Unter Feinden

In seinem Buch «Allein unter Juden» rechnet Tuvia Tenenbom mit den Wohlgesinnten ab, die mit europäischen (auch Schweizer) Geldern in den Nahen Osten geschickt werden, wo sie sich für ein Ende des Konflikts einsetzen sollen.
Gemeint sind u.a. auch die so genannten «Menschenrechtsbeobachter» von Heks/EAPPI, ein hübscher Euphemismus für «Juden auf die Finger schauen», die liebste Freizeitbeschäftigung von Antisemiten.
Neben den Heks-Heuchlern glauben auch die unter Hybris leidenden Delegierten vom Roten Kreuz oder von EU-Organisationen, dass ohne sie kein Frieden im Nahen Osten möglich ist. Und den wollen sie erreichen, indem sie 1:1 die Propaganda der Hamas verbreiten.
Hier hört für Tenenbom der Spass auf: «Sie wollen Frieden stiften, tun aber genau das Gegenteil», fasst er im Gespräch mit Pierre Heumann seine Eindrücke zusammen.

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Nach einer Reise durch das Heilige Land erhebt der jüdische Autor Tuvia Tenenbom schwere Vorwürfe gegen das Rote Kreuz und die EU: Beide verbreiteten antiisraelische Propaganda. Von Pierre Heumann

© Die Weltwoche; 12.02.2015; Ausgaben-Nr. 7; Seite 48

Wozu noch ein Buch über Israel, die Palästinenser und den Nahostkonflikt, dachte ich, als das Paperback «Allein unter Juden» auf meinem Schreibtisch landete. Was, fragte ich mich, kann Tuvia Tenenbom in seiner als «Entdeckungsreise durch Israel» angekündigten Reportage erzählen, was nicht bereits in den Dutzenden und Aberdutzenden Nahostbüchern langatmig abgehandelt worden ist?
Meine Skepsis erwies sich als unbegründet. Tenenboms Thema ist nicht der israelisch-palästinensische Endloskonflikt. Sein Ding sind vielmehr die Motive derjenigen, die versuchen, diesen Konflikt zu lösen. Um das herauszufinden, hat er mit Politikern, Rabbis, Pfarrern, Imamen, Journalisten, Friedensbewegten und Prostituierten gesprochen. Entstanden ist dabei ein frecher, einseitiger Report, der voll von beissendem Humor ist. Und pessimistisch endet.
Die Gutmenschen, die sich in Israel und in den palästinensischen Gebieten tummeln und sich für den Frieden der Völker einsetzen, kommen bei Tenenbom schlecht weg. Extrem schlecht. Denn, so schreibt er sinngemäss, sie verbreiten keine Tenenbom-Allein-unter-Juden-Cover Friedensbotschaft, sondern verstecken ihren Antisemitismus hinter einer süssen Wolke von Harmoniegesäusel. Die Rotkreuzleute zum Beispiel, die mit Genfer Autonummern im Land herumreisen und den Armen helfen wollen, tun laut Tenenbom in Tat und Wahrheit mehr als das: Die IKRK-Vertreter, die er getroffen hat, würden ihre Ressourcen auch darauf verwenden, arabische Propaganda zu unterstützen und zu verbreiten. So klären sie die Araber darüber auf, dass Israel eine Besatzernation sei, und zwar nicht erst seit 1967, dem Jahr, als das Westjordanland erobert wurde, sondern bereits seit 1948, dem Jahr, als Israel gegründet wurde.

Verwirrendes erfährt Tenenbom auch in einem Interview mit einem IKRK-Mann über den Status des Gazastreifens:
Tenenbom: «Israel ist aus Gaza abgezogen. Warum ist es immer noch besetzt?» – IKRK: «Weil Israel seine Grenze zu Gaza geschlossen hat.» – «Syrien hat seine Grenze zu Israel geschlossen. Hat Syrien, rechtlich gesprochen, Israel besetzt?» – «Das ist etwas anderes.» – «Warum?» – «Israel verhindert den Zugang zu Gaza durch internationale Gewässer.» – «Was ist der Unterschied zwischen Gewässern und trockenem Land?»
Tenenbom bringt den IKRK-Vertreter mit seinen dusseligen Fragen zur Verzweiflung: «Der Mann kriegt Kopfschmerzen von mir und hat keine Idee, wie er mit mir umgehen soll.» Und dann: «Hat das IKRK auch Tibet und Zypern, um nur zwei Beispiele zu nennen, zu ‹besetzten Gebieten› erklärt?» – «Da muss ich mich erst schlaumachen. Kontaktieren Sie mich morgen.»

Reporter Tenenbom nimmt zudem deutsche Stiftungen und von Brüssel finanzierte NGOs ins Visier. Sie würden mit Geldern aus Europa palästinensische Schauermärchen verbreiten – sogar in Yad Vashem, der Holocaust-Gedenk-und Forschungsstätte. Dort schliesst er sich einer Führung der NGO Casa per la Pace Milano an, einer Organisation, die unter anderem von der EU finanziert wird und die in den Sommermonaten Informationsreisen für junge Europäer organisiert, auf denen sie Erkenntnisse über den israelisch-palästinensischen Konflikt gewinnen sollen. «Interessant, womit sich die EU-Vertreter dieser Tage so beschäftigen», schreibt Tenenbom sarkastisch: «Sie nutzen Yad Vashem, das Mahnmal für Millionen von Juden, die durch ihre Vorfahren abgeschlachtet wurden, als Plattform für eine bösartige Propaganda gegen die Überlebenden ihres Gemetzels.»
Mit Hilfe europäischer Gelder engagiert sich auch die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem, die Tenenbom aufsucht (und die auch von Heks finanziert wird, Bemerkung Blog-Red.). Als er mit einem ihrer Aktivisten auf den Holocaust zu sprechen kommt, meint dieser: «Das ist eine Lüge. Ich glaube das nicht.» Jeder wisse doch, dass der Holocaust eine Erfindung der Juden sei. Da wundert sich Tenenbom: «Und die Juden von B’Tselem nennen diesen Mann einen Top-Forscher.» (Inzwischen wurde der Mann entlassen.)
Tenenboms Buch hat bereits etwas ausgelöst: Aufgrund der Schilderungen hat ein österreichischer EU-Parlamentarier im Januar eine Anfrage über die Finanzierung antiisraelischer NGOs an die EU-Kommission eingereicht. Das Buch nimmt auch israelische Journalisten aufs Korn, die sich mit Haut und Haar der palästinensischen Sache verschrieben haben. Tenenbom trifft zum Beispiel Gideon Levy, der Woche für Woche in der Tageszeitung Haaretz Artikel über tragische palästinensische Schicksale veröffentlicht. Levy, Autor von «Schrei, geliebtes Land – Leben und Tod unter israelischer Besatzung», wird von Europas Linksintellektuellen als Guru verehrt, der die Palästinenser liebt.
Im Gespräch mit Tenenbom kommen andere Motive zum Vorschein. Trotz seiner Liebe zu den Palästinensern, fasst er seinen Besuch bei Levy zusammen, «kennt er [Levy] sie nicht wirklich. Was dieser auch zugibt: ‹Mein gesamter Freundeskreis besteht aus Israelis. Ich habe nicht einen einzigen palästinensischen Freund.›» Das sei traurig, denkt sich Tenenbom: «Seit so vielen Jahren vertritt Gideon die palästinensische Sache, und nicht ein einziger Palästinenser hat sich mit ihm angefreundet oder er sich mit einem von ihnen.» Tenenbom wundert sich, dass Levy in den letzten Jahrzehnten keine Zeit fand, Arabisch zu lernen, wo er die Palästinenser doch angeblich so sehr liebe. Offensichtlich gehe es dem Haaretz-Journalisten gar nicht um die Palästinenser, folgert Tenenbom, sondern um die Juden: «Er möchte, dass seine Israelis, seine Juden, Übermenschen sind und eine Kugel mit einem Kuss erwidern.» Das sei der «bizarrste jüdische Selbsthass weit und breit».
Der 58-jährige Tenenbom schont auch diejenigen nicht, aus deren Reihen er stammt: die Ultraorthodoxen. Sein Vater war Rabbiner, antizionistisch und fühlte sich als Stellvertreter Gottes auf Erden. Als Teenager habe Tuvia aber plötzlich begriffen, dass er in all den Jahren angelogen worden sei. Seinem Rabbi sagte er ins Gesicht, was er unterrichte, sei nicht das wahre Judentum.
Nach dem Armeedienst zog er in die USA, weit weg von der Familie, um ihr die Schande zu ersparen, dass er fortan ein säkulares Leben führen werde und sich der Wissenschaft und der Kunst widmen werde – was ihm zuvor verboten gewesen war. Jetzt geht er erstmals nach drei Jahrzehnten zu den ultrareligiösen Juden in Mea Schearim und wundert sich über ein Plakat: «Bitte passieren Sie unser Viertel nicht in unanständiger Kleidung.» Manche Frauen würden rein gar nichts von sich zeigen und aussehen «wie grosse schwarze Müllsäcke, die sich über die Strasse bewegen».
Zu seiner Zeit, so Tenenbom, habe es solche Frauen nicht gegeben: «Die Heilige Stadt ist anscheinend noch heiliger geworden.» Die Frömmsten der Frommen würden ihn heute an Götzenanbeter aus der Bronzezeit erinnern, die sich von ihren Rabbinern in die Irre führen lassen.

Tenenboms Buch, das seit zwölf Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste steht, ist auch in Israel seit Wochen ein Kassenschlager. Er habe den Leuten die Augen geöffnet, erklärt sich Tenenbom seinen Erfolg mit der hebräischen Übersetzung: Er habe ihnen gezeigt, was sich unter ihrer Nase abspiele.
Seine Bilanz ist schwarz. Er sei zwar von Natur aus Optimist, sagt er mir während eines Skype-Interviews, aber was er gesehen und gehört habe, stimme ihn zutiefst pessimistisch. Er habe erfahren müssen, wie europäische, vor allem auch deutsche Organisationen sich unablässig bemühen, das Leben der Juden in Israel zu untergraben – mit NGOs, mit Filmen und mit der Verbreitung historischer Unwahrheiten. «Logisch betrachtet, wird Israel nicht überleben. Kein Land, das so von äusserem und innerem Hass belagert wird, kann sehr lange überleben.»

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Leseempfehlung:
Tuvia Tenenbom: Allein unter Juden – Eine Entdeckungsreise durch Israel. Suhrkamp. 473 S., Fr. 23.70

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3 Gedanken zu “Unter Feinden

  1. B’tselem und weitere israelische NGOs wie „Breaking the Silence“, „Rabbis for Human Rights“, „who profits“ und Adalah sind tatsächlich anti-zionistische Organisationen, die Israel, seine Regierung und Institutionen und die Armee verleumden, dämonisieren und delegitimieren, wo und wie immer möglich. Sie erhalten tatsächlich auch Geld von antisemitischen Organisationen und Kirchen.
    Diese israelische Palästinenserlobby wird ergänzt von einer jüdischen Palästinenserlobby, dem NIF seinem AgitProp Arm Shatil, den US-Organisationen JFP, JStreet, JCall und der schweizerischen Mutter aller Israelverleumder, der JVJP.CH und ihrem AgitProp Arm „JomIjun.ch“.

    Sie alle, und Einzelpersonen wie zB Herr Prof. Moshe Zuckermann, richten Israel und dem Judentum enormen Schaden an. HEKS, MEDICO, IKRK und andere antiisraelische Organisationen haben deshalb ein leichtes Spiel Israel zu verleumden.
    Selbstverständlich kann ich das alles beweisen, auch vor Gericht. Herrn Tennenbaum danke ich, dass er gewagt hat, dies zu schreiben.

  2. Was sagt uns das?
    1. Sozialismus und Judentum verträgt sich nicht. Auch nicht unter dem Deckmantel der Orthodoxie.
    2. Die Orthodoxen leben offenbar ein Judentum, welches nur in ihrer Phantasie bzw. ihren Wünschen existiert.
    3. Die Orthodoxen hassen den einzigen Staat, der ihr Überleben garantiert. Sie sind im Inneren Israels die größte Bedrohung.
    4. Sozialistisches Denken (weltweit) in allen Facetten und Farben ist per se antisemitisch.

    q.e.d.

    Dieser jüdische Selbsthaß ist die wohlfeile Begründung für Antisemitismus aller Erscheinungsformen.

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