Aufhören bitte

Es gibt Dinge, die wir nicht wissen müssen. Lasst Jolanda Spiess endlich in Ruhe. von Alex Baur. 

In Peru, meiner zweiten Heimat, gibt es eine geheimnisvolle Medizin, man nennt sie Jumbina. Bislang hat zwar kein Mensch das Elixier gesehen, es ist auch in keiner Apotheke käuflich. Aber es ist trotzdem unglaublich mächtig. Es heisst, die Indianer würden Jumbina alten Kühen verabreichen, wenn diese zu faul zur Fortpflanzung werden, damit sie brünstig werden wie pubertierende Karnikel. Nun stelle man sich vor: Was passiert wohl, wenn diese für ein stattliches, mit allen Wassern gewaschenes Rindvieh dimensionierte Droge einer ahnungslosen, zierlichen Jungfrau verabreicht wird. Ay no, que horror! Nein, ein anständiger Christenmensch will sich das nicht vorstellen.

Heerscharen von gefallenen Töchtern aus wohlanständigem Hause sind der in den Anden grassierenden Jumbina-Plage schon zum Opfer gefallen. Nun gibt es zwar welche, die behaupten, das sei alles fauler Zauber, Lug und Trug. Allerdings konnte bislang noch keiner beweisen, dass Jumbina lediglich ein Notlügenprodukt ist und in Wahrheit gar nicht existiert. Immerhin gab es schon liebestolle Don Juans, die wegen heimlicher Verabreichung von Jumbina verurteilt wurden (wenngleich nur in erster Instanz; die Urteile wurden, soweit bekannt, später kassiert). Kurzum: Letztlich ist es jedem überlassen, ob er an die Jumbina-Saga glauben will oder auch nicht – und das von Fall zu Fall.

Was feststeht: In den Alpen gibt es kein Jumbina, sehr wohl jedoch den K.O.-Tropfen. In der Regel ist damit eine chemische Formel namens GHB gemeint, die zu geistigen Absenzen (Filmriss) führen kann (und in Verbindung mit Alkohol übrigens zu lebensgefährlichen Komplikationen). Nun behaupten die einen, GHB sei zur Schändung eines ahnungslosen Opfers völlig ungeeignet, andere versichern das Gegenteil. Man weiss es nicht so genau, die einen glauben daran, die anderen nicht – von Fall zu Fall.

Und ich meine: Das ist gut so, denn es gibt Dinge auf dieser Welt, die wir bloss erahnen können und die wir auch nicht so genau verstehen müssen. Zwischen Männlein und Weiblein passiert manchmal Unerklärliches. Wenn dann trotzdem eine Erklärung unausweichlich wird, kann es sehr peinlich werden, für alle. Fast unlösbar wird das Dilemma, wenn dann auch noch die Justiz auf den Plan gerufen wird und darüber entscheiden muss, was in den Köpfen von zwei Menschen stattgefunden hat, die sich mehr oder weniger zurechnungsunfähig übereinander hergefallen sind und sich die Kleider vom Leibe gerissen haben. In einem solchen Fall sind fürwahr weise Staatsanwälte und Richter gefordert.

Genauso war es im famosen Fall der alternativgrünen Zuger Sirene Jolanda Spiess und dem SVP-Hengst Markus Hürlimann. Immerhin, die Justiz hat gesprochen: Was bei jenem sagenumwitterten Rencontre in der „Captains Lounge“ auch passierte, es war nach menschlichem Ermessen kein Verbrechen. Mehr brauchen wir nicht zu wissen, lasst es dabei bewenden. Bitte keine Witze mehr, keine Gehässigkeiten, keine Spekulationen und keine Anklagen. Es reicht, basta. Lasst die beiden einfach in Ruhe. Und denkt bitte alle daran: Bei der nächsten K.O.-Tropfen-Geschichte, die bestimmt kommen wird, erst einfach mal kühlen Kopf bewahren.

Bild von Neue Luzerner Zeitung Online

Bild von Neue Luzerner Zeitung Online

Ein Gedanke zu “Aufhören bitte

  1. Dieser Text ist weder hier noch in Peru nützlich, denn die Justiz hat festgestellt dass keine KO-Tropfen nachweisbar sind.

    Somit bleibt noch das Ergebnis der Klage Hürlimann gegen Spiess abzuwarten. Basta!

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