Windkraft: 3/9 Wer sind die Windkraftgegner in der Schweiz?

bild3 Christof MerkliChristof Merkli

(Teil 3 von 9)*** Die Opposition gegen Windkraftprojekte ist keinesfalls selten anzutreffen. Bereits im Jahr 2003 haben mehrheitlich bürgerliche Privatpersonen, Politiker und Wissenschaftler mit dem Manifest “für die Erhaltung der Schweizer Landschaft – gegen ihre Industrialisierung durch die Errichtung von Windturbinen” vor der Verschandelung unserer Landschaft gewarnt. Ein Dokument, das von jedem Umweltschützer auch heute noch ohne Vorbehalt unterzeichnet werden könnte. Die Erstunterzeichner waren:

Dimitri Baumgartner, La Chaux-de-Fonds, Präsident des lokalen Vereins gegen die geplanten Windkraftwerke “Amis du Mont-Racine”.

Prof. Dr. Hans Christoph Binswanger, Wirtschaftsprofessor mit Schwerpunkt marktwirtschaftliche Umweltpolitik

Bernard Chapuis, La Chaux-de-Fonds, Präsident des lokalen Vereins gegen die geplanten Windkraftwerke “Amis de Tête-de-Ran/La Vue-des-Alpes”

Erika Forster, Ständerätin, Präsidentin der Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

Dr. Bruno Kläusli, Präsident des Züricher Heimatschutzes

Olivier Lador, Präsident des lokalen Vereins gegen die geplanten Windkraftwerke “l‘Association pour la Sauvegarde des Gittaz et du Mont-des-Cerfs”

Diese erste Generation von Windkraftgegnern wurde durch die sich schon damals klar abzeichnende Bedrohung der Landschaften motiviert. Es war noch keine Rede von Vogelschlag, Lärm oder anderen krankmachenden Emissionen. Es ging dieser ersten Generation um den Schutz vor allem des menschlichen Lebensumfeldes. Die maximale Anlagengrösse war noch bescheiden. Die Rotoren erreichten Radien von 40 Metern. Das war noch weit entfernt von der heutigen Bedrohung durch die riesenhaften 127-Meter-Rotoren und die schiere Höhe von über 200 Metern, die diese Anlagen mangels Windaufkommen heute erreichen müssen.

stop_WindräderIm Jahr 2013 gibt es in der Schweiz über 20 Gruppierungen von aktiven Windkraftgegnern. Meist konzentrieren sie sich nahe um die projektierten Standorte. Bei der relativ kleinen Anzahl von Windparkprojekten in der Schweiz ist das eine eindrückliche Zahl. Diese Gruppierungen haben sich in einer Dachorganisation namens “Paysage Libre – Freie Landschaft” zusammengeschlossen. Es sind jetzt jüngere Menschen, die die Arbeit der Pioniere aus dem Jahr 2003 weiterführen. Einige der “alten” Kritiker sind aber noch aktiv und unterstützten die privat operierenden Gegner durch ihre wertvolle Erfahrung. Auch deshalb werden die Gegner von Windkraft immer professioneller und können trotz widrigster Anfeindungen und Umstände schon manchen Erfolg vorweisen. Im Kanton Neuenburg wurde eine Initiative mit dem Ziel der kritischen Beurteilung jedes einzelnden Standortes für Windkraftanlagen erfolgreich gewonnen. Im Kanton Aargau wurden verschiedenen “Potenzialgebiete” nach hartem Kampf aus der Richtplanung gestrichen. Im Jura wurden diverse Moratorien gegen den Bau von Windparks auf Gemeindeebene gewonnen. In den Arbeitsgruppen zur Energiestrategie 2050 des Bundes konnten immerhin 3 Delegierte der “Paysage Libre – Freie Landschaft” mitwirken und sogar einen limitierten Einfluss nehmen. Trotz weitgehender Isolation der Windkraftgegner durch die Medien ist heute eine zunehmend kritische Haltung bei Politikern und der Bevölkerung gut spürbar.

Die weltweite Plattform gegen Windkraftanlagen

Der Austausch der hochkomplexen Informationen rund um die Nutzung der Windkraft ist eine globale Bewegung. Die Windradgegner tauschen sich über die gesamte Weltkugel aus und organisieren sich über Plattformen wie die EPAW (Europäische Plattform gegen Windkraftanlagen). In Europa gibt es weit über 600 lokale Gruppen, die sich koordiniert gegen den virulenten Bau von Windkraftanlagen wehren. Es ist mir keine einzige bekannt, die aus staatlichen Mitteln finanziert würde. Aber auch diese international vernetzten und immer lokal tätigen Gruppen kämpfen gegen eine zur Idealisierung der Windkraft neigende Presse. Von ihnen hört man in der deutschen Schweiz praktisch nichts. Selbst die als bürgerlich und teilweise sogar als atomfreundlich bezeichnete NZZ versagt beim Thema Windkraft und erwähnt selbst die starke Opposition in Frankreich oder Deutschland mit keinem Wort. Auch die Weltwoche greift das Thema nicht gerne auf. Es ist ein medialer Flopp, weil die Windkraft erst interessiert, wenn sie vor der Tür steht. Dann allerdings sind die Reaktionen der betroffenen Anwohner oft klar und deutlich ablehnend. Sie sind während dem Bau der ersten Windparks eine systemische Minderheit und auch später eine zum Opferstatus unfähige, privilegierte Gruppe: Sie wohnen an ruhigen, abgelegenen Lagen.Wind_power_subsidies

Die Städter aber wollen die Windräder, weil sie sich damit ein grünes Gewissen erkaufen und auch keine Angst zu haben brauchen, dass Windkraftwerke in ihre Nähe gebaut werden können. Die Unterstützung für die grüne Energie ist in Basel, Bern, Genf, Berlin und Zürich ungebrochen. Die Zeche bezahlen die bürgerlichen “Landeier” in der Provinz.

Es ist interessant, wie alle bekannten Exponenten der schweizer Windradlobby weit entfernt von jedem auch nur projektierten Windpark wohnen und leben. Es ist die schiere Nähe zum Wohnort, die aus einem überzeugten Grünen den noch überzeugteren Windkraftgegner machen kann. Ich habe das in meinem Umfeld oft erlebt. Aber erst durch die ihm drohende Gefahr von Nachtlärm, sinkendem Liegenschaftenwert und einer durch Schattenwurf blinkenden Umgebung der gesamten Wohnlage wird der Utopist zur Realität gebracht. (14. August 2013, Teil 4 von 9: Der grosse Murks)

*** Teil 1 von 9: Wo steckt blos die Opposition in der Schweiz?

*** Teil 2 von 9: Es gibt sie, es gibt sie nicht…

 

 

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