Ein teurer Gewinn der Psychiatrie Baselland

H. P. Ulmann_CEO pblDie Psychiatrie Baselland (PBL) blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2013 zurück“ verkünden VR-Präsidentin Alice Scherrer und CEO Hans-Peter Ulmann (Foto) am Dienstag an einer Medienorientierung in Liestal.

Auf den verdoppelten Jahresgewinn im Jahr zwei der neuen Spitalfinanzierung der PBL von 1,8 Millionen Franken, sind die Verantwortliche offensichtlich besonders stolz.

Der Kanton schiesst 8 Millionen Franken im Jahr für besondere gemeinwirtschaftliche Leistungen, die nicht durch das KVG abgedeckt sind, dazu – was Ulmann als «leistungsgerecht und erfreulich» bezeichnet. Chefarzt Joachim Küchenhoff lobte den Verwaltungsrat dafür, dass dieser bei der personal- und kostenintensiven beziehungsorientierten Psychiatrie «voll mitzieht», was nicht selbstverständlich sei. Insgesamt hat die PBL im vergangenen Jahr 9619 Patientinnen und Patienten behandelt. (bz)

[Ich sehe jetzt und hier von einer ausführlichen Kritik an der Perversität des „Gewinns“ einer Psychiatrie ab.]

Schauen wir an ein echtes Beispiel eines langjährigen Patienten an, wie solche Gewinne möglich sind. Nennen wir ihn „Sonnenschein“ [Die Psychiatrie BL wird schnell wissen, von welchem Patienten ich hier schreibe.].

„Sonnenschein“, ü50, ist um 1,80 gross, schlanke Figur und grinst ständig. Sieht man ihn beim Zeitungsblättern, vermutet man nicht, dass er weder lesen noch schreiben kann. Ein liebevolles, einfaches Gemüt mit einem äusserst geringen IQ. „Sonnenschein“ lebt in einem bekannten Heim in der Umgebung, das durch die öffentliche Hand, u. a. Kantonsbeiträge, finanziert wird. Er ist nicht in der Lage selbständig sein Leben zu organisieren – mit dieser „Behinderung“ wurde er offensichtlich geboren. Er braucht keine körperliche Pflege und ist sonst körperlich gesund. Er braucht nur jemanden, der ihm morgens sagt, was er anziehen soll, wann es Zeit zum Duschen, zum Frühstücken etc. ist. Man darf ihm nur nicht drei Aufgaben auf ein Mal geben, sonst vergisst er zwei.

Mit seinem Leben ist „Sonnenschein“ grundsätzlich zufrieden. Er kennt es auch nicht anders!

Eine merkwürdige Eigenschaft hat er jedoch: Er haut ab und zu aus dem Heim ab. Er geht in den Park und übernachtet auf einer Parkbank. Wieso er das tut, kann er auch nicht erklären. Auf die Frage, was er dann tut, wenn er Hunger habe, sagt er, dann geht er wieder ins Heim. Das macht er seit Jahrzehnten und wird immer gefunden bzw. findet den Weg selbst zurück. Ihm kann man nicht böse sein, er ist einfach so. Und er ist ein regelmässiger, stationärer Patient der Psychiatrie Baselland in Liestal.

So war er beispielweise auch Ende 2011, anfangs 2012 zu Gast in der Psychiatrie BL.psychiatrie

Erste ein paar Wochen verbrachte er auf der halboffenen Akutabteilung, intern als B1 bezeichnend, aus der er nur mit Begleitung raus durfte. Zu seinem „Behandlungsprogramm“ gehörten „Kreativtherapie“, in der er malen durfte, Sporttherapie, Teilnahme an Gruppentherapiesitzungen (wird mal als eigenes Thema behandelt), an denen er kaum etwas sagte, Nachmittags nahm er Teil an Gruppenspatziergängen rund um den Tierpark, blätterte täglich aufmerksam alle Zeitungen durch (konzentriert auf Bilder), essen, schlafen etc. Besonders gerne nahm er Teil an der wöchentlichen Kochgruppe – Grund: die Leiterin fand er so toll – das wäre „die richtige Frau“ für ihn, hat er ihr einmal verlegen gestanden. Toll, fand er auch, dass er „jetzt“ nicht mehr auf dem Korridor schlafen muss, wie früher, als die Psychiatrie noch frisch war und mit Patienten überfüllt.

Ein paar Wochen später wurde er in das hoch moderne Gebäude A verlegt – wenn ich mich nicht täusche, auf die Männerabteilung A7. Auf A7 sind die Zimmer moderner und die Gemeinschaftsräume grosszügiger, als auf B1. Ein Therapieplan ist ähnlich wie auf B1, nur dass er auf A7 zuschauen konnte, wie seine Mitpatienten mit dem Pflegepersonal Tischtennis spielten. Er selbst spielte nicht, aber schaute gerne zu. Mit einem Dauerlächeln.

Für das Personal ist „Sonnenschein“ ein angenehmer Patient – man kennt sich ja. Er reklamiert nie, macht alles auf Anweisung, hinterfragt keine und befolgt alle „Regeln“ – auch die sinnloseste. Sie kommen schliesslich vom Personal.

„Sonnenschein“ geniesst den Aufenthalt und das Wohlfühlprogramm. Auch gefällt ihm, dass ihn das Personal in der PBL nicht anschreit, wie man es manchmal in dem Heim, das sein zu Hause ist, tut. Für ihn ist der Aufenthalt in der PBL kein Spitalaufenthalt.

Wie lange er jeweils bleibt, 6, 8 oder 12 Wochen, entscheidet man nach Bedarf. Ich meine nicht „Sonnenscheins“ Bedarf und Situation. Alle sind sich einig, dass bei ihm psychiatrisch nichts zu therapieren ist. Sein Zustand kann nicht verbessert werden.

Seine Aufenthaltsdauer hängt von der Personalauslastung des Heim und der Psychiatrie ab. Denn Sonnenschein wird in die Psychiatrie geschickt, wenn im Heim das Personal knapp ist und die ihn nicht 24h beaufsichtigen können.

Andererseits kann mit ihm die Auslastung in der Psychiatrie optimiert werden. An solche Patienten, deren Wohl der Jahresrechnung angepasst werden kann, hat der CEO der Psychiatrie, Hanspeter Ulmann, seine Freude. Die monatlichen Kosten für das Heim fallen auch während „Sonnenscheins“ Psychiatrieaufenthalt weiter an.

Dass die Psychiatrie BL auch zukünftig gute Gewinne machen, daran gibt es keinen Zweifel. Nicht nur „Sonnenscheins“ Aufenthalte lassen sich der gewünschten Jahresrechnung anpassen. Ich könnte Wetten, dass die Hälfte aller jährlich wiederkehrenden Aufenthalte unnötig sind.

Effektive Kontrollen existieren nicht. Ob ein Aufenthalt und die dazugehörigen „therapeutischen Behandlungen“ sinnvoll sind oder nicht, entscheiden die Psychiater und die können bekanntlich alles erklären und begründen. Auch das Gegenteil.

Und falls der Steuerzahler, mit der Tatsache, dass er solche doppelten Kosten tragen MUSS ein Problem hat, soll er mit seinem Problem zum Psychiater gehen. [Ironie des Schicksals]

P. S. Nach dem oben aufgezeigten Prinzip wird zweifelsohne auch die geplante Kinder- und Jugendpsychiatrie voll ausgelastet sein und Gewinne abwerfen. Nur mit verheerenden Folgen. Während der Psychiatrieaufenthalt dem „Sonnenschein“ nicht nützt/schadet, werden gesunde Kinder krank psychotherapiert. Wahrlich ein fragwürdig teurer Gewinn – sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft! Siehe: Nachhaltige Kundenbindung in der Psychiatrie Baselland

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Ein Gedanke zu “Ein teurer Gewinn der Psychiatrie Baselland

  1. Man sollte nicht vergessen, dass die eigentliche produktive Leistung durch das Pflegepersonal erfolgt. Die Verlierer der ganzen Rationalisierungen und ökonomischem Optimierungen sind die Patienten und das Personals, deren Gesundheit durch Arbeitsverdichtungen Schaden nimmt. Euer Ziel ist die Gewinnoptimierung, ihr Ökonomen? Bravo, wir sind stolz auf euch…

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