Ach, du (un)heilige (In)Toleranz

Zwei Meldungen sind mir in den letzten paar Tagen sauer aufgestossen, die für liberale Menschen schwer verdaulich sind und die Frage aufwerfen, wie weit die Toleranz gehen darf ohne in Intoleranz zu kippen.

1. Sexy WM-Fee ganz züchtig in Zürich

„Was für ein Auftritt! Bei der Auslosung der WM-Gruppen liess das brasilianische Model Fernanda Lima ganz tief blicken, präsentierte der Welt stolz ihr Dekolletee und 016559955überliess fast nichts der Fantasie.Da kam auch Fifa-Präsi Sepp Blatter (77) nicht drum herum, einen sündigen Blick auf die sexy Los-Fee zu riskieren.

Während die schöne Fernanda aber ihre Reize offenbarte, herrschte im Iran Mattscheibe. Den TV-Direktoren des iranischen Staatsfernsehens war der Auftritt viel zu sexy. Kurzerhand wurde die Live-Übertragung der Auslosung abgesagt und nur Bilder gezeigt, auf denen Fernanda nicht zu sehen war.

Dass die Millionen von iranischen Männern sie nicht bestaunen konnten, hat Fernanda weh getan, wie sie jetzt in einem Interview verrät. «Ich trug ein Kleid, das im Westen jede Frau für einen solchen Anlass tragen könnte. Dass aber die Iraner die Auslosung nicht live sehen konnten, hat mich verärgert», so Lima. Und sie kündigt Konsequenzen an.

Jetzt ist Schluss mit sexy!

Zur Vergabe des «Ballon d’Or» am 13. Januar im Zürcher Kongresshaus will Fernanda ganz züchtig aufkreuzen. Sie erklärt: «Was passiert ist, tut mir leid. Es war nie meine Absicht, Kulturen und Leute zu beleidigen oder Kontroversen zu verursachen. Aber ich lerne aus dieser Erfahrung und werde deshalb bei der Wahl meines Kleides für die Ballon-d’Or-Gala ganz vorsichtig sein, damit auch alle zusehen können.»“

2. Muslimin verweigert Verkauf von Alkohol

„Ein Kunde beschwerte sich darin, dass er in London an der Kasse eines M&S-Marktes von einer muslimischen Verkäuferin abgewiesen worden sei, als er eine Flasche Marks-and-Spencer-Reports-Huge-Losses Champagner kaufen wollte. „Sie sagte mir, ich solle warten, bis ein anderer Mitarbeiter verfügbar sei“, zitierte ihn die Zeitung. „Ich war verwirrt, so etwas ist mir noch nie passiert.“ Die Verkäuferin habe sich mehrfach entschuldigt.

Konflikt mit dem Glauben

M&S ist die größte britische Kaufhauskette für Kleidung. In den Märkten werden auch Lebensmittel und Haushaltswaren verkauft. Eine Sprecherin des Konzerns verwies auf interne Richtlinien zum Thema Religion: Das Unternehmen bemühe sich, Mitarbeiter, denen der Umgang mit bestimmten Lebensmitteln aus Glaubensgründen verboten sei, Aufgaben in anderen Abteilungen zuzuweisen. Sie bedauere, dass dies in diesem Fall nicht geschehen sei.

Auch in anderen britischen Supermarktketten wie Asda, Morrisons und Tesco müssen muslimische Mitarbeiter nicht an der Kasse arbeiten, falls sie dadurch in Konflikt mit ihrem Glauben geraten. Kritiker dieser Regelung bemängeln, dies verstoße gegen den „gesunden Menschenverstand“.“

Zu den Errungenschaften einer säkularen Gesellschaft gehört es, dass Männer und Frauen gleiche Rechte haben. D. h. Männer und Frauen sind gleichwertig, das nennt sich auch Besitz von Menschenrechte. Das ist nicht selbstverständlich und es war ein langer Kampf.

Jahrhundertelang hat die katholische Kirche, die das Sagen hatte, Frauen als „ein Missgriff der Natur…“ (hl. Thomas v. Aquin, Kirchenlehrer, 1225-1274) oder als „minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde…“ (Augustinus, 354-430, bedeutender Kirchenlehre) bezeichnet/diskriminiert.

Gut, dass wir eine Verfassung haben, die diese Ungleichheite aufgehoben hat. Zwar ist dies bei der katholischen Kirche noch lange nicht der Fall, aber wir haben Religionsfreiheit.

Zu der Freiheiten der Frau gehört auch, dass sie selbst entscheiden darf, was sie und wann sie etwas anziehen will. Die Geschmacksfrage wird in der Verfassung nicht behandelt – obwohl man sich das ab und zu wünscht 😉 .

Das Kleid von Fernanda Lima (Bild) finde ich äusserst geschmackvoll. Mit ihrer Topfigur kann sie sich das Kleid auch leisten.

Nun sieht das iranische Mullaharegime offensichtlich die Sache ganz anders und entscheidet, dass alle iranischen Männer und Frauen die schöne Fernanda nicht sehen dürfen. Wer ihnen das Recht gibt, Allah weiss es. Aber man kann es nicht ändern. Und wie reagiert die Schöne auf die Intoleranz und Unterdrückung des Mullaharegimes? Verteidigt sie ihre Rechte? Ihre Freiheit? Fehlanzeige, sie entschuldig sich noch und lobt Besserung. Zum Verzweifeln! Wie weit darf die Rücksichtnahme auf intolerante Menschen oder Staaten gehen? (Hier ist nicht die Rede von Privatpersonen, da privat jeder tolerant bzw. intolerant sein darf, wie er will!)

Was wird bei der WM Übertragung aus Brasilien? Werden nur Frauen ins Stadion rein gelassen, die die Kleider-Kriterien des Mullahregimes bestehen?

Was stimmt mit dem Westen nicht? Wieso sind wir bereit unsere schwer erkämpften Rechte und Freiheiten so schnell aufzugeben und uns wieder unterdrücken zu lassen? Sollte ein Mal die sexy Fernanda für das iranische Staatsfernsehen (in Iran) arbeiten wollen, dann müsste sie sich wohl oder übel der dortigen Regel anpassen. Aber hier? Nein. Keine Toleranz für Intoleranz.

Beim zweiten Fall ist Situation etwas anders. Ich habe auf Twitter geschrieben, ich würde die Muslimin feuern, was mir Adjektive wie „konservativ“, „rassistisch“ etc. einbrachte. Hier stellt sich die Frage, wie tolerant ein privater Arbeitgeber sein muss. Meiner Meinung nach muss er es gar nicht. Darf aber, was offensichtlich hier der Fall ist.

Es ist die Verkäuferin, die sich anpassen muss. Schon bei ihrer Bewerbung müsste es ihr bekannt gewesen sein, dass das Kaufhaus auch Alkohol verkauft. Ich gehe nicht davon aus, dass das Kaufhaus sie gezwungen hat, sich dort zu bewerben oder sie vom Kaufhaus aus gezwungen wird zu Arbeit zu kommen.

Dies gilt aber nicht nur für Muslime. Genau gleich ist es mit Katholiken, Juden, Buddhisten, Ortodoxen etc. Religion ist PPRIVATSACHE und das soll auch so bleiben.

Von mir aus darf ein privater Arbeitgeber noch weiter gehen. So dürfte er auch klar kommunizieren, dass er keine Rollstuhlfahrer, Blondinen, Rothaarige, Kopftuchträgerinnen (sind nicht nur Musliminnen), Punks, Schwule, Lesben usw. einstellen will. Ist das Diskriminierung? Mag sein bzw. sicher. Aber, ein privater Arbeitgeber darf es. Ist das schön? Sicherlich nicht, aber eben Schönheit fällt unter Geschmack und über Geschmack lässt sich streiten. Ehrlicher wäre das auf jeden Fall – denn machen wir uns nichts vor: Diese „Selektion“ findet heute schon statt, darf jedoch in unserer politisch korrekten Gesellschaft nicht ausgesprochen werden – was nicht unbedingt für Toleranz spricht.

Das ist meine persönliche Meinung. Kann, muss man aber nicht teilen.

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7 Gedanken zu “Ach, du (un)heilige (In)Toleranz

  1. Es darf nicht so weit kommen, dass wir auch noch Quoten-Muslimas anstellen müssen, die mit Chef und Kunden machen dürfen, was ihnen grad in den Kram passt.
    Wir müssen verhindern, dass noch mehr Zwang ausgeübt wird. Wer will kann, muss aber nicht Rücksicht auf Religionszugehörigkeit, Geschlecht etc. nehmen.

  2. Da kann man dem brasilianischen Model Fernanda Lima nur empfehlen, beim nächsten TV-Auftritt eine Burka zu tragen 😉 (Augenzinkern)

  3. ich wünsche euch besinnliche weihnachten.
    alle jahre wieder (bleibt es wie es war):
    der handel und die konzerne freuen sich über ein neues rekord-weihnachtsgeschäft. euer paketzusteller liegt über die feiertage mit einem bandscheibenvorfall im bett. für euren festbraten haben arme schweine in rekordzeit die schweine zerlegt. die qualvolle massentierhaltung der truthähne und gänse wird ihnen in eurem backofen einen sinn und ein würdiges ende bereiten. das kind findet einen günstigen welpen zum spielen unter dem weihnachtsbaum. der deutsche pelzhandel freut sich mit china über die wiederbelebte pelzmode. die schokolade für die festtage ist gekauft und die verschleppten kinder auf den kakaoplantagen in westafrika bekommen einen tag frei und dank fairtrade im kommenden jahr eine kloschüssel auf die plantage. und wie jedes jahr an weihnachten spendeten wir auch für die bedürftigen. die festtage können kommen.
    “unsere wirtschaft benötigt unglückliche menschen und produziert diese auch systematisch. glückliche menschen kaufen nichts, weil sie bereits glücklich sind.”
    http://campogeno.wordpress.com/2013/12/23/alle-jahre-wieder-bleibt-es-wie-es-war/

    • Und nur Sie wissen wie es richtig und gerecht zugeht? Und nur Sie handeln ethisch und können sich deshalb das Recht nehmen, hier den Moralapostel zu geben und versuchen allen anderen schlechtes Gewissen einzureden? Ihre zweidimensionale Sicht der Welt ist erbärmlich.

  4. Wenn die Muslimin im 2. Falle vertraglich zugesichert bekommen hat, dass sie nicht Alkohol verkaufen muss, geht das doch i.O.
    Das ist dann das Problem des Ladeninhabers wenn er damit solche seltsamen Situationen wie die obigen heraufbeschwört.

    Was nicht i.O. geht, ist, wenn es gesetzlich erzwungen wird die Frau auch dann einzustellen wenn man sie nicht einstellen will, wenn sie kein Alkohol verkauft.
    Was meinen Sie, eine solche Ansicht ist doch liberal gesehen zustimmungsfähig, oder nicht?

    Gruß
    Mielia

    • Wir sind uns total einig. Wenn der Landbesitzer der Verkäuferin solche Rechte zugesteht, dann darf er es ohne Wenn und Aber. Falls es mir dann als Kundin nicht gefällt, kann ich mir ein anders Geschäft suchen. Vertragsfreiheit gilt – freie Marktwirtschaft.
      Es darf aber Niemand zu irgendwas gezwungen werden.
      Der Ladenbesitzer MUSS aber NICHT auf Religion seinen Mitarbeiter Rücksicht nehmen. Er darf auch offen kommunizieren, z. Bsp. Dass er nur Muslimen oder keine Muslimen einstellt, ohne als Rassist oder was auch immer beschimpft zu werden.

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