Israel – ein ganz normaler Staat? Was kann die Schweiz von Israel lernen?

70 Jahre nach der Gründung des Staates Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten so vielen Gefahren ausgesetzt wie noch nie in seiner Geschichte. Eine Expertenrunde diskutierte am Dienstag in Basel über die Sicherheitslage der Israelis sowie der Juden in Europa. Realisten rechnen mit allem.

VON ISABELLA SEEMANN und DANI BRANDT

Immerhin, am Ende des Abends schöpften selbst notorische Pessimisten Hoffnung. Zum 70-Jahr-Jubiläum der Gründung des Staates Israel luden jüdisch-christliche und israel-solidarische Organisationen am Dienstag zu einer Podiumsdiskussion im Basler Ackermannshof zum Thema «Learnings für Europa».

Neben Moderator Frank Lorenz, Co-Leiter der Offenen Kirche Elisabethen und Vorstandsmitglied der Christlich-Jüdischen Arbeitsgemeinschaft beider Basel (CJA) sassen Ahmad Mansour, arabischer Israeli und Extremismusexperte, Anat Weill, Familienfrau und jüdische Projektleiterin bei Christlich-Jüdisch Projekte (CJP), Arye Sharuz Shalicar, Abteilungsleiter im Nachrichtendienstministerium im Büro des israelischen Ministerpräsidenten, sowie Jakob Keidar, Botschafter des Staates Israel für die Schweiz und Liechtenstein, auf dem Podium.

Am 14. Mai feiert die einzige Demokratie im Nahen Osten ihr 70-jähriges Bestehen, doch immer wieder war Israel in Mehrfrontenkriege mit arabischen Staaten verwickelt und danach in asymmetrische Kriege mit Terrororganisationen wie der Hamas und der Hisbollah.

Moderator Lorenz führte die Zuhörer gleich zu Beginn ohne Umschweife mitten in die Dinge und wollte von Arye Sharuz Shalicar wissen, wie es heute um die Sicherheitslage Israels steht. Dieser beschränkte sich auf die Kurzausführung: «Heute ist unser Hauptfeind der Iran.» Dieser umzingle die Israelis mit den vom Iran unterstützten Terrororganisationen, hole dafür Islamisten aus dem Irak, aus Pakistan und aus Afghanistan und intensiviere die Kontakte in den Gazastreifen. «Israels Sicherheitslage ist gefährdeter, als je zuvor in seiner Geschichte», erklärt Arye Sharuz Shalicar eindringlich, «denn der Iran geht ausgeklügelter vor, als jeder arabische Staat, der uns angegriffen hat.» Es werde eine grosse Herausforderung sein, mit Hilfe der USA, Europas und arabischer Staaten den Iran zurückzudrängen.

Der in Berlin lebende arabisch-israelische Extremismusexperte Ahmad Mansour konstatiert bei Europäern jedoch erhebliche Naivität. Diese zeige sich in der Aussenpolitik mit dem Iran wie auch bei den Gefahren des politischen Islams in Europa. «Viele Leute trauen sich kaum, Themen wie Antisemitismus unter Muslimen anzusprechen – weil sie nicht als Rassisten oder Islamgegner eingeordnet werden wollen.»
Diesen Druck spürt auch die jüdische Familienfrau Anat Weill, die bereits ihre Koffer gepackt hat. Sie planen nach Israel auszuwandern und einer der Gründe sei der wachsende Antisemitismus. «Der Terror kommt auch in der Schweiz an», sagt Weill klipp und klar. Doch blieben Juden hier teils ungeschützt, denn sie würden bei ihren Sicherheitsvorkehrungen vom Schweizer Staat zu wenig unterstützt.

Diese Einschätzungen teilt Botschafter Jacob Keidar, auch wenn er sich von berufswegen diplomatischer ausdrückt. «Die Schweiz und Israel haben unterschiedliche Ansichten über die Gefahren.» Die Europäer sähen Israel als starkes, innovatives Land, aber seine grösste Herausforderung, die vom Iran unterstützten Terrororganisationen, würden verkannt. Kaidar schliesst die Debatte mit einer zuversichtlichen Note und betont die ausgezeichnete Zusammenarbeit zwischen den beiden Kleinstaaten in wirtschaftlicher Hinsicht und auch in Bezug auf die Sicherheit. Das Erfolgsgeheimnis israelischer Start-Up-Unternehmen, deren Hightech-Innovationen in ganz Europa gefragt sind, liege nämlich häufig im Militär.
Denn Israel beweist besonderes Geschick darin, Nachteile in Vorteile zu drehen.

Zuerst erschienen in BZ Basel

Fotos: © Photo Dominik Plüss und František Matouš

 

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4 Gedanken zu “Israel – ein ganz normaler Staat? Was kann die Schweiz von Israel lernen?

  1. Was kann die Schweiz von Israel lernen?
    Wenig, aber doch einiges:
    dass ein verurteilter Staatspräsident von den Behörden pfleglich behandelt wird!
    dass ein Ministerpräsident trotz mehreren Korruptionsvorwürfen im Amte bleiben darf
    (in funktionierenden Demokratien wäre Netanyahu längst des Amtes enthoben),
    dass in Israel nur die Meinung der Regierung geduldet wird, NGOs weg,
    dass UNO Resolutionen nicht verbindlich sind,
    dass fremdes Land gestohlen werden darf und die dort ansässige Bevölkerung vertrieben,
    dass in Deutschland eine Frau Knobloch Auftritte von Abraham Melzer verhindert,
    dass auch im Ausland Kritiker der Regierung, nicht des Staates und der Religion,
    grundsätzlich verhöhnt und verleumdet werden!
    Dass alle die nicht die Regierungsdoktrin vertreten Antisemiten sind!
    Soll die Schweiz davon wirklich lernen?

  2. „Die Schweiz“ ist derart einseitig gewickelt, dass sie kaum von Israel etwas lernen will. Im Gegenteil „die Schweiz“ hat die Meinung, dass Israel von ihr lernen könnte.
    🙂

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