Gift im Brunnen

Alex Baur_Die Zürcher ProzesseFrüher waren es die Juden, heute sind für die neuen Hass-Prediger die Rohstoffhändler an allem schuld.

Von Alex Baur ©Die Weltwoche; 19.06.2014; Ausgabe-Nr. 25

Bald zwei Jahre dauert die Kampagne linker und kirchlicher Hilfswerke gegen die Rohstoffhändler nun schon an – und die Willfährigkeit, mit der sich viele Redaktionen in das publizistische Trommelfeuer der Drittweltisten einspannen lassen, erschüttert immer wieder. Diese Woche haben die katholischen NGOs Brot für alle und Fastenopfer eine Breitseite gegen den Rohstoffgiganten Glencore abgefeuert, der angeblich Flüsse vergiftet und Menschenrechte missachtet. Allen voran die staatsnahen Kanäle SRF, SDA und Swissinfo verbreiteten die Attacke umgehend, wobei am Schluss jeweils noch angefügt wurde, dass Glencore die Anwürfe bestreitet.

Das Thema ist zweifellos brisant und muss diskutiert werden. Sind Entwicklungsländer tatsächlich nicht in der Lage, die Multis im eigenen Land zu kontrollieren? Brauchen die ehemaligen Kolonien weiter einen Vormund im Norden, der ihnen zeigt, wie man es richtig macht? Welche wirtschaftliche Bedeutung haben Rohstoffe für diese Länder? Gibt es realistische Alternativen? Doch solche Debatten sucht man vergeblich. Ein runder Tisch, den der Bund zwischen den Rohstoffhändlern und den Hilfswerken einrichten wollte, wird von Letzteren unter fadenscheinigen Vorwänden boykottiert. Wer eine Kampagne lanciert, der will eben gerade keine offene Debatte.

Das Perfide an den Vorwürfen der NGOs ist, dass sie kaum zu überprüfen sind. Umso hemmungsloser wird mit alten Vorurteilen und Klischees operiert: Die Menschen in den Entwicklungsländern sind arm, hilflos, korrupt und ungebildet, also leichte Opfer für raffgierige Kapitalisten, die skrupellos über Leichen gehen. Das ist natürlich Unfug, wie jeder weiss, der je in einem dieser Länder gearbeitet hat. Doch das sind leider nur wenige. Auf diesem Boden der Ignoranz predigen die kirchlichen und weltlichen Hilfswerker. Wozu ihnen einst der ewige Jude diente, dafür stehen heute die Rohstoffhändler: Brunnenvergifter eben, schuldig für jedes Leid dieser Welt.

Genauso alt und simpel ist auch das Motiv, das hinter den Kampagnen steht: Geld. Der Appell ans schlechte Gewissen ist seit Urzeiten ein zuverlässiger Spendengenerator. Und er lenkt zudem vom eigenen Versagen ab. Ein weitverzweigtes Netz von Hilfswerken pumpt Jahr für Jahr Milliardenbeträge in die Entwicklungsländer. Man verspricht das Blaue vom Himmel, doch nachweisbare Erfolge sind so rar wie echte weisse Elefanten.

Leseempfehlung:

Das Gift der Hilfswerke

Mit der Kampagne gegen den Rohstoff-Giganten Xstrata haben Schweizer Drittwelt-Lobbyisten einen blutigen Konflikt in den peruanischen Anden befeuert und sinnvolle Projekte verhindert. Die Vorwürfe gegen Xstrata sind haltlos, wie ein Besuch vor Ort zeigt. Von Alex Baur

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