#3 Newsletter „Hochspannung” – Spannende Informationen rund um die Energiewende

HOCHSPANNUNG – Spannende Informationen rund um die Energiewende

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Nr. 3 – Ausgabe vom August 2015 PDF: Hochspannung-3d

Themen:

  • Offener Brief an den Ständerat
  • Keine Änderung des Kernenergiegesetzes:

    Leserbrief von Frau Alt-Ständerätin Vreni Spoerry in der NZZ vom 15. August (Siehe PDF oben)

  • Reicht das KEV-Geld? 

    Die Energiestrategie 2050 des Bundesrats, die sogenannte Energiewende, hat ein einfaches, klares Ziel: Ersatz der Kernkraftwerke durch Sparen und erneuerbare Energien. Sollte das nicht reichen, kann man immer noch importieren und Gaskraftwerke bauen.

    Schon kurz nach Bekanntgabe dieses Plans erschienen „wissenschaftliche“ Studien, die belegten: “es geht!“ So von Lucas Bretschger, Göran Andersson und Konstantin Boulouchos von der ETHZ, und von der Schweizerischen Akademie der technischen Wissenschaften (Farid Comaty, Andreas Ulbig und Göran Andersson) von der ETHZ. Die ETH-Leute kümmerten sich allerdings nicht um die Kosten. Schliesslich publizierte eine Gruppe um Silvio Borner eine umfangreiche Studie zu den direkten und indirekten Kosten der Energiewende. Sie wurde kaum zur Kenntnis genommen, obwohl (oder vielleicht weil) sie klar nachwies, dass die Kosten für unsere Volkswirtschaft untragbar sein werden.

    Eine Frage wurde erstaunlicherweise bisher nicht gestellt: Wie weit reichen die „Fördergelder“?

    „Fördern“ hatte früher zwei Bedeutungen: entweder hiess es, Erze und andere Bodenschätze aus der Erde heraus zu holen, oder man meinte damit, einem Talent zu helfen, sich zu entfalten. Heute ist „fördern“ ein Synonym für „subventionieren“.

    Damit sind wir beim Thema. Wenn man den billigen Atomstrom durch teuren Solarstrom ersetzen will, geht das nicht ohne Förderung. In der Schweiz heisst das: Kostendeckende Einspeisevergütung. Damit wird es interessant, sich eine Photovoltaikanlage anzuschaffen, denn das ist jetzt eine lohnende Investition. Das Elektrizitätswerk muss sich nämlich verpflichten, den produzierten Strom abzunehmen, ob es ihn braucht oder nicht und zwar zu einem Preis, der die Kosten deckt. Zu den Kosten gehört auch die Verzinsung des investierten Kapitals und da werden Zinssätze gewährt, die weit über dem Üblichen liegen. Lukrativer geht’s nicht. Und das Beste: Das war mal für 25 Jahre garantiert! Heute sind es „nur“ noch 20 Jahre. Wer bezahlt das? Wir, die Bezüger von „normalem“ Strom. Wir bezahlen für jede Kilowattstunde (kWh) heute schon 1,1 Rappen zusätzlich in eine Kasse bei Swissgrid. Das ergibt jedes Jahr etwa 660 Millionen Franken. Aus dieser Kasse werden die Betreiber von Solaranlagen, Windrädern, Kleinwasserkraftwerken und BiogasTurbinen „gefördert“.

    Der Stromverbrauch ist in der Schweiz fast konstant; mit einem festen Zuschlag fliesst also jedes Jahr etwa gleichviel in diese Kasse. Weil die Bezüger der Förderung 20 bis 25 Jahre lang die gleichen sind, können keine neuen Anlagen in das Förderprogramm aufgenommen werden, ausser die Abgabe werde erhöht. Darum zahlen wir ab 1. Januar 2016 neu 1,3 Rappen pro kWh. Der Bundesrat kann diesen Betrag auf 1,5 Rappen erhöhen und der Nationalrat hat beschlossen, die Grenze im Rahmen der Energiestrategie 2050 auf 2,3 Rappen zu erhöhen.

    Reicht das, um die vom Szenario „Erneuerbare Energie“ der Strategie im Jahr 2050 geforderten 24,22 Milliarden kWh pro Jahr aus Erneuerbaren zu produzieren? Oder doch wenigstens die für 2035 erwarteten 14,5 Mia. kWh?

  • Japan: Erstes Kernkraftwerk nach Fukushima wieder in Betrieb.

Am 11. August erreichte das Kernkraftwerk Sendai 1 in Kagoshima Kritikalität. Ab 15. August wird es wieder Strom ans Netz liefern. Natürlich war dies nicht unumstritten. Gemäss Umfragen ist eine Mehrheit der Bevölkerung gegen den Wiedereinstieg in die Kernenergie. Ein paar Dutzend Aktivisten demonstrierten lautstark. Das Schweizer Fernsehen berichtete ausführlich über diese Opposition und interviewte einige der Demonstranten. Warum setzt sich die Regierung über die Volksmeinung hinweg? Darüber schwieg sich unser Staatssender aus. Als ab Frühling 2011, nach dem Unfall in Fukushima, alle Kernkraftwerke schrittweise vom Netz genommen wurden, tat sich natürlich eine Stromlücke auf, die möglichst schnell geschlossen werden musste. Das ging am schnellsten mit Gaskraftwerken. Allerdings musste das Flüssiggas zu hohen Kosten im Ausland eingekauft werden. Die Handelsbilanz Japans war 2010 noch positiv. Schon 2012 war sie 30 Milliarden $ im Minus und erreichte 2013 ein Rekorddefizit von 118 Milliarden $. Das wollte sich die Abe-Regierung nicht länger leisten. Aber nicht nur die Handelsbilanz leidet unter dem fehlenden Atomstrom, auch die Strompreise für die Konsumenten stiegen um 20% für Haushaltungen und 30% für die Unternehmen. Das ist der Grund, warum sich Ministerpräsident Abe über die Volksmeinung hinwegsetzen muss. Das ist wohl auch der Grund, warum das Schweizer Fernsehen darüber nicht berichtet hat: Wenn Kernkraftwerke in Betrieb genommen werden, um Geld zu sparen, bedeutet das doch, dass sie wirtschaftlicher arbeiten als Gaskraftwerke. Die Fernsehleute hätten damit die Behauptung von Frau BR Leuthard, Kernkraftwerke seien unwirtschaftlich, Lügen gestraft.

  • Greenpeace jubelt – zu früh!

    Die beiden Reaktoren in Beznau sind in Revision, Block1 länger als geplant. Leibstadt und Mühleberg sind ebenfalls in Revision und dann steigt auch noch Gösgen aus! Ein Dampfleck im sekundären Dampfkreislauf muss repariert werden.

    Damit sind erstmals alle 5 KKW ausser Betrieb. Seht her – jubelt Greenpeace – es gibt kei-nen Blackout. Ist das ein Beweis, dass es die KKW nicht braucht? Weit gefehlt: Es ist Sommer! Im Sommer gibt es immer Stromüberschüsse. Deshalb finden die Revisionen der KKW im Sommer statt. Lassen wir Zahlen sprechen: Der maximale Leistungsbedarf an einem Werktag im August beträgt knapp 8 Gigawatt (GW). Die Flusskraftwerke produzieren 3 GW. Die Speicherseen sind gut gefüllt und könnten einige Zeit lang bis zu 9 GW beitragen. Natürlich spart man das gespeicherte Wasser lieber für den Winter und importiert, wenn der Strom auf dem europäischen Markt billig ist.

3 Gedanken zu “#3 Newsletter „Hochspannung” – Spannende Informationen rund um die Energiewende

  1. Es ist wirklich grobfahrlässig, dass dass der Bundesrat die immensen Kosten dieses emotionalen Schnellschusses damals (und heute) überhaupt nicht sehen wollte.

    Die Vorstellung, nach dem Abschalten unserer AKWs ggf. schmutzigen Strom aus dem Ausland zu importieren ist ein echter Schildbürgerstreich.

    Leider wird auch in diesem Beitrag nicht gesagt, wie hoch die Kosten wären….

    Wer nicht spontan und emotional entscheidet und sich informiert, kann feststellen dass man heute sehr viel besser weiss, wie ein sicheres AKW gebaut werden muss. Westinghouse hat ein simples Konzept entwickelt, welches die Kühlung unter schlimmsten Bedingungen aufrecht erhält und überhaupt nicht entscheidend teurer ist als die alte Konstruktion.

  2. Pingback: Etwas andere Kritik | zappelstrom

  3. Pingback: Energiestrategie2050 Vom Klima bis zur Kernenergie ES2050 | wernibechtel

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