Antisemitismus als ideologischer Kitt

(bel/dbr) Letzten Freitag veröffentlichte die Juso eine Karikatur mit deutlich antisemitischem Charakter, um für ihre Spekulationsstopp-Initiative zu werben. Bildschirmfoto 2016-01-22 um 12.59.16

Die Blogger von etwasanderekritik haben diese antisemitische Karikatur von Beginn weg auf den Facebook-Seiten der Juso und der Spekulationsstopp-Initiative kritisiert, den niederträchtigen Umgang der Juso-Verantwortlichen mit Kritik thematisiert und die «Stürmer»-ähnliche Karikatur der Juso zur Dokumentation festgehalten.
Mittlerweile haben mehrere Medien darauf zurückgegriffen und darüber berichtet. Die Online-Plattformen von Watson, Blick Online, Blick am Abend schrieben am Samstag darüber. Die NZZ am Sonntag (siehe Screenshot) und die SonntagsZeitung berichten heute über die «Stürmer»-ähnliche Karikatur der Juso.

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SoZ: „Für die Präsidentin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR), Martine Brunschwig Graf, ist die Zeichnung unhaltbar: «Die Karikatur erinnert an nationalsozialistische Propaganda.» Der Juso sei das aber kaum klar gewesen. «Gerade jungen Leuten fehlt heute das Bewusstsein für judenfeindliche Klischees.»

Jonathan Kreutner vom Schweizerischen Israelitischen Gemeindebund sagt: «Die Zeichnung und der Umgang damit sind eine Fehlleistung. Ich hoffe aber, dass die richtigen Lehren gezogen werden.»“

Die Analysen sind richtig: Die Karikatur erinnert an nationalsozialistische Propaganda. Die Zeichnung ist eine Fehlleistung. Die Rechtfertigung aber, wonach das Bewusstsein für judenfeindliche Klischees fehle, ist naiv.

Gewiss, nach dem Gesetz von Hanlons Rasiermesser gilt: «Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.»

Doch wieso sollte man den Antisemitismus der Jung-Sozialisten nicht ebenso ernst nehmen wie den Antisemitismus der jungen Nazis?

Die Jung-Sozialisten wissen, was sie tun. Ebenso wie junge Nazis wissen, was sie tun.

Der strukturelle Antisemitismus ist der verkürzten Kapitalismuskritik der sozialistischen Ideologie, die zwischen «schaffendem» und «raffendem» Kapital unterscheidet, immanent.

Die Argumentation der Juso für die Spekulationsstopp-Initiative ist geradezu ein Lehrbuch-Beispiel für strukturellen Antisemitismus.

Statt das System zu kritisieren, hetzen die jungen und die nationalen Sozialisten Menschen aufeinander los. Sie personifizieren und vermenschlichen das System, indem sie ihm menschliche oder tierische Eigenschaften zusprechen (Gier, Heuschrecken, aussaugen, etc.). Sie kreieren Sündenböcke. Wie so ein Sündenbock auszusehen hat, das hat sich den Sozialisten historisch eingeprägt. Die «Globalisierungskritiker» übernehmen zu weiten Teilen die damals von Nazis verbreitete Stereotypen und Diktionen.

Wer konstant und in wohlwollender Weise Statements von Jean Ziegler postet, der mit terroristischen Judenmördern kollaboriert, nimmt dessen Antisemitismus auf oder zumindest in Kauf.

Ebenso manifestiert sich der Antisemitismus der Juso, wie auch jenem der Jung-Nazis, in ihrer Israelfeindschaft.
Antisemitismus ist der ideologische Kitt, der die Rechten und die Linken in der auseinanderbrechenden Gesellschaft zusammen hält. Exemplarisch zeigt sich dies bei den Kommentaren zur Juso-«Stürmer»-Karikatur im links-rechtspopulistischen «Blick» und beim linkspopulistischen «Watson».

 

Watson hat eine Umfrage dazu gemacht. 31 Prozent sehen nichts Antisemitisches in der Karikatur.

Hier ein paar ausgewählte Kommentare mit vielen Likes:
Im Blick:

«Mit ganz, ganz viel Fantasie könnte man vielleicht allenfalls eine ganz vage Ähnlichkeit feststellen. Aber muss denn dieser rund 80-jährige Bonus immer noch so aktiv sein?»

Bei Watson:

«Ich glsub ich spinne! Wir delbstzensurieren uns bis zur Selbstaufgabe. Ein Mann mit Hut soll ein Jude darstellen? Haben die fängs dermassen Schutz, dass man nix heichnen kann, was mit grosser Phantasie auch nur iiiirgendwie als Jude gedeutet werden könnte? Aber Mohammed zu karrikieren ist dann Meinungsfreiheit? Entweder oder! Dieser Antisemitismuskeule nervt gewaltig.»

«wer etwas antisemitisches sehen will sieht es auch.»

«ich hab das bild auch geteilt. dass es antisemitisch sein soll habe ich nicht bemerkt. mir gehts ums spekulieren…»

«W…T…F?! Srsly?! Normalerweise wird uns Jusos(Ja, ich bin auch einer von denen) vorgeworfen, dass wir Kommunisten, Stalinisten o.ä. seien, was in anbetracht der Geschichte der Sozialdemokratie schon eine ziemlich üble Beleidigung ist, aber DAS?! Nun sollen wir auch noch Antisemiten sein?!-.- Auf der Backe sind Koteletten, ein Zylinder gehört fast schon zu der Karrikatur eines ‚Bonzen‘ und die meisten, auf Karrikaturen negativ dargestellten, Personen haben grosse Nasen.(Vorallem hätte eine Juden-Karrikatur eine Hakennase). Aber wenn man angestrengt genug sucht, findet man natürlich immer was»

Jeder hat die Leser, die er verdient.

Apropos: Wir sagen es ungern, aber wir haben wie immer Recht. Der linke Tages-Anzeiger/Newsnet legt – wie von uns gewettet – den gnädigen Mantel des Schweigens über den Antisemitismus der Juso, resp. über ihren eigenen.

Die Qualitätsjournalisten des Tages-Anzeigers sehen Antisemitismus nur bei den Rechten, ihren eigenen Antisemitismus und den ihrer Gesinnungsgenossen sehen sie nicht.

***

 

5 Gedanken zu “Antisemitismus als ideologischer Kitt

  1. Désolé de contredire les bien pensant de la liberté d’expression parmi les commentaires mais montrer des caricatures nazi avec un chapeau traditionnel juif représentant un soit disant looby de la finance juive assoiffe d’argent n’est pas de nature à apaiser les consciences, mais plutôt à les exciter..

    Es tut uns leid, das wohlmein der Meinungsfreiheit unter den Kommentaren zeigen, aber mit ein jüdischer NS-Karikaturen, das einen traditionellen Hut wider heißt looby jüdischer finanzierung geld durstig ist nicht wahrscheinlich, die Gewissen zu beruhigen, aber eher erregt ..

  2. Schade, dass du dich über die viel offensichtlichere Singersche Behindertenfeindlichkeit nicht genau so aufregst, wie über diesen bloss angedeuteten Antisemitismus der Juso.

    • Weisst Du David, ich weiss echt nicht, wie ich dir erklären kann, dass Peter Singer nicht behindertenfeindlich ist, damit du es verstehst. Peter Singer ist Philosoph und Ethiker, aber irgendwie habe ich das Gefühl, du verstehst weder von einem noch vom anderen etwas. Immerhin, halte ich dir in diesem Fall zugute, dass sich auch mein lieber Freund Michael Schmidt-Salomon geirrt und Singer falsch verstanden hat – siehe Link. Deine Beschwerde bei UBI zeigt jedoch, dass du dir nicht mal Mühe gibst, das Konzept Sternstunden-Philosophie zu verstehen und schon gar keinen Respekt vor Presse- und Meinungsfreiheit hast. Und das nehme ich dir übel.

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