Windkraft: 1/9 Wo steckt bloss die Opposition in der Schweiz?

bild3 Christof MerkliChristof Merkli

(Teil 1 von 9 ) Wer gegen Atombomben und Atomkraftwerke kämpft, stellt sich gegen den mächtigen Staat, gegen die Gewalt der Armee, die schiere Macht der Energiekonzerne und auch gegen die eindrückliche technische Wucht und Kraft einer Kernreaktion. Atomkraftgegner haben ein über mehrere Generationen hoch entwickeltes politisches Potenzial. Sie stammen aus dem ideologischen Kampf, als diese Bewegung noch gegen den Atomkrieg protestierte und deshalb eine hochmoralische Legitimation aufwies. Später hat man mangels autoritär geführter Staaten und kaltem Krieg einen neuen Gegner gesucht und ihn mit den Atomkraftwerken auch sofort gefunden. Die heutigen Atomkraftgegner, mittlerweile versehen mit lukrativen Posten und mit sicherem Staatssalär ausgestattet, beziehen ihre selbstdeklarierte moralische Überlegenheit aus diesen alten Tagen der Bewegung. Atomkraftgegner sind deshalb gut greifbar. Man versteht sofort, was sie sind und wollen. Sie haben den ganzen Bereich des Gutmenschentums dermassen radikal vereinnahmt, dass davon für die anderen anständigen Menschen nichts mehr übrig geblieben ist.

Die Gegner von Windparks sind dagegen kaum greifbar. Windkraftwerke eignen sich nicht für apokalyptische Drohungen. Eine industrielle Grosswindanlage kann zwar die nahen Anwohner krank machen und die sie umgebende Natur und die etwas ferneren Landschaftsschützer empfindlich stören. Sie können durch den Eiswurf eine echte Gefahr für die Wanderer und Waldbenützer darstellen. Sie erschlagen regelmässig Vogel um Vogel. Sie lassen die Lungen der in den Unterdruck des Rotors755717_1_articledetail_rotmilan_010 geratenden Fledermäuse platzen. Sie gefährden deshalb das langfristige Überleben dieser Tierpopulationen in ihrer Nähe. Sie stören den Wetterrader im Umkreis von 20 Kilometern empfindlich. – Aber mit Windkraftwerken den Weltuntergang herbeireden – das kann man beim besten Willen nicht. Um die Gegner dieser Windkraftwerke greifbar zu machen, müssen wir die vielfältigen Wirkungen und Nebenwirkungen der Windkraftnutzung genauer betrachten.

Eine gute Sache, aber …

Ein Windkraftwerk hat den Zweck, aus kinetischer Energie des Windes umweltfreundlichen Strom zu erzeugen. Das funktioniert unter idealen Bedingungen auch ganz zufriedenstellend. Die Frage ist bloss, ob ideale oder wenigstens genügende Bedingungen für den Betrieb an den spezifischen Standorten auch wirklich erfüllt sind, oder ob diese Tatsache aus politischen und ideologischen Beweggründen lediglich herbeigeredet wurde.

Genügende Bedingungen für Windkraftwerke sind eine jahresdurchschnittliche Bewindung von mindestens 6m/s auf Nabenhöhe (Rotorachse) und eine ausgeglichene Verteilung des lokalen Windaufkommens über das ganze Jahr (Weibullkurve).Weil sie im Vollbetrieb bis zu 107 dBA weit hörbaren und nervtötend pulsierenden Lärm verursachen, müssen sie in genügendem Abstand zu Wohnhäusern und Lebensräumen aufgestellt werden. Scheint die Sonne durch ihre Rotoren, wird der bewegte Schattenwurf in bestrichenen Wohnräumen wie das Aus- und Einschalten des Lichts im Sekundentakt wahrgenommen. Zusammen mit dem unhörbaren Schall unterhalb von 20 Schwingungen pro Sekunde (Hertz) und dem tieffrequenten Schall zwischen 20 und 200 Hertz, kann das erfahrungsgemäss bei 12% der betroffenen Anwohnern zu den Symptomen des in Nordamerika beschriebenen “Wind Turbine Syndrome” führen. Die Symptome können alleine oder kombiniert auftreten. Ihre Ursachen werden in der Studie von Nina Pierpont “Wind Turbine Syndrome” beschrieben und durch eine grosse Anzahl weiterer Untersuchungen und Studien gestützt:

Schlafstörungen, Kopfweh, Tinitus (Ohrpfeifen), Ohrendruck, Schwindelgefühle, Gefühl der Onmacht, Übelkeit, Unscharfes oder verwischtes Sehen, Tachykardie (schnelle Herzfrequenz), Reizbarkeit, Konzentration- und Gedächtnisprobleme, Angstzustände, innere Unruhe während Schlaf- und Wachzustand.

Genau hier setzt die Kritik der Windkraftgegner an. Windkraftwerke haben ganz massive Nachteile, die durch Behörden und Profiteure auf Kosten von Mensch und Natur gerne übersehen werden.

Windkraftwerke erfüllen die Grundbedingungen nicht

Es braucht wohl nicht extra erwähnt zu werden, dass die staatlich unterstützte Windradlobby “Suisse Eole” all ihre Macht einsetzt, um diese Informationen unter dem Mantel des Schweigens zu halten oder wenn das nicht möglich ist, die Opposition mit allen Mitteln schlecht zu machen. Sie muss für ihr unerreichbares Ziel der Abschaffung der Atomkraftwerke so viele Windkraftwerke wie möglich aufstellen. Der Mindestabstand, der Lärm und die Mindestwindgeschwindigkeit wurden politisch zu klein definiert, damit mehr nutzbarer Raum zur Verfügung steht. Die Grundbedingungen für den störungsfreien, sinnvollen und die Umwelt erträglichen Betrieb von Windkraftanlagen sind dadurch nicht annähernd gewährleistet. Die Schweiz beschreitet hier im internationalen Vergleich den für Anwohner, Natur, Wirtschaft und Technik problematischsten Weg, den man gehen kann: Weltweit tiefste Leistungsbedingungen, höchste Ausschüttung von Subvention pro KWh, weltweit geringste Sicherheitsabstände und deshalb höchste erlaubte Belastung aller Anwohner Europas!

Die unmenschlichen und naturverachtenden Bedingungen zeigen die dringende Notwendigkeit einer starken Opposition gegen diese Rücksichtslosigkeit. Es braucht ein informelles Gegenstück gegen den missbräuchlichen Einsatz von Windkraft in der Schweiz. Dabei geht es den Windkraftgegnern nicht in erster Linie um die Verhinderung von Windkraftwerken, sondern um eine L-Helpershain-G011umweltverträgliche und technisch sinnvolle Umsetzung dieser speziellen Form der erneuerbarer Energie. Leider sind die Bedingungen in der Schweiz dermassen schlecht, dass die Umsetzung einer erträglichen Windkraftnutzung oft auf ein Verbot von Windkraftwerken hinausläuft. Aber betrachtet man das Problem umfassend und systemisch, kann man gar nicht anders als die Windkraftnutzung in der Schweiz als komplette Fehlinvestition zu bezeichnen. Ausser für die Empfänger der grosszügigen Subventionen und den ideologisch argumentierenden Atomkraftgegnern bringt diese Technologie für die Schweizer Bevölkerung ausnahmslos nur Nachteile. Windkraftnutzung in der Schweiz kann gemessen am riesigen Aufwand und dem grossen Schaden, den sie verursacht, nicht genug zuverlässigen Strom generieren. Die Windkraftgegner weisen das in tausenden von Beispielen des In- und Auslands nach. Es gibt nur einen Grund, warum man diese dringend notwendige Opposition konsequent ignoriert: Man hat Angst vor ihren griffigen Argumenten gegen den Bau von Windkraftanlagen auf die schönsten Hügel und in die wunderbarsten Naherholungsgebiete der Schweiz. Deshalb lassen die Profiteure nicht zu, dass eine saubere Argumentation stattfinden kann. (12. August 2013, Teil 2 von 9, Es gibt sie, es gibt sie nicht…) 

Advertisements

2 Gedanken zu “Windkraft: 1/9 Wo steckt bloss die Opposition in der Schweiz?

  1. Ich hoffe schwer, dass sich einer der Teile auch auf die gravierenden Auswirkungen der Windkraft aufs Klima behandelt!

  2. Zur Herkunft der Anti-Atomkraft-Bewegung ein Flugblatt aus 1976. Damals sprach man die Motive offen aus. Heute, nach dem erfolgreichen Marsch durch die Institutionen, hört man davon keinen Ton mehr. Die Erreichung des eigentlichen Ziels könnte dadurch vereitelt werden. Die Vernichtung des bürgerlichen Staates und die Errichtung der Diktatur des Proletariats.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s