Windkraft: 7/9 Keine greifbaren Argumente für Windkraft in Sichtweite

bild3 Christof MerkliChristof Merkli

(Teil 7 von 9)***Mit dem Projekt eines einzelnen Windrades auf dem Heitersberg im Kanton Aargau, das von einer skurrilen Gruppe von Geld witternden Bürgern, der besseren Welt träumenden Grünen und verschiedenen Vertretern fundamentalchristlicher Kreise ins Leben gerufen wurde, kam im Jahr 2007 die nächste Generation der Windradopposition dazu. Das zunehmend verwirrende Vorgehen der Windradlobby wurde durch die lokale Gruppe “IG Windland Heitersberg” bekämpft. Die vom Projekt direkt betroffenen Anwohner organisierten sich in einem Verein und verhinderten das Projekt über mehrere Instanzen, bis das Aargauer Parlament schliesslich sogar die Raumplanung “ohne den Heitersberg” beschlossen hatte. Die Gruppe hat sich später umbenannt und hiess bis zur Auflösung “IG Pro Heitersberg“. Ich war langjähriger Präsident und der ursprüngliche Initiant dieses Vereins.

Von den Windkraftgegnern der Schweiz wurde in dieser Zeit auf nationaler Ebene ein neues Manifest aufgesetzt, das im Februar 2012 im Zentrum Paul Klee an einer eigens dafür einberufenen Pressekonferenz vorgestellt wurde. Anwesend war ein einziger Journalist. Der Rest hat sich unabgemeldet besseren Geschichten zugewendet. Am Kaffee und etwas zu Naschen hat es kaum gefehlt, es war alles vorhanden, was doch die Journalisten sonst an Pressekonferenzen so lieben. Selbst die frischgebackene Alt-Ständerätin und Alt-Ständeratspräsidentin Erika Forster und Philipp Roch waren da und hätten gerne ein paar Worte an die Medien gerichtet. Der einzige anwesende Journalist hat dann tatsächlich in seiner Zeitung “Le Temps” einen kurzen Bericht veröffentlicht. In der Deutschschweiz hat man in keiner Zeitung etwas davon lesen können. Wir hätten das Manifest vielleicht auf den nicht existierenden Kühlturm des KKW Mühleberg projizieren sollen. DAS wäre bestimmt mehr aufgefallen.

Im Gegensatz zur ersten Generation von Windkraftgegnern, trat diese neue Generation unabhängiger, unpolitischer und wesentlich selbstbewusster auf. Auch ich selber habe die Sache schon früh beim Namen genannt. Der offensichtliche Filz in Politik und Gesellschaft wurde auf meinem Blog in klare Worte gefasst. Die Aussagen wurden, als absolutes Novum in der Geschichte der Windkraftnutzung, mit weiterführenden Belegen ergänzt. Diese direkte und auf hohem technischen Nivau operierende Art des Kampfes hat den betroffenen Politikern und Medienvertretern überhaupt nicht in den Kram gepasst. Schon in den ersten Berichten der grossen Medienunternehmen war die krampfhafte Unterdrückung der ungeliebten Nestbeschmutzer klar erkennbar. Den hochgelobten “Initianten” und “Pionieren” der heilsversprechenden Windkraft wurden dagegen ganzseitige Berichte zugestanden, die auch noch direkt und unbesehen aus der Feder der Windradlobby stammten. Wurden die Berichte von den Redaktionen und Journalisten selber entwickelt, strotzten sie vor fachlichen Falschaussagen und ideologischem Blödsinn, dass sich die Energieexperten nur so gewundert haben. Führten dagegen die Windkraftkritiker einen Informationsanlass durch, wurde dies klein und unscheinbar irgendwo untergebracht, wo man es nicht besonders beachten würde. Diesen Texten war es dann förmlich anzusehen, wie der Journalist sich zur Objektivität zwingen musste, was aber gerade in der AZ selten gelang. Leserbriefe und Kommentare werden auch heute noch zensiert. Selbst wenn die bösen Windkraftkritiker namentlich beschimpft werden, zensuriert die Aargauer Zeitung die passende Antwort. So durfte denn Leserbriefschreiber um Leserbriefschreiber jeden persönlichen Angriff fröhlich unterstützt durch die AZ verbreiten. Ich erwähne hier nur den Aktuellsten.

Herr Merkli sollte sich von seiner ideologischen Befangenheit befreien und nicht länger mit seinen Märchen die Energieszene verwirren.”

In der NZZ werden die Windkraftkritiker noch konsequenter ignoriert. Dort ist es weniger ein ideelles denn ein fachliches Problem. Windkraftwerke sind kein leserzahlförderliches Thema. Der Mehrheit der Bevölkerung sind die physikalischen Unmöglichkeiten mangels Aufklärung sowieso nie aufgefallen. Das war von Beginn weg eine der wichtigsten Ziele der Ökofanatiker aus Politik und Wirtschaft: Das Stimmvolk sollte so wenig wie möglich wissen, damit es für den Irrsinn der Grünen zugänglicher werde. Das dazugehörige Programm des Bundesamtes für Energie nennt sich noch heute scheinheilig “Akzeptanzförderung für Windkraft in der Bevölkerung“. Man hätte das Programm auch einfach als Gehirnwäsche bezeichnen können. Aus diesem Topf erhält die Windradlobby JEDES JAHR die Summe von CHF 500’000.- an Steuergeldern. Die Mitarbeiter der Windradlobby erhalten ein persönliches GA 1. Klasse geschenkt. Bezahlen tun das die Steuerzahler und damit auch jeder Windkraftgegner.

Nun könnte man also meinen, so viel staatliche und mediale Unterstützung würde die Windradlobby in die Lage versetzen, mit guten Argumenten leichtes Spiel gegen die Gegner von Windkraft haben zu können. – Weit gefehlt! In meiner über 6-jährigen Zeit als aktiver Windkraftgegner ist mir von Seiten der Windradlobby noch kein einziges Argument aufgetischt worden, dass den minimalsten Kriterien der Logik und Wissenschaft hätte standhalten können. An einer Veranstaltung namens “Fachtagung Windstrom natürlich“, die die basler Naturschutzorganisation Pro Natura gemeinsam mit der Suisse Eole durchgeführt hat, wurde nach einigen wunderbaren Beschönigungen und der Behauptung des Redners Geri Müller, es gäbe in 4 Jahren KEIN URAN und auch bald kein Öl mehr, von mir die einfache Frage gestellt, was denn die Vorteile von Windkraft für die Natur seien. Die Antwort wurde durch den Vorsitzenden Otto Sieber (Pro Natura) an den Vorsitzenden Reto Rigassi (Suisse Eole) weitergegeben. Nach einigem Herumdrucksen dann die ultimative Antwort auf eine aus der Sicht der Organisatoren dumme Frage:

Es gibt viele Dokumente, die das belegen, sie wissen das Herr Merkli!”

Wenn die Exponenten der Suisse Eole konkrete Belegdokumente erwähnen, stammen die in der Regel von der Windkraft zugeneigten Autoren und verfügen auf jeden Fall über eine eher peinliche Belegführung. Die Inhaltlosigkeit der Antwort Reto Rigassis hat die übrigen Anwesenden aber nicht wirklich interessiert, denn die Frage war offensichtlich nicht vorgesehen, also war es die Beantwortung auch nicht. Geri Müller übrigens, als “Mediator” dieser Fachtagung anwesend, hat die an diesem Tag gelebte Diskussionskultur später auf den Punkt gebracht:

Ich habe noch selten eine so offene und alle Seiten berücksichtigende Konferenz begleitet.”

Wer die Utopie der Linken mal durchschaut hat, regt sich ob solcher Aussagen gar nicht mehr auf. Man muss für die Grünen, Linken und besonders Geri Müller ein nachsichtiges Lächeln opfern. Sie wissen es eben nicht besser.

Erinnern wir uns an den Titel dieses Abschnitts: “Es gibt keine greifbaren Argumente für Windkraft“. Das ist natürlich sehr plakativ und jeder Grüne würde es mit einer gewissen Berechtigung als “reaktionäre Gesinnung” darstellen. Es gibt schon ein paar Gründe FÜR die Nutzung von Windkraft. So ist der Wind oberflächlich betrachtet “gratis zu haben”. Ihn abzuschöpfen und in Energie umzuwandeln ist schon den Holländern gut gelungen. Damit haben sie die Deiche leergepumpt. Mit Windrädern notabene! Oder man könnte sich die frühe europäische Mehlproduktion ohne Windräder kaum vorstellen. Nur muss man hier einwenden, dass diese Windmühlen dort aufgestellt wurden, wo es auch genug Wind hatte. In der Schweiz ist zwar mindestens eine historische Windmühle für das Mahlen von Mehl bekannt (Siehe Abschnitt “Mit dem Esel auf Kundentour”). Aber in der Regel hat man sich lieber mit Wassermühlen beholfen, deren Betrieb wesentlich zuverlässiger funktionierte und auch besser kontrollierbar war. Die Frage ist offen, ob eine historische Subvention der ersten Windmühlen die Müller zum Umschwenken von Wasser- auf Wind hätten bewegen können. Eine mögliche Antwort: Wenn die Müller damals auch dafür bezahlt worden wären, dass die Mühlen “Nicht laufen”, hätten sie bestimmt sofort auf Wind umgestellt. Vielleicht wäre die europäische Bevölkerung an Brotmangel gestorben, aber die Müller hätte das sicherlich nicht gestört.

Nun sehen wir daran, dass die Frage, ob Windkraft Sinn oder wenig Sinn macht unzweifelhaft mit den äusseren Einflüssen in Zusammenhang gebracht werden muss. Was sind die Umstände? Sind sie gut, für die Windkraft? Sind sie gut für Wasserkraft? Unsere Vorfahren hatten mit der Beantwortung dieser Frage überhaupt keine Mühe. Wenn der Wind nicht gereicht hat, hat man eben das Wasser genommen, wenn es denn da war und umgekehrt. So einfach ist das!

Heute ist alles viel komplizierter. Man mahlt kein Mehl mehr mit Windkraft. Man erzeugt jetzt Strom, der dann die Elektromotoren antreibt, um das Mehl zu mahlen. Es geht dabei auch nicht unbedingt um die Produktion von Strom. Sondern eher um die Abschöpfung von Subventionen für die Umwandlung von Windkraft in Strom. Und genau diese Subvention verlagert die Frage nach “Genug Wind” in Richtung “Genug Subvention”. Die Umstände haben sich verändert. Manchmal ist es weder die Frage nach genug Wind noch die Frage nach genug Subvention. Es ist dann plötzlich wichtig, ein Argument für die Abschaffung der ungeliebten Atomkraftwerke haben zu müssen. Dann sind die Umstände für die Windkraft oft nicht mehr klar ersichtlicht “genügend” oder “ungenügend”. Der Grund FÜR oder GEGEN ein Windrad ist nicht mehr abhängig von einem praktischen Zweck. Der ideologische Zweck ist jetzt viel wichtiger. Und genau hier hat Windkraft nichts mehr mit Wind zu tun, sondern nur noch mit dem ideologischen Zweck.

Wenn man also sagt, es gäbe “Keine Argumente für die Windkraft” dann ist das can-stock-photo_csp8602756offensichtlich eine Frage des Standpunkts oder der persönlichen Wertung. Ist das Windrad ein gesuchtes Argument für die Abschaffung der Atomkraft oder ist es eine Möglichkeit, grünen Strom umzuwandeln? Das sind diametral unterschiedliche Fragen. Der Atomkraftgegner nimmt den Strohalm “Windkraft” als bare Münze, glaubt natürlich daran und verteidigt diese Möglichkeit vehement. Weil wir wissen, dass linke Gesinnung eine andere Beschreibung für “Utopie” ist, müssen wir dem Atomkraftwerkgegner zugestehen, dass er “ein gewichtiges Argument” für die Windkraft und seine ganz persönliche Lebensutopie vorzuweisen hat. Er glaubt daran, und das ist sein wissenschaftlicher Beleg, dass es auch so sein muss. Der Atomkraftgegner ist keinesfalls Realist. Er ist Revolutionär und Utopist. Seine Beweggründe müssen kein realistisches Fundament haben, damit er sie für richtig erachtet. Lesen wir jetzt mal, was der gute François-Marie Arouet, bekannt unter dem Namen Voltaire zu seinem die linke Philosophie begründenden Kollegen Jean-Jacques Rousseau in dieser Sache zu sagen hatte:

Nie hat jemand so viel Geist aufgeboten, um uns zu dummen Eseln zu machen. Man bekommt Lust, auf allen Vieren zu gehen, wenn man Ihr Werk liest. Da ich jedoch seit mehr als sechzig Jahren diese Gewohnheit abgelegt habe, fühle ich unglücklicherweise, dass es mir unmöglich ist, sie wiederaufzunehmen.”

Auch Voltaire hat die Logik der Linken nicht begreifen können. So kann ich mich stolz auf den selben Standpunkt stellen, ohne als kompletter Idiot dastehen zu müssen. Es gibt, um die Worte von Voltaire zu benützten, “noch Andere, die durch die linke Argumentation zu Eseln gemacht wurden“. Ich selber war auch lange so ein Esel. Die politischen Erfahrungen im Umgang mit Linken, Atomkraftwerkgegnern und der sie aufnehmenden Windradlobby hat mich selber auf den Boden der Realität geholt. Es geht der Windradlobby in der Regel entweder um einen utopischen Traum einer Wirtschaft ohne Atomstrom oder einfach der lukrativen Abschöpfung von durch den willfährigen und dümmlichen Staat bereitgestellten Topf namens “Kostendeckende Einspeisevergütung” (KEV) für alle, die genügend schamlos sind, ihn auszuschöpfen. Denn mit Anstand hat das ganz sicher nichts zu tun. Es ging den Linken und Grünen nie um die Bereitstellung von “grünem, sicherem, umweltfreundlichem Strom”. Denn Windkraftwerke erzeugen das genaue Gegenteil davon.

Die Windkraftgegner verfügen über fundierte, nachvollziehbare Argumente. Das ist aber nicht entscheidend, weil die Befürworter einer grünen Energierevolution mit Argumenten eh nichts anfangen können. Ihr Grund für ihr Tun und Denken ist die reine Utopie. Für eine Utopie sind klare Fakten nur lästig. Die Windkraftkritiker träumen zwar auch von einer grünen, ruhigen, sauberen und energiereichen Welt, ohne schädliche Treibhausgase und Atomhavarien. Aber sie sind realistisch genug, das nicht mittels untauglicher, ineffizienter, lärmiger, teurer und umweltschädigender Windturbinen tun zu wollen. Sie ziehen den Einsatz bewährter Technologie, den klassischen Spatz in der Hand, der linken Taube auf dem Dach vor. Dieses Bild ist aber insofern nicht ganz richtig, weil realistisch denkende Experten wissen, dass wir in der Schweiz mit der Kern- und Wasserkraft schon heute die Taube in der Hand halten, während die Grünen und Linken diese Taube liebend gern gegen den Spatz auf dem Dach austauschen möchten.

***Teil 1 von 9: Wo steckt blos die Opposition in der Schweiz?

***Teil 2 von 9: Es gibt sie, es gibt sie nicht

***Teil 3 von 9: Wer sind die Windkraftgegner in der Schweiz?

***Teil 4 von 9: Der grosse Murks

***Teil 5 von 9: Windkraftgegner “sind” Atomlobbyisten

***Teil 6 von 9: Verbogene Wissenschaft für den Atomausstieg

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