Geldsegen für Günstlinge

Von David Klein David Klein

Wenn die verbeamteten Kulturverwalter des Bundesamts für Kultur (BAK) einen mit 100’000 Franken dotierten Schweizer Musikpreis ausloben (Nominierte erhalten 25’000 Franken), lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Ich habe mir 2015 die Mühe gemacht, die Vergabepraktiken zu analysieren, die diesem Preis zugrunde liegen.

Da der Preis durch die Vergabe an Sophie Hunger, wohlstandsgesättigte Diplomatentochter aus reichem Hause und bereits glückliche Empfängerin von rund 400’000 Franken Schweizer Kultursteuergeld, in Kritik geraten ist, nachfolgend meine Erkenntnisse, die 2015 bei den Medien keine Beachtung fanden.

Fragwürdiges «Expertenteam»

Die wichtigste Rolle im Auswahlverfahren des «Grand Prix Musik» spielt das «unabhängig arbeitende zehnköpfige Expertenteam», bestehend aus «Musikjournalisten, Musikschaffenden und Musikexperten», das rund 70 auszeichnungswürdige Kandidaten vorschlägt, von welchen die siebenköpfige Jury 15 Musikschaffende nominiert, unter denen letztendlich eine Gewinnerin oder ein Gewinner ausgewählt wird.

Dieses Prozedere soll gemäss Martine Chalverat, Sektion Kulturschaffen/Musikförderung des BAK, die «Unabhängigkeit der Jury bei der Wahl der Nominierten gewährleisten.»

Auf eine erste Anfrage (2014) verweigerte Frau Chalverat die Veröffentlichung der Namensliste des «Expertenteams» kategorisch. Erst nach mehrmaligem Nachhaken wurden die Namen 2015 kommuniziert.

Als Erstes fällt auf, dass die Meisten der «Experten» aus der Westschweiz stammen. Die Gründe dafür werden wohl das Geheimnis des BAK bleiben. Des Weiteren sind fast alle bei SRF und SUISA tätig oder waren es, oder es sind Booker für Clubs und Festivals (wie Frau Chalverat es im Musikklub Fri-Son war).

Seilschaften

Was macht jedoch aus einem Booker oder Mitarbeiter des SRF, beziehungsweise der SUISA einen «Experten»? Und noch dazu einen «unabhängigen». Es gibt wohl keine Berufsgruppe, die weniger unabhängig ist, als Booker und Mitarbeiter des SRF oder der SUISA.

Diese Berufe bedingen geradezu die Entstehung und das Pflegen von Seilschaften, man braucht sich gegenseitig und «man kennt sich». Wie kann das BAK von einem Christian Gilardi, der als Musikchef des Radios der italienischsprachigen Schweiz (RSI) so viel Macht über andere Musiker hat, von Unabhängigkeit sprechen?

Auch die sogenannten «freischaffenden» Musikjournalisten entbehren jeglicher Unabhängigkeit, denn sie sind abhängig von den Künstlern über die sie schreiben und umgekehrt.

Gemäss Frau Chalverat sucht das BAK auch bei Verbänden nach Experten. Auch Verbände sind beileibe nicht für ihre Unabhängigkeit bekannt. Allein das Wort «Verband» impliziert «Verbandelung».

Dass die «Experten» jedes Jahr wechseln, wie Frau Chalverat beteuert, trägt ebenfalls nicht zur Unabhängigkeit bei. Ganz im Gegenteil werden die neuen «Experten» entsprechend ihre Copains als Nominierte vorschlagen.

Verstrickungen zwischen Experten, Nominierten und Jurymitgliedern

Die anfängliche Zurückhaltung von Frau Chalverat bezüglich der Offenlegung der Experten ist durchaus nachvollziehbar, denn die Namen offenbaren Verstrickungen zwischen Experten, Nominierten und Jurymitgliedern, die die vermeintliche «Unabhängigkeit der Jury bei der Wahl der Nominierten» ad absurdum führen.

In der vom BAK mandatierten Expertenrunde sitzt Xavier Dayer, SUISA-Vorstandspräsident und Dozent an der Hochschule der Künste Bern (HKB), Fachbereich Musik. Dieser nominierte seine Kollegin Cathy van Eck, ebenfalls Dozentin an der HKB, Fachbereich Musik. Beurteilt wird van Eck wiederum von ihrer Vorgesetzten, Graziella Contratto, Leiterin Fachbereich Musik an der HKB, die als Jurypräsidentin der «unabhängigen» Musikpreis-Jury amtet.

Ein Vergleich

Man stelle sich vor, Basel vergibt einen Architekturpreis. Eine vom Regierungsrat beauftragte Expertenrunde um Jacques Herzog soll geeignete Kandidaten präsentieren, unter welchen die Jury, präsidiert von Pierre de Meuron, einen Gewinner kürt. Wenn nun noch einer der empfohlenen Architekten aus dem Büro HdM stammt, man wäre zu recht empört.

Xavier Dayer, seit 2011 Präsident der SUISA, versichert auf Anfrage, seine Arbeit «als unabhängiger Experte, in absoluter Autonomie und ohne jeglichen Druck» verrichtet zu haben. Fragen bezüglich des Auswahlverfahrens seien an das BAK zu richten. Ob er selbst seine Kollegin und Mitdozentin an der HKB, Cathy van Eck, vorgeschlagen hat, wollte er nicht beantworten.

Weder Jurypräsidentin Contratto, noch van Eck hielten es für nötig, eine Stellungnahme abzugeben. Frau Chalverat versicherte, dass der Preis sich «sowohl nach dem Kulturförderungsgesetz als auch nach der Verordnung über die Förderung der Kultur richtet, in welcher die Preise, die Auszeichnungen und die Ankäufe definiert sind.»

Ausländische Experten erschweren Filz

Dabei wäre dieser unerträgliche und entwürdigende Filz selbst in der winzigen Schweiz, wo jeder jeden kennt und keine Krähe der anderen ein Federchen zerzaust, geschweige denn ein Auge aushackt, gar nicht nötig.

Das Basler Kulturdepartement, in dem ansonsten bezüglich Nepotismus und Günstlingspolitik die gleichen Unsitten herrschen wie im BAK, geht hier ausnahmsweise mit gutem Beispiel voran.

Für die neue Programmförderung Orchester des Kantons Basel-Stadt wurde eine Fachjury eingesetzt in der mit Michael Breugst, Musikredakteur bei WDR 3, Köln, Björn Gottstein, Künstlerischer Leiter der Donaueschinger Musiktage, Stuttgart, Christine Lemke-Matwey, Redakteurin im Feuilleton DIE ZEIT, Hamburg, Regula Rapp, Rektorin an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und Alexander Steinbeis, Orchesterdirektor beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin (DSO), fast ausschliesslich ausländische JurorInnen vertreten sind. Dadurch wird Vetternwirtschaft vielleicht nicht gänzlich verunmöglicht, aber zumindest erheblich erschwert.

BAK betrachtet den Austausch als beendet

Auf eine letzte Anfrage an Isabelle Chassot, Direktorin des BAK, ob trotzdem der Experte (Dayer), die Nominierte (van Eck) als auch die Jurypräsidentin (Contratto) ein und derselben Organisation angehören, die nötige Unabhängigkeit und Distanz noch gegeben sind, die für die Integrität des Auswahlverfahrens unabdingbar sind, antwortete BAK-Pressesprecherin Anne Weibel: «Wir betrachten den Austausch in dieser Sache als beendet und werden auf weitere Eingaben ihrerseits nicht mehr reagieren.»

7 Gedanken zu “Geldsegen für Günstlinge

  1. Wenn Ihr Befund über die ‚voll vernetzte‘ Schweiz stimmt, dann klagt doch hier nur eine Seilschaft gegen die Andere, weil die mal wieder einen Knoten mehr geknüpft hatte.
    Das die ganze seltsame Diskussion einen Beigeschmack hat, steht für mich darin fest, dass die vorhergehenden Gewinner dagegen quasi keine Beachtung fanden. Rand- und Hochkultur ist ok. Bei „Mainstream“ will jeder dabei sein. Frau Hunger scheint für Viele was persönliches zu sein.
    Und der Architektenvergleich hier ist Unsinn oder mindestens unsorgfältig: Der Grand Prix wird nicht von Musikern oder Musiklabels an Musiker vergeben.

    • Das ist natürlich, wie fast immer, wenn jemand über etwas schreibt, wovon er wenig bis keine Ahnung hat, Nonsens. Der Vergleich ist selbstverständlich absolut korrekt. Die Basler Regierung vergibt ihn und bestimmt Expertenteam sowie Jurypräsidenten, nicht irgendwelche Architekten. Das nächste Mal sorgfältiger lesen.

      • ich habe noch einmal sorgfältig gelesen und Sie schreiben davon, wenn ‚HDM/Architekten einen Architekten für den Architekturpreis küren würden‘ und beim Grand Prix sind es nicht Musiker die an Musiker den Preis vergeben. Vermutlich habe ich einfach keine Ahnung, was Sie meinten als Sie das schrieben. Dann darf ich Ihnen vielleicht zurückgeben, dass Sie zwar eine starke Meinung aber keine gute Umsetzung haben.

        • Anonymen Heckenschützen, die feige aus dem Hinterhalt kommentieren, ohne ihre Identität preiszugeben, antworte ich normalerweise nicht.

          Aber Ihr Kommentar ist so hanebüchen, dass er allein aufgrund seiner Zurschaustellung Ihrer grandiosen Unfähigkeit, logische Zusammenhänge zu verstehen, eine Antwort verdient.

          Davon, dass «HDM/Architekten einen Architekten für den Architekturpreis küren würden» steht kein Wort in meinem Artikel.

          Ich werde versuchen Ihnen den Vergleich nochmal auszubuchstabieren (auch wenn Sie es vermutlich immer noch nicht begreifen werden). Für die gänzlich Begriffsstutzigen (also Sie) sind die jeweiligen Akteure der Musikpreis-Gremien sind in Klammern vermerkt:

          Die Basler Regierung (BAK) mandatiert ein Expertenteam und eine Jury. In beiden sitzt ein Vertreter von HdM (HKB). Einer (oder mehrere) der Nominierten kommt ebenfalls von HdM (HKB).

          Ist der Groschen jetzt gefallen…?

          • bei Leuten die holzhammerartig argumentieren halte ich mich bestimmt in Distanz, wenn Sie das meinen. Ansonsten bevorzuge ich Sachlichkeit, nicht die Person.

            Logik geht bei mir sonst eigentlich ganz gut und ich bleibe auch dabei das es ein KATEGORISCHER Unterschied ist, dass der Grand Prix von „Kulturschaffenden aus dem Bereich Musik“ vergeben wird, aber NICHT VON MUSIKERN (die die Instrumente halten, Singen, Rumziehen … praktizierende Sänger oder Singgruppen, Sie wissen schon) an MUSIKER (die die … na Sie wissen schon). Während Ihr Vergleich ein Set-Up kreiert in dem ARCHITEKTEN – die die Bauten entwerfen – ein Preis an ARCHITEKTEN – die auch Bauten entwerfen (und vielleicht noch im gleichen Betrieb) vergeben.
            In meiner Logik trenne ich da zwischen den Kategorien „Direkte Akteurs-Konkurrenz“ : „Nicht direkte Akteurs-Konkurrenz“ oder „Musiker : Nicht-Musiker“ vs. „Architekten : Architekten“. Deshalb funktioniert für mich dieser Vergleich nicht.

            Wenn ich Sie zu verstehen versuche, scheint mir, dass sich Ihnen die „Seilschaften“ so fest um alles schlingen, dass sich Ihnen die ganze verschworene Musikszene zu einem einzigen Bündel schnürt – und dann eben alles Gleich wird.

            Auf jeden Fall verstehe ich, dass Ihnen die ganze ungerechte Sache so wichtig ist, dass Ihnen solche Feinheit (oder jemand der darauf besteht) stossend sind. Das muss auch nicht weiter auswachsen. Ich kenne Sie ja auch nicht und bin inzwischen auch nicht neugieriger geworden.

          • @Paul Langer Rede, kurzer, beziehungsweise gar kein Sinn. Ein letzter Versuch: Das Expertenteam des Grand Prix Musik besteht AUCH AUS MUSIKERN. Das Expertenteam des Architekturpreises besteht NICHT NUR AUS ARCHITEKTEN. Vergeben werden die Preise vom Staat, BAK und Regierungsrat.

            Auf jeden Fall verstehe ich, dass es Sie offensichtlich schmerzt, falsch zu liegen, das ist nicht mehr als menschlich, wenn auch reichlich kindisch. Unrecht zu haben, hat jedoch mit imaginären «Feinheiten» nichts zu tun.

            Vielleicht liegt es auch daran, dass Deutsch nicht Ihre Muttersprache zu sein scheint. Whatever…

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