#Carlos und Maximilian – eine gestörte Gesellschaft!

Was haben Maximilian Janisch (9) und #Carlos gemeinsam? Eigentlich gar nichts und doch, stellt man die zwei Fälle gegenüber, sieht man an welchen ernsthaft psychischen Problemen die ganze Gesellschaft leidet.

Am 11. Juli schrieb ich einen Beitrag*** über Maximilian Janisch, mit der Überschrift „Hochbegabte unerwünscht“. Maximilian, ein neunjähriger hochbegabter Knirps, wollte nur an der ETH studieren. Diese lehnte jedoch sein Anliegen ab – aus juristischen Gründen und weil es gegen die Regeln verstossen würde.

Kein Politiker forderte die ETH auf, die Entscheidung zu überdenken und eine Ausnahme zu erlauben. Niemand empörte sich, dass das unfair gegenüber Maximilian sei. Kein Psychologe kümmerte sich darum, wie Maximilian die Entscheidung verkraften würde. Keiner beklagte die Ungerechtigkeit. Kollektives Schweigen.

Kinder wie Maximilian sind für die Betreuungsindustrie-Lobby nicht interessant. Mit Maximilian verdienen weder Sozialarbeiter, noch Psychologen, unterbelichtete Staatsanwälte, zwielichtige Sport- und sonstige unterbeschäftigte Lehrer Geld. Auch für Politiker ist Maximilian höchst uninteressant, da sie sich über den #Fall Maximilian nicht künstlich empören können. Bei #Carlos sieht es ganz anderes aus.

Ich möchte diese zwei Beispiele nicht gegeneinander ausspielen, nur einander gegenüber stellen. Wie sieht die Zukunft einer Gesellschaft aus, die Problemfälle (liebend gerne) betreut, aber Leistungsträgern bewusst Knüppel zwischen die Beine wirft? Das ist weder gerecht noch richtig. Und schon gar nicht sozial…

Monatliche Ausgaben für #Carlos

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***Hochbegabte unerwünscht vom 11. Juli 2013

Gegenwärtig führt die Schweiz eine äusserst merkwürdige Diskussion über Maximilian Janisch 9 (neun) Jahre alt. Der Knirps hat kürzlich die Maturaprüfung in Mathematik mit Bestnoten abgeschlossen und würde gerne an der ETH Mathematik studieren. Wunderbar, könnte man denken.

Sogar der „Club“ widmete ihm letzte Woche eine Sendung mit der Überschrift: „Gefördert oder überfordert“. „Werden junge Hochbegabte zu wenigGefördert_o_überfordert unterstützt?“ fragte SF im Teaser.

Gäste neben Maximilians Vater, eine ETH Professorin für Verhaltenswissenschaften, der Rektor des Gymnasiums, ein 20 jähriger Hochbegabter und sage und schreibe zwei Psychologen.

„Wahnsinnig“, fand schon am Anfang die Moderatorin Maximilians Aussage, dass Mathematik abwechselnd und nicht wie Fussball langweilig sei und fuhr in dem Stil engagiert fort. So fragte sie, wie mit einem „Kind, das blöd tut“ umzugehen sei – heisst mit Kindern, die im Unterricht unterfordert sind. Schwierig, schwierig, Schwierigkeiten, schwierig und Schwierigkeiten wiederholte sie pausenlos. Direkt fragte sie den hochbegabten Studiogast: „Was ist bei Ihnen gewesen? Einfach schwierig?“

Diagnose: Hochbegabung

Schnell merkte man: Hochbegabung ist für den Club eine Diagnose. Und selbstverständlich stellte sie suggestive Fragen, wie die Lehrer und die Gesellschaft mit solchen Fällen umgehen. Woher sie ihr Wissen bezieht wird klar, als sie das Qualitätsmedium „20 Minuten“ zitierte.

Natürlich sprangen die zwei professionellen Psychoschwätzer auf diesen Zug auf und konstatierten, dass die Schule vor allem soziale Aufgaben hätte. Auch die Demokratie, die ist immer gut, dürfe nicht zu kurz kommen. So erklärte die Erziehungspsychologin: „Menschen haben den Eindruck, bei Sport sei es etwas demokratischer. Wenn man sich genug anstrengt, dann macht man Fortschritte und wird richtig gut.“ Auch auf die benachteiligten Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten wurde hingewiesen und ermahnt, dass sie nicht zu kurz kommen dürften und sie die „Förderung“ bräuchten. Den Leuten sind die [Hochbegabten] so unheimlich, erfuhr der Zuschauer.

Die Moderatorin diagnostizierte, Maximilians Problem sei „So viel Intellekt in so einem kleinen Körper“. Wohl gemerkt, sie ist der Meinung, Maximilian habe ein Problem.

Und der Einheitsbrei wurde weiter serviert. Maximilian solle soziale Netzwerke bilden, soziale Erfahrungen machen. In allen Fächern mitziehen, damit er sich später für etwas anderes entscheiden kann, vielleicht studiert er Physik. Er solle die Matura in allen Fächern abschliessen. Er müsse sich der Gesellschaft anpassen und sich auch in anderen Bereichen entwickeln. Auch andere Menschen müssten zurückstecken, das Gleichheitsprinzip. Besorgt zeigten sich die Gäste auch, wie er wohl mit 14, 15, 16 jährig sein wird.

Auch für die Entscheidung der ETH, Maximilian für das Studium nicht zuzulassen, hatte man Verständnis. Die ETH begründete ihre Entscheidung mit juristischen Gründen und dass so eine Zulassung gegen die Regel verstossen würde… Das war der Inhalt der ganzen Sendung: Probleme, Schwierigkeiten und Gefühle.

Dass Maximilian für die Gesellschaft ein Glücksfall, ein „Sechser im Lotto“ sein könnte, darüber verlor die Runde kein Wort.

Bildung ist der wichtigste Rohstoff, über den die Schweiz verfügt. Sie ist die notwendige Voraussetzung für den Erfolg unserer Wirtschaft und den Wohlstand dieses Landes, hört man immer wieder.

Wie sieht die Zukunft einer Gesellschaft aus, die so mit Ihren Rohstoffen/„Rohdiamanten“ umgeht? Was ist von einer Gesellschaft zu erwarten, die auf das utopische Gleichheitsprinzip setzt und die die junge Generation dressiert, anstatt sie Denken zu lernen? Was ist von einer Gesellschaft zu erwarten, die Mark Zuckerberg verehrt und zum mehrfachen Milliardär macht, der aber Timothy Berners-Lee („web“-Erfinder) mehrheitlich unbekannt ist?

Maximilian braucht und verlangt keine Förderung, es würde reichen, wenn ihn die politisch korrekt und präzis genormte Gesellschaft nicht bremsen würde.

Da fallen mir nur Oskar Panizza mit „Der Wahnsinn, wenn er epidemisch wird, heisst Vernunft“ und Manfred Lutz „Irre! – Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen.“ ein.

Apropos, Schweizerfernsehen hat, zu mindestens theoretisch, einen Informationsauftrag… No comment!

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Ein Gedanke zu “#Carlos und Maximilian – eine gestörte Gesellschaft!

  1. Es bleibt einem der Verstand stehen! Und solchen Leuten die nur PC-Phrasen sprechen können, sind junge Leute ausgeliefert. Und solche Leute nennen sich Psychologen, weil sie zwar ein Papier haben, aber vom Fach keine Ahnung. Was ist Verhaltenswissenschaft, wozu ist sie gut?
    Und wozu ist ein solcher Rektor gut? Diese „Verantwortlichen“ begegnen etwas Ungewohnten und können damit nichts anfangen. Das deutlichste Zeichen dafür, daß sie ihr Fach zwar gelernt, aber nicht verstanden haben. Gelernt und verstanden – das ist weder das gleiche noch das selbe.
    lg
    caruso

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