Was der Papst in Auschwitz hätte sagen müssen

David Klein David Klein

Nach Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hat mit Franziskus nun also auch ein dritter (!) Papst den Weg nach Auschwitz gefunden, diesen unseligen Ort, der wie kein anderer den versuchten Genozid der Nazis an den europäischen Juden symbolisiert.

Freilich kam Franziskus nicht aus freien Stücken, sondern folgte der Einladung ehemaliger Auschwitz-Häftlinge, mit denen er in Auschwitz «ein kurzes Gespräch» führte.

Man fühlt sich unangenehm an Wagner-Kanzlerin Merkel erinnert, die zwar jedes Jahr wallfahrtähnlich auf den braunen Hügel zu Bayreuth pilgert, jedoch erst ein Mal, ebenfalls auf Einladung des 93-jährigen Holocaustüberlebenden Max Mannheimer, die Gedenkstätte des KZ Dachau bei München besuchte. Auf dem Weg zu einer Bierzelt-Wahlveranstaltung stattete Merkel als erste deutsche Regierungschefin überhaupt, dem einzigen Konzentrationslager, das in den zwölf Jahren der NS-Herrschaft durchgehend in Betrieb war, eine offizielle Visite ab und hielt «als Zeichen des Respekts für die ehemaligen Häftlinge» eine «kurze Rede». Von sich aus war in den letzten fast 70 Jahren nicht nur kein deutscher Regierungschef auf die Idee eines Besuchs gekommen, Kanzler Kohl lehnte seinerzeit einen solchen sogar explizit ab.

Christlicher Antijudaismus

Dass Johannes Paul II. 1979, fünfunddreissig Jahre nach dem Holocaust, als erster Papst Auschwitz besuchte, nennt die Tagesschau einen «gewagten, aber in seiner Art auch richtigen Schritt».

Gewagt…?! Richtiger Schritt…?!

Diffamiert nicht das Neue Testament, die heilige Schrift des Christentums, die Juden als Jesusmörder?

Sagt nicht Paulus von den Juden, «sie gefallen Gott nicht und sind eines jeden Menschen Feind»?

Unterstellt nicht Johannes den Juden sie seien Kinder des Teufels (Ihr Vater ist der Satan)? StürmerDie Nazi­Zeitung Der Stürmer zitiert diese christliche Verleumdung eines Bunds der Juden mit dem Teufel auf dem Titelblatt vom Dezember 1938.

War es nicht der Benediktinermönch Thomas von Monmouth, der mit seiner Schrift De Vita et passione sci Willelmi martiris norwic aus dem Jahre 1150 die Ritualmordlegende in die Welt setzte, die seitdem als verleumderische Anklage gegen Juden benutzt wird?

War es nicht die kirchliche Propaganda, welche die Juden während der europäischen Pestepidemie (1348 bis 1350) als «Brunnenvergifter» verunglimpfte, obwohl der italienische Chronist Gabriel de Mussis bereits 1347 schrieb, die Pestkranken «verströmen mit jedem ausgesprochenen Wort Gift aus ihrem Mund», die Pest also als Ansteckungskrankheit bekannt war?

Waren es nicht Martin Luthers zahlreiche Dekrete gegen die Juden aus seinem Pamphlet Von den Juden und ihren Lügen, welche die Nazis mit deutscher Gründlichkeit, rückhaltloser Unterstützung der christlichen Kirchen und der tatkräftigen Hilfe gütiger Christenmenschen umsetzten:

Die Reichskristallnacht (Man soll ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecken und was nicht verbrennen will mit Erde überhäufen), die Ghettos (dass man ihre Häuser zerbreche und zerstöre, dafür mag man sie unter ein Dach oder einen Stall tun), die Enteignung (dass man nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod), die Konzentrationslager (dass man den Juden und Jüdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Spaten und lasse sie ihr Brot verdienen im Schweiss der Nasen), die Endlösung (Summa: dass wir alle der teuflischen Last der Juden entladen werden)

Auf allen Vieren

Angesichts dieser unsäglichen Verbrechen der christlichen Kirche gegen die Juden, hätte jeder Papst von sich aus eine jährliche Pilgerreise nach Auschwitz antreten sollen, statt auf Einladungen von Holocaustüberlebenden zu warten. Die «Hirten der Universalkirchen» hätten den Weg von Rom nach Auschwitz auf den Knien, nein, auf allen Vieren zurücklegen sollen, in den Holzschuhen, die auch die Auschwitz-Insassen tragen mussten, um die Gelegenheit wahrzunehmen, ihre geheiligten Häupter in unendlicher Scham zu senken, vor dem Andenken an die jüdischen Männer, Frauen und Kinder, an deren millionenfacher Ermordung sie mitschuldig waren und sind.

Lediglich drei der Nachfolger des Apostels Petrus hielten es für nötig, nach Auschwitz zu kommen.

Johannes Paul II. und Benedikt XVI. hielten lange Reden. Wobei ausgerechnet der deutsche Benedikt XVI., der nach eigenen Aussagen «wider Willen» in die Hitlerjugend «hineingemeldet» wurde, in seiner in jeder Hinsicht misslungenen Rede die christliche Schuld an der Shoah zu relativieren versuchte, indem er die Deutschen als durch die Nationalsozialisten Verführte und Verblendete darstellte. Den katholischen Antisemitismus erwähnte er mit keinem Wort. Auch seine Frage «wo war Gott in jenen Tagen?» war irrelevant. Denn die vorwiegend christlichen Beschäftigten des Vernichtungslagers verrichteten «Gottes Werk» auch in seiner Abwesenheit mit Inbrunst. Von den rund 8000 SS-Schergen, die in Auschwitz gedient hatten, wurden übrigens gerade mal 22 in Nürnberg angeklagt.

Schweigen als medial inszeniertes Bertoffenheitsritual

Papst Franziskus hingegen, von dem die Presse ehrfurchtsvoll schreibt, dass er mit «gesenktem Haupt und ernster Miene» das Eingangstor der ehemaligen Todesfabrik «durchschritt» (soll er womöglich singen und tanzen, wie der 89-jährige Auschwitz-Überlebende Adolek Kohn, der 2009 mit seiner Familie in Auschwitz zum Gloria Gaynor-Hit I will survive mit Fug und Recht eine kesse Sohle aufs Parkett legte?) sagte:

Nichts

Dies, obwohl der streitbare Papst normalerweise nicht um eine provokante Schlagzeile verlegen ist. So befürwortet er eine «würdige» Prügelstrafe für Kinder und ist ein militanter Kritiker der Homosexuellen-Ehe. Selbst der Brief der ehemaligen Auschwitz-Häftlinge an die Teilnehmer des Weltjugendtages («Wir wollen nicht, dass dieser Ort des Grauens in die Stille fällt») hielt den Papst nicht von seiner trotzigen Entscheidung ab, «Das Dröhnen der Stille wirken zu lassen».

«Zumindest segnen hätte er uns können», sagte denn auch Barbara Doniecka, die als Elfjährige während des Warschauer Aufstands der Polnischen Untergrundarmee 1944 nach Auschwitz verschleppt wurde. Andere anwesende Juden erwarten nach dem Schweigen des Pontifex auch Taten, etwa die von Elie Wiesel angeregte Exkommunizierung der schlimmsten Nazi-Schergen.

Für eine echte Aufarbeitung der Verbrechen der Kirche an den Juden braucht es einiges mehr als die zwei Allgemeinplätze, die Franziskus ins Gästebuch des KZ-Museums kritzelte: «Herr, habe Erbarmen mit deinem Volk! Herr, vergib uns so viel Grausamkeit.»

Für die Feigheit, sich mit einem fotogenen und medienwirksam inszenierten Betroffenheitsritual (der Papst allein im Dämmerlicht in der Zelle von Pater Maximilian Kolbe) aus der Verantwortung für die Mitschuld der Kirche am Holocaust zu stehlen, wurde der Sprachlose von einer in jeder Hinsicht unkritischen Weltpresse, deren moralischer Kompass vollends zu versagen scheint, in höchsten Tönen gelobt. Kein Superlativ zu schade, kein Allgemeinplatz zu platt, um nicht bemüht zu werden.

Der Papst hätte mit seinem «lauten Schweigen», mit dem er gegen millionenhaften Mord «aufschreie», mehr «zum Ausdruck gebracht», als «jedwede hier gehaltene Rede», schwurbelte die Tagesschau. Was zähle, seien nicht «Stellungnahmen und Kommentare», sondern Franziskus‘ «Taten außerhalb des Konzentrationslagergeländes». Sein «unmissverständlicher Appell» an die polnische Regierung, Flüchtlinge aufzunehmen, sei da nur «ein Beispiel von vielen».

Relativierung von Auschwitz

Offensichtlich erliegt neben dem Papst auch der Tagesschaukorrespondent Henryk Jarczyk (WDR) dem kafkaesken Trugschluss, dass Europa, welches durch seine tatkräftige Mithilfe bei der nationalsozialistischen Judenverfolgung den Holocaust erst möglich machte, seine Schuld gegenüber den Juden ausgerechnet dadurch mindern könne, dass der Subkontinent mit Millionen von Muslimen geflutet wird, von denen gemäss aktuellen Studien ein erschreckend hoher Prozentsatz von einem inhärenten, religiös bedingten Antisemitismus befallen ist (im Koran sind die Juden Affen und Schweine und die grössten Feinde der Muslime). Wenn Jarczyk dann auch noch Auschwitz, das «größte Massengrab der Menschheit» relativiert, indem er die industrielle Vernichtung von Menschenleben in Tötungsfabriken mit der aktuellen Flüchtlingskrise vergleicht und das Mittelmeer als zukünftigen «grössten Friedhof der Menschheit» bezeichnet, bleibt tatsächlich nur noch betretenes Schweigen.

An dieser Stelle ist ein kritischer Blick auf die «Taten außerhalb des Konzentrationslagergeländes» von Papst Franziskus angebracht.

Der Papst und «Palästina»

Franziskus ist fünfzig Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil («Nostra Aetate») weit davon entfernt, sich mit der christlichen Schuld gegenüber den Juden angemessen auseinander zu setzen.

Stattdessen beeilt sich der heilige Vater im Namen der katholischen Kirche und deren antijüdischer Tradition, mit «Palästina» einen «Staat» anzuerkennen, deren politische Parteien, Hamas und Fatah in ihren Chartas unverhohlen die Vernichtung aller Juden fordern.

Ob diese «Anerkennung» auch den mörderischen palästinensischen Al Quassam Brigaden gilt oder den unzähligen palästinensischen Attentätern, die zurzeit wahllos israelische Zivilisten umbringen und dafür von der Hamas, wie auch der «gemäßigten» Fatah mit Geld (unter anderem aus der Schweiz) und Ehren überhäuft werden, lässt Franziskus offen.

Im theokratisch regierten Gazastreifen sind Ehrenmorde, Steinigungen von Frauen, Lynchmorde an politischen Gegnern, vermeintlichen Israel-Kollaborateuren aber auch Homosexuellen an der Tagesordnung. Gemäß einem Bericht der Menschenrechtsorganisation «Human Rights Watch» werden jedoch auch von der Fatah, die als politische Rivalin der Hamas die West Bank kontrolliert, die Rechte der Zivilbevölkerung systematisch verletzt. Menschen werden willkürlich inhaftiert, gefoltert, ohne Rechtsbeistand abgeurteilt, in Isolierhaft gehalten und ohne Prozess hingerichtet.

Ob Franziskus wohl Derartiges meinte, als er trompetete, die «Voraussetzungen» für eine Anerkennung von «Palästina» durch den Vatikan seien «erfüllt»?

Mahmoud Abbas, der päpstliche «Engel des Friedens»

Der millionenschwere Holocaustleugner und aufgrund fehlender Wahlen seit sechs Jahren demokratisch nicht mehr legitimierte Fatah-Präsident Mahmoud Abbas, gab 2013 vor ägyptischen Journalisten bekannt, in einem zukünftigen Apartheidstaat «Palästina» keinen Israeli zu dulden, «weder Zivilisten, noch Soldaten».

Am 16. September 2015 wiegelte Abbas am palästinensischen Fernsehen Palästinenser auf, wahllos jüdische Zivilisten umzubringen. Morde, von denen er bis dato nicht einen einzigen verurteilte: «Die Al-Aksa Moschee gehört uns. Die Israelis haben kein Recht, unsere heiligen Stätten mit ihren schmutzigen Füssen zu entweihen. Jeder Tropfen Blut, der in Jerusalem verschüttet wurde, ist reines Blut, solange es für die Sache Allahs war. Alle Märtyrer werden in den Himmel kommen, und jeder Verletzte wird belohnt werden, so Allah es will. Wir werden alles tun, um Jerusalem zu verteidigen».

Ob es derartige Verlautbarungen sind, die Abbas als «Engel des Friedens» qualifizieren, als welchen ihn der Pontifex Maximus in eklatanter Verkennung der Fakten schönredete?

Der Papst und der Judenhasser

Im Vorfeld der Anerkennung eines Staates, der Palästina «vom Jordan bis zum Meer» von Juden säubern will, traf Franziskus den aktuellen palästinensischen Mufti von Jerusalem, Mohammed Husseini, einen bekennenden Judenhasser, der in einem auf Youtube dokumentierten Video öffentlich zum Judenmord als «muslimische Pflicht» aufrief.

Begründet hatte er dies mit der Hadith Sahih al-Bukhari: «Der Prophet sagte, dass die Stunde nicht kommen wird, bis die Muslime die Juden bekämpfen und umbringen; bis der Jude sich hinter dem Stein und Baum versteckt und der Stein und der Baum sagen wird: Oh, du Muslim, oh, du Diener Allahs, dies ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt, komm und bring ihn um».

Angekündigt wurde Hussein mit den Worten: «Seine (Husseins) Worte sind nötig, weil unser Kampf gegen die Affen und Schweine (Juden) ein religiöser Glaubenskrieg ist!» Die Empörung nach seiner Hetzrede vom 09.01.2012 in Jerusalem, quittierte der Scheich mit der Bemerkung, er hätte «lediglich den Koran zitiert».

Die «gemeinsamen spirituellen Werte», die der Papst mit dem Iran teilt

Am 26.01.2016, einen Tag vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag, traf sich der Papst «in herzlicher Atmosphäre» mit dem iranischen Präsidenten Rohani, dessen «gemäßigten Kurs» der Papst bereits mehrfach gewürdigt hatte. Seit langem gibt es regelmäßige Treffen zwischen vatikanischen Vertretern und führenden iranisch-schiitischen Theologen, während denen auch die «gemeinsamen spirituellen Werte» zur Sprache kommen.

Ob damit wohl die über 1000 Menschen gemeint sind, die der Iran gemäß Amnesty International 2015 hinrichten ließ? Oder vielleicht die Neuauflage des iranischen Holocaust-Karikaturenwettbewerbs, mit einem Preisgeld von 50’000 USD? Oder etwa das 2015 veröffentlichte Buch «Palästina» von Ali Chamenei, in dem der «Oberste Führer» des Iran auf über 400 Seiten die Vernichtung Israels und die Weltherrschaft des Islam predigt?

Die antijüdische Marschrichtung des Papstes

Abwegig ist die Marschrichtung des Papstes nicht. Waren es doch missionierende arabische Christen, die 1869 erstmals europäische antisemitische Traktate, wie die gefälschte antisemitische Hetzschrift «Die Protokolle der Weisen von Zion», ins Arabische übersetzten und damit den Muslimen im Nahen Osten die Juden als Großkapitalisten, Umstürzler und Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft präsentierten.

Wenige Tage nach dem blutigen Massaker in Brüssel vom März dieses Jahres, wusch Franziskus als «Geste der Demut» und «ganz einfach in weiss gekleidet» in einem Flüchtlingsheim in Rom elf Asylanten die Füsse, was diese «zu Tränen rührte». Danach liess der Papst verlauten: «Ob Muslime, Hindus, Katholiken oder Kopten: Wir sind alle Brüder, wir sind alle Kinder desselben Gottes». Das gilt offensichtlich nicht für Juden.

Konkrete Fehler, Versäumnisse oder Verbrechen während des Holocaust hat die Kirche nur bedingt eingestanden. Eine Wiedergutmachung, Entschuldigung oder ernst zu nehmende Schuldanerkennung blieb bis heute aus.

Ganz im Gegenteil: Mit den Palästinensern unterstützen christliche Kirchen – nach dem beschämenden Schulterschluss mit den Nazis – erneut eine Bevölkerungsgruppe, deren erklärtes Ziel gemäß Fatah-Präsident Mahmoud Abbas ein «judenreiner» palästinensischer Staat ist und für die Hamas nichts weniger als die Vernichtung aller Juden.

1803 wurden im Rahmen der Säkularisierung die «geistlichen Fürstentümer» in Deutschland aufgelöst. Die damaligen Fürstbischöfe erhielten dafür eine Entschädigung, obwohl diese Fürstentümer «Reichslehen» waren, kein Eigentum der Kirche. Diese Entschädigung, die sogenannte «Dotation», wird seitdem – also seit 211 Jahren – ununterbrochen bezahlt. 2013 waren es 481 Millionen Euro. Alles in allem bezahlte die Bundesrepublik Deutschland seit deren Bestehen über 15 Milliarden Euro an die katholische und evangelische Kirche. Als «faire Ablösung» der Gesamtschuld, schlugen die Großkirchen 2013 den Betrag von rund 120 Milliarden Euro vor.

Wie hoch wäre wohl eine «faire Ablösung» für die Jahrtausende der Verleumdung, Verfolgung, Enteignung und Ermordung von Juden durch die Kirche?

Sünde und Vergebung

Das weltweit hysterisch bejubelte Schweigen des Papstes kulminierte in der pathetischen Frage: Was hätte er denn sagen können? Wie wenn es zum grössten Verbrechen der Menschheitsgeschichte, mehrheitlich begangen von europäischen Christen, nicht mehr zu sagen gäbe als:

Nichts

Mein Vorschlag für den nächsten Auschwitz-Trip des Papstes: Es tut uns leid!

Doch ausgerechnet die Exponenten der Religion der Empathie und Nächstenliebe, deren jüdische Galionsfigur Jesus einst die andere Wange hinhalten wollte, bekunden größte Mühe mit dem Kernthema und erklärten Unterscheidungsmerkmal des Christentums gegenüber den anderen monotheistischen Weltreligionen: der Vergebung.

Im Judentum existiert keine Vergebung im Namen eines Anderen, da nur der Geschädigte selbst vergeben kann. Im Christentum hingegen ist jede Sünde ein Vergehen gegen Gott und kann von ihm stellvertretend vergeben werden. So kann von jüdischer Seite den Christen zwar keine Vergebung gewährt werden, da ihre Opfer nicht mehr leben. Durch Gottes Vergebung würde jedoch eine Versöhnung zumindest in den Bereich des Möglichen rücken.

Was der Papst in Auschwitz hätte sagen müssen

Statt sich mit Holocaustleugnern und Hasspredigern wie Abbas, Hussein und Chamenei in trauter Einigkeit zu zeigen, inflationär mit seiner eigenen Bedeutungslosigkeit zu kokettieren, sich in nichtssagendem Schweigen in Auschwitz zu gefallen und seine vermeintliche Demut mit medienwirksamen Fußwaschungen zu zelebrieren, sollte der Hirte der weltweit größten Religionsgemeinschaft und angeblich von Gott gesandter irdischer Vertreter des Allmächtigen, sich wie ein Christ im Sinne der Lehren Jesu (der zu sein er ja nicht müde wird zu betonen) verhalten und Gott um Vergebung bitten:

Allmächtiger Gott, wir Christen haben die Juden Jahrtausende lang als Gottesmörder und Kinder des Satans diffamiert, wir haben sie ausgegrenzt, verleumdet, verfolgt, betrogen, enteignet, beraubt, erschlagen, ersäuft, verbrannt, erschossen und vergast. Das war eine Sünde, ein Vergehen gegen Deine Gebote. Was wir getan haben tut uns aus tiefstem Herzen leid und wir bitten Dich dafür um Vergebung!

27 Gedanken zu “Was der Papst in Auschwitz hätte sagen müssen

  1. Lieber David Klein. Ich fand Ihre Beiträge im Blog des Tagesanzeiger zum Beispiel in den letzten paar Wochen trotz Kürze echt besser als was Sie hier schreiben. Der Titel ist ganz ungeschickt, rein journalistisch. Ich würde auch nicht schreiben: „Was Putin zu Erdogan hätte sagen müssen“ usw. Ich würde mir auch nicht anmassen vorzuschlagen, was Nethanjahu zum Papst oder zu Merkel sagen müsste. Natürlich ist das Thema richtig und wichtig, wiewohl Auschwitz so oder so vielfach ein vermintes Gelände ist, wenn man denkt, dass es für Polen schon eine Art katholisches Heiligtum ist, wegen Pater Maximilian Kolbe und vielen anderen auch polnischen Opfern. Auch frage ich mich, was jetzt neu die Verfolgung von 99jährigen Unterangestellten von damals bringt, die gewiss auch Mitverantwortung trugen. Als Katholik schliesse ich nicht aus, dass es noch ein jüngstes Gericht gibt, wo die Gefahr, sich mit einer Justizfarce lächerlich zu machen, weniger gegeben ist. Dies meine ich keineswegs als Vorwand oder gar Verharmlosung, im Gegenteil. Mit Schlussstrichmentalität ist das nicht zu verwechseln.

    Zum katholischen Antisemitismus wäre es besser, sich ganz konkret und differenziert mit Quellen zu befassen. So habe ich erst neulich 130 Jahrgänge der Schweizer Kirchenzeitung durchgesehen. Bringt tatsächlich viele Details. Ausserdem befasste ich mich mit den Kontakten von Nahum Goldmann vom Jüdischen Weltkongress mit Papst Pius XII. um 1949 und Papst Johannes XXIII. zur Zeit des 2. Vatikanischen Konzils. Zufällig weiss ich noch, dass der Schweizer Antisemit James Schwarzenbach, den ich persönlich gekannt habe, ein konvertiter Katholik, über diese Kontakte sich wahnsinnig aufregte. Um was ging es konkret? 1949 wurde immerhin ernsthaft darüber diskutiert, die Kartreitagsfürbitte „pro perfidis Judaeis“ entweder wegzulassen, was dann zwar geschah, oder wenigstens unschädlich zu übersetzen. Auch muss man klar sehen, dass die Erklärung des 2. Vatikanischen Konzils über die Juden schon einen klaren Fortschritt darstellte, wiewohl Entschuldigungsrituale damals noch nicht üblich waren. Ich halte von letzteren übrigens nicht allzu viel. Gegenwärtige Politiker und Kirchenleute machen nämlich selber so viel falsch, dass sie sich vor allem auf das Entschuldigen der eigenen Fehler konzentrieren sollten. Und manchmal ist tatsächlich Schweigen immer noch besser, als einfach eine höchst kritisierbare Äusserung abzusondern. Wie gesagt, statt einfach allgemein seine Meinung zu sagen, lohnt es sich, langfristig auf konkrete Quellenforschung einzusteigen mit Analyse der Zuständen, aber auch Analyse allfälliger Veränderungen. Mit dem Niveau Scheiner betreffend Gehirnerweichung im Zusammenhang mit dem Zölibat kann man natürlich nicht ernst genommen werden. Wenn jeweils über Juden so argumentiert wird, gilt es eindeutig als Antisemitismus, beispielsweise wenn man über die Vorhaut von Rabbinern dumme Bemerkungen macht.. Ich möchte Ihnen nun aber bei allen Einwänden meine Wertschätzung aussprechen und sagen, dass es mich bewegt hat, was Sie kürzlich im Tagi-Blog über persönliche Schikanierungen als Musiker aufgrund Ihres Meinungsprofils geschrieben haben. Auch was Sie zu einem Migranten-Lobbyisten zum Thema Apartheid und Israel richtiggestellt haben. Bleiben Sie dran und lassen Sie sich nicht einschüchtern.

    • PS. Habe den Namen (Bibi) Netanjahu oben orthographisch falsch geschrieben. Das wohl deshalb, weil ich mich selten über ihn äussere. Mir ist folgendes aufgefallen: Früher war ich negativ bis ganz ablehnend zu diesem Politiker eingestellt. Wenn ich sehe, wer heute auf dem europäischen Kontinent (Hoffungsträgerin May vorläufig noch ausgenommen) und in Amerika (Hillary Clinton nicht ausgenommen) so alles politisiert, so kommt mir Netanjahu heute plötzlich als noch einer der relativ brauchbaren Politiker auf diesem Planenten vor. Vermutlich ist er nicht besser geworden, aber die anderen eindeutig schlechter. Schweizer Magistraten nicht ausgenommen.Nur schon wenn ich die Türkei mit Israel vergleiche, scheinen mir die kritikwürdigen Positionen von biblischem Ausmass zu sein in Relation von Splitter und Balken. Dies betrifft die heutigen, nicht gerade die historischen Verhältnisse.

    • Lieber Pirmin, Lieber Ekkehard

      Es ist mir wie immer eine Freude und Ehre mit derart belesenen und gebildeten Zeitgenossen wie Euch zu diskutieren.

      Mir geht es hauptsächlich darum, dass der Papst eine Autorität ist, auf die sich Milliarden von Menschen berufen. Leider auch bezüglich der unhaltbaren Äusserungen, die er nach Nizza über den Islam tätigte.

      Deshalb sollte er sich weder «in herzlicher Atmosphäre» mit theokratisch-autokratischen Diktatoren wie Rohani assoziieren, der jährlich Tausende hinrichten lässt, noch sollte er einen weder völkerrechtlich noch sonst in irgend einer Form legitimierten Fantasiestaat «Palästina» anerkennen, der nichts Geringeres als die Vernichtung der Juden im Sinn hat. Und schon gar nicht sollte er Judenhasser wie Husseini treffen, der öffentlich und auf Youtube dokumentiert zum Judenmord aufruft.

      Durch dieses inakzeptable Verhalten legitimiert der Papst die oben genannten Personen und Unrechtsstaaten (im Gegensatz zu Israel sind sie es tatsächlich) und ermöglicht es unzähligen Israelhassern, sich diesbezüglich auf ihn zu berufen.

      Durch sein Verhalten zeigt der Papst nur eines: Er mag die Juden genauso wenig wie der Rest der Welt und er schürt die neutestamentarische Haltung, dass sie auch Gott «nicht gefallen» und – wohl auf immer und ewig – «eines jeden Menschen Feind» sind.

      • Lieber David Klein,

        Auch ich stehe dazu, dass eine Stimme wie die Ihrige es jederzeit verdient, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, ohne deswegen Schikanen erleiden zu müssen. Was die ersten zwei Drittel der Replik betrifft, stimme ich weitgehend zu.

        Wie der Papst wirklich über Juden denkt, muss man offen lassen. Sicher war Papst Johannes XXIII. nachweisbar kein Antisemit und nach meiner Einschätzung auch Ratzinger nicht, den ich 1972 persönlich kennenlernte bei einem Referat über den Massenmord an Indianern, den es nun mal in christlicher Zeit in der Karibik und anderswo gegeben hat.

        Legt man indes einfach das Neue Testament aus, sind jüdisch-christliche Spannungen nun mal eine Gegebenheit, die man möglichst objektiv analysieren sollte. Der kluge Paulus selber trägt diesen Zwiespalt in sich und es gab immer die Meinungsverschiedenheit, ob Judenchristen oder die sog. Heidenchristen die legitimen Christen seien, wobei natürlich für das Christentum die Abgrenzung zum Judentum mal eine Selbstverständlichkeit ist, was auch für den Islam gilt. Dies allein ist aus heutiger Sicht nicht schon Antisemitismus. Umgekehrt sehe ich manchmal in theologischen Instituten einen vordergründigen Philosemitismus, der dann auch zugleich zum Beispiel mit der Forderung der öffentlich-rechtlichen Anerkennung des Islam einhergeht usw. und ab dem bei näherem Hinsehen in der Regel nicht viel dran ist.

        Um aber aus meiner Sicht eine wahre Knacknuss des Papstes anzusprechen, der sich, wie das Beispiel Husseini zeigt, ohne weiteres in Widersprüche begibt: Es würde ihm wohl nicht leicht fallen, einen Seligsprechungsprozess für den im Juli ermordeten Priester Jacques Hamel einzuleiten, einen braven Mann trotz muslimfreundlicher Illusionen. Weil ein Märtyrer, dem ein Islamist die Kehle durchgeschnitten hat, im Moment politisch nicht korrekt ist und „Vorurteile“ gegen den Islam begünstigen könnte! Man sieht, das Thema ist höchst heikel. Natürlich sollte der Papst, der aus meiner Sicht aber keinesweges „Milliarden“ repräsentiert und in seiner Macht überschätzt wird, neuralgische Themen ansprechen. Schweigen ist nur dann besser, wenn man andernfalls sowieso das Falsche sagen würde oder gar, was nie ausgeschlossen ist, „dumm schwatzen“ würde.

  2. Lese ich im Neuen Testament, und das tue ich immer wieder, finde ich in Jesu
    Aussprüchen bzw. was man ihm in den Mund gelegt hat, nichts, was eine Anklage bei den
    Römern rechtfertigen würde. Auch nach damaligen Recht nicht. Daß er manches anders
    gesehen hat… wann hat ein Jud‘ je etwas so gesehen wie ein anderer Jud‘? Die
    Diskussionen, Streitereien gab es von Anfang an und so blieb es bis zum heutigen Tag.
    Die Kreuzigung muß m. A. nach einen anderen Grund haben. Vom Jüdischen her g ab
    es keinen, nicht einmal für eine Steinigung. Was der tatsächliche Grund war sollen
    von mir klügere und jüngere Menschen erforschen (bin immerhin 85).
    lg
    caruso

    • Hier ein Artikel von mir in tachles 2004:

      Warum Jesus gekreuzigt wurde
      von Ekkehard W. Stegemann

      Der umstrittene Film von Mel Gibson, „The Passion of the Christ“, lehnt sich unkritisch an die neutestamentlichen Evangelien und deren Darstellungen der Umstände des Todes Jesu von Nazareth an und macht die Juden mitschuldig für den Tod Jesu. Doch wie waren die Umstände, die zur Kreuzigung Jesu führten, damals wirklich?

      Die Evangelien sind in sich widersprüchlich, tendenziös und, wie schon länger bekannt, historisch unplausibel, vor allem was die Art der Beteiligung jüdischer Instanzen und die Weise betrifft, wie der römische Statthalter zur Hinrichtung Jesu gekommen ist. Eine historisch gerechte Darstellung der Umstände des römischen Prozesses und der Hinrichtung Jesu muss die soziopolitische und rechtliche Situation in der römischen Provinz Judäa im ersten Drittel des ersten Jahrhunderts n.d.Z. in Rechnung stellen. Die aber führt zu anderen Einschätzungen der jüdischen Beteiligung und der Motive des römischen Statthalters. Das Bemühen um historische Gerechtigkeit ist eine intellektuelle Verpflichtung, aber auch eine ethische. Denn alle Aussagen auf diesem Feld haben sich bewusst zu machen, dass sie im Kontext eines von den Evangelien selbst beförderten negativen Mythos über die Juden stehen. Dessen unmenschlichen Folgen sind bekannt.

      Nicht genug kirchliche Kritik

      Deswegen sagen die heutigen Lehren der Kirchen bekanntlich nicht mehr, dass „die Juden“ Jesus getötet haben. Vor allem ist das Dekret „Nostra Aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils 1965 solchen Pauschalisierungen entgegengetreten. Die infame Beschuldigung der Juden als „Gottesmörder“, die seit dem Altertum das Verhältnis des Christentums zum jüdischen Volk vergiftet und Peinigungen, Verfolgungen und Demütigungen von Juden verursacht hat, wurde ausdrücklich zurückgewiesen:

      „Obgleich die jüdischen Obrigkeiten mit ihren Anhängern auf den Tod Christi gedrungen haben, kann man dennoch die Ereignisse seines Leidens weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen.“

      Analysieren wir diese Aussage, so ist klar:

      Jegliche Kollektivschuld der Juden – die gleichsam rassistische, die alle Juden aller Zeiten beschuldigt, ebenso wie die historische Kollektivschuld am Leiden Jesu – wird abgelehnt.

      Der Kreis der historisch Verantwortlichen wird auf die jüdischen Autoritäten und deren Parteigänger zur Zeit Jesu limitiert.

      „Nostra Aetate“ spricht aber auch nur von der Schuld am Tode Jesu im Blick auf den Kreis dieser Juden. Von der Beteiligung der römischen Provinzbehörde in Gestalt des Gouverneurs von Judäa, Pontius Pilatus, wird nicht gesprochen, jedenfalls nicht ausdrücklich.

      Dieser dritte Punkt ist bemerkenswert für eine doch offenbar historisch gemeinte Aussage. Denn immerhin ist die Kreuzigung Jesu als römische Todesstrafe, die zudem ein römisches Verfahren und eine römische Strafschuld voraussetzt, im historischen Diskurs unumstritten. Kapitalgerichtsbarkeit hatten Juden in der Provinz Judäa nicht. Da das Konzil kaum das bezweifeln wollte, muss man in der Formulierung, dass „die jüdischen Autoritäten und deren Parteigänger auf den Tod Jesu gedrungen haben“, gleichsam einen Rest der tendenziösen Beschuldigung jüdischer Instanzen sehen, die durch die Evangelien insinuiert wird.

      Die Umkehrung des Schuldgefälles

      Man kann die Abwendung von einer pauschalen Beschuldigung der Juden zwar loben, doch ist sie weiterhin im Bann einer Tendenz der Beschuldigung jüdischer Instanzen als einer treibenden, Jesus feindlichen Kraft, deren historische Plausibilität fraglich ist. Sie muss nämlich unterstellen, dass jüdische Eliten Jesus feindlich gesonnen waren und dass sie einen innerjüdischen (religiösen) Konflikt ins Politische verdreht haben, um die römische Obrigkeit zur Hinrichtung Jesu zu veranlassen.

      Historisch betrachtet trifft dies auf erhebliche Bedenken. Einerseits deswegen, weil die Darstellung der jüdischen Beteiligung den rechtsgeschichtliche Quellen des Judentums krass widerspricht. Andererseits deswegen, weil die Rolle der römischen Herrschaft und ihres Anspruchs auf Durchsetzung krass unterschätzt wird. Dies haben nicht zuletzt jüdische Gelehrte wie Paul Winter und der ehemalige Oberrichter Israels, Chaim Cohn, aber auch christliche Forscher dargelegt.

      Danach steht nicht nur die Art der Beteiligung jüdischer Kreise, ja deren Beteiligung überhaupt in Frage. Vielmehr wird hier der Grund für Jesu Hinrichtung gänzlich jenseits eines aus Konflikten mit jüdischen Kreisen stammenden Tötungswillens geortet, nämlich in den durch die römische Herrschaft bestimmten ordnungs- bzw. herrschaftspolitischen Konstellationen in Judäa. Dies hat schon Paul Winter in seiner bahnbrechenden Untersuchung herausgestellt: Jesu Lehre war nicht der Grund seiner Hinrichtung; die Gründe waren vielmehr politischer Art.

      Andere Forscher haben diesen Ansatz systematisch ausgearbeitet: Es sind danach nicht jüdische Interessen aufgrund innerjüdischer Konflikte um die Thoraauslegung und Ähnliches, auch nicht einfach das Zusammenspiel jüdischer mit römischen Interessen, sondern allein und ausschliesslich die durch die römische Herrschaft geschaffenen und durch sie militärisch, ordnungspolitisch, polizeilich, judikativ und administrativ unterhaltenen Herrschaftsverhältnisse in Judäa und das von ihnen geprägte Klima der jüdischen Gesellschaft, die Jesu Hinrichtung erklären. Dass zu diesen Verhältnissen auch die Mitwirkung von Teilen der einheimischen jüdischen Oberschicht (freilich nicht in eigener Kapitalgerichtsbarkeit) als Teil des Systems der römischen Ordnungs- und Polizeipolitik gehören kann, steht dazu nicht im Widerspruch. Vielmehr hat eine Kompetenzverteilung zwischen einheimischer und römischer Behörde stattgefunden, in der die jüdische vollständig im Rahmen des römischen Herrschaftsauftrags gesehen werden muss, also der Wahrung der römischen ordnungspolitischen Erwartungen zu dienen hat und zudem subordiniert und limitiert war. Mit anderen Worten: Wenn der Sanhedrin oder (besser) Teile von ihm mit ihren Ordnungskräften tatsächlich beteiligt gewesen sein sollten, dann bei der Festnahme und Überstellung Jesu an den Statthalter, also ordnungspolitisch und polizeilich, aber nicht bei der Geisselung und beim Prozess.

      Der Fall des anderen Jesus

      Von Beteiligung jüdischer Instanzen im Zusammenhang mit ordnungspolitischen Verfahren gegen Juden wegen des Verdachtes auf Volksaufwiegelung bzw. Störung der öffentlichen Ordnung wird vom Historiker Josephus in der Episode des Unheilspropheten Jesus ben Ananias berichtet. Er tritt während des Laubhütten-, also auch eines Wallfahrtfestes, 62 n.d.Z. vom Land kommend in Jerusalem auf mit Weherufen über die Stadt, den Tempel und das Volk. Im Unterschied zu Jesus von Nazareth, der eine grössere Anhängerschaft sammelte, stellt dieser Unheilsprophet eine Einzelgestalt dar. Gleichwohl sehen nach Josephus vornehme jüdische Bürger in ihrer Funktion als Ordnungsinstanz in ihm eine Störung der öffentlichen Ordnung. Ihr Versuch, ihn durch polizeiliche Strafmassnahmen zum Schweigen zu bringen, schlägt fehl. Deswegen und weil ihnen weitere als diese Zwangsmittel nicht zur Verfügung stehen, um die Störung der öffentlichen Ordnung zu beheben, überstellen sie ihn dem römischen Statthalter Albinus. Er belegt den Störenfried zunächst mit massiver Folter, indem er ihn geisseln lässt, dann verhört er ihn und lässt ihn wegen erwiesener Geistesgestörtheit frei. Nehmen jüdische Instanzen hier ihren politischen Ordnungsauftrag wahr, was sozusagen eine römische Sicht der Vorgänge zwangsläufig impliziert, so fehlt ihnen offenbar die Möglichkeit, entweder massivere Zwangsmassnahmen einzusetzen oder trotz des Fortwirkens der als Bedrohung der Ordnung angesehenen Ursachen die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen.

      Jesus – ein antirömischer Aufständischer?

      So oder ähnlich könnte es auch im Falle des Jesus von Nazareth etwas mehr als 30 Jahre früher bei einem Pessach-Fest zugegangen sein. Der in den Evangelien berichtete jüdische Prozess ist zwar auszuschliessen. Doch wenn es ein jüdisches Vorverfahren gegeben hat, dann war es eher dazu bestimmt, ein römisches Verfahren gerade zu vermeiden (so Chaim Cohn). Die politische Anklage, die, in welcher Gestalt auch immer (möglich ist „Aufstand“ oder „Aufruhr“, „Aufwiegelung“), zum Prozess führte, dürfte erst im Verfahren der römischen Geisselung gefunden worden sein. Dass sie vom römischen Gerichtsherrn, Pilatus, erhoben wurde und schliesslich zum Todesurteil führte, hat auch an den Evangelien Anhalt: Jesus wird als „König der Juden“, d. h. als aufrührerischer Rebell mit einem antirömischen Herrschaftsanspruch hingerichtet.

      Es fällt zwar schwer zu glauben, dass gerade Jesus von Nazareth dessen beschuldigt werden konnte. Der Bergprediger – ein Aufrührer, ein Aufständischer, ein politischer Rebell, ein Guerilla- oder Widerstandskämpfer, ein Sozialbandit? Und das zu glauben fällt noch schwerer angesichts der Tendenz der Prozessdarstellung der Evangelien, die uns einredet, dass gerade das verdrehter jüdischer Beschuldigung unterliegt und dass es nur dem Nachgeben des jüdischen Drucks zu verdanken ist, wenn es durch das Hinrichtungsurteil des Statthalters Pilatus amtlich wurde. Bedroht wird so das Bild von Jesus, es sei denn, man sei wie schon etwa Robert Eisler der Meinung, Jesus sei in der Tat ein Insurgent gegen Rom gewesen, ja ein Zelot, und das sei nur von den Evangelien und dem „Mainstream“ der christlichen Auslegung manipulativ verfälscht und aus bestimmten politischen Interessen unterdrückt worden, aber im Grunde gar nicht schlimm, sondern eigentlich bewundernswert.

      Ein an der sozialgeschichlichen Realität Judäas und an vergleichbaren Fällen der Ausübung römischer Ordnungs- und Polizeipolitik orientierter Diskurs kann jedoch plausibel machen, dass aus römischer Sicht von Jesu Auftreten eine Bedrohung der öffentlichen Ordnung auszugehen schien. Der Rahmen der ökonomischen und politischen Herrschaft Roms in den Provinzen verlangte überall einerseits die Anpassung und Subordination, andererseits stellte er die unerbittliche Sanktionierung jeglicher Infragestellung dieses Systems sicher. Unruhen und Aufruhr wurden beobachtet und, wenn nötig und möglich, sofort im Keim erstickt, und zwar militärisch und polizeilich, nur selten judikativ. Das Spektrum der Unruhen und Aufstände ist breit, ihre Bekämpfung überwiegend militärisch, aber manchmal auch gerichtlich.

      Rückschlüsse auf das Verfahren gegen Jesus

      Ein Rückschluss von diesem römischen Herrschaftsverfahren auf den Fall des Jesus von Nazareth erlaubt folgende Feststellungen:

      Die Beteiligung einer jüdischen Instanz ist nur plausibel (wenn auch nicht unabdingbar notwendig) im Rahmen einer Festnahme zur untergeordneten polizeilichen Zwangsmassnahme gemäss ihrer lokalen und begrenzten Kompetenz, nicht aber im Rahmen eines eigenen Kapitalprozesses oder überhaupt judikativer Massnahmen.

      Zu dieser Kompetenz gehörte auch die Überstellung an die magistratische Behörde zu (weiteren) polizeilichen Zwangsmassnahmen oder gerichtlichen, d. h. Kognitions-Massnahmen.

      Von hierher ist nicht ausgeschlossen, dass die jüdische Instanz im Fall Jesus von Nazareth gerade zur Vermeidung weiterer Folgen für Jesus Massnahmen in ihrer Kompetenz ergriff und erst nach deren Scheitern die Überstellung an den Statthalter vornahm.

      Ebenso nicht auszuschliessen ist aber, dass die römische Behörde ohne Vermittlung der jüdischen Ordnungsinstanz die Kompetenz in diesem Fall sofort an sich zog, es also gar keine Beteiligung einer jüdischen Instanz gab.

      Einen Tötungswillen bei der jüdischen Instanz und diesen erst noch als selbstverständlich anzunehmen, ist aber in jedem Fall unplausibel. Wenn jüdische Instanzen mitgewirkt haben, dann im Rahmen ihres Ordnungsauftrags und zur Vermeidung ernster Folgen für den Delinquenten und von weiteren Unruhen.

      Die Festnahme Jesu und das römische Verfahren gegen ihn sind auch bei einer Beteiligung einer jüdischen Instanz dann plausibel, wenn Jesu Auftreten in Jerusalem und zumal zu einer ordnungspolitisch besonders prekären Zeit, dem Pessach-Fest, irgendwie als Drohung gegen die öffentliche Ordnung erschien, also ein Anfangsverdacht bestand.

      Entscheidend ist die ordnungspolitische Relevanz des Auftretens Jesu, nicht die Frage, ob er als antirömischer Insurgent, Sozialrevolutionär oder ähnlich sich verstand oder nicht, aber auch nicht, ob er ein von den Oberschichten oder anderen jüdischen Gruppen abweichendes („religiöses“) Programm hatte oder nicht.

      Die Wahrnehmung Jesu als Störer öffentlicher Ordnung in Jerusalem während des Wallfahrtsfestes dürfte im Prinzip aufgrund seines uns bekannten Auftretens als charismatischer und wandernder Wundertäter, der Interpretation dieser Kräfte als tatsächliche und punktuelle Verwirklichung der Königsherrschaft Gottes und des Auftretens im Gefolge einer engeren und weiteren Anhängerschaft plausibel sein.

      Noch plausibler wäre es, wenn Jesu Einzug in Jerusalem demonstrativ gewesen wäre, wenn er in Jerusalem etwa eine Zeichenhandlung im Tempelbezirk („Tempelreinigung“) vollzogen oder prophetische Worte über den Tempel und seinen Untergang gesprochen hätte.

      Aus diesem Profil Jesu ergibt sich, dass seine charismatische Armutsbewegung phänomenal Überschneidungen mit als „Räubern“ geltenden Sozialbanditen (charismatisch geleitetes Wandern mit Anhängerschaft von armen Unterschichtsangehörigen und mäzenatischer Unterstützung im Volk), mit als „Volksaufrührern“ geltenden Zeichenpropheten (Wunderheilungen und vielleicht prophetische Ankündigung von Zeichen) und politisch-religiösen antirömischen Aufstandsgruppen („zelotische“ Steuerrebellion unter dem Programm des „Königtum Gottes“) aufwies. Doch erst die römische Folter dürfte daraus die politische Anklage formuliert haben.

      Es genügte also, dass Jesu Auftreten als Drohung für die öffentliche Ordnung angesehen werden konnte. Dies sagt freilich noch nichts darüber aus, warum es dann anders als bei Jesus ben Ananias tatsächlich nach koerzitivem römischen Verfahren („Geisselung“) zum Prozess und zur Hinrichtung gekommen ist. Entscheidend für diesen anderen Ausgang des Verfahrens ist, dass Jesus von Nazareth eine Anhängerschaft hatte, der gegenüber seine, aber auch nur seine Hinrichtung eine abschreckende Funktion haben sollte. Dass Kreuzesstrafen auch als exemplarische Abschreckung angewandt wurden, ist reichlich belegt.

      Warum die Evangelien den historisch wahrscheinlichen Vorgang jedoch verzerren, steht auf einem anderen Blatt. Ich kann hier nur andeuten, dass dies mit Problemen aus der Zeit, aus der die Evangelien stammen (letztes Viertel des ersten Jahrhunderts), zusammenhängt, nämlich mit der beginnenden Kriminalisierung der Christen im Römischen Reich. Hier war es wichtig, mit der Unschuld des Urhebers der Bewegung die eigene Unschuld herauszustellen. Erkauft wurde das damit, dass jüdischen Instanzen eine falsche politische Beschuldigung vorgeworfen wurde.

      Ekkehard W. Stegemann ist Ordinarius für Neues Testament und gegenwärtig Dekan der Theologischen Fakultät der Universität Heidelberg. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Sozial- und Kulturgeschichte des antiken Judentums und des frühen Christentums.

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      Tel: 06252-71270 / Fax: 06252-72606

      • Vielen, sehr vielen Dank für diese Darstellung. Es ist das erste Mal, daß ich von christlicher Seite eine solche lese. Das sagt nicht viel, las ich doch nicht alles, was über dieses Thema geschrieben wurde:-)) Es gibt mir aber ungemein viel, daß es einen Christen gibt, die die Sache so objektiv wie es Menschen überhaupt möglich ist, sieht. Und hege die Hoffnung, eine große Hoffnung, daß wenn es einen gibt, dann gibt es auch andere. Vielleicht wird die Wirkung dieser jahrhundertelange Seelenvergiftung durch die Kirche(n), zu der dann auch andere Sachen dazu kamen, doch einmal nachlassen, vielleicht auch verschwinden. Mag sein, daß ich zu optimistisch bin, aber sieht man immer nur die dunklen Seiten der Dinge…. nein, ganz ohne Hoffnung kann man nicht leben. Sagt eine gottlose alte (85) Jüdin.
        lg
        caruso

  3. Leider schlecht informiert, die üblichen klischees . Das Christentum hat keine Schuld
    An der Shoa, denn Jesus war Jude genau wie Paulus und Johannes . Paulus
    Und Johannes meinten nur bestimmte Juden . Und Hitler war garantiert kein Christ.

  4. Lieber David!Bin stolz auf deine Wörte,bin dergleichen Meinung. Gott segne dich,beschütze dich.Dieser Hass auf uns,Jüden, ist kaum zu ertragen. Du bist ein stolzer lieber Mensch. Danke dir.Gibor-Kuhn

  5. Es stimmt ja alles, was David kritisch vorträgt. Es gibt diese entsetzlichen Aussagen bis hin zu Dämonisierungen der Juden – schon im Neuen Testament. Es gibt diese horrible Geschichte christlicher Gewalt gegen Juden. Es gibt übrigens jedoch auch anderes, geradezu Gegenteiliges. Aber wir wissen, dass unsere christliche Zivilisationsgeschichte eine barbarische Unterseite hat. Und wir wissen auch, dass sie immer mehr wieder zur Oberseite wird. Der lange, dunkle Schatten über unserer Zivilisation hängt immer noch.

    Imre Kertész hat einmal in einem Vortrag, zu dem ich ihn nach Basel eingeladen hatte, formuliert, dass “die gewichtige, schwarze Trauerfeier für den Holocaust” dem Wissen “eine unermessliche moralische Reserve” hinzufügt. Es stellt der Holocaust nach ihm vor die Entscheidung, ein “Werturteil” zu fällen, “auf dass die nicht wiedergutzumachende Realität die Wiedergutmachung gebäre: den Geist, die Katharsis”. In der Zivilisation, in der geschah, was nie hätte geschehen dürfen, muss diese Reflexion, diese Selbstunterscheidung – meinetwegen auch diese Busse und Umkehr – verteidigt werden. Christen sind nicht essentiell dazu verdammt, Antisemiten zu sein. Wir können mit Freundschaft, menschlicher Wärme und Respekt uns Juden und ihrer Religion und Kultur zuwenden, auch mit Anerkennung für das, was wir gerade ihnen verdanken.
    Die Katharsis ist freilich nicht vollendet. Im Gegenteil: es gibt offenbar sogar eine Regression – leider auch in meiner Schweizer Reformierten Kirche, freilich nicht flächendeckend. Gleichwohl und umso mehr: arbeiten am Geist und der Katharsis!

    • Lieber Ekkehard, das scheint mir doch eine wahrhaftige Sisyphusarbeit zu sein. Eine Katharsis ist in weitester Ferne, leider.

      Kertész in einem Interview von 2002:

      Auf dem Bildschirm sehe ich, in Jerusalem ebenso wie anderswo, gegen Israel gerichtete Demonstrationen. Ich sehe die in Frankreich in Brand gesetzten Synagogen und geschändeten Friedhöfe.

      Nur einige hundert Meter von meinem Berliner Domizil entfernt, am Tiergarten, sind zwei junge amerikanische Juden auf der Straße angegriffen und zusammengeschlagen worden. Ich sah den portugiesischen Schriftsteller Saramago im Fernsehen, wie er, über ein Blatt Papier gebeugt, Israels Vorgehen gegen die Palästinenser mit Auschwitz verglich – ein Zeugnis dafür, dass der Autor nicht die geringste Ahnung von der skandalösen Irrelevanz des von ihm angestellten Vergleichs besaß, ja, mehr noch, dass der unter dem Namen Auschwitz bekannte Begriff, der bislang im kulturellen Konsens Europas eine feste Bedeutung hatte, heute bereits ohne weiteres in populistischer Art, zu populistischen Zwecken benutzt werden kann.

      Ich frage mich, ob man die Israel-feindliche Gesinnung nicht trennen muss vom Antisemitismus. Aber ist das möglich? Wie ist es zu verstehen, dass es zwei Kontinente weiter weg, in Argentinien – wo doch die Menschen im Übrigen gerade genug eigene Sorgen haben -, zu Anti-Israel-Kundgebungen kommen kann? Wahrscheinlich so, überlege ich, dass die seit etwa 2000 Jahren währende Judenfeindseligkeit sich zum Weltbild verfestigt hat. Der Hass hat sich zum Weltbild verfestigt, und Gegenstand des Hasses ist ein Volk geworden, das in keiner Weise bereit ist, von der Erdoberfläche zu verschwinden.

      Ich gestehe ehrlich: Als ich im Fernsehen zum ersten Mal die auf Ramallah zurollenden israelischen Panzer erblickte, durchfuhr mich unwillkürlich und unabweisbar der Gedanke: «Mein Gott, wie gut, dass ich den Judenstern auf israelischen Panzern sehe und nicht, wie 1944, auf meiner Brust.»

      • Lieber David

        Vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich verstehe gut, was Du meinst. Und ich danke Dir für das Stichwort „Sisyphusarbeit“. Genauso ist es mit der Arbeit gegen Antisemitismus. Gleichwohl verstehe ich auch den Widerspruch gegen die Resignation, die durchaus gute Gründe hat, zu, den Albert Camus in seinem berühmten Buch „Der Mythos von Sisyphos“ formulierte: „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“. Gewiss rollt der Stein immer dann wieder den Berg runter, wenn er gerade zur Spitze des Berges gerollt war. Aber dann eben wieder ran!
        Imre Kertész hat sich mit Camus und gerade mit dessen Widerspruch gegen Resignation trotz der Sinnlosigkeit des Lebens öfter auseinandergesetzt („Galeerentagebuch“, „Schicksallosigkeit“, „Fiasko“ z.B.). Er hat das Heroische des Aufbäumens bei Camus respektiert, aber auch gleichsam in das menschlichere Kleingeld von Verzweiflung und Hoffnung übersetzt. Dass der Felsbrocken vom ständigen Rollen doch auch auf Dauer nicht mehr so gross sein, sondern womöglich so klein, dass man ihn gar in die Tasche stecken könnte, hat er als Denkmöglichkeit in die Debatte gebracht. Deswegen auch seine Forderung nach Katharsis.
        Darüber könnten wir uns noch sehr lange austauschen. Aber sicher ist, dass Kertész sehr sehr viel skeptischer gegenüber dieser Möglichkeit zur Katharsis geworden ist, und zwar nicht zuletzt im Blick auf die antisemitische Eruption in Europa unter der Maske der „Israelkritik“ („Letzte Einkehr“).Du hast ja auch ein wichtiges Zitat gebracht, das mir bisher unbekannt war. Im letzten Buch hat er an das Stichwort „Katharsis“ wieder angeknüpft, freilich sehr bitter: „Jetzt, da Europa sich offen zur Zerstörung Israels bekennt, zur Ausrottung der Juden, also eigentlich zu Auschwitz, hat sich die Luft gewissermaßen gereinigt“. Die Bitterkeit, die darin zum Ausdruck kommt, teile ich. Wenn ich noch mit ihm hätte sprechen könnte, würde ich ihn an Camus erinnern und ihn fragen: Imre, sag’ mir: Müssen wir uns (immer noch) Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen? Womöglich würde er sagen: The answer is blowin’ in the wind …

        Ekkehard

  6. So hat sich, gemäss Bericht http://www.spiegel.de/panorama/papst-franziskus-islam-und-gewalt-nicht-gleichsetzen-a-1105568.html, Papst Franziskus über den Islam geäussert. Dümmer gaht‘s nümmer.

    Warum hat er das gesagt? Glaubt er, so Christen in islamisch-arabischen Ländern vor den barbarischen Morden der islamischen Schlächter (IS) zu schützen? Oder ist dies bigotte „christliche Nächstenliebe“? Hat er vergessen, dass es ein Muslim war, der auf Papst Johannes Paul II geschossen hat?

    Offenbar verbietet ihm der Zölibat auch, sein Hirn zu benützen.

  7. Die gesamte „Christenheit“ in einen Topf zu werfen, zeugt von wenig Verständnis.

    Allein der Begriff „Christentum“ ist irreführend, zumal die Mehrheit der Verirrungen, die unter diesem Begriff vereint werden, durch und durch unbibilische Lehren sind, allen vorab die katholische Kirche! Meines Erachtens hat die Reformation nur halbe Arbeit geleistet, andernfalls würden wir Pessach feiern und nicht das heidnische Fest der Ostera, würden den Shabbat – wie es sich gehört – am Samstag feiern und nicht am Sonnenanbetungstag. Die Dreieinigkeitslehre ist ein weiteres Beispiel für die Verstümmelungen der Botschaft YHWH’s und seines Messias Yashua!

    Yashua ging unserer Sünden willen ans Kreuz und nicht wegen irgendwelchen Juden oder Römern, auch wenn diese die Bluttat letztlich ausführten – es war der Plan YHWH’s!

    Wenn wir Christen weiter unsere jüdischen Wurzeln ignorieren oder verleugnen, werden wir von der „Universalkirche“ unter die Kuppel Rom’s einverleibt werden.

    Ich war erstmals 2003 in Israel. Der Tourismus lag damals auf dem Nullpunkt. Praktisch die einzigen, die das Land in dieser Zeit besuchten, waren „Christen“, mehrheitlich solche aus Freikirchen…

    • @Daniel Wie gesagt, die Millionen jüdischer Opfer von christlicher Gewalt dürfte es herzlich wenig interessieren, von welcher Art Christ sie ermordet wurden…

  8. Lieber Peter

    «Unangemessen» war und ist das Verhalten der Kirche.

    Es spielt überhaupt keine Rolle, ob die Verfasser der antijüdischen Passagen im Neuen Testament Juden waren oder nicht. Es zeugt sogar von eklatanter christlicher Perfidie, die Judenhetze im Neuen Testament den Juden in den Mund zu legen.

    Die «heutige theologische Sicht» oder wie auch immer geartete «Bibel-Interpretationen» sind irrelevant (vor allem für die ermordeten Juden!). Es ist einzig und allein das Resultat, das zählt. Wie übrigens auch bezüglich des Koran, den man ja anscheinend «missversteht».

    Oder willst Du etwa bestreiten, dass der Antijudaismus im Neuen Testament 2000 Jahre christlichen Judenhass initiiert hat? Oder dass die unsäglichen muslimischen Attentate etwas mit den Tötungsbefehlen gegen Ungläubige im Koran zu tun haben?

    Waren es denn nicht Christen, die ihre langjährigen Nachbarn, Bekannten, Geschäftspartner etc. denunziert haben? Waren es nicht Christen, die in den KZs gearbeitet haben? Waren es nicht Christen, die die wöchentlich am Hamburger Hafen eintreffenden «Judenkisten» mit dem «arisierten» Hab und Gut der ermordeten Juden plünderten und sich zu Spottpreisen Nerzmäntel kauften? Waren diese Christen alle Nazis…?!

    Auf die Frage, warum der Vatikan nicht gegen die systematische Vernichtung der europäischen Juden protestiert, antwortete Papst Pius XII.: «In den deutschen Heeren sind Millionen von Katholiken. Soll ich sie in Gewissenskonflikte bringen?» SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der Architekt der «Endlösung der Judenfrage», erinnert sich «in tiefer Dankbarkeit an die Hilfe katholischer Priester bei meiner Flucht aus Europa».

    Katholik Hitler, der das Christentum als «jüdischen Christenglauben mit weichlicher Mitleidsmoral» verachtete und nach dem «Endsieg» zugunsten eines Germanenkults ebenso vernichtet hätte wie das «jüdische Nattern- und Otterngezücht», war ein Befürworter der Ökumene, der Vereinigung des Katholizismus und Protestantismus, die seit jeher einen «gemeinsamen gewaltigen Kampf gegen den Zerstörer der arischen Menschheit führte» («Mein Kampf»). «Ich tue nur, was die Kirche seit fünfzehnhundert Jahren tut, allerdings gründlicher» («Mein Kampf»).

    Nach wie vor sehen übrigens viele Christen im Holocaust die gerechte Strafe der Juden für den Mord an Gottes Sohn. Mit der These des «Gottesmords» (Deizid) befindet sich das Christentum zudem in der historisch einzigartigen Position, eine andere Religion des Mordes am eigenen Gott zu beschuldigen.

    Und wie sieht es heute aus? Kürzlich hat die United Church of Christ (UCC), eine der grössten protestantischen Denominationen der Vereinigten Staaten, in bester neutestamentarisch-antijüdischer Tradition und mit überwältigender Mehrheit einem Israel-Boykott zugestimmt. Damit folgt die UCC dem Beispiel der Presbyterian Church USA (PCUSA), die letztes Jahr eine entsprechende Resolution verabschiedete. Das Wort «Israel» aus sämtlichen Gebeten und Texten der PCUSA zu streichen, wurde dabei knapp abgelehnt.

    Man könnte doch annehmen, dass die Kirche, nach allen begangenen Verbrechen am jüdischen Volk, Israel gegenüber eine empathische Haltung einnimmt. Stattdessen begegnen unzählige Christen weltweit dem einzigen Land, in dem die Nachkommen derer in Sicherheit leben können, die seit Jahrtausenden von Christen verfolgt, entrechtet, beraubt und ermordet wurden, mit unverhohlener Feindseligkeit.

    Dies, obwohl Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, in dem die christliche Bevölkerung zunimmt, während Christen in der arabischen Welt sowie im palästinensischen Gazastreifen und der Westbank verfolgt, vertrieben und umgebracht werden.

    Aber wenn immer es darum geht, Israel zu verurteilen, zu verleumden oder zu boykottieren, sind christliche Organisationen wie das Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks), das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI), der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK), der Lutherische Weltbund (LWB), Oekumene Mission Entwicklung (OEME), die internationale katholische «Friedensbewegung» Pax Christi oder der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) an vorderster Front. Diese Organisationen befürworten ausserdem weitgehend das «Kairos Palästina Dokument» (KPD), das Israels Staatsgründung als Katastrophe (Nakba) und die einzige pluralistische Demokratie im Nahen Osten als «Apartheidstaat» bezeichnet, zum Israel-Boykott aufruft und die «Substitutionstheologie» propagiert, die das «Heil» der Juden einzig in der Taufe, also der Aufgabe des Judentums sieht.

    Der aktuelle Bericht von NGO Monitor mit dem Titel «BDS (Boykott, Desinvestment, Sanktionen gegen Israel) in den Kirchenbänken» nennt zahlreiche christlich-antiisraelische Gruppierungen, wie Christian Aid, Sabeel, Trócaire, Dan Church Aid oder War on Want, deren Ziel es ist, Israel politisch, wirtschaftlich und kulturell zu isolieren. Gerade zur Weihnachtszeit werden mit diffamierenden Feiertagskarten oder umgedeuteten Krippenszenen christliche Inhalte für politische Botschaften gegen Israel missbraucht. Sogar Weihnachtslieder wie «Jingle Bells» werden neu getextet: «Statt shoppen, Apartheid stoppen» («The Boycott Leviev Holiday Songbook»).

    In der Schweiz ist bei antiisraelischer Agitation das Heks federführend. Neben dem Boykott-Aufruf von israelischen Produkten, unterstützt das Heks unter anderem die radikal antiisraelische Nicht-Regierungsorganisation (NGO) Zochrot, welche Israel das Existenzrecht abspricht und mit ihrer «Ein-Staat-Lösung» auf die Aus­löschung des jüdischen Staats hinarbeitet. Die deutsche Bundesstiftung «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft» (EVZ) beendete 2012 die Zusammenarbeit mit Zochrot aufgrund von deren politischer Agenda. Gemäss der Organisation NGO-Monitor alimentierte hingegen das Heks «Zochrot» 2012/2013 mit 90 150 Franken. Über das «Open Forum für Konflikttransformation» finanziert das Heks auch die palästinensische NGO Badil, die Israel als «kolonialistisches, rassistisches Gebilde» bezeichnet und auf ihrer Website einen Preis für antisemitische Karikaturen ausgelobt hat. Badil unterzeichnete die Stellungnahme der «Globalen Koalition für das Rückkehrrecht der Palästinenser», die mit den Worten endet: «Lang lebe die Intifada (gewaltsamer palästinensischer Aufstand), ewiger Ruhm für unsere frommen Märtyrer.» Obwohl die Inhalte der offiziellen Schweizer Haltung widersprechen, verwendete das Heks 2014 insgesamt 725 000 Franken Steuer- und Spendengelder für Projekte von NGOs mit israelfeindlicher politischer Agenda.

    Und wer veranstaltet israelfeindliche Themenabende mit HEKS-Direktor Andreas Kressler, der anderthalb Stunden Israel-Bashing betreibt, und dabei schlimmstes antisemitisches Propagandamaterial verwendet oder Sumaya Farhat Naser, einer palästinensischen Hetzerin gegen Juden und Israel?

    Die reformierte Kirche Zürich!

    Ist es nicht der Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), der die längst widerlegte Lüge propagiert, dass die Israelis den Palästinensern Wasser stehlen?

    Ich könnte unzählige Beispiele anführen.

    Die christliche Kirche war und ist zutiefst antisemitisch und wird dies noch für lange Zeit bleiben.

    • Wo David Klein Recht hat, hat er Recht. Die Kirchen sind grösstenteils antisemitisch. Nur¨, der jetzige Papst hat meine Achtung, er besucht wenigstens Auschwitz, und ehrlich, mir hat es bei meinem ersten Besuch in Auschwitz die Sprache verschlagen. Da kann man nur schweigen. Und alle Kirchen ändern? das schafft selbst ein Papst nicht in dieser kurzen Zeit. Auch er ist nicht allmächtig. HEKS und Ökumenischer Rat der Kirchen? das ist ein Thema für sich, die haben nicht nur ein Brett vor dem Kopf, nein bei denen ist es eine riesige Betonmauer.

      • Liebe Verena, hier muss ich Dir für einmal widersprechen (was ja selten genug vorkommt). Franziskus ist eitel, unehrlich, manipulativ und judenfeindlich. Das zeigen alle seine «Taten», die ich aufgelistet habe. Dazu kommt seine unsägliche Apologetik des Islam. Um sich zu entschuldigen, muss man beileibe nicht «allmächtig» sein.

    • Lieber David. Irgendwie verstehe ich Deine Verbitterung gegenüber der Kirche und den Christen. In vielen Punkten hast Du recht. Die Bibel wurde und wird immer wieder aus verschiedenen Gründen missbraucht. Meist ging und geht es um Macht und Politik. Erich Kästner schreibt nicht von ungefähr: „Da hilft kein Zorn. Da hilft kein Spott. Da hilft kein Weinen, hilft kein Beten. Die Nachricht stimmt! Der liebe Gott ist aus der Kirche ausgetreten.“ Viele Pfaffen haben Gott schon längst aus der Kirche hinausgepredigt. Aber längst nicht alle! Dein Amoklauf gegen alles Christliche ist ungerecht. Viele Christen – dazu gehört wahrscheinlich auch Pfr. Peter Keller – ärgern sich genau so wie Du und ich über das HEKS und über die pal. Propagandaministerin Sumaya Farhat Naser. Viele – leider nicht alle – Christen sehen die Rückkehr der Juden in ihre alte Heimat als erfüllte Prophetie und freuen sich darüber, dass Israel – trotz aller Widerwärtigkeiten – floriert.

      • Liebe Béatrice

        Ich spreche von der Kirche und vielen (nicht allen) Christen, die heute noch stramm antisemitisch sind. Ich spreche von der Verlogenheit der Kirche und ihrer Weigerung, ihre Schuld gegenüber den Juden anzuerkennen (statt die Palästinenser zu hofieren) und sich dafür zu entschuldigen (wenn auch 2000 Jahre zu spät).

        Ich spreche von den rund 60 Millionen deutschen Christen, die während des Zweiten Weltkriegs von Dichtern und Denkern zu Richtern und Henkern wurden. Waren sie alle Nazis..?

        Ich spreche von den Abermillionen Christen, christlichen Verbänden, Bischöfen, Pfarrern und und und, die heute anstelle der Juden, Israel verurteilen. Haben diese Christen nichts aus ihrer Geschichte gelernt? Sind sie alle «schwarze Schafe»?

        Oder willst Du mir als Beweis, dass es auch gute Christen gab, die üblichen vier «Kronzeugen» auftischen, Dietrich Bonhoeffer (er kannte Luthers «Von den Juden und ihren Lügen» übrigens nicht), Sophie Scholl, Karl Barth (der von der offiziellen Schweiz heftigst drangsaliert wurde) und Carl Lutz. Menschen, die ich zutiefst verehre und die (ausser Barth) das Schicksal von Millionen Juden teilten: Sie wurden von Christen umgebracht.

        Und sollen nun vier Beispiele von gelebter Menschlichkeit 2000 Jahre Judenhass und Millionen Tote entschuldigen…?

        Nehmen wir die Apartheid in Südafrika. Es würde doch heute niemand mehr behaupten, Apartheid wäre «schon schlimm» gewesen, aber es hätte doch auch zwei oder drei Weisse gegeben, die sich für Schwarze eingesetzt hätten. Man könne doch die Apartheid nicht einfach so «einseitig» verurteilen. Die Apartheid in Südafrika wird heute zurecht als epochales Unrecht gesehen, ohne wenn und aber.

        Letztlich kann man auch als noch so «grosser Israelfreund», wie Peter Keller es Deiner Aussage nach ist, nicht immer sagen: Ja, ABER…!

  9. Bin voll und ganz gleicher Meinung wie Peter Keller in seinem Kommentar. Besonders das neue Testament wird völlig falsch von Klein dargestellt. Es gibt dort keinen Antisemntismus, sowas zu unterstellen ist absurd.

  10. Ich schreibe als evangelischer Pfarrer, der sich zu den Freunden Israels zählt und seine jüdischen Freunde ausserordentlich schätzt. Trotzdem empfinde ich diesen Kommentar als unangemessenen Rundumschlag gegen alle Christen. Ich weiss um das unentschuldbare Unrecht, das die Christen im Lauf der Geschichte den Juden angetan haben. Ich weiss auch um die verhängnisvolle antisemitische Schrift Martin Luthers, die sich durch nichts rechtfertigen lässt. Trotzdem darf man den Antisemitismus nicht einfach so pauschal dem Neuen Testament anlasten, waren doch alle seine Verfasser – mit Ausnahme von Lukas – selber Juden! Wenn sie somit von den „Juden“ schrieben, meinten sie nicht generell das Volk, sondern die damalige jüdische Nomenklatura (Synedrium), die mit ihrem Neid und ihrer religiösen Verurteilung den Tod von Jesus mitverursacht haben. Die NT-Aussagen über die „Juden“ generell als antisemitisch zu bezeichnen, ist aus heutiger theologischer Sicht und Bibel-Interpretation somit völlig abwegig.
    Die Gräuel des Nazi-Systems generell den Christen in die Schuhe zu schieben, ist ebenfalls ungerecht, wandten sich doch viele der Nazi-Schergen ebenso grausam gegen die christlichen Kirchen und ihre Vertreter, wenn sie sich nicht gleichschalten liessen oder sich für die verfolgten jüdischen Mitbürger einsetzten. Ausserdem waren viele dieser Nazi-Verbrecher längst aus der Kirche ausgetreten oder wandten sich mehr oder weniger öffentlich gegen sie. Und falls sie trotzdem noch nominelle Kirchenmitglieder waren, ist es unfair, ihre Untaten einfach der Christenheit anzulasten. Das wäre etwa so, wie wenn man die Gräuel des kommunistischen Systems den Juden anlasten würde, nur weil Karl Marx und einige seiner Mitstreiter Juden waren.

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