Müll im Netz

imageDie SRG ­biedert sich bei der ­Jugend mit Schwachsinn im Internet an.

Von Rico Bandle Die Weltwoche Nr. 19.14

Auf der Internetseite von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) lässt eine junge Frau unter dem Titel «Ich, die Mehrheit» täglich darüber abstimmen, wie sie sich im Alltag verhalten soll. «Wasche ich heute mit oder ohne Weichspüler?», lautet eine Frage an das Publikum. Oder: «Verzichten oder verzichten: Darf ich morgen kein Geld ausgeben oder nicht sprechen?» Pony M, so nennt sich die Protagonistin, dokumentiert dann, wie sie den Tag erlebt hat.
SRF preist dieses banale Selbstdarstellungsprojekt als «Trainingsprogramm für Abstimmungsmüde» an. Der Aufwand, den SRF betreibt, ist beträchtlich: Der Sender hat eigens eine «Ich, die Mehrheit»-App für Handys herstellen lassen, damit die Leute auch unterwegs über Weichspüler abstimmen können, in klassischen Fernseh- und Radiobeiträgen wird über Pony M berichtet.
Sollte Pony Ms «Big Brother»-Spielchen überhaupt eine staatspolitische Wirkung haben, dann höchstens insofern, als es Abstimmungsabstinente in der Haltung bestärkt, der Urne fernzubleiben. Vielleicht war es ja das Ziel der Macher, den jungen Leuten die Unsinnigkeit der direkten Demokratie nahezulegen.
«Ich, die Mehrheit» gehört zur steigenden Anzahl reiner Internetprojekte der SRG. Zurzeit erntet vor allem die «Güsel»-Serie des preisgekrönten Slam-Poeten und Kolumnisten Gabriel Vetter viel Lob. So originell die Idee hinter der Trash-Serie über Mülldetektive auch ist, die Pointendichte bleibt eher dürftig. Die Macher von «Tschutter» auf 20minuten.ch oder die Slam-Poetin Lara Stoll haben bewiesen, dass eine solche Serie in vergleichbarer Qualität auch ohne Gebührengelder hervorzubringen ist.
Die beiden SRF-Online-Projekte zeigen: Die Ausdehnung des Service public auf reine Internetinhalte ist gänzlich überflüssig.

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2 Gedanken zu “Müll im Netz

  1. Die Anstrengungen im Spektrum der Volksverdummung kennen keine Grenzen und werden auch noch von unseren Steuergeldern zumindest mitfinanziert. Ein weiteres gutes Beispiel der Infantilisierung der Gesellschaft.

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