2/18 Die psychologischen Tricks der Energie- und Gesellschaftswender

bild3 Christof MerkliChristof Merkli

(Teil: 1/18)

Die Beurteilung der sozialpsychologischen Studien

Während das Ergebnis der Studie von Götz Walter vorliegt, war zur Betrachtungszeit die Studie von Nina Hampl noch nicht vollständig einzusehen. Lediglich die Folien eines Vortrages am „Swiss Eco Leaders Day“ standen zur Verfügung. Im Gegensatz zu Götz Walter, der sich zumindest halbherzig mit meinen Vorwürfen und Aussagen auseinandergesetzt hat, hielten es die St. Galler Wissenschaftler nicht für nötig, auf meine Anfragen zu reagieren. Das St. Galler Institut für „Wirtschaft und Ökologie“ hat schon an anderer Stelle bewiesen, dass sie mit Personen, die nicht ihre Ansichten vertreten, äusserst unwissenschaftlich verfahren (Namen und Vorgänge dem Autor bekannt). Die originale, elektronische Korrespondenz mit Götz Walter ist am Ende meiner Betrachtung angefügt. Götz Walter hatte mehrfach die Möglichkeit der Einsicht in die Vorfassung meiner Aussagen, wo mir Fehler unterlaufen sind, habe ich diese sinngemäss im folgenden Text angepasst und korrigiert. Alle angeregten Korrekturen sind in untenstehendem Text eingeflossen.

Beurteilung der Studie

„Sozialpsychologische Akzeptanz von Windkraftwerken an potentiellen Standorten“

berücksichtigend weitere aktuelle Studien der Universitäten Bern, St. Gallen und der ETH Zürich

Allgemeiner Eindruck

Die Studie bemüht sich um eine scheinbar seriöse Abklärung der Willensbildung- und Willensäusserung der betroffenen Bevölkerung anstehender Windparkprojekte. Die Ergebnisse sind geprägt durch die persönliche Einstellung des Autors, der unter dem Einfluss der aus Vertretern der Windradlobby zusammengesetzten „Begleitgruppe“ steht.

Die Studie geht von falschen Annahmen aus. Es unterlaufen dem Autor verschiedene Beurteilungsfehler in der Vorbereitung der Grundlagen und in der Anwendung der gebotenen Objektivität für die daraus gefolgerten Schlüsse. Verschiedene unvorsichtige Äusserungen des Autors, die nicht auf fundierte Grundlagen aufbauen, zeigen, dass diese Studie auf der Basis einer unkritischen Befürwortung der Windenergie erstellt wurde. Die gebotene Objektivität für eine gültige Aussage leidet darunter.

Die Studie suggeriert in völliger Verkennung der realen Situation, dass die „Skeptiker“ lediglich nörgelnde und hyperaktive Störfaktoren auf dem Weg in eine strahlende grüne Zukunft des Landes darstellen. Diese „Skeptiker“ werden von Beginn weg mit einer Selbstverständlichkeit ausgegrenzt, die jedem wissenschaftlichem Anspruch auf Objektivität entgegenläuft.

Wie wir in dieser Beurteilung zeigen werden, muss dieser Studie eine wissenschaftliche Relevanz abgesprochen werden, weil sie die realen Umstände um die Diskussion der Windenergie lediglich aus der Sicht der Befürworter abbildet. Wir müssen annehmen, dass die benutzten Fragen aus dem Fundus der Universität Halle-Wittenberg stammen. Diese Fragen mögen für deutsche Verhältnisse einigermassen objektiv sein, für Schweizer Verhältnisse sind sie es auf keinen Fall (Annahme „Abstand zu Wohnraum“ und Fokussierung auf „Bau auf Ackerland“, unberücksichtigte Effizienz- und Preisunterschiede, unberücksichtigte Unterschiede des vorhandenen Raums usw.).

Das schwerwiegendste Versäumnis ist die Wahl der Begleitgruppe, die sich vornehmlich aus der Spitze der Schweizer Windradlobby zusammensetzt. Erste Aussagen des Autors zeigen, dass er sich den Folgen dieser einseitigen Beeinflussung noch heute nicht wirklich bewusst ist. Diese Studie erweckt den Eindruck, dass sie lediglich als „wissenschaftliches Argument gegen die ungeliebten Skeptiker“ verwendet werden soll. Selbst der Autor, der sich weigert, eine „Declaration of Interests“ zu veröffentlichen muss als befangen gelten. Er ist Angestellter der Firma „The Advisory House“, die ihre Kunden europaweit auch aus den Reihen der Windkraftpromotoren rekrutiert. Vereinfacht gesagt, verdient der Autor sein Einkommen mit der Bedienung der Windradlobby mit „wissenschaftlichen Argumenten“ gegen die Gegner von Windkraftwerken.

Wenn wir uns Jahrzehnte später an die heutige Zeit der Nervosität, des Alarmismus und der grossangelegten Angstmacherei durch die verschiedenen Organisationen erinnern, werden wir nicht mehr verstehen, warum eine ganze Volksgemeinschaft ohne reale äussere Not dermassen irrationale Schritte in eine schlechtere, unzuverlässigere und teurere Energieversorgung gemacht hat. Hüten wir vor den falschen Propheten und nehmen wir die ganze Hysterie etwas gelassen. Wir haben genug Zeit für gute Lösungen. Die grundlose Zerstörung der wenigen Naturgebiete und Landschaften werden spätere Generationen nicht nachvollziehen können. Die Menschheit hat viel erreicht. Unter dem Druck der Angst wird sie keine guten Lösungen finden. Wenn wir nicht in Panik verfallen, wird es auch in Zukunft genug Energie für alle Menschen geben. Die Angst ist nicht unser Freund. Wer Angst schürt, ist der Feind der Zukunft.

Götz Walter (Autor) äussert sich zu den Vorwürfen

Ich habe versucht, diese Vorwürfe zusammen mit dem Autor in eine zielführende Diskussion zu leiten. Götz Walter hat dazu eine Vorabversion dieses Berichts erhalten. Ich war bereit, diesen Bericht in naher Zusammenarbeit mit dem Autor in eine objektive, aussagekräftige Studie zu entwickeln.

Es ist dem Autor hoch anzurechnen, dass er nicht bereits nach der zweiten elektronischen Anfrage mit konkreten Vorwürfen das Handtuch geworfen und mich – wie in der Windkraftbranche und dem Bundesamt für Energie sonst üblich – mit Nichtbeachtung und Ignoranz bestraft hat. Der Briefwechsel ist im Anhang ersichtlich.

Götz Walter hat mich auf einige kleine Fehler im Bereich der Zitate hingewiesen, die ich gerne korrigiert habe. Die Vermischung der Aussagen und Schlüsse des Autors mit den Aussagen der darunterliegenden Fachliteratur hat er zu Recht kritisiert. In der vorliegenden Beurteilung sind diese Korrekturen alle eingeflossen. Dafür danke ich dem Autor.

Auf die Vorwürfe der Intransparenz, der Befangenheit der Experten und die mangelhaften Studienvoraussetzungen konnte oder wollte der Autor keine Erklärungen abgeben. Wir müssen deshalb annehmen, dass Götz Walter damit einverstanden ist und diese Vorwürfe weitgehend akzeptiert. Wir hätten konkrete Erklärungen des Autors gerne in unsere Überlegungen miteinbezogen. Dazu ist es aber nicht mehr gekommen.

War der Autor in der Lage eine objektive Studie zu verfassen?

Ein klares Nein, ist hier die richtige Antwort. Das BFE und vor allem die Mitglieder der Begleitgruppe hätten eine Mitarbeit der Organisation Paysage Libre – Freie Landschaft nicht akzeptiert. Die Ansichten der im Bundesamt für Energie federführenden Angestellten und der Organisation Paysage Libre – Freie Landschaft verlaufen Diametral. Der Autor hätte mit der aufgetischten und aufgezwungenen Zusammensetzung auf eine Studie verzichten sollen. Die Bedingungen waren von Beginn weg durchschaubar unwissenschaftlich angelegt.

Solange das Bundesamt für Energie offensichtlich befangene Experten beschäftigt, kann die Diskussion um eine sinnvolle Windkraftnutzung nie an Inhalt gewinnen. Es ist nur noch ein Durchdrücken ideologischer Wahrnehmungsstörungen weniger Funktionäre im BFE gegen eine zunehmend von unsinnigen Windkraftanlagen betroffenen Bevölkerung. Dass der Staat hier Mittel und Personal im Kampf gegen seine eigenen Bevölkerung einsetzt, ist ungerecht. Aber nur sehr wenige Leute und gar kein öffentliches Medium scheint das zu interessieren. Es betrifft ja auch nur eine klare Minderheit. Diese Minderheit ist systemisch bedingt und sollte vor missbräuchlich agierenden staatlichen Instanzen geschützt und nicht auch noch zusätzlich bekämpft werden.

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