Wie Aufrufe zum Israel-Boykott uns allen schaden

 

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Diese Woche weilte der israelische Verteidigungsminister Moshe Ya’alon bei seinem schweizerischen Amtskollegen Guy Parmelin, um über die Zusammenarbeit der beiden Länder in militärstrategischen Fragen und bei der Rüstungsbeschaffung zu diskutieren.

Damit zog sich die Schweizer Regierung natürlich sofort den Unmut all jener zu, die finden, unser Land solle mit Israel wegen dessen Konflikt mit den Palästinensern möglichst auf keiner Ebene mehr irgendwelche Beziehungen pflegen.

Solche Kritiker findet man inzwischen nicht mehr nur in der (linken) Politszene, man findet sie auch unter Kulturschaffenden. So hat mich unlängst ein Facebook-Freund darauf aufmerksam gemacht, dass Filmemacher Rolf Lyssy („Die Schweizermacher“, „Ursula oder das unwerte Leben“, „Leo Sonnyboy“) zusammen mit weiteren Schweizer Filmschaffenden am letztjährigen Filmfestival von Locarno dazu aufgerufen hat, israelische Berufskollegen zu boykottieren.

Das hat mich schockiert. Am wenigsten, weil Rolf Lyssy selber jüdisch ist und eigentlich wissen müsste, woher der Aufruf „Kauft nicht bei Juden!“ stammt. Weit mehr zu denken gab mir, dass ein Kulturschaffender sich dafür einsetzt, andere Kulturschaffende, welche den gleichen westlichen-humanistischen Werten wie er verpflichtet sind, zu boykottieren, bloss weil er die Regierung ihres Landes nicht mag. Eine solche Haltung ist eines Kulturschaffenden unwürdig.

Im Falle von Israel – und zum Boykott von iranischen, syrischen oder irakischen Filmen haben Lyssy & Co natürlich nicht aufgerufen – ist so ein Appell besonders peinlich und beschämend. Denn gerade die Israelis zeigen, dass man Kulturschaffen und Politik auseinanderhalten sollte. Sogar wenn es um Kultur von jemandem geht, der als Person eine zu tiefst verwerfliche politische Gesinnung hat, dessen Kunstwerke aber Bewunderung verdienen. So war beispielsweise Theodor Herzl, der Gründervater des Zionismus, ein glühender Verehrer der Musik von Richard Wagner, obschon Wagner selber ein glühender Antisemit war. Und israelische Radio- und TV-Stationen oder Orchester spielen immer wieder Wagner-Werke.

Noch mehr zu denken gab mir, dass Lyssy & Co mit ihrem Protest dem Ruf einer Bewegung folgten, die letztlich nichts anderes als die Vernichtung Israels zum Ziel hat. Nämlich die Organisation „Boycott – Divestments – Sanctions“, kurz: BDS.

BDS gibt zwar nach aussen vor, durch wirtschaftlichen und politischen Druck lediglich die israelische Regierung zum Einlenken gegenüber den Palästinensern zwingen zu wollen (von den Palästinensern wird Ähnliches natürlich nicht verlangt). Doch in Tat und Wahrheit geht es BDS einzig und allein darum, Israel zu Gunsten einer palästinensischen Ein-Staaten-Lösung zu de-legitimieren (siehe: What is the Real BDS Endgame? The Elimination of Israel).

Das erstaunt nicht. Denn hinter der BDS-Bewegung stehen Organisationen, die unter anderem von der Hamas gesteuert werden, welche sich die Vernichtung des Staates Israel auf Ihre Fahnen geschrieben haben (Auszüge aus der Hamas-Charta finden sich hier. Die ganze Charta im Wortlaut gibt es hier zu lesen.

In Frankreich wurden BDS-Aktivisten deshalb rechtskräftig wegen „Hassverbrechen“ verurteilt, und auch in den USA und in Kanada werden BDS-Aktivitäten als „hate crime“ eingestuft.

Dass Rolf Lyssy und weitere Schweizer Filmschaffende, aber auch namhafte Schweizer Politiker wie die früheren Nationalräte Andrea Hämmerle, Franco Cavalli und ihre noch immer aktive Parteikollegin Margret Kiener Nellen (alle SP) sowie Therese Frösch (GP) eine Gruppierung wie BDS unterstützen, ist deshalb extrem verwerflich.

Aber es ist nicht nur verwerflich, es ist auch pervers und kontraproduktiv. So waren zum Beispiel die von BDS orchestrierten Boykottaufrufe mit ein Grund dafür, dass die israelische Sodaflaschen-Herstellerin SodaStream ihre Produktionsstätte aus dem Westjordanland ins israelische Kerngebiet zügelte: Gegen 400 palästinensische Arbeiter verloren daraufhin ihre Stelle. So schadete BDS genau jenen, denen sie angeblich helfen will! Kein Wunder, beklagten sich die betroffenen palästinensischen Arbeiter bitterlich über die Boykott-Bewegung.

Die BDS-Boykottaufrufe treffen aber auch uns hier in der Schweiz und in Europa. Denn der Boykott richtet sich nicht nur gegen die israelische Wirtschaft und gegen israelische Künstler. Er zielt auch auf die Zusammenarbeit mit israelischen Wissenschaftlern ab. Und davon hat es eine ganze Menge, die absolut Weltspitze und deren Arbeiten deshalb auch international bedeutsam sind.

So gibt es am Tel Aviver Weizmann Institute of Science oder auch an den Universitätsspitälern der Hadassah Medical Organization bahnbrechende wissenschaftliche Projekte im Bereich der Stammzellenforschung und in weiteren medizinischen Fachgebieten. Diese Projekte im Bereich der Grundlagen- und angewandten Forschung haben das Potenzial, zum Beispiel die Bekämpfung von Krebs zu revolutionieren.

Deshalb ist der Aufruf, solche israelische Institutionen und Wissenschaftler zu boykottieren, auch aus Schweizer und europäischer Sicht absolut verantwortungslos. Denn letztlich führt er dazu, dass wissenschaftliche Forschung, die auch uns nützt, behindert wird.

Der holländische Schriftsteller Leon de Winter hat im Zusammenhang mit Anti-Israel-Aktivisten wie jenen der BDS-Bewegung den Ausdruck „nützliche Idioten“ geprägt. Er meint damit, dass sich diese naiven Westeuropäer, ohne es zu merken, zu willfährigen Handlangern von Mächten und Organisationen machen lassen, deren Gedankengut und Absichten sie im Grunde genommen eigentlich nicht teilen.

Mag sein, dass dies mindestens bei einem Teil der BDS-AktivistInnen so ist. Aber mir reicht dies nicht als Entschuldigung, um ihnen die Absolution zu erteilen „Herr, verzeih‘ ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Alle diese meist linken und grünen BDS-UnterstützerInnen aus Politik, Kultur und Wissenschaft sind erwachsene Menschen. Das heisst, sie müssten eigentlich „wissen, was sie tun“. Und was sie tun, das ist pervers, abstossend und verwerflich!

*Sacha Wigdorovits war während zwanzig Jahren Journalist, unter anderem als USA-Korrespondent der SonntagsZeitung, stellvertretender Chefredaktor der Luzerner Neusten Nachrichten und Chefredaktor des BLICK. Er leitet heute die Kommunikationsagentur Contract Media in Zürich.

7 Gedanken zu “Wie Aufrufe zum Israel-Boykott uns allen schaden

  1. die israelis haben halt nichts aus dem holocaust gelernt und mördern heute mit ihrer auf palestinänserjagt getrimmten armee friedlich weiter und die welt sieht zu, klar kann man noch 70 jahre nach dem zweiten weltkrieg heulen was die juden doch für ein armer haufen seien, in der realität stehen sie jetzt genau in der gleichen unterdrückenden und mördernden position wie die nazis im 2. wk

  2. Hat dies auf rememberamalek rebloggt und kommentierte:
    Ich hoffe, dass die Stimme von Sacha Wigdorovits nicht nur von den Gegnern des Jüdischen Staates Israel, sondern auch von den sich durch beredtes Schweigen auszeichnenden jüdischen „Persönlichkeiten“ vernommen wird.
    Die BDS-Bewegung verbreitet zusammen mit der PA auch die Menschenverachtende und Antisemitische „Apartheid-Lüge“.

  3. Ich hoffe, dass die Stimme von Sacha Wigdorovits nicht nur von den Gegnern des Jüdischen Staates Israel, sondern auch von den sich durch beredtes Schweigen auszeichnenden jüdischen „Persönlichkeiten“ vernommen wird.

    Die BDS-Bewegung verbreitet zusammen mit der PA auch die menschenverachtende und antisemitische „Apartheid-Lüge“.

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