Nebelpetarden aus Berlin, Bern und von anderswo

Sacha Wigdorovits Sacha Wigdorovits_1

Am 25. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation WHO einen Beschluss gefällt über einen von arabischer Seite eingereichten Antrag zu den „Gesundheitsbedingungen in den besetzten palästinensischen Territorien, inklusive von Ostjerusalem und dem besetzten syrischen Golan“.

Während Staaten wie die USA, Kanada oder Australien sich diesem Beschluss widersetzten und ihn ablehnten, stimmten unter anderem die Schweiz und Deutschland ihm zu. Auf die Kritik, die es danach hagelte, rechtfertigte beispielsweise das deutsche Auswärtige Amt diese Entscheidung mit dem Hinweis, man habe sich im Vorfeld der WHO-Sitzung dafür stark gemacht, dass in diesem Beschluss nicht Israel verurteilt werde.

Tatsächlich fordert der Beschluss, die WHO-Generaldirektorin lediglich dazu auf „einen Bericht und praktische Empfehlungen“ zur Gesundheitssituation in den Palästinensergebieten zu unterbreiten. Mehr habe man, so das Auswärtige Amt, nicht erreichen können: „Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse in der WHO bestand keine Aussicht, die Entscheidung gänzlich zu verhindern.“

Weshalb die Schweiz diesen Beschluss unterstützte, wissen wir bisher nicht. Wir können aber getrost davon ausgehen, dass das EDA gleich argumentiert wie das deutsche Auswärtige Amt.

Diese Argumentation ist erbärmlich. Sie zeugt erstens einmal von einem grenzenlosen Opportunismus („Wir können etwas nicht verhindern, also unterstützen wir es.“). Zweitens ist sie heuchlerisch.

Wer nicht nur den Beginn des WHO-Beschlusses liest, sondern den ganzen Text, der sieht, dass es sich beim Auftrag „Bericht zu erstatten“ nur um eine Floskel handelt. Alles was auf den nächsten zwei Seiten folgt, dient nur dazu, Israel an den Pranger zu stellen. Und selbstverständlich wurde nur zu den Palästinensergebeiten ein solcher Beschluss gefasst und nicht etwa zu Syrien, dem Irak, dem Südsudan, Jemen oder der Türkei, wo es natürlich keinerlei Problem mit der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im Kriegsgebiet gibt.

Nun ist diese Einseitigkeit der UNO und ihrer Gremien gegen über Israel wahrlich nichts Neues. Aber gerade in der Gesundheitspolitik ist sie noch mehr daneben als in anderen politischen Bereichen.

Denn im Gesundheitsbereich verhält sich Israel politisch vorbildlich. Israelische Ärzte und Ärztinnen behandeln syrische Patienten, die insgeheim über die Grenze nach Israel und danach wieder zurück nach Syrien gebracht werden. Und israelische Spitalorganisationen wie die Hadassah Medical Organization[i], welche die zwei grössten Spitäler in Jerusalem betreibt, leisten einen aktiven Aufbau des Gesundheitswesens in dem von der PLO regierten Westjordanland und in aus praktischen Gründen sehr beschränktem Rahmen sogar in dem von der Hamas beherrschten Gazastreifen.

Gerade Hadassah ist zudem ein lebendiges Beispiel dafür, wie in Israel ohne Rücksicht auf Religion oder Nationalität medizinische Versorgungsarbeit geleistet wird. Denn in den beiden Hadassah-Spitälern auf dem Mount Scopus und in Ein Kerem arbeiten Israelis und Palästinenser, Juden und Moslems täglich Hand in Hand. Und palästinensische Kinder erhalten die genau gleiche Pflege wie jene von orthodoxen Juden.

Nach einem Terroranschlag kann es sogar vorkommen, dass in der Notfallstation von Ein Kerem, wo einer der weltbesten Traumachirurgen arbeitet, Professor Avi Rivkind, das israelische Opfer im einen Bett liegt und der palästinensische Attentäter im anderen. Für die Behandlung der palästinensischen Terroristen, die in schweren Fällen auch schon eine halbe Million Dollar betragen hat, zahlt dabei der israelische Staat. Weil die palästinensischen Gesundheitsbehörden die Kosten dafür nicht zurückerstatten.

Mit anderen Worten: Die Israelis bezahlen die Pflege jener, die es darauf abgesehen haben, sie zu vernichten. Wäre interessant zu schauen, wie die Politiker in der Schweiz oder Deutschland in einem solchen Fall reagieren würden.

2005 war die Hadassah Medical Organization deshalb sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Und sie ist bei weitem nicht die einzige medizinische Institution in Israel, die sich auf diese humanitäre Weise engagiert.

Doch von alledem ist natürlich in dem WHO-Beschluss keine Rede. Genau so wenig wie von der Tatsache, dass sich die Parteibonzen der Hamas und PLO regelmässig in israelischen Spitälern pflegen lassen. Stattdessen wird erneut mit Beispielen, die direkt von der palästinensischen Propaganda übernommen sind, Israel an den Pranger gestellt.

Dass dies lediglich in Form eines „Auftrags für einen Bericht“ geschieht und deshalb keine Verurteilung von Israel darstelle, ist eine peinliche Augenwischerei. Dies wird sich spätestens dann zeigen, wenn die WHO ihren „unparteiischen“ Bericht veröffentlicht und die Schweiz und Deutschland diesen dann zustimmend zur Kenntnis nehmen werden.

Sieht man von der guten militärischen Zusammenarbeit ab, haben sich die Beziehungen Israels zur Schweiz seit der Amtszeit von Aussenministerin Micheline Calmy-Rey merklich abgekühlt. Aber kann man dies Israel verübeln, wenn man sieht, wie einseitig sich die Schweizer Aussenpolitik verhält?

Denn mit unserer vielgerühmten Neutralität ist es nicht weit her, wenn wir Beschlüsse unterstützen wie jenen einseitigen der WHO, der von arabischen Staaten eingereicht wurde und nur ein Ziel hat: Israel ein weiteres Mal zu diskreditieren.

[i] Der Autor ist Präsident des Vereins Hadassah Switzerland, der die Hadassah Medical Organization unterstützt.

2 Gedanken zu “Nebelpetarden aus Berlin, Bern und von anderswo

  1. Vor ca. zwei Monaten wurde ich im Hadassaspital En Karem Jerusalem an einem Katarak operiert. Bein einer im Spital vorangegangenen Untersuchung stoss ich beim Eingang zu einem eine Buero auf ein Schild auf welchem in hebraeisch arabisch und englisch folgender Text zu lessen war (und natuerlich ist):
    „Healt Coordination Office, Palestinian Authoriity“
    Komentare wohl ueberfluessig

  2. Deutschland ist noch immer – entgegen aller Beteuerungen – ein Vasallenstaat Amerikas. Das müsste dringend geändert werden!

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