Herzog, Wessels, Brutschin: BDS? Kennen wir nicht. Google? Auch nicht.

fullsizerenderVon David Klein

Mücks antiisraelische Gesinnung stellt für keinen der drei SP-Regierungsräte ein Problem dar. In der BaZ werden Herzog, Wessels und Brutschin folgendermassen zitiert:

Die drei angesprochenen SP-Regierungsräte kennen die Organisation BDS nicht. Und Heidi Mück hat festgehalten, dass sie nicht Mitglied von BDS ist.

Für eine kurze Google-Suche war den Magistraten ihre Zeit offensichtlich zu schade.

Man stelle sich hingegen vor, Mück wäre Mitglied, Anhängerin, Unterstützerin, Sympathisantin (oder wie auch immer man jemanden bezeichnen möchte, der seinen Namen und Bildnis für eine Organisation zur Verfügung stellt) einer Vereinigung, die als islamkritisch – oder, Gott bewahre – islamfeindlich eingestuft ist, wie die English Defence League (ob zurecht sei dahingestellt).

Die bezüglich der BDS däumchendrehenden Staatsdiener hätten wohl nicht schnell genug ihre Generalsekretäre oder andere mindere Schreibkräfte aufgescheucht, um sich von ihnen eine vor Empörung bebende Stellungnahme schreiben zu lassen.

Denn wer will schon das potenziell karriereschädigende Risiko eingehen, der Islamophobie bezichtigt zu werden? Dann ist man doch lieber antijüdisch (was ja letztendlich auch der SP-Doktrin entspricht).

Warum antijüdisch? Wer Israel dämonisiert, diffamiert und boykottiert (oder sich nicht daran stört, dass Mück dies tut), meint damit sicher nicht die 20 Prozent in Israel lebenden Araber (13 sitzen in der Knesset), die als vollwertige Staatsbürger mehr zivilrechtliche Freiheiten geniessen, als in jedem arabischen/muslimischen Land der Erde, sondern die Juden.

Rassismus ist nämlich gaaaaaanz schlimm, ausser er richtet sich gegen weisse Männer, NordamerikanerInnen oder Israel.

Ich hatte dem flotten Regierungs-Dreier diesbezüglich ein paar Fragen gestellt, die sogar

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Gib eine Beschriftung ein

für einfach gestrickte Lokalpolitiker einer provinziellen Kleinstadt verständlich sein sollten:

 

Frage: Weshalb haben Sie Sich nicht über BDS informiert? Immerhin handelt es sich dabei um eine Organisation, deren Gründungsmitglied Omar Barghouti sagt: «BDS widersetzt sich in jedem Fall der Gründung eines jüdischen Staats irgendwo in Palästina.»

Frage: Mück war 2011 in der bezahlten WOZ-Beilage der BDS mit Foto vertreten (PDF beigefügt), auf der BDS-Website ist sie es bis heute, behauptet aber, «keine Anhängerin der BDS» zu sein. Wie glaubwürdig ist Ihrer Ansicht nach diese Aussage von Mück?

Frage: Wie glauben Sie fühlt sich der Maler und Buchautor Shlomo Graber, ein 90-jähriger Auschwitz-Überlebender, der seit 1989 in Basel lebt, dass er unter Umständen in Zukunft von einer Regierungsrätin regiert werden soll, die Israel boykottiert und gegen Israel hetzt?

Frage: Wie glauben Sie beurteilen Graber und die restlichen Basler Juden Ihre Weigerung, sich mit einer Organisation auseinander zu setzen, deren Anhänger regelmässig Künstler mit dem Tod bedrohen, die in Israel auftreten?

Frage: Wie glauben Sie beurteilen Graber und die restlichen Basler Juden, dass Sie in Mücks Unterstützungskomitee zusammen mit Birgit Althaler fungieren, Korrektorin und Übersetzerin, Palästina Solidarität und BDS Schweiz, ebendieser Organisation, die Sie vorgeben, nicht zu kennen?

Jüdische Gemeinde gehört «unzweifelhaft» zu Basel (das war zwar nicht die Frage, aber ja, was denn sonst…?)

Doch offensichtlich waren die Herren Brutschin und Wessels selbst mit diesen Fragen überfordert. Denn am 4. November erreichte mich folgende Antwort eines Herrn Dr. Claus Wepler, seines Zeichens Generalsekretär Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, Kanton Basel-Stadt, der mir im Auftrag von Hampe und Stöffel Folgendes beschied:

Wir möchten noch einmal klar festhalten, dass Heidi Mück betont hat, dass sie nicht Mitglied von BDS ist, und wir diese Organisation nicht kennen. Generell sehen wir die grossen Probleme aufgrund des Nahostkonflikts. Vieles ist schwierig, von aussen zu beurteilen. Was Basel betrifft, stehen wir für einen Dialog bewusst mit allen Religionen und Kreisen. Dass die jüdische Gemeinde unzweifelhaft zu Basel gehört, steht dabei ausser Frage.

Da hatte wohl jemand meine Anfrage gründlich missverstanden, denn ich fragte weder, ob der Nahostkonflikt «schwierig von aussen zu beurteilen» sei, noch, ob die Herren Brutschin und Wessels «für einen Dialog bewusst mit allen Religionen und Kreisen stehen».

Und was das wohlfeile Lippenbekenntnis, es stehe «ausser Frage», dass die jüdische Gemeinde «unzweifelhaft zu Basel gehört», damit zu tun hat, dass man eine antiisraelische Kandidatin in der Regierung der Herzl-Stadt Basel willkommen heisst, bleibt rätselhaft.

Ich fasse zusammen:

Die Eingabe «BDS» bei Google ergibt in 0.84 Sekunden 80’900’000 Resultate. Das Topresultat ist die internationale Website der BDS-Bewegung, wo zum kulturellen, wirtschaftlichen, akademischen und sportlichen Boykott von Israel aufgerufen wird und gemäss den BDS-Forderungen Israel das Existenzrecht abgesprochen wird. Das vierte Resultat ist ein Wikipedia-Eintrag zu BDS, das fünfte Resultat ist die Website der BDS-Schweiz.

Trotzdem möchten die Herren Brutschin und Wessels fast einen Monat nachdem sie von der BaZ mit der BDS konfrontiert wurden, «noch einmal klar festhalten, dass wir diese Organisation nicht kennen». Will heissen, sie weigern sich nach wie vor explizit, eine kurze Google-Suche zu einer Organisation zu starten, die aufgrund ihrer einseitigen und damit antisemitischen Verurteilung Israels weltweit scharf kritisiert wird, in Spanien als «sowohl gegen die Verfassung als auch gegen die Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten verstossend» beurteilt wird und in Frankreich sogar verboten ist.

Auch die von mir bereitgestellten Links und Artikel über BDS wollen die Herren Brutschin und Wessels nicht zur Kenntnis nehmen, ebensowenig die Tatsache, dass sie zusammen mit der BDS-Unterstützerin Birgit Althaler im Unterstützungskomitee von Heidi Mück fungieren.

Trotz Mücks‘ offensichtlichen Falschaussage bezüglich ihrer langjährigen Unterstützung der BDS, möchten die Herren Brutschin und Wessels «noch einmal klar festhalten, dass Heidi Mück betont hat, dass sie nicht Mitglied von BDS ist.» Dass Mück betont, kein BDS-Mitglied zu sein, ist ausserdem reichlich spitzfindig: Es gibt bei BDS nämlich gar keine Mitglieder, nur Unterstützer, Sympathisanten, Anhänger oder ähnliches. Inwiefern es demnach Mück entlasten soll, kein Mitglied einer Organisation zu sein, die keine Mitglieder aufnimmt, wird wohl das Geheimnis der Herren Regierungsräte bleiben.

Ob die Herren Brutschin und Wessels mit ihrer Weigerung, sich mit der antisemitischen BDS auseinander zu setzen, die Gefühle des 90-jährigen Auschwitz-Überlebenden Shlomo Graber oder der Basler Juden verletzen, oder wie Graber und die Basler Juden es empfinden, unter Umständen in Zukunft von einer Regierungsrätin regiert zu werden, die Israel boykottiert öffentlich gegen Israel hetzt und gemäss den Forderungen der von ihr unterstützten BDS faktisch das Existenzrecht Israels bestreitet, ist für die Herren Brutschin und Wessels nicht von Interesse und keine Antwort wert.

Und was sagt Eva Herzog auf Anfrage zur «Causa Mück»? Die resolute und feudalistisch regierende baselstädtische Staatsbuchhalterin hält es mit Louis XIV (l’état c’est moi/der Staat bin ich): Sie foutiert sich.

Doch was kann man von einer Regierung anderes erwarten, deren Vorgänger im Januar 1349 Basels erste jüdische Gemeinde in einem eigens dafür gebauten Holzhaus auf einer Rheininsel verbrennen liessen. Mehr über die unrühmliche Beziehung der Stadt Basel zu ihren Juden erfahren Sie in Kürze hier.

Ein Gedanke zu “Herzog, Wessels, Brutschin: BDS? Kennen wir nicht. Google? Auch nicht.

  1. Ach David, es ist zum Verzweifeln. Ich überlege mir, ob ich Frau Mück ein paar der nach BDS Willen boykottierten Datteln schicken soll? Mit der entsprechenden Bemerkung: durch den Kauf von 5 Kg. Datteln Medjoul, was sonst, haben wir zum Arbeitsplätze-Erhalt der Palästinenser beigetragen.
    Andererseit s ist es schade für die guten Datteln!

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