Das Christkind und der Kaiser

David Dürr

Am Heiligen Abend bei der Weihnachtsgeschichte des Lukasevangeliums waren Sie vielleicht einmal mehr erstaunt darüber, dass die Erzählung nicht gleich mit Maria, Josef und dem Christkind beginnt, sondern so: „In jenen Tagen geschah es, dass vom Kaiser Augustus ein Befehl ausging, dass der gesamte Erdkreis aufgezeichnet werde. Diese erste Aufzeichnung geschah, als Quirinius Statthalter von Syrien war. Alle gingen hin, sich eintragen zu lassen, ein jeder in seine Stadt“ (Lukas 2, 1-3).“ Was ist bloss der Grund, haben Sie sich vielleicht gefragt, dass diese präzise Einordnung in den Kontext des damals allmächtigen Weltreichs so prominent am Anfang der christlichen Heilsgeschichte steht?

Und es kommt gleich nochmals ein auffälliger Einschub: „Auch Joseph zog von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heisst, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war“ (Lukas 2,4). Also nochmals ein Bezug zu einem weltlichen Reich, demjenigen des Königs David. Zwar lange nicht so mächtig wie das römische Reich, für die Juden aber von grösster Wichtigkeit. Denn David hatte in mythologischen Urzeiten aus verschiedenen untereinander zerstrittenen Stämmen ein einheitliches und starkes Königreich geschaffen.

Und dies nicht nur mit Geschick und Brutalität, sondern vor allem mit einem Kniff, der damals so neu wie genial war, nämlich mit der Berufung auf den Gott Jahwe. Neu daran war nicht das Anrufen eines Gottes – das machten alle anderen Stammesfürsten auch. Jeder berief sich auf seinen Gott und behauptete natürlich, der seine sei der stärkste und beste von allen. Neu beim Gott Jahwe war, dass er nicht einfach der Gott Davids und nicht einfach der stärkste und beste aller Götter war, sondern dass er der einzige Gott überhaupt war. Heute spricht man von der monotheistischen Wende, die sich wahrscheinlich zwischen 1000 und 500 v.Chr. abgespielt hat. Und politisch war sie ausgesprochen nützlich, als Legitimationsmonopol für das Machtmonopol des Königs.

Als Israel dann aber von Rom erobert und in die Reichsprovinz Syrien erniedrigt wurde, musste das göttliche Legitimationsmonopol einen neuen Anwendungsfall suchen. Den fand es nahtlos im aufstrebenden römischen Weltreich. Offizielle Reichsreligion wurde der jüdisch-christliche Monotheismus zwar erst viel später, aber die innere Verwandtschaft zwischen Legitimationsmonopol aus dem Jenseits und Machtmonopol im Diesseits war von allem Anfang an offensichtlich.

Das führt uns zurück zum Evangelisten Lukas, der das genau erkannte und auch gar nichts dagegen einzuwenden hatte. Er soll, so sagt man, für das neue Weltreich Sympathien gehabt haben. Also schrieb er nicht einfach eine schöne Weihnachtsgeschichte, sondern die Geschichte des mächtigen

Kaisers mit seinem riesigen Reich, in das hinein nun Gott als kleines Kind geboren, als Personalie erfasst und damit sogleich zum Reichsbürger wird. Das gute Christkind und der mächtige Kaiser, die gehören zusammen. Zentral administrierte Staatsmacht ist etwas zutiefst Gutes.

So was glaubten die Leute damals noch – damals?

Advertisements

Ein Gedanke zu “Das Christkind und der Kaiser

  1. Die Programmierung des kollektiv Unbewussten mit dem künstlichen Archetyp Jahwe (Übergang vom Vielgottglauben zum Eingottglauben) befreite zwar einerseits die Menschheit aus der unbewussten Sklaverei des Ursozialismus, ließ aber andererseits dem bis heute unbewussten Kulturmenschen die systemische Ungerechtigkeit der Erbsünde nicht erkennen, aus der zwangsläufig alle Zivilisationsprobleme erwachsen, die sich überhaupt thematisieren lassen. Jesus erkannte die Erbsünde und fand als erster Denker in der bekannten Geschichte die einzige Lösung (Erlösung) zu ihrer Überwindung. Wo die Menschheit heute wäre, hätte die Moralverkaufs-Mafia der „heiligen katholischen Kirche“ das größte Genie aller Zeiten nicht zu einem moralisierenden Wanderprediger degradiert und die originale Heilige Schrift des Urchristentums verbrannt, sprengt jedes Vorstellungsvermögen! Aber es ist nun mal passiert, und selbstverständlich agiert die schlimmste Verbrecher-Organisation der Welt nicht aus Bosheit, sondern aus purer Dummheit, sodass man ihr nicht einmal böse sein kann. Die Volksverdummung durch den Katholizismus (stellvertretend für alles, was sich heute „christlich“ nennt) war so „erfolgreich“, dass noch zwei Weltkriege stattfinden mussten, zwischenzeitlich ein Teil der Menschheit mit der Ersatzreligion des Marxismus wieder in den Staatskapitalismus zurückfiel, und heute die totale atomare Selbstvernichtung droht, während das konkrete Wissen zur endgültigen Überwindung von Massenarmut und Krieg schon seit über einem Jahrhundert erneut zur Verfügung steht:

    „Wir wären weit, weit über den Kapitalismus hinaus (Kapitalismus = wirtschaftlicher Zustand, in dem die Nachfrage nach Geld und Realkapitalien das Angebot übertrifft und darum den Zins bedingt), wenn seit 3000 Jahren durch die Wirtschaftskrisen die Kultur nicht immer wieder die mühsam erklommenen Stufen heruntergestoßen worden wäre; wenn die bettelhafte Armut, in der jede Krise die Volksmassen hinterlässt, nicht die Bettlergesinnung großgezogen hätte, die nun einmal den Menschen, groß und klein, in den Knochen liegt. … Die Plage des Hungers und der Druck der Schulden sind böse Erzieher. …Und wo wären wir heute in wissenschaftlicher, technischer Beziehung angelangt, wenn die vielversprechende Kultur, die das Gold, obschon blutbefleckt, geraubt und erpresst, in Rom erstehen ließ, nicht unter einer anderthalbtausendjährigen, durch Geldmangel erzeugten ökonomischen Eiszeit erstarrt, vergletschert, vernichtet worden wäre? Sicherlich säßen wir jetzt auf dem Throne Gottes und ließen das All im Kreis an unserem Finger laufen.“

    (aus „Die neue Lehre vom Geld und Zins“, 1911)

    Silvio Gesell (1862 – 1930) konnte noch nicht wissen, dass die von ihm im Detail beschriebene Natürliche Wirtschaftsordnung (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus) nicht nur der sprichwörtliche, sondern der tatsächliche „Himmel auf Erden“ ist, denn die Heiligen Schriften von Nag Hammadi, die das zweifelsfrei beweisen, wurden erst 1945 entdeckt. Aus den vier biblischen Evangelien, die von Anfang an nur für den Moralverkauf erdichtet wurden, ist das nicht mehr zu erkennen. Umso erstaunlicher ist die Leistung des Silvio Gesell (die moderne Physik hat Einstein verstanden, aber die „moderne“ VWL noch nicht Gesell), der wie Jesus von Nazareth die einzige Möglichkeit zur Überwindung der Erbsünde beschrieb, ohne aber zu wissen, was die Erbsünde ist, und ohne Gott erkannt zu haben:

    Macht oder Konkurrenz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s