Roger der Scheinheilige

Der einfältigste Kommentar zu Cassis’ Kritik an der UNRWA stammt von Roger Köppel, Nationalrat der «intelligentesten Partei des Landes» und Chefredaktor der Weltwoche.

Er unterbot damit sogar die HysterikerInnen der SP wie Barbara Gysi.

Roger Köppel inszeniert sich gerne als Gegen-den-Mainstream-Schwimmer und Querdenker, dabei verirrt er sich zuweilen und gerät logisch ins Abseits. Weil er Umsverrecken auf dem Irrweg weiterlaufen will, stolpert er über seine eigenen Widersprüche. Sein Artikel zur UNRWA enthält dermassen viele Fehler und Logikfehler, dass man kaum nachkommt, sie alle gerade zu biegen.

Hier die zehn grössten Denkfehler Köppels:

1.      Bereits Köppels Prämisse ist falsch. Bundespräsident Alain Berset (SP) hat den Aussenminister Ignazio Cassis (FDP) nicht wegen „dessen neutralitätswidriger Aussagen zum Palästinenserhilfswerk UNRWA zur Rede“ gestellt.
Vielmehr betonte Berset, dass es keine Änderung der Politik des Bundesrates im Nahen Osten und gegenüber der UNRWA gebe. Diese Politik ist jedoch massgeblich von der absurden sozialdemokratischen «aktiven Neutralität» geprägt, die die ehemalige SP-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey begründete.

2.      Roger Köppel schafft es, eine ganzes Editorial zur UNRWA zu schreiben, ohne auch nur ein Mal die prominente Rolle der Hamas zu erwähnen – und offenbart damit seinen Mangel an Kenntnis, das Problem zu erfassen.

3.      Wenn die Schweiz mehrere Hunderte Millionen Schweizer Franken an eine anti-israelische Organisation spendet, dann ist dies bereits ein Bruch mit der von Köppel beschworenen Neutralität.

4.      Israel nimmt die Schweiz nicht als neutral wahr und Israel nimmt die Schweiz auch nicht als neutrale Vermittlerin ernst. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sprach vom «Schwindel der Schweizer Neutralität».

5.      Mit seiner Aussage, wonach die Palästinenser aus Israel vertrieben worden seien und sich Israel nicht um diese kümmere, verdreht Köppel historische Fakten.
Die Araber verliessen Israel, weil sie von arabisch-nationalistischen Führern dazu aufgefordert wurden. Die Araber sollten den militärischen Operationen der arabischen Staaten nicht im Wege stehen, und nach dem arabischen Sieg wäre ihre Rückkehr wieder möglich, versprach man ihnen. Daneben gab es auch arabische Flüchtlinge, die schlicht den Gefahren des Krieges entgehen wollten. Es gab seitens Israels keine gezielte Politik der Vertreibung.
Die arabischen Staaten sind in der Pflicht, sich um die Palästinenser zu kümmern.

6.      Köppels Aussage, dass es sich bei dem Konflikt «um einen biblischen, seit rund dreitausend Jahren lodernden Bruderkrieg» handle, ist ahistorisch. Der Begriff «Bruderkrieg» ist falsch und wird auch von keinem seriösen Historiker in diesem Zusammenhang verwendet.

7.      Köppels Aussage «die Behörde (UNRWA) ist nicht fehlerfrei» ist ein Euphemismus, für eine Organisation, deren Bande zur Hamas äusserst eng ist. Die UNRWA ist einer der grössten Arbeitgeber in der Hamas-Diktatur Gaza. In den Schulen der Organisation werden schon kleine Kinder antisemitisch verhetzt. Gedenkzeremonien für Hamas-Führer werden in UNRWA-Schulen abgehalten, UNRWA-Lehrer widmen sich nach Feierabend dem Raketenbau und werden im Falle ihrer Tötung in den UN-Schulen als «Märtyrer» gefeiert, UNRWA-Jugendclubs mutieren zu Terroristentreffs. Bei den Wahlen zu den UNRWA-Angestelltenvertretungen im September 2012 erzielte die Hamas-Liste einen deutlichen Sieg. Eine konkurrierende Liste gab es – es war die des Islamischen Dschihad. Da passt es ins Bild, dass das in UNRWA-Schulen verwendete Lehr- und Lernmaterial vor Antisemitismus nur so strotzt. Auf Schul-Atlanten existiert der Staat Israel nicht, Juden haben laut den Schulbüchern keine heiligen Orte in Palästina, sondern bloss «gierige Ambitionen». In UNRWA-Schulen werden palästinensische Kinder zum Terror aufgewiegelt. Erziehung zum Judenhass hat System. Einige Kinder von UNRWA-Schulen geben an, Selbstmordattentäter werden zu wollen.

8.      Die UNWRA ist ein undurchsichtiger Moloch, sie ist korrupt und längst ein politischer Anachronismus. Wenn Roger Köppel ein Ende der Entwicklungshilfe fordert, dann müsste er – wenn er konsequent im Denken und Handeln wäre – auch dafür sein, diesen Moloch namens UNRWA nicht weiter zu füttern.

9.      Köppel ignoriert – ob bewusst oder aus Unwissen – das Problem, wenn er sagt, dass die «UNRWA sich um Flüchtlinge kümmert, und zwar vor Ort». Als Palästina-Flüchtlinge wurden damals all jene definiert, «deren ständiger Wohnsitz zwischen dem 1. Juni 1946 und dem 15. Mai 1948 in Palästina lag und die ihren Wohnsitz und ihre Lebensgrundlage durch den Arabisch-Israelischen Krieg von 1948 verloren haben». 1951 zählte die Organisation etwa 860.000 Flüchtlinge. Heute, fast 70 Jahre später, leben von ihnen nur noch ungefähr 20.000 Menschen. UNRWA aber verwaltet derzeit ungefähr fünf Millionen sogenannte palästinensische Flüchtlinge, weil die UNRWA den Flüchtlingsstatus der Palästinenser vererben lässt. So kann der Nahost-Konflikt nicht gelöst, sondern nur bewirtschaftet werden. Die von der UNRWA betreuten Flüchtlinge werden nie an ihren ehemaligen Wohnsitz zurückkehren, weil die Zahl der Flüchtlinge mittlerweile auf 5 Millionen angewachsen ist. Es ist Zeit, ihnen das klar zu machen.

10.     Entgegen der naiven Sichtweise Roger Köppels, ist die Aufgabe des Flüchtlingshilfswerks eben gerade sich «missionierend auf dieses Minenfeld der innerstaatlichen israelisch-palästinensischen Beziehungen zu begeben». Denn solange die Palästinenser den Flüchtlingsstatus auch für die späteren Generationen aufrecht erhält und auf das Rückkehrrecht besteht, wird es keine Lösung geben.

Und als Krönung der Ignoranz schliesslich der elfte Denkfehler:
«Warum soll bei den Palästinensern falsch sein, was man bei den Syrern von der Uno ausdrücklich verlangt?» Wenn Du Dich informieren und nachdenken würdest, dann könntest Du Deine Frage selber beantworten, lieber Roger.

Bei diesen vielen Fehlüberlegungen kommt Köppel dann zwangsläufig zum falschen Schluss. Denn die Verlegung der Schweizer Botschaft in die Hauptstadt Israels bedeutet nicht «Partei ergreifen», sondern Realität anerkennen. Punkt.
Oder was ist «neutral» daran, Israels Hauptstadt ad infinitum abzulehnen, nur weil die palästinensische Führung eine Vereinbarung verweigert?

Die Verlegung der Schweizer Botschaft in die Hauptstadt Israels ebenso wie die Verlegung anderer Botschaften erhöht langfristig die Chance, den Friedensprozess in die Gänge und die Palästinenser zu Friedensverhandlungen an den Tisch zu bringen. Denn bislang hat die Schweizer Nahostpolitik der palästinensischen Führung lediglich signalisiert, dass sie auf alle Zeiten Friedensverhandlungen vermeiden und ein Friedensabkommen nach dem anderen ablehnen kann.

Summa summarum: Cassis vorzuwerfen, mit seiner Kritik an der UNWRA gegen die Neutralität der Schweiz zu verstossen, ist ebenso lächerlich, wie mit Zuckersäckliweisheiten à la «Reden ist Silber, Schweigen ist Gold» dagegenzuhalten.

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5 Gedanken zu “Roger der Scheinheilige

  1. Pingback: News 310518 | German Media Watch-Blog

  2. Bis heute wusste ich nicht recht, was ich von Roger Köppel halten sollte. Na ja, ich habe ihn ja auch nie richtig beachtet. Heute macht er als studierter Chefredaktor allerdings allen Weltwoche-Lesern klar, dass es mit seinem Geschichtswissen und seinem neutralen Denken himmeltraurig bestellt sein muss. Die „neutrale“ Schweiz hat schon lange einseitig Partei ergriffen: Für palästinensischen Terror – gegen Israel. Vgl. Würenlingen 1970. Die Aussage von BR Cassis richtete sich natürlich nicht gegen die Jööh-Folklore-Neutralität – sondern eher gegen die schweizerischen Schutzgeldzahlungen (getarnt als Zahlungen an die UNRWA). Klarer als BR Cassis hat es selten eine Person auf den Punkt gebracht. Und immerhin macht mir der Artikel von Roger Köppel klar, dass ich mit meinem Bauchgefühl über den Schreiberling seit jeher ziemlich korrekt liege.

  3. Wer ist eigentlich der „Schwaller gegen Köppels? Spätestens ab Punkt 5 der Widerlegungsthese wird’s stinkend schlammig. Keinem ist zu raten seine Grenzen generell zu schließen. Jedoch gilt auch für jeden der Grenz- oder Haudeintritt will, dass er an der Tür anklopft und sagt wer er ist.

    • @Reinhard Glanzer,
      ich und Roger Köppel kennen uns und er war von mir persönlich informiert worden, dass sein Beitrag voller Fehler ist und mein Widerspruch erscheinen wird.
      Zudem: R. K. kann sich sehr gut selbst verteidigen und diese Widerlegung seines Artikels verträgt er bestens, da R. K. ganz genau weiss, wann er zu Recht (und hier ist der Fall) kritisiert wird.

  4. Für diesmal ist Roger Köppel tatsächlich auf dem Holzweg! Ich kann seine Argumentation nicht nachvollziehen. Oder ist er ganz einfach jemand der sich immer dagegen stemmen muss, egal in welche Richtung? Cassis hat nur die Wahrheit gesagt. Endlich!

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