Die Heuchler vom Tagi

Den Aufwand, Journalisten zu widersprechen und dem Publikum ihre Torheit vor Augen zu führen, kann man sich sparen. Nach kurzer Zeit tun sie es selber.

Nach einer weiteren Welle von Terroranschlägen verkündete Arthur Rutishauser, Chefredaktor von Tages-Anzeiger, SonntagsZeitung und den entsprechenden Online-Ausgaben, am 30. Juli 2016 vollmundig, wichtigtuerisch und moralinsauer:

«Wir haben uns deshalb entschieden, der Problematik in Zukunft stärker Rechnung zu tragen und keine Bilder von Attentätern mehr zu publizieren, sowohl in der gedruckten Zeitung wie auch online. Ausgenommen von dieser Regel bleiben Beweisbilder wie etwa Aufnahmen von Überwachungskameras. Wie bisher werden wir keine Dokumente von Terrororganisationen abbilden. Die Namen der Täter werden wir abkürzen.»

Nach dem Motto «was interessiert mich mein Geschwätz von gestern» publizieren die von Arthur Rutishauser geführten Medien nun Namen und Gesicht des islamischen Terroristen von Berlin, der auf einem Weihnachtsmarkt zwölf Menschen im Namen Allahs totfuhr.

Allein in diesem Online-Artikel wird der islamische Terrorist Anis Amri 14x mit Namen genannt und 5x abgebildet.

In diesem Artikel hintergehen die Journalisten die Prinzipien ihres Chefs Arthur Ruthishauser gleich 27x, indem sie den ganzen Namen des Terroristen nennen:

Auch im gedruckten Tages-Anzeiger wird der Name mehrfach ganz genannt. Nur wie der Attentäter aussieht, diese Information hält der gedruckte Tagi seinen Lesern vor. Schliesslich wissen die Nannys vom Tagi am besten, was für ihre Leser gut ist.
Die gedruckte Ausgabe der SonntagsZeitung hingegen, die ebenfalls von Arthur Rutishauser geleitet wird, «gibt den Attentätern und deren Propaganda eine Bühne und animiert damit womöglich Nachahmer», um ihn beim Wort zu nehmen.

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Ist «heuchlerisch» eine angemessene Bezeichnung für die Haltung von Tagi-Journalisten?

Oder ist das ein bisschen unfair? Denn in einem sind die Qualitätsjournalisten vom Tagi konsequent: Sie weigern sich bis heute, zwei Jahre nach dem islamischen Terroranschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo, ihren ermordeten Kollegen Solidarität zu erweisen und das ikonographische Titelbild mit dem weinenden Mohammed zu zeigen.
Die Tagi-Redaktion stellt sich bis heute hinter ihren damaligen Chefredaktoren Res Strehle, für den nicht Solidarität mit den von Jihadisten ermordeten Journalisten wichtig ist, sondern für den das Appeasement gegenüber dem Islam die oberste Maxime ist. «Aus Rücksicht auf die breit geteilte Empfindlichkeit», begründete er damals feige seine Haltung.

Heute präsidiert der ehemalige Tagi-Chefredaktor Res Strehle die Journalistenschule MAZ und lehrt die nächste Generation Journalisten als Vorbild, wie man es mit dem Rückgrat einer Lackritzschnecke zu Erfolg im Beruf bringt.

Und auch beim Tagi hat sich an dieser erbärmlichen Haltung bis heute nichts geändert.

Was den Unterschied zwischen einem grossen intellektuellen Geist, der das Recht auf Meinungsfreiheit gegen den islamistischen Faschismus verteidigt, und einem kleinen intellektuellen Licht ausmacht, zeigt Salman Rushdie, dem seit dem 14. Februar 1989 Anhänger der Religion des Friedens nach dem Leben trachten.

«Religion, eine mittelalterliche Form der Unvernunft, wird, wenn sie mit modernen Waffen kombiniert wird, zu einer echten Gefahr unserer Freiheiten. Derartiger religiöser Totalitarismus hat zu einer tödlichen Mutation im Herzen des Islams geführt und wir sehen heute die tragischen Folgen in Paris. Ich stehe hinter Charlie Hebdo, so wie wir alle es tun müssen, um die Kunst der Satire zu verteidigen, die stets eine Kraft für die Freiheit und gegen die Tyrannei, Unehrlichkeit und Dummheit war. ‚Respekt vor der Religion‘ ist zu einer verschlüsselten Phrase mit der Bedeutung ‚Angst vor der Religion‘ geworden. Religionen, wie alle anderen Ideen, verdienen Kritik, Satire, und, jawohl, unsere angstfreie Respektlosigkeit.»

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2 Gedanken zu “Die Heuchler vom Tagi

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