#jesuischarlie – Und schon wollen sie nicht mehr Charlie sein

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(bel/db) 250 Jahre nach Voltaire, Kant und Hegel laufen hiesige Journalisten gezielt Richtung Gegenaufklärung. Sollten die heutigen Artikel und Kommentare repräsentativ sind, dann haben sich diese Autoren nicht aus ihrer «selbstverschuldeten Unmündigkeit» befreit, sondern werden an ihrer selbstverschuldeten Abhängigkeit von Fanatikern zugrunde gehen. Als primus inter pares zu nennen ist der stets mit hängenden Schultern durch die Gänge schlurfende Tages-Anzeiger-Chefredaktor Res Strehle, der sich willig dem islamischen Prinzip der Unterwerfung hingibt (Submission!) und servil verkündet: «Auf religionsspezifische, allgemein akzeptierte Gebote soll dabei durchaus Rücksicht genommen werden, speziell in einer emotional aufgeheizten Situation wie heute. Wir zeigen deshalb beispielsweise keine Mohammed-Karikaturen, auch jene nicht von „Charlie Hebdo“». Sogar angesichts der Auslöschung einer ganzen Redaktion, verrät Res Strehle eiskalt seine Berufskollegen und verweigert ihnen die Solidarität, in dem er auf eine Abbildung der Karikaturen verzichtet.

Durch die Tagi-Redaktion geht hörbar ein Stossseufzer: Welch ein Glück, dass wir nur Personen kritisieren, die uns nicht mal ein Glas Wasser über den Kopf leeren würden.

Dem Tagi-Vorzeige-Intellektuellen Constantin Seibt fiel angesichts der bestialischen Ermordung von vier Karikaturisten nichts Gscheiteres ein, als sich selbst zum Qualitätsprüfer von Karikaturen zu erheben und die Güte der Zeichnungen zu kritisieren. Als ob Pressefreiheit etwas mit der Qualität der Karikaturen zu tun hätte. In einem beschämend anti-aufklärerischen Artikel stellt er die Genese des Konflikt faktisch falsch dar, versteigt sich zur Aussage, dass die Extremisten beider Seiten profitieren würden und stellt damit in kleinmütiger Äquidistanz die islamistische Mordbande, die bereits mehr als Hundert Opfer im Karikaturenstreit zu verantworten hat, mit rechtspopulistischen Politikern gleich. Schliesslich rotzt der Banause noch hin, dass die Kollegen von «Charlie Hebdo» für «ihre schlechtesten Arbeiten» gestorben seien. Unwissend, dass die vier Karikaturisten zu den wichtigsten und meist verehrten Künstlern Frankreichs gehörten.

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LACHEN, um Gottes Willen

(von Charb, Oktober 2012, ermordet am 7. Januar 2015)

„Male einen prächtigen Mohammed, so stirbst du.

Zeichne einen lustigen Mohammed, so stirbst du.

Schmiere einen widerlichen Mohammed hin, so stirbst du.

Mache einen beschissenen Film über Mohammed, so stirbst du.

Wehrst du dich gegen religiösen Terror, so stirbst du.

Leckst du den Fundamentalisten den Arsch, so stirbst du.

Halte einen Feind der Aufklärung für einen Idioten, so stirbst du.

Versuche, mit einem Feind der Aufklärung zu diskutieren, so stirbst du.

Es gibt nichts zu verhandeln mit den Faschisten.

Die Freiheit, hemmungslos zu lachen, wurde uns bereits vom Gesetz gegeben, die systematische Gewalt der Extremisten gibt sie uns auch.

Danke, ihr Arschlöcher.“

Wie die Zeitung, so die Leser. Die Tagi-Leserschaft schreibt denn auch von Schmuddelkarikaturen, weder lustig, noch originell seien sie, und überhaupt hätten die Karikaturisten selber Schuld, dies ganz im Einklang mit Medienministerin und Bundesrätin Doris Leuthard, die twitterte: «Satire ist kein Freipass.»

Unfassbar reaktionär! Aufklärung heisst nicht Qualitätskontrolle, sondern bedeutet, dass selbst die geschmackloseste Provokation vor Theokraten geschützt ist.

Statt nun aber im Tamedia-Elfenbeinturm einfach mal zu schweigen, nachdem zwei Islamisten mit Kalaschnikows und Raketenwerfern die Redaktion von «Charlie Hebdo» auslöschten, ruft Res Strehle, noch bevor das Blut der zwölf bestialisch Ermordeten getrocknet ist, zur Toleranz auf und zitiert gutherzig den Koran. Es ist kaum zu glauben, wie grotesk seine Denkfiguren sind: Zum Attentat der Al-Qaida in Madrid schreibt Strehle allen Ernstes: «Der Angriff damals galt dem öffentlichen Verkehr.» Wie wenn die Al-Qaida ein leicht über die Stränge schlagender TCS wäre, der lieber den Privatverkehr gefördert haben will. Als «besonnene Reaktion» auf diesen Anschlag zog Spanien seine Truppen aus dem Irak ab – der grösste Triumph der Al-Qaida. Und augenscheinlich auch Strehles Forderung an Frankreich es Spanien gleich zu tun.

Nein, der Tages-Anzeiger ist definitiv nicht «Charlie Hebdo». Im Gegenteil. Kaum einer beim Tagi ist so gut wie die Leute von «Charlie Hebdo» und keiner ist so mutig.

Die Intellektuellen Europas haben nichts gelernt seit 1991, als die ersten Menschen ermordet wurden, weil sie an der Publikation von Salman Rushdies «Satanischen Versen» beteiligt waren. Drum sei Rushdie hier nochmals zitiert: «Ich stehe an der Seite von Charlie Hebdo, wie wir alle es tun müssen, um die Kunst der Satire zu verteidigen, die immer eine Kraft für die Freiheit war und gegen Tyrannei, Unehrlichkeit und Dummheit stand. Der „Respekt für die Religion“ ist inzwischen zu einer kodierten Phrase geworden und meint tatsächlich die „Angst vor der Religion“. Wie alle anderen Ideen verdienen Religionen Kritik, Satire und ja, unsere furchtlose Respektlosigkeit.»

Aus Solidarität mit den zwölf Opfern der islamistischen Barbaren publizieren wir hier zwölf Karikaturen von «Charlie Hebdo». So wie auch viele Muslime die Karikaturen in den sozialen Medien wohlwollend publizierten, damit sich der kritische Geist entfalten kann. Das sind Helden! Chapeau! Für die Aufklärung, gegen die Verdummung!

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8 Gedanken zu “#jesuischarlie – Und schon wollen sie nicht mehr Charlie sein

  1. Wie die westliche Welt, andere Staat-Terrorakten, fleißig übersieht. Ein Terrorakt ist immer abscheulich egal wo es geschieht, aber ich wollte daran erinnern, dass in Irak, Afghanistan, Libyen, Somalia ständig mindestens 12 Personen + werden täglich von US-Drohnen und Proxys ermordet, und über diesen Massakern wenn überhaupt, in unsere Presse ziemlich gleichgültig berichtet wird…nicht nur , wie z.B. Boko Haram, die in Nigeria wütet, man weiß nicht wer dahinter steckt. Unsere Presse statt bla bla zu reden, sollte Recherche-Journalismus üben und herausfinden wer die Geldgeber sind. Aber kann sein, wenn sie die Wahrheit herausfinden, wäre nicht nur angebracht aber auch gefährlich es zu erzählen. Ich bin in verschiedene europäische TV-Kanäle gesurft und festgestellt, dass über Islam, die Attacke, ISIS etc. ein richtiger Salat gemacht wird. Die meisten sogenannte Experte und Politiker haben keine Ahnung über was sie reden, aber ein Ziel wollen sie auf jeden Fall erreichen, die Menschen in Europa in Angst zu versetzen und den Islam zu dämonisieren. Das dabei Politiker alle Couleur mit anti-Muslime Sprüche ein paar Wähler zu gewinnen versuchen versteht sich von selbst.
    Wie Thierry Meyssan in seinem Artikel in Voltairenet.org sagt, in Wirklichkeit wir wissen nicht wer hinter dieser Attacke steht, auch wenn die Angreifer Allahu Akbar geschrien haben, es könnte ein Ablenkung-Manöver gewesen sein. Mit der „war on Terror“ Doktrin über al-Qaida, kann man inzwischen keine Maus aus seinem Loch raus holen. Wir wissen auch nicht, was wirklich mit dieser Attacke,die Kräfte, die dahinter stecken erreichen wollen, soll diese Attacke die al-Qaida-Doktrin ersetzen um den „war on Terror“ weiterzuführen?…die Zukunft wird uns es zeigen.
    http://mundderwahrheit.wordpress.com

    • Und wer finanziert das Ganze, Ihrer Meinung nach? Oder, haben Sie keine MEINUNG, und wissen es sogar? Sagen Sie es uns, beweisen Sie es.
      Aber, ernsthaft:
      Was zum Teufel ist mit Verschwörungstheoretiker los? Was läuft da schief bzw. wie krank muss man sein um Verständnis für Barberei, Unterdrückung, Mord, etc. zu haben, aber nur Hass für moderne Zivilisation? Ist, das Selbsthass?
      Für jede Verstopfung, die sie haben, machen die Bekloppte und Bescheuerte, wie Sie einer sind, die USA und Israel (Juden) verantwortlich. Und alle Muslime sind natürlich Opfer. Wo bleibt die Eigenverantwortung der Muslime? Muslime sind kleine Gruppe, die leicht zu beherrschen ist…. Ach, doch. Mit Chemtrails natürlich – sorry, ich vergass es.
      Nun, „Mundderwahrheit“ und andere Deppen, es gibt auch für Sie eine Erlösung: Alu-Hut an und One-Way-Ticket Richtung IS!
      Viel Spass.

  2. Wenn man schon die Aufklärung zitiert, sollte man bitte auch Lessing nicht vergessen. Mit der selbstgewählten Mündigkeit kommt auch Verantwortung und eine Verpflichtung zu gegenseitigem Respekt. Wenn sich der Tagi dazu entscheidet, keine Bilder zu drucken, die für eine Milliarde Menschen eine Beleidigung darstellen und keinen journalistischen Mehrwert bringen, dann ist das ein Zeichen von Respekt.

    Wer mit Comics um sich werfen will, die beleidigend – und grösstenteils nicht lustig – sind: Nur zu! Aber zu glauben, dass man so einen Kampf für die Aufklärung führt, ist hochmütig.

    • „…gegenseitigem Respekt.“

      Verzeihung: Was bitte ist Respekt? In den Sprachen Europas bedeutet Respekt die Achtung vor einer Haltung oder einer Leistung. Daher gilt unumstößlich, daß man sich denselben verdienen muß. Er kommt nicht von selbst um die Ecke.

      Ich stelle aber folgendes fest: Immer dann wen islamischerseits und den verharmlosenden Mitläufern das Wort „Respekt“ ertönt oder gebraucht wird, dann kann man das getrost als „Angst“ übersetzen. Und dann erschließt sich so mancher Text und Inhalt im wahren Licht. Insoweit – man kann es in zahlreichen Stellungnamen verfolgen und werten – bedeutet dies eine Drohung. Und sonst nix.

      Es ist offenbar gelungen, gegenüber der Urbevölkerung diesem Begriff einen völlig anderen Inhalt zu verpassen. Und analog zur verflachenden Bildung und Sprachempfinden, scheint dies auch nicht (mehr) aufzufallen.

  3. Der berechtigte Vorwurf an Constantin Seibt ist der, dass der Zeitpunkt für seine Kritik verfehlt war. Er hätte dem Attentat zuvorkommen müssen.

  4. Eine kleine Frage: Haben die unzähligen Opfer von Boko Haram ebenfalls Mohammed-Karikaturen gezeichnet? Und die Eltern, welche in Pakistan bei lebendigem Leib verbrannt worden sind?

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