4/18 Die psychologischen Tricks der Energie- und Gesellschaftswender

bild3 Christof MerkliChristof Merkli

Zwischenblick in die Arbeiten der sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern

Die Lizentiatsarbeit von Jonas Schmid und Florian Schuppli unter dem Namen „Akzeptanz durch Kooperation?“10 wurde ohne den dominierenden Einfluss durch die Windradlobby und dem befangenen Bundesamt für Energie ausgeführt. Die Erkenntnisse sind erfrischend, bringen die Diskussion oft auf den Punkt und zeigen exakt, warum das System der überheblichen Fokussierung auf „Fachverbände“ und ideologisch motivierte Experten nicht funktionieren kann. Auch wird der NIMBY – Effekt in dieser Studie nicht nur als definitiv „der Komplexität des Phänomens nicht gerecht“ sondern und im Gegensatz zur Studie von Götz Walter bewusst in die Ergebnisse der Studie eingebaut. Es wird indirekt zur gleichberechtigten Einbindung der Gegner und Skeptiker von Windkraft aufgerufen. Ein Ansatz, der von der schweizerischen Windradlobby bisher in arrogantester Weise komplett missachtet wurde und bis heute das zentrale Problem der Diskussion um die sozialverträgliche Windkraft darstellt.

Auffällig ist auch die Transparenz der einbezogenen betroffenen Orte. Die Universitäten Zürich und St. Gallen müssen diese Daten verschleiern, damit die Ergebnisse nicht nachgeprüft werden können – ein absolut unwissenschaftlicher Ansatz, wie man ihn nicht weiter ausführen muss. Nicht so bei Schmid/Schuppli: Verwunderlicherweise haben die beiden Autoren neben den Akteuren der Windradlobby zusätzlich auch mindestens einen Akteur der Windkraftgegnerschaft in ihre Befragungen miteinbezogen. Sie haben damit ihre eigenen wissenschaftlichen Grundsätze befolgt. Während sich bei Götz Walter/Nina Hampl die Beteiligung der „Skeptiker“ auf das namentliche Erscheinen im Studientext hat beschränken müssen, wurde in der Studie von Schmid/Schuppli die selbstverständliche Mitarbeit dieser Partei vorausgesetzt.

Aber auch die Studie von Schmid/Schuppli wird der Problematik der fehlenden Information der betroffenen Bevölkerung nicht ganz gerecht, wenn sie sagt, in der Ortschaft Saint Brais „gelang es den Promotoren, eine umfassende Kooperation aufzubauen und die lokale Bevölkerung relativ stark einzubeziehen“. Hier haben die Autoren den starken lokalen Widerstand einfach ausgeblendet. Wahrscheinlich, weil die „Promotoren“ in der Anwendung ihrer bekannt raffinierten Marketingstrategie genau das den Autoren geschickt suggeriert haben. Denn in Saint Brais ist in der Kooperation mit dem Widerstand so ziemlich alles schief gelaufen. Es ist in der Studie leider auch festzustellen, dass die lokalen Widerstandsgruppen wohl nicht wirklich beteiligt wurden. Das zeigt auch der problematische Schluss, „das vereinfachte Baubewilligungsverfahren [habe sich] positiv auf die Kooperation ausgewirkt [habe] “.

Was diese Studie auch etwas vernachlässigt, ist die agressive Desinformationskampagne der Promotoren von Windkraft in der Schweiz. Schon seit Jahren wird durch die Suisse Eole und ihrer Marketingfirma „IDEJA“ einseitig auf Medien und Bevölkerung eingewirkt. Dermassen über den Tisch gezogene Anwohner werden bei der Erkenntnis dieser Tatsache kaum noch in der Lage sein, in friedlicher Kooperation eine allseits zufriedenstellende Lösung finden zu wollen. Mangels guter Argumente für Windkraftnutzung ist das auch gar nicht im Interesse der Windradlobby.

Ein wesentlicher Unterschied zu Walter/Hampl ist klar zu erkennen. Die subtilen Seitenhiebe und Vorverurteilungen der Windkraftgegner fehlen weitgehend. Die ideologische Prägung der Autoren ist wenig spürbar. Weder in der Diskussion noch in der Wahl der Grundlagen.

Wenn sich die ETH politisch betätigt: Anton Gunzingers halbfertige Lösung zur Energiestrategie 2050.

Anton Gunzinger mag ein Computercrack sein. Er kommt in seinen Berechnungen zum Ergebnis, dass Kernkraftwerke zu teuer sind. Der mutige Einsatz von Windturbinen und Solarpanels sollen in Zusammenhang mit Speicherkraftwerken und Batterien für die günstige und problemlose Energiewende genügen.

Die Ergebnisse seiner „Computersimulation“11 zur Energiewende sind rein rechnerisch betrachtet wohl richtig. Ein Blick in die Folien zeigt aber auch deutlich, dass Gunzinger sehr positivistische Zahlen verwendet. Seine Rechnung begründen sich auf Annahmen, die niemand nachvollziehen kann. So kostet eine KWh Atomstrom plötzlich das Fünffache, weil ein nicht zu verhindernder SUPERGAU 5‘000 Mia. CHF kostet. Windräder drehen 40 Jahre ohne Unterbruch und Solarpanels arbeiten auch wie verrückt. Gunzinger redet von Batterien, ohne auf die verwendete Technologie einzugehen, die wohl gratis zu haben ist. Gaskraftwerke produzieren plötzlich so billig wie Kernkraftwerke und mehr Strom verbrauchen wir in dieser Vision auch nicht. Wie gedenkt Gunzinger die 70% Energieverbrauch zu ersetzen, die momentan noch aus fossilen Quellen stammen?

Solche Simulationen kennen wir vom IPCC (Intergov. Panel of Climate Change). Nach deren „Computersimulation“ müsste es schon lange warmer Frühling sein. Wir warten seit 15 Jahren auf die angedrohte Erwärmung des Klimas. Eingetroffen ist eine Abkühlung. Ein Blick in die Realität des Auslands würde Gunzinger widerlegen. Sein Vortrag hatte den Namen: „Vision trifft Realtität“. Welche Realität, Herr Gunzinger? Es muss sich wohl um die „Realität“ eines leicht verwirrten Kernkraftgegners handeln. Solche phantasievollen Zahlen sehen wir sonst nur von Greenpeace, WWF und Friends of the Earth.

Wenn sich Wisssenschaftler von Ideologieen und Träumereien leiten lassen, bekommen wir solch verrückte Ergebnisse. Der Applaus in der linken Presse ist Gunzinger mit solchen Aussagen gewiss. Ob es der Objektivität einer noch nicht geführten Diskussion um die Energiewende hilft? Wohl kaum. Auch Anton Gunzinger begeht den Fehler, seine ausserordentlichen Fähigkeiten im Bereich Informatik auf ein fachfremdes Forschungsgebiet anzuwenden und dabei den für die Allgemeinheit zum Glück wirkungslosen SUPERGAU der eigenen Reputation zu bewirken.

SUPER GAU=“SUPER grösster anzunehmender Unfall“. Warum muss ein Wissenschaftler der ETH Zürich auf solch lächerliche und populistische Erhöhungen zurückgreifen?

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2 Gedanken zu “4/18 Die psychologischen Tricks der Energie- und Gesellschaftswender

  1. Die Blase der sog. „Energiewende“ ist nur deshalb möglich, weil die Monopolmedien Tamedia, Ringier und SRF das Volk ausschliesslich mit einseitigen Glaubensbekenntnissen für diese rein politische umwälzung und Machtverschiebung trommelfeuerartig beackern und praktisch keine anderen Meinungen zulassen.
    Wo sind die Ökonomen, die die Verletzung eines ökonomischen Grundgesetzes anprangern: Subventionierung von Produkten und deren breite Verteilung auf dem Markt bevor sie konkurrenzfähig entwickelt sind? Damit sind z. B. Solaranlagen veraltet, bevor sie montiert sind und werden noch jahrzehntelang vom Steuerzahler bezahlt, was verhindert, dass diese Technologie ihre Marktfähigkeit beweisen muss. Ebenso verschleiert werden die Folgekosten, wie Netzausbau und Speicherung von Strom. Diese Wahrheiten kommen erst auf den Tisch, wenn Sachzwänge eine Umkehr sinnlos machen. Wir müssen uns jetzt gegen diese Fehlentwicklungen wehren.
    Stephan Amacker, Neftenbach

    • Eigentlich können Sachzwänge eine Umkehr nicht sinnlos machen. Davon träumen vielleicht die Utopisten des grünen Ökosozialismus. Was die scheinbar vergessen, ist so etwas wie einen Meta-Sachzwang. Den sieht man heute scheinbar noch nicht. Die anderen Sachzwänge werden ihn aber in Kürze sichtbar machen. Abwanderung der Industrie. Ansteigen der Arbeitslosigkeit. Reduzierter Wohlstand und am Ende Abwanderung der Menschen. Dieser Meta-Sachzwang ist die volkswirtschaftliche Katastrophe.

      Wenn es soweit war, dass die Sozialisten der Vergangenheit nicht mehr drum herum kamen, diesen Meta-Sachzwang zur Kenntnis zu nehmen, ist ihnen nur noch der Mauerbau eingefallen. Dazu wird es wohl nicht kommen. Schon gar nicht in der Schweiz. Man kann natürlich durchaus sagen, dass dann eine Umkehr nicht mehr möglich ist. Dann ist es halt ein Neuanfang. Damit hat man im Geburtsland des grünen Ökosozialismus einige Erfahrung. Nach dem Neuanfang 1946 war nach 30 Jahren wieder alles in Butter.

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