11/18 Die psychologischen Tricks der Energie- und Gesellschaftswender

bild3 Christof MerkliChristof Merkli

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Warum „1‘500 Meter Abstand“ und „Bau auf Ackerland“?

Der Abstand von ca. 1‘500 Metern entspricht den Forderungen der Kritiker weitgehend. Die Organisation Paysage Libre – Freie Landschaft fordert die 10-fache Gesamthöhe, was in vielen Fällen diesem Abstand entspricht. Die Realität sieht aber komplett anders aus: Die an dieser Studie als Begleitgruppe beteiligte Suisse Eole propagiert einen Mindestabstand von unerklärlich geringen 300 Metern! Dieser unmenschliche Abstand wurde denn auch in der Gemeinde Saint Brais vom Projektleiter dieser Studie, Robert Horbaty, mit seiner Firma ADEV realisiert. Die 1‘500 Meter Abstand zum Wohnsitz der Befragten sind eine Beschönigung der aktuellen Verhältnisse. Das relativiert die Zustimmung der meisten Teilnehmer an der Umfrage, weil an anderer Stelle die Distanz zur Wohnlage als wichtiger Grund für die Ablehnung dargestellt wird (Studie Seite 26):

Insbesondere die Auswirkung auf die Population des Rotmilans und die Entfernung zu Wohnsiedlungen beeinflussten die Wahl der Befragten“… „Insbesondere Opponenten waren bereit, für einen Windkraftausbau …finanzielle Mittel bereitzustellen: z.B. 9.25 EUR je Monat, um die Windkraftanlagen anstelle von 750 Metern 1‘100 Metern entfernt von Wohnbebauungen zu errichten …“

Auch das Kriterium „Bau auf Ackerland“ hat das Potenzial einer Verfälschung der Umfrageergebnisse. Die aktuellen Umfragen zum Erhalt von Wald und Natur zeigen eine klare Ablehnung von 80% der Bevölkerung gegen den Bau von Anlagen im Wald. Im schweizerischen Mittelland, wo die Suisse Eole verschiedenste Standorte im Wald propagiert und fördert, wäre die Zustimmung mit Sicherheit geringer ausgefallen, wenn dieses Kriterium getrennt abgefragt worden wäre.

Auch hier muss sich Götz Walter eine unprofessionellen Unterlassung vorwerfen lassen. Auch hier liegt die Vermutung nahe, dass die einseitig zusammengesetzte Begleitgruppe ihren Einfluss geltend gemacht hat.

Wissensstand zu Winkraftnutzung (Vor- und Nachteile) bleibt unberücksichtig

Die demokratische Meinungsbildung und das raumplanerische Nutzplanverfahren sehen eine intensive Information der betroffenen Bevölkerung vor. Wegen der seit Jahren laufenden Desinformationskampagne der Suisse Eole muss in der Beurteilung der Befragten unterschieden werden nach „Umfassend durch Befürworter und Gegner informiert“, „durch öffentliche Medien und Werbung informiert“ und „wenig informiert“. Dies hätte man mit wenigen Stichprobeartigen Fragen relativ einfach unterscheiden können.

Die vorliegende Studie sagt aus, dass eine bessere Bildung der Befragten eine tendenziell kritischere Beurteilung der Windkraftnutzung zur Folge hat. Effektiv ist der Grad des Wissens zum Thema Windkraftnutzung entscheidend für eine wie auch immer gelagerte Aussage der Befragten. Eine umfassend informierte Bevölkerung ist erst in der Lage relevante Gründe für oder gegen die Windkraft formulieren zu können. Dies wird in dieser Studie nicht im Ansatz berücksichtigt. Der Studie mangelt es hier an politischem Gespür. Sie bildet den vorgesehenen politischen Weg und die notwendige Meinungsbildung im Prozess nicht ab.

Widersprüche in der Grundlagenliteratur nicht berücksichtigt

Der Autor findet in der Grundlagenliteratur den Schluss „Die Höhe der Windkraftanlagen hatte hingegen keine Auswirkungen...“ und einige Sätze weiter erwähnt er das Ergebnis einer griechischen Studie, die feststellt, dass „Eine Verringerung der Höhe der Windkraftanlagen würden sich die Befragten 243EUR – 509 EUR pro Jahr kosten lassen“. Hier müsste sich jeder seriöse Sozialwissenschaftler fragen, weshalb eine eher arme Bevölkerung bereit ist, für eine simple Reduktion der Höhe einer Windkraftanlage, einen jährlichen Betrag zu bezahlen, der dem mittleren Monatseinkommen eines griechischen Sozialbezügers entspricht. Warum geht man diesem Phänomen nicht tiefer auf den Grund? Die hier beschriebene Nötigung, die nur in zentralistisch regierten und oft unter starker Korruption leidender Staaten überhaupt möglich ist, stellt nur eine von mehreren massiven Differenzen zur Datenlage für die Schweiz dar.

Weil nach aktuellem Stand der demokratischen Rechte solche staatlichen Nötigungen in der Schweiz noch nicht möglich sind, arbeitet eine Koalition von rotgrünen staatlichen Funktionären und ebenso rotgrünen Politikern mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln daran, diese Möglichkeit auch in der Schweiz einführen zu können. Der schleichende Abbau der Volksrechte durch diese Koalition wird mit den genau gleichen fadenscheinigen Argumenten geführt, wie wir sie in der Diskussion um die Windkraftnutzung erleben. Die einlullenden Argumente solch demokratiefeindlicher Machenschaften verstecken sich hinter politischen Bestrebungen wie das „Beschleunigte Bewilligungsverfahren für den Bau von Infrastrukturanlagen“. Damit möchte man den letzten Funken Vernunft in der aktuellen Energiediskussion – die kritische Bevölkerung – auch noch ausgehebelt.

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