Und bewahr uns vor den Judophilen

Judenhasser und Judenverehrer haben eine gemeinsame Obsession: Alles, Foto Alex Baurwas mit den Juden, dem Judentum und Israel zu tun hat. Der Wechsel vom einen Lager ins andere Lager geht schneller und einfacher, als man denkt. Deshalb sind mir die einen so ungeheuer wie die anderen. Von Alex Baur

Meine geschätzte Journalisten-Kollegin Dani Brandt hat mich kürzlich scharf gerügt für mein Portrait über den ehemaligen RAF-Terroristen, Promianwalt und Holocaustleugner Horst Mahler. Mein in der Weltwoche publizierter Artikel erzählt die Geschichte eines todkranken Greises, den man seit Jahren im ehemaligen DDR-Kerker von Brandenburg verrotten lässt, weil er seinen Theorien nicht abschwören mag. Nun wurde dieser Artikel [wew_20150709_0_0_44 (1)]offenbar in rechtsnationalistischen Kreisen (wie extrem diese sind, kann ich nicht beurteilen) herumgereicht und gelobt. Aus diesem Applaus zieht Brandt einen Rückschluss auf den Autor: „Herrlich, wie alles so prächtig zusammenwächst, was zusammengehört“.
Explizit wurde ich damit zwar nicht zum Antisemiten gestempelt – noch nicht -, der gedrechselte Satz ist vielmehr als Drohung zu verstehen. Natürlich ist Dani Brandt auch nicht entgangen, dass ich schon das eine oder andere Portrait über toxische Figuren aus der Szene der Holocaustleugner und deren Entourage geschrieben habe, ohne mich gehörig zu distanzieren – etwa über Jürgen Graf („Heil in Moskau“), über Dieudonné M’bala M’bala (Epizentrum des Hasses“) oder kürzlich über den ehemaligen SS-Freiwilligen und „Auschwitz-Buchhalter“ Oskar Gröning („Halali auf die Nazi-Greise“ wew_20150723_0_0_46 (1)).
All diese Artikel weisen eine Gemeinsamkeit auf: Ich verweigere mich einer inhaltlichen Diskussion über die Holocaustlüge (ich distanziere mich also auch nicht); mich interessiert einzig die Geschichte und das Wesen dieser Leute. Das moralische Urteil überlasse ich dem Leser. Lediglich in einem Punkt kommt meine Haltung klar zum Ausdruck: Dass man heute wieder Menschen bestraft und sogar einsperrt, bloss weil sie verbotenen Theorien anhängen, finde ivh skandalös, ja unerträglich, und mögen diese verbotenen Theorien noch so abstrus oder auch widerlich erscheinen.
Ich habe aus meiner grundsätzlichen Ablehnung der Rassismusstrafnorm (Volksverhetzung in Deutschland) nie einen Hehl gemacht (z.B. http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2008-24/artikel-2008-24-unfreie-rede). 1994, als die Gesetzesnovelle in der Schweiz knapp angenommen wurde, gehörte ich zu den wenigen Journalisten, die sich dezidiert dagegen aussprachen. Ich war schon damals der Meinung, diese Zensurnorm sei „von Idioten für Idioten gemacht worden“ (was ich damals, als Gerichtsreporter bei der NZZ, natürlich nicht so klar formulieren durfte). Dahinter steht eine simple, grundsätzliche Überlegung, die mir mutmasslich schon mit der Muttermilch eingeflösst wurde: Meinungen, Überzeugungen und Ideen bekämpft man nicht mit Verboten und Tabus, sondern mit dem besseren Argument. Rassismus kann man per Gesetz nicht aus der Welt schaffen.
Die Auseinandersetzung um die beiden Weltkriege, die Nazis und die Shoah haben mich mein Leben lang begleitet, sie waren in meinem Elternhaus ein Dauerthema, soweit ich mich zurückbesinnen kann, sie haben mein Denken massgeblich geprägt. Das fast unvorstellbare Leid und das schreiende Unrecht, das den Juden und anderen Minderheiten damals angetan wurde, war das eine. Das andere, für mich vielleicht noch wichtigere Thema war das totalitäre Regime der Nazis. Wie war es möglich, dass eine solche Tyrannei in einem zivilisierten Land an die Macht kam? Wie kann man das verhindern?
Klar ist: Der Antisemitismus und die Verfolgung der Juden bis hin zu deren physischen Vernichtung war keine Erfindung der Nazis. Den irrationalen Hass auf alles Jüdische hat es immer wieder gegeben, und es gibt ihn, was besonders deprimierend ist, nach wie vor, in stets neuen Gewändern. Schon deshalb erscheint mir der Eifer, mit dem Leute wie Dani Brandt heute gegen jedes Anzeichen von Nazitum anschreiben, widersinnig. Die Neonazis sind ein lästiges, aber völlig irrelevantes Phänomen: Oft pubertierende Querulanten, die jene Aufmerksamkeit geradewegs suchen, die Dani Brandt und Konsorten ihnen zollen. Die Gefahr kommt heute aus einer ganz anderen Ecke.
Was wir aus der Geschichte lernen sollten: Der Holocaust war nur in einem totalitären Regime möglich. Das erste, was die Nazis verboten, war die freie Rede, den Widerspruch, danach wurde peu a peu alles gleichgeschaltet. Ein System von „Checks an Balances“, das keine absolute Macht zulässt, sowie die Garantie der freien Rede sind der beste Schutz gegen jede Form von Totalitarismus. Es ist allerdings nicht nur eine Frage des Systems, sondern auch der Kultur. In einem Land, wo der freie Wettstreit der Meinungen gepflegt wird, wo Andersdenkende und Abweichler nicht niedergeschrien, sozial geächtet und lächerlich gemacht, sondern vielmehr geschützt und gefördert werden, haben Tyrannen und Diktatoren keine Chance.
Ich glaube, dass wir in der Schweiz eine tief verankerte Tradition der freien Rede und Widerrede haben, und ich glaube, dass diese demokratische Kultur der Hauptgrund war, warum dieses Land im letzten Jahrhundert sowohl vom Kommunismus wie auch vom Faschismus verschont blieb. Ich bin mir sicher, dass Hitlers Judenvernichtung in einer offenen Volksabstimmung nach Schweizer Manier (Objektkredit für Gaskammern und Krematorien zwecks Ausrottung der Rätoromanen) beim Volk nicht den Hauch einer Chance gehabt hätte. Nicht das Volk hat den Holocaust vorangetrieben, wie oft suggeriert wird, sondern die damaligen Eliten. Das menschenverachtende System wurde nicht vom Pöbel erdacht und umgesetzt, sondern von hoch gebildeten Professoren, Ärzten, Ingenieuren, Beamten, Soziologen und Kulturschaffenden.
Ich sehe unsere demokratische Kultur aber zusehends bedroht. Ich weiss nicht, woran es liegt. Vielleicht sind es die Spätefolgen des Kalten Krieges, der uns mit Agitprop von hüben und drüben zugemüllt hat; vielleicht ist es die Unkultur der 68er und der 80er Bewegung, welche die institutionelle Demokratie grundsätzlich in Frage stellte, ohne eine gangbare Alternative zu bieten; vielleicht sind wir einfach dekadent. Ich beobachte jedenfalls mit Sorge, wie jene, die nicht im Mainstream mitschwimmen, niedergeschrien, verspottet oder sonstwie verächtlich gemacht und zum Schweigen gebracht werden. So dass man sich gar nicht erst mit ihren Argumenten auseinandersetzen muss. Und Du, liebe Dani Brandt, machst bei diesen medialen Treibjagten mit.
Das höchste Gut, das ich als Journalist zu verteidigen habe, ist meine Freiheit. Unabhängigkeit heisst für mich nicht bloss, niemandem verpflichtet zu sein (auch nicht der SVP), sondern ebenso, mich von niemandem distanzieren zu müssen (auch nicht von der SVP). Freiheit heisst für mich, mich darum zu foutieren, wer mir Beifall zollt und wer mich lobt. Freiheit bedeutet, dort hinzuschauen, wo andere wegschauen, weil es unbequem ist, weil es verfänglich sein könnte. Freiheit bedeutet für mich, auch mal eine Fehleinschätzung zu riskieren, im Vertrauen darauf, dass in einem freien Wettbewerb der Meinungen und Ideen nichts definitiv ist und sich am Schluss das bessere Argument durchsetzen wird.
Und ich reagiere geradezu allergisch auf jede Form der moralischen Erpressung. Nein, wenn ich mich gegen die Inhaftierung eines Hors Mahler auflehne, heisst das noch lange nicht, dass ich seine Meinungen teile. In einem Punkt gehe ich mit Mahler aber einig: Was ohne Widerspruch ist, kann nicht wahr sein. Wenn sich in kniffligen Fragen alle einer Meinung sind, dann ist etwas faul; und wenn Kritiker mit Gewalt mundtot gemacht werden, ist es mit Sicherheit oberfaul.
Ich habe mich ziemlich intensiv mit der Shoah befasst. Je tiefer ich mich in die Materie einarbeitete, desto mehr wurde mir bewusst, wie wenig ich wusste. Der Genozid war ein schleichender Prozess, der seinen mörderischen Charakter erst im Verlauf des Russlandfeldzuges richtig offenbarte. Vieles ist Widersprüchlich, vieles lässt sich heute nur noch erahnen. Die Nazis, das lässt sich klar belegen, wussten genau, was sie taten, und sie setzten alles daran, die Spuren ihrer schwersten Verbrechen zu verwischen. Vieles wurde von der kriegsüblichen Propaganda entstellt, die auch auf der Seite der Alliierten wilde Blüten trieb, viele Beweise wurden im Chaos des Krieges unwiederbringlich zerstört.
Holocaust-Leugner gibt es in vielen Schattierungen. Die meisten sind wohl Nazis und Antisemiten, Verschwörungs-Theoretiker, Bekehrte, die sich in Endlosschlaufe verfangen haben. Mit ihnen über die Shoah zu diskutieren ist etwa so erbaulich und uferlos wie eine Debatte mit einem Zeugen Jehowas über das ewige Leben. Um in einem Streitgespräch mit Holocaustleugnern einigermassen zu bestehen, ich muss es zugeben, fehlt es mir nicht nur an historischem Detailwissen, sondern auch am Interesse.
Doch anders als etwa islamistische Prediger, die ganze Generationen von Teenagern auf den Heiligen Krieg einstimmen, sind Holocaust-Leugner keine ernstzunehmende Bedrohung. Mich interessiert eigentlich bloss, was die Menschen dazu bewegt, ihre ganze Existenz für eine Behauptung aufs Spiel zu setzen. Und wie eine zivilisierte Gesellschaft, ohne jede Not notabene, dazu kommt, wegen ein paar Provokateuren ihr wertvollstes Rechtsgut, die Meinungsäusserungsfreiheit, so einfach über Bord zu werfen. Eine Einschränkung der Redefreiheit ist denkbar in schweren Kriegssituationen, doch sie ist immer eine Bankrotterklärung der Zivilisation.
Das Verbot, einen Völkermord zu bestreiten ist in mannigfacher Hinsicht ein Unding, das der Willkür Tür und Tor öffnet. Was kommt wohl als nächstes – das Verbot der Klimalüge? Gerichtssäle sind denkbar schlechte Orte für die Wissenschaft. Gerichtsurteile sind abschliessend, sie lassen keine Widerrede zu und beinhalten stets eine moralischen Komponente; wissenschaftliche Befunde indes sind niemals definitiv, sie müssen, möglichst frei von Moral und dem herrschenden Zeitgeist, dauernd hinterfragt und umgedeutet werden. Das gilt auch und gerade für die Geschichtsschreibung.
War die faktische Ausrottung der Indianer in Nordamerika der grösste Genozid aller Zeiten, wie die einen behaupten? Müssen wir dem Schweizer Historiker Urs Bitterli einsperren, weil er die Meinung vertritt, die amerikanischen Ureinwohner seien viel weniger gewesen, als ursprünglich angenommen, und in erster Linie an der Grippe zugrunde gegangen? War das Verschwinden der Kelten ein Genozid? Macht sich auch strafbar, wer behauptet, während der Nazi-Tyrannei seien „bloss“ drei statt sechs Millionen Juden ermordet worden? Ab welcher Menge wird es strafbar? Wie steht es eigentlich mit jenen, die behaupten, es seien zehn Millionen Opfer gewesen?
Bei der Shoah ist die Zensur doppelt verheerend, weil sie den Holocaust-Leugnern indirekt Recht gibt. Diese behaupten nämlich, der Genozid sei zu einer Pseudo-Religion verkommen. Eine Religion zeichnet sich dadurch aus, dass sie – anders als jede Wissenschaft – auf Dogmen baut, die höchstens rhetorisch, aber niemals ernsthaft hinterfragt werden dürfen. Wenn man die Shoah aber nicht radikal hinterfragen darf, dann wird sie zum religiösen Dogma. Jede historische Forschung, jede Debatte wird damit hinfällig. Was will man über die Gas-Kammern und Verbrennungsöfen von Auschwitz noch forschen, wenn das Resultat zum Vornherein gesetzlich vorgegeben ist.
Das Schicksal von Israel und den Juden bereitet auch mir Sorgen, liebe Dani Brandt, und das seit vielen Jahren. Die Probleme sind komplex, aber sie lassen sich auf einen einfachen Nenner bringen: So lange Israel, als moderner Rechtsstaat, umzingelt von barbarischen und brutalen Diktaturen, deren erklärtes Ziel es ist, Hitlers Genozid zu vollenden, um das Überleben bangen muss, ist für mich unzweifelhaft klar, auf welcher Seite ich stehe. Wo das Existenzrecht von Menschen, ja eines ganzen Volkes auf dem Spiel steht, hört auch für mich jede Toleranz und jedes Verständnis auf.
Meine Möglichkeiten sind sehr beschränkt, doch wenn ich Israel irgendwie unterstützen kann, dann tue ich es gerne und wo ich nur kann. Dein geradezu obsessives publizistisches Sperrfeuer für Israel und die Juden, liebe Dani Brandt, ist mir jedoch ungeheuer, Dein Übereifer hat etwas Peinliches. Glaubst Du wirklich, dass Du damit etwas für Israel und die Juden erreichst? – Oder tust Du das mehr, um Dich selber besser zu fühlen? Ich weiss, bei Dir spielen familiäre Gründe mit. Nichtsdestotrotz. Auf ein paar alte Nazigreise zu spucken hat nichts Heldenhaftes an sich.
Sicher, viele Israel-Kritiker und Antizionisten sind verkappte Antisemiten – aber nicht alle. Gewiss, das zu einem grossen Teil selbstverschuldete Leid der Palästinenser mit der Judenverfolgung gleichzusetzen, ist geschichtsblind und zeugt von Ignoranz. Ich habe als Teenager ein schönes Jahr in Israel verbracht, und die Realität, die ich in den meisten Medien präsentiert bekomme, hat wenig gemein mit dem Land, wie ich es kennen und schätzen gelernt habe. Nichtsdestotrotz.
Die Judophilen, die alles Jüdische verklären, sind mir ebenso suspekt wie die Judophoben, die im Judentum die Ursache allen Übels auf dieser Welt wittern. Vielleicht liegt es daran, dass die eine Obsession so schnell in die andere kippen kann. Adolf Eichmann etwa, der Logistiker des Holocaust, behauptete 1962 in Jerusalem vor Gericht, er habe persönlich nie etwas gegen die Juden gehabt. Er war sogar richtig stolz auf seine Kenntnisse über das Judentum und seine vielfältigen und sogar freundschaftlichen Kontakte zu den Repräsentanten der Juden, die er während den Deportationen noch intensivierte.
Viele glaubten, das sei ein zynischer letzter Versuch gewesen, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dass Eichmann, der sich in den 1930er Jahren als „Judenzar“ feiern liess und sogar das falsche Gerücht verbreitete, er sei in Palästina geboren und spreche fliessend hebräisch, die Nähe zu den Juden also geradewegs obsessiv suchte, ist aber eine mannigfach belegte Tatsache. In seiner kruden darwinistischer Logik handelte es sich beim Holocaust gleichsam um ein natürliches Ringen des deutschen Herrenvolkes gegen das angeblich so mächtige Weltjudentum um die Vorherrschaft, mithin um einen Kampf auf Augenhöhe. Spätestens als er am Galgen baumelte, wurde klar, dass Eichmann nicht mehr als ein jämmerlicher und lächerlicher Hanswurst war.

Replik können Sie hier nachlesen: https://etwasanderekritik.wordpress.com/2015/10/30/antisemitismus-und-holocaustleugnung-kein-kavaliersdelikt-sondern-ein-verbrechen/

12 Gedanken zu “Und bewahr uns vor den Judophilen

  1. Ich habe den Prozess in Baden mitverfolgt (Aber dies alles nur nebenbei).

    „Wer so redet, verschafft sich kaum Freunde. So mochte auch niemand Einspruch erheben, als das Bezirksgericht Baden Jürgen Graf im Juli 1998 zusammen mit seinem Verleger Gerhard Förster wegen Verharmlosung eines Völkermordes und religiöser Diskriminierung im Sinn der Rassismusstrafnorm mit fünfzehn Monaten Gefängnis bestrafte. Obwohl die Angeklagten nicht vorbestraft waren, wurde ihnen wegen mangelnder Einsicht der bedingte Strafvollzug verweigert. Das Aargauer Obergericht bestätigte das Verdikt, Graf sei ein Überzeugungstäter, der sich «durch nichts von der weiteren Verbreitung seiner Auffassung abbringen» lasse. Weltwoche-Autorin Margrit Sprecher gehörte zu den wenigen, denen damals schwante, dass den «Holocaust-Leugnern nichts Besseres passieren kann als ein solcher Prozess». Denn die Strafen bestärkten die Angeklagten lediglich in ihrer Mission. Überzeugungen, und mögen sie noch so abstrus sein, lassen sich nicht durch ein Verbot aus der Welt schaffen“. (Quelle: http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2005-29/artikel-2005-29-heil-in-moskau.html).

    Einer der Freunde und Mitkämpfer von Jürgen Graf, ich habe seine Elaborate teilweise gelesen, war Ahmed Huber – ein Islamist. Wir sind uns in Baden damals begegnet und haben uns u.a. auch gestritten.
    Dazu:
    „Die Vernetzer wirken hinter den Kulissen. Zu ihnen gehört der zum Islam übergetretene Berner Holocaust-Leugner Ahmed Huber. Der ehemalige Ringier-Journalist und SP-Parteigänger ist heute ein eifriger Propagandist des Islamismus iranischer Prägung. Huber bezeichnet sich als Gründungsmitglied der Nationalen Initiative Schweiz, die im Sommer 1997 Flugblätter gegen den Basler Zionistenkongress . verteilte. Darin wurde ebenfalls – wenn auch verklausuliert – der Holocaust geleugnet“.
    http://www.hans-stutz.ch/rechtsextremismus/1998/09-07-netz-der-holocaust-leugner.html

    Noch etwas zu Jürgen Graf: „Der Eiferer Jürgen Graf hat innerhalb weniger Jahre vier Bücher veröffentlicht sowie drei Bücher des islamistischen Holocaust-Leugners Ahmed Rami aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt. In der Internaionale der Holocaust-Leugner ist Graf inzwischen eine vielbeachtete Stimme“.

    Ob Gerhard Förster Islamist war weiss ich nicht: http://avalon-gemeinschaft.ch/wp-content/uploads/Lebenslauf-Gerhard-F%C3%B6rster.pdf

    Dass Islamisten und andere kein Problem mit der Shoah-Leugnung haben siehe hier (Beispiel): „Arabische Staaten und Palästinensergebiete“
    „In fast allen arabischen und islamischen Staaten ist Holocaustleugnung nicht strafbar und häufiger Teil einer antizionistischen Propaganda in den Medien. Die Regierungen dulden oder fördern diese.
    Al-Ahram, die auflagenstärkste Zeitung Ägyptens, kommentierte etwa am 13. März 2001:[40]
    „Lügen sind über hier und dort ermordete Juden und den Holocaust ans Tageslicht gekommen […] Es gab überhaupt kein Chelmno, kein Dachau, kein Auschwitz! An diesen Orten standen lediglich Desinfektionsanlagen […] Sie [die Juden] begannen, ihre Propaganda zu veröffentlichen, dass sie verfolgt, ermordet und vernichtet worden seien […] Hier und dort waren Ausschüsse tätig, um […] diese fremde Einheit [Israel] zu gründen, die als Krebs in unserem Land wuchert, wo unsere Väter lebten, wo wir leben und wo unsere Kinder nach uns leben werden. Sie haben sich immer als Opfer dargestellt, und sie gründeten ein Zentrum für Heldentum und Holocaust. Wessen Heldentum denn? Wessen Holocaust?“
    Wagaih Abu Sikri, Korrespondent der ägyptischen Zeitung Al-Akhbar, schrieb am 13. April 2001 mit Bezug auf den Leuchter-Report:[41]
    „Wieder einmal taucht die Frage des Holocaust auf. Sie ist über ein halbes Jahrhundert lang nicht verschwunden, weil die zionistische Propaganda ihn in ein Mittel zur Erlangung politischer und wirtschaftlicher Vorteile umgewandelt hat, abgesehen davon, dass er zum Vorantreiben von Besetzung und Besiedelung genutzt wird […] In einem vor kurzem veröffentlichten Buch eines amerikanischen Forschers geht es um den Holocaust. Mit wissenschaftlichen und chemischen Nachweisen beweist es, dass die Zahl von sechs Millionen Juden, die im Nazilager Auschwitz eingeäschert worden sein sollen, eine Lüge zu Propagandazwecken ist, da selbst die geräumigsten Baracken im Lager nicht einmal ein Prozent dieser Anzahl hätten beherbergen können.“
    2001 veranstalteten die Vereinigten Arabischen Emirate eine internationale Konferenz mit Gästen aus der europäischen und US-amerikanischen Revisionistenszene, um offiziell „Lügen und Übertreibungen zum sogenannten Holocaust offenzulegen“. Andere arabische Regierungen haben solche Zusammenkünfte in ihren Staaten bisher jedoch untersagt. Kontaktversuche mit deutschen Holocaustleugnern waren nach deren Berichten kaum erfolgreich.
    Der amtierende Palästinenserpräsident Mahmud Abbas behauptete 1983 in seiner Doktorarbeit über Die geheimen Beziehungen zwischen Nazismus und der Führung der Zionistischen Bewegung: Nicht sechs Millionen, sondern maximal 890.000 Juden seien in den nationalsozialistischen Lagern ermordet worden. Sie seien „Opfer eines zionistisch-nazistischen Komplotts“ gewesen. Die Zionisten hätten den Holocaust als Druckmittel zur Schaffung des Staates Israel gewollt.[42]
    Issam Sissalem, Historiker an der Islamischen Universität Gaza, sagte am 29. November 2000 in einer Fernsehsendung der palästinensischen Autonomiebehörde:[41]
    „Am 27. April fangen die Wahnkarnevale in Israel an, was sie den Holocausttag nennen oder die „Verbrennung von sechs Millionen Juden“ in den Öfen der Nazis. Der Holocaust ist nichts weiter als ein Märchen. Viele Historiker in der Welt haben diese erfundene Geschichte schon entlarvt.“
    Al-Hayat AI-Jadida, Tageszeitung der palästinensischen Autonomiebehörde, schrieb am 13. April 2001:[41]
    „Die Juden haben das Märchen erfunden, nämlich die Massaker der Nazis gegen die Juden […] Das zionistische Wesen ist ein Krebsgeschwür, das man herausschneiden muss.“
    Als Holocaustleugner hervorgetreten ist 2003 auch der Hamas-Vertreter Abd al-Aziz ar-Rantisi.[43]
    Die arabischen Reaktionen auf Garaudys Buch Die Gründungsmythen der israelischen Politik von 1996, das den Holocaust leugnet und in Frankreich 1998 (das Urteil wurde 2003 vom Europäischen Gerichtshof bestätigt) verboten wurde, liefern ein aufschlussreiches Bild davon, in welchem Umfang sich die Publizistik dieser Länder der Holocaustleugnung anschließt und sie begrüßt; Garaudy wurde wegen des in Frankreich anhängigen Verbotsverfahrens zur Kairoer Buchmesse 1998 eingeladen, unter anderem der Nobelpreisträger Nagib Machfus setzte sich für ihn ein.[44]
    Siehe auch: Antisemitismus nach 1945 – Naher Osten, arabische und islamische Länder, Antijudaismus im Islam und Arabisch-islamischer Antizionismus“
    (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaustleugnung).

    Shoahleugner sind meiner Meinung nach keine harmlosen Spinner!

    Es ist also wohl so: „Klar, der Antirassissmus-Strafparagraph 261bis ist ein Notbehelf, womöglich ein Problem“ (Siehe Beitrag von Ekkehard Stegemann) usw.

    Zum Thema: Ob ich Judophil bin sollen bitte andere beurteilen.

  2. @Nünlist. Wichtig ist, dass es in der Geschichte „gar nichts gegeben“ hat, sondern dass alles, wie zum Beispiel die Schlacht am Morgarten, aus einzeln zu recherchierenden Fakten besteht, wobei erst noch zwischen Tatsachenaufnahme und Tatsachenbeiurteilung zu unterscheiden ist. In Polen liegt nun mal im Gegensatz zu Israel und Deuschland der Akzent auf polnisch-katholischen Auschwitzopfern, sie haben dort sogar ein Kloster installiert, welches für die jüdische Seite aus verständlichen Gründen ein Ärgernis ist. Ausserdem wurden mehrmals, so nach 1989, die offiziellen Opferzahlen herabgesetzt. Die Auschwitzlüge ist offensichtlich, die Wahrheit schwieriger, hat man beim Prozess gegen den sehr alten Buchhalter gesehen, da hätte ich nicht Richter sein wollen. Jedes Urteil war mutmasslich falsch. Unter „Auschwitzkeule“, was immer Martin Walser damit gemeint haben mag, verstehe ich ein potentielles Diskussionsverbot über alles, was mit Auschwitz zusammenhängt. Die beiden überlebenden Opfer, die ich kannte, hatten je ihren „Schindler“, eine komplexe Geschichte. Entsetzlich ist auch die Aufarbeitung des Bordells von Auschwitz. Das passt auch nicht richtig zum Kerzenanzünden.

    @Schlemihl. Wenn Sie Mühe haben mit sogenannten Islamophoben, wie etwa dem Weltwoche-Hasser Frank A. Meyer oder dem WW-Mitarbeiter Broder, dann könnten Sie erst recht Probleme mit Katholikenhassern, Antikommunisten und blindwütigen Antifaschisten haben, was ich begreife, ich plädierte selber vor 27 Jahren für den „Irenismus“ gegenüber dem Islam. Sehe ich heute leider eher als Illusion. Wenn Sie also Alex Baur als Publizisten in einem extremistischen Organ ansehen, so würde ich mir wünschen, dass Ihre Lieblingszeitung jeweils für Andersdenkende und Einsprechende ähnlich viel Platz einräumt wie die Weltwoche. Diese breite Basis, dabei betont israelfreundlich, bringt die Alleinrechthaber gelegentlich zum Schäumen, gilt als umso bösartiger. Eine „anständige“ Zeitung sollte doch der Meinungsfreiheit Grenzen setzen! Die Toleranz hört normalerweise dort auf, wo die wahren Meinungsverschiedenheiten beginnen.

      • Ich respektiere Sie sehr, Herr Nünlist. Sie müssen keine Richtung mitgehen, ich beanspruche auch nicht, hier einem „Lager“ anzugehören, ausser dass ich z.B. über den katholischen Antisemitismus schon forschte. Bei der tatsächlichen Herabsetzungd der Opferzahlen in Sachen Auschwitz gilt es zu berücksichtigen, dass es noch über 450 weitere KZs gab, so dass Ihre zitierte Zahl, Herr Nünlist, zweifelsohne aufgeht. Wenn nun aber ein verstorbener Kollege von mir mit 7 Millionen kam, diente es der Sache eher nicht. Ich stehe auch zu Martin Walser kritisch, obwohl er mir sogar mal bei einer Literturpreisverleihung die Ehre gab. Für mich gibt es keine Geister zu rufen. Die Befürchtung, irgendeine Debatte könnte dem Gegner nützen, war beispielsweise bei den Kommunisten generationenlang Debattenunterdrückung betr. den Archipel Gulag. So wie Auschwitz wird auch dieser gelegentlich geleugnet. Zumal die jüdischen Opfer des Gulag haben keinen Grund, hier das eine gegen das andere auszuspielen, wie es teilweise beim Historikerstreit bzw. dessen einseitiger Auslegung geschah.

  3. Lieber Alex Baur

    Es gibt nicht nur Judenhasser und Judenverehrer, schwarz und weiß. Nein es gibt einfach auch die, die sich der historischen Bedeutung bewusst sind, dass man seit 2000 Jahren Schuld gegenüber den Juden aufgeladen hat. Zudem gibt es beim Thema Israel auch Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, liberale Gesellschaft, freie Marktwirtschaft,…. die auch ich vertrete.

    Der Jude selber kann mir auf den Nerv gehen, kann ein Freund sein, kann ich eine neutrale Haltung haben,…

    Aber aus dem Juden, ziehe ich keine Schlüsse auf (alle) die Juden.

    Es gibt die Juden in Vielfalt, sympathische, freundliche, Nörgler, sture, korrekte, dicke, dünne, geschickte, dümmere, reiche, arme,…

    Was soll dann bitte genau der Judenverehrer sein? Einer der die Religion verehrt?

    Den Holocaust hat es gegeben, das ist Fakt. Diesen zu leugnen ist etwa gleich wie wenn ich in ein fremdes Haus einziehe und behaupte es gehört mir, die Dokumente sind gefälscht. Es gibt dazu auch keine freie Meinungsäußerung, da es Fakt ist. Eine Tatsache zu leugnen ist nicht Meinungsfreiheit, sondern eine Lüge! Eine Lüge ist ein Unrecht! Unser ganzes Rechtssystem baut auf dem auf. Dass man dies beim Thema Holocaust nicht sieht, erstaunt.

    Rassismus ist eine Diskriminierung. Einen Menschen zu diskriminieren weil er schwarz, Jude, Jugoslawe,… ist, ist Unrecht. Meinungsfreiheit über Unrecht zu stellen, ist falsch. Es ist nicht eine Freiheit von mir Schwarze diskriminieren zu dürfen, sondern das ist Unrecht.

    Die Freiheit diskriminieren zu dürfen, muss dem Recht des Individuum unterstellt sein. Sein Recht ist höher zu Gewichten.

  4. Dass Weltwoche-Artikel in rechtsnationalistischen und rechtsextremen Kreisen in höchsten Tönen gelobt werden, ist nun wirklich nichts Neues. Die Weltwoche ist mittlerweile eine der meist zitierten und gelobten Quellen auf rechtsextremen, muslimfeindlichen Seiten wie „Michael Mannheimer“ oder „pi-news“. Offenbar scheint dies nun auch auf antisemitische Kreise zuzutreffen…

  5. Vielleicht sollte man den Mahler, der jetzt offenbar im Krankenhaus ist, begnadigen. Ich habe ihn noch in Heidelberg als RAF-Propagandisten erlebt, später dann als Nazi-Anhänger. Er war immer ein Anhänger der kriminellen Gewalt, nicht zuletzt, sondern zuerst gegen Juden. Er ist der Inbegriff der deutschen Antisemiten,die auf Gewalt gegen Juden im höheren moralischen Zweck zielen, ob rechts oder links. Er wäre zufrieden mit einem Holocaust, der dann den, den er leugnet („Holocaustlüge“, wie im Artikel gebraucht, ist der Nazi-Begriff), realisiert. Ob die Meinungsfreiheit auch Hitler, Goebbels und Co. – zum Co. gehört Mahler – gewährt werden sollte (abgesehen davon, dass Mahler andere kriminelle Sachen gefingert hat)? Ich glaube: Nein. Hitler und Goebbels und Mahler – nie wieder. Man muss ihnen den Mund stopfen, denn ihren verbrecherischen Worten folgten verbrecherische Taten bzw. sie begleiteten diese Worte. Klar, der Antirassissmus-Strafparagraph 261bis ist ein Notbehelf, womöglich ein Problem. Aber er sagt eines deutlich: Was gesellschaftlich out ist, ist Judenfeindschaft und Rassismus. Und Hassverkäufer mussten gesellschaftlich für out erklärt werden. Manchmal muss man die demokratische Kultur schützen, selbst wenn man für sich keine Gefahr sieht und sich besonders liberal geben kann. Juden u.a. können das als kleine, winzige Minderheit nicht.

  6. »Die Einsicht, dass die Geltung der eigenen Überzeugungen nur relativ ist, und dennoch unerschrocken für sie einzustehen, unterscheidet den zivilisierten Menschen vom Barbaren.« Schumpeter

    Angefangen mit Maler’s Situation bis zu Eichmann’s Ausreden ein lesenswerter Beitrag. Weil es Unterschiede gibt, gibt es auch die Kontroversen – es kann also nicht um die Kontroversen gehen, sondern um den Anspruch auf Totalität der eigenen Ansichten. Der Totalitarismus ist übrig geblieben, hat den Krieg überdauert und scheint unverwüstlich zu sein.

    Selber fragen, selber denken, selbst Antworten finden hat Georg Büchner gefordert, es ist Heute genauso aktuell wie Damals.

  7. Dass der Begriff daran schuld ist, ist eine arge Übertreibung, auch Verwedelung. Aber immer sofort und auf Vorrat mit der Antisemitismuskeule zu kommen, ist kontraproduktiv. Noch interessant: Zur Zeit des Kulturkampfes war es möglich, dass bei der einen oder anderen Universität eher ein Jude als Professor angestellt wurde als ein Katholik. Wenn Sie wegen Ihrer Gesinnung, Religion oder sonstigen Einstellung, auch Herkunft, nicht angestellt werden, müssen Sie nicht extra ein Jude sein, um den Befund der Ungerechtigkeit als erstellt zu sehen.

    Ein Beispiel aus dem Kanton Luzern aus dem Jahre 1990. Ich erwähnte es im Ethik-Unterricht. Im Lokalblättchen wurde eine Service-Angestelle gesucht mit der Bemerkung „bitte keine Jugo“. Daran störte sich damals kein Schwein. Wären zwei Buchstaben anders gewesen, hätte die Tagesschau darüber berichtet. Diese unterschiedliche Sensibilität für Unrecht hat letztlich den Juden, die sich im allgemeinen und unter normalen politischen Verhältnissen stets gut zu wehren wussten, nicht geholfen. Unrecht ist immer dasselbe Unrecht. Aber niemand ist auf speziellen Heimatschutz, hier Philosemitismus genannt, angewiesen.
    .

    • Ihr letzter Absatz trifft genau den Kern.

      Warum ich die Verwendung des Begriffs zur Erörterung stellte ist, dass es z.B. keinen „Antichinoismus“, oder „Antiindianismus“, nicht mal einen „Antinegroismus“, usw. gibt, sondern eben nur den Antisemitismus. Dazu ist dies ein reltiv moderner Begriff, welcher seit 45 zum „Schutz“ der Juden beiträgt, aber auch zu neuer antisemitischer Aufmerksamkeit führte.

  8. Dieser Beitrag scheint mir wichtig. Ich möchte aber klar machen, dass die Verniedlichung des neuesten judenfeindlichen Übergriffs in Zürich zum „Einzelfall“ durch einen NZZ-Publizisten eine arge Verwedelung war. Am Ende ist natürlich alles ein Einzelfall, sogar Charlie Hebdo, wobei man klar weiss, dass dies definitiv kein Einzelfall sein konnte, das Trauma wirkt fort. So nicht mit solchen Sprüchen! Dabei neige ich dazu, als Historiker, bei den Opfern der Judenverfolgung im 3. Reich (ich verwende nicht den Ausdruck aus einer US-Fernsehserie, den 1945 niemand von den Befreiten verwendete) der Einzelfallforschung in Sachen Hintergründen den Vorzug zu geben. Aber nichts wäre absurder, als von irgendeinem jüdischen und nichtjüdischen Opfer zu sagen: „Das war eben ein Einzelfall.“ Die Leugnung der Zusammenhänge ist ebenso unanalytisch wie rein monokausale Erklärungen, z.B dass der Kapitalismus hinter allem stecke oder der katholische Antisemitismus, welcher natürlich in keiner Weise geleugnet werden muss, über den bin ich als Forscher über die Judengeschichte im Surbtal bestens im Bild. Trotzdem muss eine objektive Darstellung etwa von Geschehnissen um 1862 nicht von Auschwitz her zurückblenden. Es ist möglich, die lokalen Verhältnisse unbefangen zu beschreiben, ohne dass die Christen automatisch die Bösen und die Juden nur die Guten sein müssen. Der Hauptfehler damals war, dass die AG-Regierung in Endingen und Lengnau durch Geometer aus Aarau einen je jüdischen und christlichen Gemeindebann ausmessen liess, was Christen als Enteignung interpretierten und Extreme unter ihnen zur Pogromstimmung anheizte. Umgekehrt war die damalige christliche Polemik gegen die jüdischen Geldverleiher völlig daneben. Als die Juden dann in grosser Zahl aus dem Surbtal wegzogen, ging es den Christen natürlich wirtschaftlich nicht besser, sondern schlechter, wobei freilich die Rückforderung von Schuldguthaben die Zahl der Konkurse zusätzlich steigerte. Wo Juden und Christen zum Teil mit Spannungen zusammenleben, gibt es immer wieder lustige Anekdoten, wie von Johann Peter Hebel erzählt, sie tönen im Einzelfall antisemitisch, die besten sind es aber klar nicht. So gab es einen jüdischen Hausierer, der regelmässig von den Dorfbuben als „Judenmauschel“ verspottet wurde. Sein Trick: Er sagte, ich gebe jedem, der mich verspottet, einen Heller, Das machte er dreimal. Beim vierten Mal zahlte er nicht mehr. Da sagten die Buben: „Dann sagen wir Euch auch nicht mehr Judenmauschel!“ Eine herrliche Geschichte.

    Unbefangenheit bei diesem Thema ist noch lange nicht erreicht. Humor wäre befreiender als voreilige Empfindlichkeit. Aber blöde Sprüche wie „das ist ein Einzelfall“ gehören als Dummheit, manchmal gepaart mit Böswilligkeit, geächtet.

  9. Hallo,
    Chaim Weizmann, erster Präsident Israels schrieb: „…wir (Juden) hassen Antisemitismus wie auch Philosemitismus, beides ist Entwürdigung. Damit hat er recht.
    Dies gilt auch für die Themen z.B. des Rassismus und der Homosexualität.
    Diese Kontoversen werden aufgeworfen und genährt durch Interessengruppen – nicht zuletzt denjenigen, die sich über die jeweiligen Phobien beklagen, weil es ihnen Vorteile verschafft, aber dadurch auch die Phobien am Abklingen hindern.

    Darf man dann fragen: Gibt es (heute) den Antisemitismus, weil es den Begriff gibt?
    MFG

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