Tragikomische Milliardenbusse

imageDavid Dürr

Kennen Sie Richter Adam aus Heinrich Kleists tragischer Komödie „Der Zerbrochene Krug“? Das ist doch jener Richter, der über eine Tat zu Gericht sitzt, die er selbst begangen hat. Also setzt er alles daran, von der Wahrheit abzulenken. Das gelingt ihm zunächst auch gar nicht schlecht. Als Verfah­rensleiter kann er den Verdacht auf andere lenken und willkommene Missverständnisse ihren Gang nehmen lassen. Tauchen zwischendurch gleichwohl Wahrheitsbrocken auf, versucht sie Richter Adam mit lautem Gebrüll zu verscheuchen.

Genau das geschieht dieser Tage in den USA. Da sitzt ein ziemlich lauter Justizminister Holder auf einem hohen Richterstuhl und setzt alles daran, von der Wahrheit abzulenken. Die Tat, die es zu be­urteilen gilt, sind Verfehlungen auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt im Vorfeld der Finanz­krise von 2007. Es wurden damals Leute zur Aufnahme von Hypotheken verleitet, die sich dies gar nicht leisten konnten, später dann auch in Zahlungsschwierigkeiten gerieten und nicht selten ihr gan­zes Hab und Gut verloren. Und weil die Immobilienpreise deshalb landesweit einbrachen, kamen auch die vielen Anleger zu Schaden, die in solche Hypotheken investiert und auf deren Sicherheit vertraut hatten. Eine riesige Tragödie, die in jener sogenannten Subprime-Krise angerichtet wurde.

Und wer war der Missetäter? Das ist die Frage, über die nun Herr Holder als Vertreter des amerikani­schen Staates zu Gericht sitzt. Und genau wie im Fall des Richters Adam ist es auch hier der Richter selbst, der amerikanische Staat nämlich, der die Missetat begangen hat. Er war es nämlich, der eine volkswirtschaftlich verantwortungslose, rein populistisch motivierte Geldexpansion betrieb, welche die Zinsen gegen Null fallen liess. Das lockte dann unzählige Hauskäufer an, die sich dies bei norma­len Zinsen nie hätten leisten können. Und bei all dem hatte der Staat dann noch die Unverfrorenheit, an diesem boomenden Junk-Geschäft gleich noch selbst als führender Hypothekenanbie­ter mitzu­verdienen.

Was tut nun nach dem schmerzhaften Zusammenbruch dieses Kartenhauses Richter Adam alias Holder? Er sucht natürlich andere Schuldige und hat soeben einen ersten gefunden, nämlich die Grossbank Ci­tigroup. Die habe doch tatsächlich, und aus reiner Profitgier, solch günstige Hypotheken vergeben und den entsprechenden Anlegern vorgegaukelt, das seien solide Investitionen. Das ist doch reiner Betrug! Empört sich lauthals der gleiche Staat, der damals das billige Geld produziert und dabei so getan hat, als wäre das völlig risikolos.

Genau wie Richter Adam. Auch der hatte, als sich die Schlinge der Wahrheit immer mehr zuzog, zu solch grotesken Ablenkungen Zuflucht genommen, etwa dass nicht er selbst, sondern der leibhaftige Teufel die Tat begangen habe. Und so nun halt auch die leibhaftig böse Citigroup. Bei Richter Adam verfing das nicht. Zu offensichtlich und zu grotesk waren seine Vertuschungsversuche. Die Prozesspar­teien, das Gerichtspublikum, ja selbst der Gerichtsschreiber griffen ein. Und eher lachend als empört verjagten sie den entlarvten Adam mit Schimpf und Schande aus dem Gerichtssaal.

Und bei Holder? Da scheint im Drehbuch etwas schief zu laufen. Die Citigroup hat nämlich soeben eine Busse von 7 Milliarden aufgebrummt bekommen. Und der Staatsminister sitzt noch immer auf dem hohen Richterstuhl.

 

 

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2 Gedanken zu “Tragikomische Milliardenbusse

  1. Das ist ein hervorragender Beitrag. Werde ihn gleich in Regulatorymadness rebloggen. Vielen Dank! Es geht eben genau in die Richtung, die Robert A. Levy mit seinem Buch „Shakedown – How Corporations, Government, and Trial Lawyers Abuse the Judicial Process“, Cato Institute, 2004 beschreibt.

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