremden Gruppen suchen) als Zeigen eines psychischen Knacks deutet.

Weiter schreibt die bzBasel „Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter fragte Spiess-Hegglin schliesslich bei den Basler Jungsozialisten nach, weshalb sie sich nicht von den Aussagen ihres Parteimitglieds distanzierten.“

Tweet 20.08.18

Die Geschichte kam uns spanisch vor, also holten wir Stellungnahmen aller Betroffenen und Mitwirkenden ein, um unsere Recherchen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Notabene: Wir machten in unserer Anfrage alle darauf aufmerksam, dass ihre Antworten veröffentlicht werden.

Wir fragten als erstes David Sieber, Chefredaktor bzBasel:

1. Hat der verantwortliche Journalist, bevor der Artikel in Druck ging, den ehemaligen Juso-Politiker mit der Aussage von Jolanda Spiess-Hegglin konfrontiert, zumal damit eine öffentliche Anschuldigung gegen ihn sowie ein wertendes Urteil über seinen Charakter verbunden ist?
2. Hat der verantwortliche Journalist Bemühungen unternommen, den Wahrheitsgehalt von Jolanda Spiess-Hegglins Aussage zu erhärten, ob tatsächlich eine Nachfrage von ihr beim ehemaligen Juso-Journalisten eingegangen ist? Ist namentlich der ehemalige Juso-Politiker dazu befragt worden?
3. Falls dem nicht so ist und keine oder eine mangelhafte Wahrheitssuche stattgefunden hat, entspricht dann das Vorgehen des Journalisten im vorliegenden Fall den Qualitätsstandards der bzBasel?

Die Antwort von David Sieber, Chefredaktor bzBasel, kam innert Minuten und war in dem ihm eignen arroganten Ton verfasst: «Liebe Dani Erst recherchieren, dann fragen. Dieser text erschien tags darauf:» (sic!) Dazu sendete er einen Artikel, der mit der Anfrage nichts zu tun hat.

David Siebers Aufforderung zu recherchieren, zeugt von veritabler Dumm-Dreistigkeit, musste er doch peinlicherweise selber gleich nach Aufschalten des Online-Artikels sowie nach dem offiziellen Tweet von bzBaselland die Falschmeldung korrigieren, wonach es sich um einen «Juso-Politiker» handle. Wäre er zu seinem Job als Chefredaktor befähigt und beherrschten seine Mitarbeiter das journalistische Handwerk, hätten sie recherchieren, weitere Quellen befragen und bei der Person eine Stellungnahme einholen müssen, was sie nachweislich nicht VOR Erscheinen des ersten Artikels taten. Denn hätten sie VORHER recherchiert, wüssten sie, dass die Person schon lange aus der Juso ausgetreten ist. Dann hätten sie auch erfahren, dass die Person nie eine Nachfrage von Jolanda Spiess-Hegglin erhielt. Aber wie der Volksmund sagt: Der Fisch stinkt vom Kopf. Fehlende Recherche und Stellungnahme passieren problemlos die Qualitätsstandards von Chefredaktor Sieber.

Was lernt man daraus? Je greller und glitzernder das Medienethik-Mäntelchen ist, das sich Journalisten resp. Chefredaktoren wie David Sieber anziehen, desto fauler riecht es darunter.

Fakt ist: Der Ex-Juso-Mann erfuhr erst von Bekannten, dass die bzBasel über ihn geschrieben hatte und eine Anzeige gegen ihn geplant ist.
Im Gegensatz zu den Qualitätsjournalisten der bzBasel baten wir den Ex-Juso-Mann VOR Erscheinen dieses Blog-Beitrags um eine Stellungnahme.
Der Ex-Juso-Mann vernahm erstmals aus der Zeitung, dass er «sich auf Nachfrage nicht bei ihr (JSH) gemeldet und sich nicht entschuldigt» habe, und nahm gleichentags Kontakt auf mit Jolanda Spiess-Hegglin (Beweise liegen vor). Darin teilte er ihr mit, dass er von ihr auf keinem Kanal eine Nachfrage erhalten habe, gab ihr seine Kontaktangaben, inkl. Natel-Nr., und bat sie, die Juso aus dem Spiel zu lassen, denn er sei längst nicht mehr Mitglied.
Der Ex-Juso-Mann erhielt bis heute keine Antwort von Jolanda Spiess-Hegglin.

Also fragten wir bei Jolanda Spiess-Hegglin nach und baten um einen Nachweis, wie, wann und wo, sie mit dem Ex-Juso-Mann Kontakt aufgenommen habe und stellten ihr insgesamt 5 Fragen zu diesem Vorkommnis, und zwar zu verschiedenen Zeitpunkten auf insgesamt drei verschiedenen Kommunikationskanälen.

1. Bevor der bz-Artikel in Druck ging: Wann und in welcher Form hast Du bei dem ehemaligen Juso-Politiker nachgefragt?
2. Was war das Ziel Deiner Nachfrage?
3. Was ist der Grund, weshalb Du dem Journalisten erzählt hast, dass Du den ehemaligen Juso-Politiker anzeigen werdest?
4. Weshalb hast Du von der Juso BS eine Distanzierung von den Aussagen ihres ehemaligen Mitglieds eingefordert?
5. Nachdem der Artikel veröffentlicht wurde: Warst Du in Kontakt mit dem ehemaligen Juso-Politiker?

Wir haben bis heute von Jolanda Spiess-Hegglin keine Antwort erhalten.

Was lernen wir daraus? Wer am lautesten nach Fairness schreit, bringt diese nicht unbedingt selber auf.

Stattdessen fragte Jolanda Spiess-Hegglin per Twitter bei der Juso BS an, weshalb sich diese nicht von ihrem Mitglied distanziere. Die Person ist seit langem nicht mehr Mitglied.

Sowohl auf Facebook wie in einem weiteren bz-Artikel äussert sich Nicolas Eichenberger, Präsident der Juso BS, wie folgt: «Wir verurteilen ganz klar Hatespeech und distanzieren uns ausdrücklich von den Aussagen.» Und: «Wenn er nicht schon seit einigen Monaten nicht mehr Mitglied bei uns wäre, hätten wir ihn aufgrund dieses Vorfalls aus der Partei ausgeschlossen.»

Niemand vom Juso-BS-Vorstand hat bis zu diesem Zeitpunkt Kontakt zum Ex-Mitglied – das seinerzeit äusserst engagiert mitwirkte – aufgenommen, was aber den Präsidenten nicht hindert, dieses öffentlich abzuurteilen.

Wir stellten dem Juso-Vorstand folgende 6 Fragen:

1. Hat Herr Nicolas Eichenberger, respektive eine andere Person vom Vorstand der Juso BS, bevor der Artikel in Druck ging, mit dem ehemaligen Basler Juso-Politiker direkt Kontakt aufgenommen? Wenn ja, wann und in welcher Form?
2. Wenn nein, entspricht dieses Vorgehen den ethischen Standards der Juso BS?
3. Was sind die Kriterien der Juso BS für «Hatespeech»? Inwiefern entsprechen die Aussagen des ehemaligen Basler Juso-Politikers «Hatespeech»? Und wovon genau distanziert sich die Juso BS?
4. Ein Parteiausschluss ist die schärfste Sanktionsmassnahme politischer Parteien, um parteischädigendes Verhalten einzelner Mitglieder zu ahnden. Gegen welchen Grundsatz hat das ehemalige Juso-Mitglied verstossen, dass er aus der Partei ausgeschlossen worden wäre?
5. Kann der Präsident der Juso BS eigenmächtig in Wir-Form sprechen und ein Mitglied ausschliessen – ohne ein Verfahren einzuleiten, ohne Anhörung des Betroffenen, ohne Parteiversammlung mit Abstimmung, ohne Möglichkeit eines Rekurses?
6. Falls Juso-BS-Präsident Nicolas Eichenberger nicht über diese Befugnisse verfügt, wie stellt sich der Rest des baselstädtischen Juso-Vorstands zu dessen öffentlicher Äusserung, dass er ohne Rücksprache mit dem Vorstand und ohne Anhörung des Betroffenen die Parteirichtlinien bezüglich eines Parteiausschlusses ausgehebelt und ein Mitglied eigenmächtig ausgeschlossen hätte?

Nicht, dass wir eine Antwort erwartet hätten. Wir kennen schliesslich diesen Typ Mann wie ihn Juso-BS-Präsident repräsentiert. #Metoo. Herrscher-Allüren demonstrieren, in „Wir-Form“ reden wie in absolutistischer König und suggerieren, er könne eigenmächtig Partei-Mitglieder ausschliessen – und dann den Schwanz einziehen, wenn er herausgefordert wird.

In den Statuten der Juso BS steht:
«Der Vorstand ist berechtigt, mit Zweidrittelmehrheit Mitglieder aus der JUSO auszuschliessen. Gegen Ausschlussentscheide des Vorstands kann an Jahres- oder Mitgliederversammlungen einmalig rekurriert werden. Mitgliederversammlungen können mit einfachem Mehr ebenfalls den Ausschluss eines Mitglieds beschliessen. Dagegen kann ebenfalls an der darauffolgenden Mitgliederversammlung rekurriert werden.»

Juso-BS-Präsident Eichenberger hat also keinerlei Ermächtigung jemanden aus der Partei auszuschliessen. Augenscheinlich besteht der Juso-Vorstand aber vorwiegend aus Untertanen des Juso-Königs Eichenberger, denn keiner beantwortete unsere Anfrage, keiner verurteilte Eichenbergers eigenmächtiges Gebaren, keiner hat den Mut aufzustehen und auf die Statuten hinzuweisen.

Was lernen wir daraus? Je tugendhafter jemand auftritt, desto fieser verhält er sich.

Erstaunlich an der Geschichte ist eigentlich nur, dass es immer noch Leute gibt, die selbst die offensichtlichste Heuchelei nicht erkennen.

***

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s