Wikipedia: „Wir“ sind die Meinungsmacher!

Gastbeitrag von Michael P. Seiter

Wie eine guten Idee missbraucht und zur Meinungs- mach Maschine wurde

Wikipedia entstand in Deutschland 2004. Es wurden tolle Ideen kombiniert: Eine Enzyklopädie von allen für alle. Freies Wissen, immer und überall verfügbar, top aktuell. Das Konzept ging auf und die Seite wurde zu einer der größten im Netz, zu einer Instanz und lehrte das Brockhaus das Fürchten.

Egal ob Schüler, Student, Bürger oder Journalist. Wer heute etwas wissen will schaut zuerst auf Wikipedia. Was bei Wikipedia steht wird hinlänglich als Fakt betrachtet gilt als zitierfähig und man glaubt ihr recht unbefangen. Der Satz „Das steht aber bei Wikipedia“ hat längst Einzug in den Alltag gefunden. Was die ersten Jahre gut funktionierte wird nun in immer größerem Stil missbraucht. Im laufe der Jahre merkte man wie sehr Wikipedia Meinung macht und verschiedenste Strömungen begannen dies für die eigenen Interessen zu nutzen. Dies sehen wir heute im großen Stil.

Der Begriff „Schwindelpedia“ macht die Runde

Im Netz verbreiten sich immer mehr Namen wie „Schwindelpedia“ oder „Wikilügia“. Keine Frage, wenn man etwas über ein einfaches Thema wie über den gemeinen Feldhasen, den Bodensee oder das London Symphonie Orchester wissen möchte ist man noch immer recht gut aufgehoben bei Wiki.

Anders sieht es hingegen bei brisanten Themen aus. Personen werden diffamiert und mit Kritik überhäuft andere werden „schön geschrieben“ und Kritik findet wenig bis nicht statt. Gleiches gilt für viele weltanschauliche, politische, wissenschaftliche, ideologische, religiöse und eine Vielzahl anderer Bereiche. Hier ist die Objektivität, Freiheit , Unabhängigkeit und die differenzierte Betrachtung nahezu gänzlich auf der Strecke geblieben. Meinungen werden gezielt unterdrückt, verfälscht, verändert und man schreibt sich die Welt wie sie gefällt.

So funktioniert die Meinungsmache

Das Prinzip ist relativ simpel. Alle lesen aber nur ein verschwindet geringer Teil der Nutzer auf Wiki arbeitet an der Entstehung mit. Und ein noch ein viel kleinerer Teil der Nutzer sind sogenannte Power-User, also alte Hasen, die nahezu ihre ganze Freizeit dort verbringen. Jeder kann dort theoretisch Änderungen vornehmen aber die aller wenigsten tun dies. Wenn ein Leser der dort nicht zu dem eingeschworenen Kreis der Power-

User gehört eine Änderung vornimmt wird diese sehr kritisch beäugt. Gefällt die Änderung eines einfachen Nutzers einem dieser Power-User nicht hat der „Neue“ quasi nicht den hauch einer Chance. Seine Änderung wird einfach entfernt. Der Unterschied zwischen ideologischen Themen und alltäglichem ist hier stark spürbar. In belanglosen Themen geht man noch nett, fair und nachsichtig miteinander um. Bei ideologisch behafteten Artikeln merkt man schnell das hier eine ganz andere Gangart herrscht.

Vorgeschobene Gründe finden sich für so einen Power-User im umfangreichen aber doch oft schwammig formulierten Regelwerk leicht. Im Zweifel verwendet man eine persönliche Wertung und erklärt die Änderung einfach für nicht wichtig genug, die Quelle für unzureichend oder schreibt nur allgemein das diese Änderung nicht den Regeln entsprechen würde ohne zu verraten welche Regel den verletzt worden sei. Man nutzt seine bessere Kenntnis der Plattform und die eigene „Reputation“ um den Neuen auszubügeln.

Gerne benimmt man sich auch mal wie ein Admin obwohl man keiner ist. Schließlich hat man selbst 5’000 Edits, ist wichtig und ein Neuer hat nichts zu melden. Die meisten Nutzer lassen sich so ganz einfach abwimmeln.

Machst du Probleme – hol ich meine Freunde

Wenn sich mal einer nicht gleich abwimmeln lässt gibt es noch zahlreiche Möglichkeiten für den Power-User weitere Schritte zu unternehmen. Eine starke Waffe ist das Netzwerk. Im Zweifel kontaktiert man einfach heimlich 2-5 andere, gleichgesinnte Power-User per Email und lässt diese die eigene Bewertung der Änderung bestärken und prügelt quasi gemeinsam auf den Neuen ein. Diese Verbindungen sind teilweise in den langen Jahren der täglichen stundenlangen Nutzung entstanden. Man kennt sich. Teilweise wurden diese Netze sogar vorab geschlossen um manchmal sogar bezahlt und gezielt Einfluss nehmen zu können und die öffentliche Meinung in die gewünschte Richtung zu lenken.

Gern holt man dann noch einen persönlich bekannten Admin dazu und lässt diesen dann den Finalen Schuss setzen. Schließlich sind alle anwesenden 5 Power-User vermeintlich unabhängig voneinander zu einer ähnlichen Einschätzung gekommen und der Neue ist schon mal ohnehin grundsätzlich etwas suspekt.

Hiermit ist der Fall dann spätestens erledigt. In der Praxis bedeutet das, dass man nur 3-5 Leute benötigt die dort viel Zeit verbringen, die Regeln und Struktur gut kennen und man bekommt nahezu alles in die Wikipedia hinein bzw. heraus. Wenn man evtl. sogar ein Netzwerk von 10-30 solcher Power-User mit der gleichen oder ähnlichen Ideologie hat, spätestens dann ist gibt es nahezu keinerlei halten mehr.

Der Feind liest mit

Es gibt zahlreiche Gruppierungen die sowohl alle Artikel beobachten denen gegenüber sie positiv eingestellt sind und alles daran setzen diese möglichst gut aussehen zu lassen. Kritik wird so minimal wie irgend möglich gehalten und man lässt nur zu was derart eindeutig ist das man es nicht wegdiskutieren kann ohne aufzufallen. Jede Änderung in diesen Artikeln wird sofort und genau geprüft und bei Nichtgefallen entweder ganz entfernen oder zumindest abgeschwächt wenn die Sachlage zu eindeutig ist um eine Löschung halbwegs schlüssig zu begründen. Ähnlich engagiert „kümmert“ man sich auch im Lager des vermeintlichen Widersachers um dessen Erscheinungsbild. Auch hier beobachten sie die immer gleichen Artikel mit Adleraugen und entfernen oder ändern neue Einträge dort umgehend entsprechen der eigenen Ideologie ab. Hier wird versucht positive Aspekte abzuändern, zu verhindern, zu löschen oder umzudeuten und möglichst viel negative Meinungen und Kritik zu platzieren bzw. berechtigte Kritik aufzublasen und deutlich schärfer zu formulieren als es angebracht wäre.

Manches ist gleich anderes ist gleicher

Auch wird in beiden Fällen immer gerne die Quellierrung debattiert. Klassisches Beispiel: Findet eine unerwünschte Änderung statt die nicht in das eigene Bild passt wird auch schon mal ein Artikel aus einer der grössten Zeitungen Deutschlands mit spitzfindigen, vorgeschobenen Gründen kurzerhand für zu schwach, nicht relevant oder ähnliches erklärt. Wenn hingegen eine Änderung stattfindet die man begrüsst ist man extrem großzügig, verzichtet ganz auf Quellen oder es genügt dann auch ein gänzlich unbekannter Blog.

Selbstverständlich geht dies nur in einem gewissen Rahmen, eine gewisse Grenze darf hierbei nicht überschreiten werden. Es gilt sich geschickt unter dem Radar zu halten. Übertreibt man es riskiert man die Aufmerksamkeit der anständigen Wikipedianer auf sich zu ziehen. Hier ist Erfahrung gefragt, verfügt man über diese ist es jedoch ein leichtes sich im unerkannt in den Grauzonen zu tummeln.

In monatelange Recherche gelang es unserem Informanten eine Vielzahl von Fällen zu durchleuchten und zu recherchieren. Die offene und transparente Struktur macht dies theoretisch möglich. Praktisch hingegen wird dies viel zu wenig genutzt da zu zeitaufwendig. Auch fehlt ein Bewertungssystem für User das gewisse Muster und Häufungen einfacher und auf einen Blick aufzeigen und Verdachtsmomente liefern würde.

Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen

Wenn sich ein neuer User über einen alt eingesessenen beschwert und diesem ideologische Motivation oder Regelverletzung vorwirft, wird dies meistens sehr schnell abgetan. Es gibt zwar die Möglichkeit sogenannte Vandalismus Meldungen zu machen diese dienen aber eigentlich nur dazu um Anfänger abzustrafen, User die aus Spaß ganze Artikel löschen oder anderswie sehr offensichtlich Ihr Unwesen treiben. Kontakt zu Admins herzustellen und Probleme ausführlich zu besprechen ist kaum möglich. Es muss schnell gehen und sehr offensichtlich sein. Für fundamentales und zeitaufwendiges fühlt sich niemand zuständig.

Wenn sich Power-User nicht besonders dumm anstellen, dann genießen sie weitestgehend Narrenfreiheit und sollte doch mal etwas sein kommt das Netzwerk zur Hilfe. Der neue bez. Gelegenheitsnutzer ohne Netzwerk hat dagegen kaum ein Chance.

Das Problem beginnt spätestens dann wenn hunderte oder gar tausend dieser vereinzelten Beschwerden gegen diesem Power-User kommen, ohne dass hier Zusammenhänge erkannt werden. Bei vereinzelte Beschwerden eines unbekannten Nutzers gegen einen alten Hasen könnte man die Leichtigkeit noch verstehen. Kommt es aber wieder und wieder vor, sollte dies den anderen alten Hasen irgendwann zu denken geben. Genau dies passiert nicht. Es wird nahezu jeder Fall für sich behandelt und keiner weiß ob es die erste oder die tausendste Beschwerde bezüglich dieses Sachverhaltes war.

Die Wikipedia Aufsicht geht fast ausschließlich gegen relativ neue unerfahrene Nutzer vor. Alt eingesessene die dann auch noch einige weitere alte Hasen gut kennen müssen sich schon sehr ungeschickt anstellen um ernsthaft Probleme zu bekommen. Das liegt nicht zuletzt daran das es aufgrund der Undurchsichtigkeit sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde die 10 000 Bearbeitungen eines Power-Users genau zu durchleuchten. Was man nicht in 5-10 Minuten sieht bleibt verborgen. Meist nimmt man sich kaum eine Minute. Genau hier fehlen gewisse Mechanismen, Bewertungssysteme, Nutzer Logbücher in die viel mehr eingetragen wird. Mechanismen die einem auf den ersten Blick aufzeigen ob ein Power-User eben erst 5 mal eine Beschwerde hatte oder ob man sich ständig aufs neue über ihn beschwert bzw. was ihm in diesen Beschwerden vorgeworfen wurde.

So, und ähnlich funktioniert die Meinungs- Maschine Wikipedia heute und es ist nicht nur traurig das eine solch tolle Idee durch relativ kleine Fehler eine derartige Bruchlandung hinlegen konnte. Die eigentliche Tragik liegt in dem Einfluss der daraus auf unsere Gesellschaft erwächst. Welchen durchaus als äusserst bedenklich, wenn nicht gefährlich einstufen ist. Was aus Propaganda, Meinungsmache und fehlende Opposition alles entstehen kann hat die Geschichte ja bereits mehrfach gelehrt. Auf eine Anfrage zu diesem Problem reagierte Wikipedia mit einer relativ gelangweilten nichtssagenden Standardantwort. Wir dürfen gespannt sein ob Wikipedia wie bislang Augen und Ohren vor diesem Problem verschlossen hält oder noch kurz vor Schluss die Kurve bekommt. Unser Informant der sich nun 6 Monate ausführlich in die Wikipedia-Welt eingearbeitet hat sieht dies leider eher als unwahrscheinlich an. Zu festgefahren seien die Strukturen und eine nicht zu verachtende Ignoranz unter den Admins und der Kerngruppe sei nicht zu verkennen.

Gerade auch weil die hellsten Köpfe eben weder Zeit noch Lust haben jeden Tag viele Stunden dort Änderungen vorzunehmen und dies eher die zweite um nicht zu sagen dritte Garde ist die dort den Ton angibt. Drum gilt unter Kennern auch der Spruch – traue keinem Nutzer mit mehr als 5 edits pro Woche. Es lässt sich weiter nicht verleugnen das aus diesem und ähnlichen Gründen viele einstige Gründungsmitglieder der Wikipedia bereits den Rücken gekehrt haben.

Seien Sie kritisch, glauben Sie Wikipedia nicht blind, suchen Sie Alternativen.

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6 Gedanken zu “Wikipedia: „Wir“ sind die Meinungsmacher!

  1. Ich glaube, Wikipedia wurde nur zum Zwecke ebendieser „Gehirnwäsche für die WELTWEIT öffentliche Meinung“ gegründet – und ich glaube zwar, daß die Anfänge SCHEINBAR(sic.) in Deutschland liegen (damit man , wenn es schiefgehen sollte, wieder mal den Deutschen die Schuld in die Schuhe schieben kann, wie schon so oft!), die geistigen Urheber dieses Machwerkes dürften aber eher unter den „angloamerikanischen Eliten“ zu finden sein – der gesamte (Un-)Geist, der durch Wikipedia weht, läßt sich mit etwas statistischer Mathematik und Profiling nahezu hundertprozentig diesem Personenkreis und seinen Ideologieprämissen zuordnen.
    Darüberhinaus hatte ich lange bevor Wikipedia ans Netz ging, in Norddeutschland ein interessantes Zufalls- gespräch mit einem ihrer „Gründer“, der mich für Wikipedia zu werben versuchte. Als er mir die Regeln erklärt hatte und ich meine sofortigen systemisch-strukturellen Einwände formulierte (das Konstrukt der Wikipedia -Regeln ist derart hanebüchen, daß man die dahinter aufscheinende Manipulationsabsicht strukturell nicht lange suchen muß – ich bin Mathematikerin und sehr erfahren in der Analyse von Strukturen und Funktionalitäten, wenn auch mittlerweile hochbetagt (fast 96)), merkte ich, wie bei ihm die Jalousien runtergingen – selbst der Name, den er mir für sich nannte, entpuppte sich bei näherer Recherche als Fake! Er rechnete wohl mit der Oberflächlichkeit eines Normal-Bundesbürgers und nicth mit Nachprüfung seiner Angaben (wer von den wohlstandseingelullten Altbundesbürgern prüft schon ein zufälliges Straßengespräch im Nachhinein auf Verifizierbarkeit nach?!) – ich aber bin Weltbürgerin und in vielen Ländern, Kulturen und Regonen „zu Hause“.
    („Lege den Finger auf JEDEN Posten – du mußt ihn bezahlen!“ (Brecht) 😉 )
    Auch ich finde: Die Grundidee ist nicht schlecht, aber von ANFANG an (sic. nix da von „Unterwanderung“ , das war von vornherein SO geplant! – und dmait eine ganz andere Größenordnung!! Niemand sollte dies verkennen!) völlig unseriös aufgestellt. Dies nährt die Vermutung: Könnte es sein, daß diese wikipedia eine Freimaurer -, Geheimdienst-, oder sonstige Gründung einer Geheimstruktur ist? Ich beobachte nicht nur im Vorgehen der Wikipedia, sondern parallel dazu auch bei der Analyse der öffentlich wirksamen Strukturen und Ereignisse der letzten Jahrhunderte (zurückreichend bis in die Römerzeit!) ein stets wiederkehrendes Muster der Manipulation der öffenlichen Ereignisse:
    „Wenn Du als Ganovenorganisation merkst, daß die Menschheit sich anschickt, zur Vernunft und zu konstruktiven Lösungen zu finden, die deinen verbrecherischen Absichten zuwiderlaufen, dann setze Dich an die Spitze dieser Entwicklung/Bewegung, begehe in ihrem Namen(sic.) ein paar ungeheuerliche Verbrechen und die Naivität und das eindimensionale Denken der großen Masse der Weltbevölkerung wird dafür sorgen, daß diese an sich gute, dem eigenen Verbrechen aber gefährliche Entwicklung und Bewegung ein für allemal in Verruf geraten und geächtet ist.“ Das Rattenfängerprinzip. (Es erhält seine Wirksamkeit vor allem erst durch die Naivität und Gutgläubigkeit seiner Opfer! Aufklärung 2.0 tut not! Hella

  2. traurig aber wahr hab ich auch schon erfahren, wikipedia ist längst unterwandert und infiltriert und wird mittlerweile genauso wie msmedien missbraucht

  3. Pingback: Stoff für’s Hirn | abseits vom mainstream - heplev

  4. Wikipedia ist unbrauchbar geworden. Nicht erst heute; schon seit längerer Zeit werden gewisse Bereiche – wie hier geschildert – manipuliert, was das Zeug hält. Man sollte, wie Ropohl schreibt, ein Kritipedia einrichten. Doch auch das wäre zum Scheitern verurteilt, denn dort werden die gleichen oder ähnliche Typen nach der Macht greifen wie bei Wikipedia.

  5. Pingback: Wikipedia als Quelle | abseits vom mainstream - heplev

  6. Die Analyse trifft den Nagel auf den Kopf. Aus solchen Gründen habe ich meine aktive Mitwirkung an der Wikipedia vorläufig eingestellt. Auf meine begründete Beschwerde hat der Vorstand der Wikipedia nicht reagiert.
    Wie wäre es, einen Blog „Kritipedia“ einzurichten, wo alle einseitigen Manipulationen ausserhalb des „Wiki-Labyrinths“ öffentlich gemacht werden? Dann könnten die Wiki-Gewaltigen wohl nicht länger den Kopf in den Sand stecken. Denn eigentlich ist die Einrichtung ja zu gut, als dass man sie derart verkommen lassen dürfte.

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