Palästinensische Träume

© Die Weltwoche; 12.11.2015; Ausgabe-Nr. 46; Seite 39

In der Zürcher Photobastei ist derzeit eine Ausstellung über das photo_4655exodus380x253-300x200palästinensische Flüchtlingselend   zu sehen. Mindestens ebenso interessant wie die Bilder sind die Tatsachen, die ausgeblendet werden. Von Pierre Heumann

In dem Gebiet, das seit 1948 zu Israel gehört, verloren mehrere Hunderttausend Palästinenser ihre Häuser und ihren Besitz. Das Unrecht, das den Palästinensern damals widerfuhr, ist gut dokumentiert, von Historikern, Zeitzeugen, Filmemachern und Fotografen. Die Photobastei macht nun ebenfalls auf die Notlage der palästinensischen Flüchtlinge aufmerksam. Sie zeigt eine Ausstellung mit Bildern von deren langen Reise, die vor bald sieben Jahrzehnten begann und bis heute andauert. Sie zähle zu den «längsten Zwangsmigrationsphänomenen der modernen Geschichte», heisst es im Begleittext zur Ausstellung, die weltweit bereits an zwanzig Standorten zu sehen war.

Der Staat Israel, implizieren die gezeigten Fotografien von damals, wurde 1948 in Sünde geboren. Dass das «längste Zwangsmigrationsphänomen» aber mit Absicht nicht gelöst und künstlich am Leben gehalten wurde, wird unterschlagen. Den arabischen Bewohnern Palästinas wurde 1948 vorgegaukelt, dass sie bald mit einer siegreichen Armee in ihre Heimat zurückkehren und die Juden aus Palästina vertreiben würden. Die Palästina-Flüchtlinge waren für sie von Anfang an nützliche Idioten: eine menschliche Speerspitze gegen Israel. Die Lösung der Flüchtlingsfrage lag nicht im Interesse der damaligen arabischen Elite.

Von Anfang an unterstützte auch die Uno das Ziel, das Elend der Palästinenser zu verewigen. Deren Flüchtlingsstatus, so beschloss die Uno, sei von einer Generation auf die nächste zu übertragen. Keine andere Flüchtlingsgruppe hat diese eingebaute Perpetuierung, die zur Folge hat, dass die Palästinenser auf immer und ewig heimatlos bleiben. Wegen dieser Politik hat sich die Zahl der ausgewiesenen Flüchtlinge in den vergangenen Jahren dramatisch erhöht. Rund 700   000 Palästinenser wurden 1948 vertrieben. Heute sind es laut Uno-Statistik über fünf Millionen, die als Flüchtlinge registriert sind: die Enkel, Urenkel und Ururenkel der Palästinenser, die Ende der 1940er Jahre aus Haifa, Ramla oder Jaffa geflohen sind.

Konservierte Misere

Parallel zum palästinensischen gab es nach der Staatsgründung Israels einen zweiten Flüchtlingsstrom, welcher der Erinnerung wert wäre. Juden, die seit Jahrhunderten in muslimischen Ländern gelebt hatten, wurden aus Marokko, Tunesien, aus dem Irak, aus dem Iran oder aus Ägypten vertrieben. 600   000 jüdische Flüchtlinge fanden in Israel eine neue Heimat, 300   000 in Frankreich und Kanada. Den Nachfahren dieser Vertriebenen käme es heute nicht in den Sinn, sich als Flüchtlinge zu bezeichnen. Sie sind Teil der Gesellschaft, in der sie leben, sind Franzosen, Kanadier oder Israeli.

Der Unterschied ist eklatant. Eine Solidarität mit den palästinensischen Brüdern hat es in muslimischen Ländern nie gegeben. Wer die Vertriebenen aufnahm, grenzte sie aus, verweigerte ihnen die rudimentärsten Rechte und zwängte sie in Lager. Jordanien ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.

Die Palästinenser träumen deshalb nach wie vor von der Rückkehr nach Palästina. Wer mit ihnen über dieses Recht auf Rückkehr verhandeln will, stösst auf Ablehnung. Israelische Kompromissvorschläge, die die neuen Realitäten berücksichtigen, wurden wiederholt abgelehnt. Palästinenserführer Jassir Arafat wollte zu Beginn dieses Jahrtausends nichts von einem Vorschlag der israelischen Regierung wissen, den Gazastreifen und den grössten Teil des Westjordanlands aufzugeben, damit dort der Staat Palästina entstehen könne. Auch Mahmud Abbas liess eine Offerte des Premiers Ehud Olmert unbeantwortet, wonach im Westjordanland ein Staat Palästina entstehen solle.

Die Palästinenser übernehmen keine Pflichten, kennen nur Ansprüche. Jahr für Jahr werden sie mit Hilfsgeldern unterstützt, auch aus der Schweiz. Allein die USA und die EU überweisen jährlich eine halbe Milliarde Dollar an die Flüchtlingshilfe der Palästinenser, die UNRWA. Die UNRWA füttert die Palästinenser durch und kümmert sich um die Infrastruktur, baut und unterhält Schulen und Kliniken. Aber sie hat nicht den Auftrag, für die Integration der Flüchtlinge zu sorgen. Damit werden die Palästinenser zur Abhängigkeit, zur Unselbständigkeit erzogen. Das UNRWA-Mandat unterscheidet sich übrigens klar vom Auftrag der Uno-Agentur UNHCR, die sich weltweit um alle übrigen Flüchtlinge kümmert: Zu ihrem Pflichtenheft gehören ausdrücklich die Integration und die Hilfe bei der Assimilation.

Wie unmündige Kinder

Dass sich die Heimat ihrer Vorfahren inzwischen radikal gewandelt hat, dass es neue Städte gibt, dass ihre Dörfer und Häuser weitgehend verschwunden sind – das ist für die Palästinenser kein Grund, von ihren Träumen abzulassen. Auch in der vierten Generation nicht. Die Uno macht diese Träume möglich, indem sie die Palästinenser wie unmündige Kinder behandelt. Statt für ihre Integration zu sorgen, konserviert sie deren Misere mit viel Geld.

Bild: Photobastei, Zürich.

2 Gedanken zu “Palästinensische Träume

  1. Guter Artikel von Pierre Heumann. Die Palästinenser sind nun mal Weltmeister im Jammern. Das zahlt sich aus. Kein anderes Volk auf dieser Erde bekommt auch nur annähernd so viel Hilfe. Leider versickert das Geld aber in den Taschen der palästinensischen Ver-führer. Viel Geld braucht es natürlich auch für die beispiellose Hasspropaganda. Diese Propaganda fängt schon in der Schule an, wo schon ganz junge Kinder zum Töten von Juden angestiftet werden. Und die Geberländer schweigen.

    Empfehlen kann ich auch diesen Artikel:
    „Palästinensische Software-Firma sagt Kunden: Glaubt den BDS-Lügen nicht“

  2. Seit seiner Gründung 1948 hat Israel seinen Staat aufgebaut, Millionen jüdischer Flüchtlinge aus arabischen Staaten aufgenommen und integriert, Angriffskriege seiner arabischen Nachbarn abgewehrt und ist heute einer der erfolgreichsten Technologie- und Forschungsplätze weltweit. Ein wahr gewordener Traum.

    Währenddessen haben die palästinensischen Araber den Jüdischen Staat Israel bekämpft, mit Terror in und ausserhalb Israels und ansonsten nichts zustande gebracht.

    Das künftige Palästina ist also schon vor seiner Gründung ein „failed State“. Ein Albtraum.

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