Fumoirs und Fümoar

David DürrDavid Dürr

Dass es Leute gibt, die es unangenehm finden, wenn in einer Beiz geraucht wird, ist ja nicht weiter spannend. Dann werden sie halt nicht in Raucherbeizen gehen. Nun hat aber im Herbst 2008 in Basel ein kleines Grüpplein von solchen Raucherbeizen-unangenehm-Findern ihre Ansicht auf kleine graue Zettelchen geschrieben, diese an die Staatskanzlei geschickt, und behauptet nun, wegen dieser kleinen Schnitzeljagd dürfe es im ganzen Kanton keine Raucherbeizen mehr geben, höchstens noch sogenannte „Fumoirs“. Das sind „zum Zweck des Rauchens eigens abgetrennte, unbediente und mit eigener Lüftung versehene Räume“. Dieses Zitat stammt aus einem kleinen Text mit der Überschrift „Gesetz über das Gastgewerbe“. Er findet sich in einer Textsammlung, die sich „Gesetze des Kantons Basel-Stadt“ nennt. Das tönt alles ziemlich wichtig, doch ändert es nichts daran, dass es um die unmassgebliche Meinung jenes kleinen Grüppleins geht. Das waren nicht mehr als 27‘427 Leute, also lumpige 14 % der Kantonsbevölkerung. So weit, so undemokratisch.

Das wirklich Groteske kommt aber erst: Schon nach kurzer Zeit erhielten die Raucherbeizer Post, von der gleichen Firma, welche die erwähnte Textsammlung herausgibt und sich deshalb ziemlich anmassend „Kanton Basel-Stadt“ nennt. In forscher Tonlage werden die Raucherbeizer aufgefordert, das Rauchen abzustellen, ausser eben in unbedienten Fumoirs.

Nun müsste man solche Briefe ja nicht wirklich ernst nehmen, wäre darin nicht eine unverblümte Drohung: Nichtbefolgung werde gebüsst und im Widerholungsfall und nach Verwarnungen werde gar die Beiz geschlossen. Und auch dies könnte man kopfschüttelnd beiseitelegen, wäre da nicht die Gewissheit, dass die Absender dieser Briefe ziemlich humorlos sind und die Beizenschliessung letztendlich mit physischer Gewalt durchsetzen würden.

In dieser kafkaesken Situation hatten nun die Basler Raucherbeizer eine Idee, die nicht nur von Witz im besten Sinn des Worts zeugt, sondern geradezu modellhaft vordemonstriert, wie viel zweckmässiger und vor allem demokratischer sich das Passivrauchproblem lösen lässt. Zu diesem Zweck gründeten sie den Verein „Fümoar“, der den angeschlossenenartikellogofumNEU-716x230 Raucherbeizen vorschreibt, ausschliesslich Vereinsmitglieder einzulassen, die sich ihrerseits ausdrücklich mit dem Rauchen in der Beiz einverstanden erklären. Im Gegensatz zur Zwangsmitgliedschaft beim „Kanton Basel-Stadt“ ist der Beitritt zum Verein „Fümoar“ absolut freiwillig. Im Gegensatz zur undemokratischen 14%-Basis des „Gesetzes über das Gastgewerbe“ verfügt das „Fümoar“-Regime über eine demokratische Traumquote von 100%; und dies bei einer Mitgliederzahl, die im letzten Jahr die Einwohnerzahl von Basel-Stadt übertroffen hat. Und im Gegensatz zur „kantonalen“ ist es bei der „Fümoar“-Regelung ausgeschlossen, dass Gäste, die dem Rauchen nicht ausdrücklich zugestimmt haben, in ein Raucherlokal geraten.

Statt sich angesichts dessen beschämt zurückzuziehen, beharrte der „Kanton“ trotzig auf seinem „Gesetz“. Im Wissen um dessen Unterlegenheit wandten sich die Raucherbeizer voller Zuversicht an das Gericht und erhielten – Unrecht! Hinterher stellte sich heraus, dass das Gericht bestochen war, alle Richter waren vom „Kanton“ bezahlt worden. Und Sie können raten, wie nun neustens das Bundesgericht, das ja auch von Steuergeldern lebt, entschieden hat.

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21 Gedanken zu “Fumoirs und Fümoar

  1. Die Unbelehrbaren haben immer noch nicht verstanden dass Tabakrauch
    extrem toxische Substanzen enthaelt.

    • Das kann man doch auf jeder Zigarettenpackung nachlesen und nachsehen. Inklusive der schwarzen Raucherlunge, die nachträglich eingefärbt wurde, weil man einer normalen Lunge nicht ansieht, ob sie geraucht hat.
      Da Sie offenbar zu den Belehrbaren gehören, können Sie unbesorgt auf beiden Ohren schlafen, oder sich den Sorgen zuwenden, die Sie selbst betreffen.

  2. Wie gehabt: Nichts, aber auch gar nichts in den Händen ausser persönliche Denigrierungen (man kann mir krumme Beine vorwerfen, aber sicher keine Leichenbittermiene!) sowie end- und haltloses Blabla bis zur Korruptionsverdächtigung. Viel Spass beim Weiterdöggeln (die Elektronik ist offenbar noch geduldiger als Papier!)

    • Jeder zehnte der Weltbevölkerung als Opfer einer Erkrankung im Zusammenhang mit Rauchen (WHO) ist Ihrer Ansicht nach also „nichts in den Händen“ und dass Milliarden (Klein)Kinder (in Familien, wo die Eltern rauchen) und Jugendliche unter diesen Opfern sind, „end- und haltloses Blabla“. Bravo, Herr Julliard, weiter so!

  3. Die Volksseele kocht. An verqualmten Stammtischen von Repräsentanten der vielzitierten „vielfältigen Beizenkultur“ ballt man die vom Rauchen vergilbten Finger zur Faust, um endlich mal wieder so richtig auf den Tisch zu hauen.

    Überall röchelt es aus schwarzen Lungen: Man will sich nicht von „fremden Vögten“ ein Rauchverbot „aufdoktrinieren“ lassen. „Mündige Bürger“ will man sein und bleiben, lässt sich jedoch widerspruchslos zu Süchtigen machen, von kriminellen Grosskonzernen, die aus Profitgier Massenmord an der Weltbevölkerung begehen. Laut BAG und der amerikanischen FDA genügt bereits der Konsum einer einzigen Zigarette, um den „Verlust der Selbstbestimmung“ (Abhängigkeit) herbeizuführen.

    Es ist war beschämend, dass sich sogenannte Basler „Meinungsbildner“, im Volksmund auch Cervelat-Prominenz genannt, für scheinheilige, pseuydo-liberale „Testimonials“ in unseren Tageszeitungen zur Verfügung stellten, die die Wirte-Initiative befürworten. Eine Initiative, die wissentlich und willentlich die Gesundheit der Basler Bevölkerung auf’s Spiel setzt, um „Umsatz zu machen“ (Maurus Ebneter in der Sendung „061“ auf Telebasel).

    Auch der pubertäre, äh, libertäre Volksgenüssler Beda Stadler mag nicht „gegen jemand kämpfen, der stärker ist als ich selbst“. Das ist ihm natürlich unbenommen, kann er doch gar nicht mehr anders. Ginge es um Hochprozentiges, müsste man ihn als Alkoholiker bezeichnen.

    „Ein Leben ohne Genuss ist ein verpasstes Leben“ poltert der nach eigener Aussage „schwer nikotinabhängige“ Stadler. Als gäbe es nicht unzählige Genüsse, die weder dem Geniessenden, noch Drittpersonen Schaden zufügen.

    „Haben Sie schon einmal einen Totenschein gesehen, in dem als Todesursache Passivrauchen stand? Ich nicht“ posaunt der genuss-süchtige Immunologe. Damit begibt sich der radikale Studienkritiker allerdings auf eine wenig wissenschaftliche Argumentationsebene. Genausowenig steht bei einem Autounfall „Autofahren“ als Todesursache auf dem Totenschein.

    Stadler fährt mit dem Fahrrad „konsequent ohne Helm, ich gefährde so höchstens mich selber und das muss man mir überlassen“. Hätte er dabei einen Unfall mit schwerer Hirnverletzung, wären die Kosten einer jahrelangen Betreuung in einem Pflegeheim allerdings der Allgemeinheit „überlassen“.

    „Wenn künftig jemand freiwillig in einem Raucherlokal arbeiten will, verbietet es ihm der Staat. Das geht zu weit“. Dieses Verbot entspricht jedoch dem Prinzip des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz. So muss jeder Arbeiter, der einen asbestverseuchten Bau saniert, einen Atemschutz und jede Radiologieassistentin im Röntgenraum eine Bleischürze tragen.

    Würde man es zulassen, dass Arbeitnehmende freiwillig oder genötigt auf die Schutzmassnahmen der Arbeitssicherheit verzichten, gäbe es mehr Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten, was neben dem menschlichen Leid, eine exorbitante Steigerung der Suva-Prämien zur Folge hätte.

    Angesichts der Gefahren des Passivrauchens gehört Tabak in eine ganz eigene Kategorie von Drogen, vor allem, wenn Erwachsene mit kleinen Kindern in einem Haushalt leben und rauchen.

    Aber abgesehen von den Schäden, den die Raucher den Nichtrauchern zufügen, ist das immer wieder bemühte Argument des „mündigen Bürgers“ und der „Überregulierung“ im Falle einer hochgradig suchterregenden Droge wie Tabak, nicht nur reichlich fadenscheinig, sondern in höchstem Grade fahrlässig.

    Noch bedenklicher wird es, wenn man berücksichtigt, dass die meisten Raucher im Teenageralter beginnen und später aufhören möchten.

    Weltweit erreicht die Zahl der verkauften Zigaretten heuer einen Allzeit-Spitzenwert von jährlich 6 Billionen – aneinandergereiht ergeben diese Zigaretten eine Strecke von der Erde bis zur Sonne und wieder zurück.

    Sechs Millionen Menschen sterben jährlich durch Rauchen – mehr als an Aids, Malaria und bei Verkehrsunfällen zusammen. Nicht Waffen oder Bomben, sondern Zigaretten sind die tödlichsten Artefakte in der Geschichte der Zivilisation.

    Wenn Assad in Syrien seinen Söldnern befiehlt auf wehrlose Zivilisten zu schiessen, ist das nichts anderes, als wenn ein CEO der Tabakindustrie seine Angestellten anweist, Zigaretten zu verkaufen. Ausser, dass es sich bei Assad um Mord an der syrischen Bevölkerung handelt, bei der Tabakindustrie hingegen um institutionalisierten und vorsätzlichen Massenmord an der Weltbevölkerung. Und dies nur aus einem einzigen Grund: Geldgier!

    Einem Dienstbefehl kann man sich zudem widersetzen. Wie schwer es ist, einer Sucht den Dienst zu verweigern, zeigt sich am Beispiel Barak Obamas. Präsident Obama ist ein durchaus willensstarker Mann, der sich vornahm, US-Präsident zu werden und es auch schaffte. Sich das Rauchen abzugewöhnen versucht er jedoch bereits seit fünf Jahren. Kein Wunder, sind hunderte Millionen Raucher weltweit nicht in der Lage, mit dem Rauchen aufzuhören.

    Die Tabakindustrie hatte schon in den 40er-Jahren Beweise, dass Rauchen Krebs verursacht. Im Jahr 1953 beschlossen die Chefs der wichtigsten amerikanischen Tabakunternehmen anlässlich eines Treffens, die Schädlichkeit von Zigaretten in Abrede zu stellen.

    Als die wissenschaftlichen Beweise für die krebsverursachende Wirkung des Rauchens an die Öffentlichkeit gelangten, versuchte die Industrie die Forschungsergebnisse zu delegitimieren. Wie auch heute wissenschaftliche Ergebnisse bewusst durch die Leugner des von Menschen gemachten Klimawandels verzerrt werden.

    Aufklärung als einzige Waffe gegen eine hochgradig suchterzeugende und vorwiegend tödliche Droge ist jedoch auch unverzeihlich wenig. Eigentlich sollte man sich auf die Optimierung oder noch besser auf die Beseitigung des Produkts konzentrieren.

    Schliesslich klärt man Eltern nicht nur auf, Spielzeuge mit bleihaltigen Farben von ihren Kindern fernzuhalten, sondern man verbietet diese bleihaltigen Farben.

    Als man herausfand, dass Thalidomid (Contergan) zu schweren Geburtsfehlern führte, beschränkte man sich nicht nur darauf, die Frauen darauf hinzuweisen, die Einnahme dieses Wirkstoffs während der Schwangerschaft zu vermeiden. Der Wirkstoff wurde strengstens reguliert und unterliegt amtlicher Überwachung.

    Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs sollten ebenfalls streng reguliert werden. Da Zigaretten auf die Erzeugung und Erhaltung einer Sucht ausgerichtet sind, sollte die WHO den Nikotingehalt auf ein Niveau senken, das nicht mehr zu einer Sucht führen kann. Das würde es Rauchern erleichtern, mit dem Rauchen aufzuhören.

    Die ersten Raucher haben den Tabakrauch übrigens nicht inhaliert. Das wurde erst im 19. Jahrhundert möglich, als eine neue Art der Fermentation den Rauch weniger alkalisch machte. Diese tragische Entdeckung ist bereits für rund 150 Millionen Todesfälle verantwortlich. Werden keine drastischen Maßnahmen ergriffen, wird diese Zahl wohl noch um ein Vielfaches überschritten werden.

    Ein weiteres Argument gegen ein weltweites Tabakverbot, ist die ehemalige Prohibition in den USA. Man vermutet, dass ein Tabakverbot eventuell die Korruption in Strafverfolgungsbehörden schürt und Milliarden Dollar in das organisierte Verbrechen fließen könnten, während man gegen das Rauchen wenig ausrichten würde.

    Aber dieser Vergleich ist reine Hypothese. Schließlich wären auch viele Raucher für ein Zigarettenverbot, da sie, ebenso wie Obama, um jeden Preis aufhören möchten.

    Das bestehende Rauchverbot wirkt sich nachweislich bereits positiv auf unsere Gesundheit aus. Genauso wie das FCKW- (das Ozonloch verringert sich) und Asbestverbot.

    Früher oder später wird das Rauchen gänzlich von unserem Planeten verschwinden und wir werden dieser Sucht genauso wenig nachtrauern, wie der Pest.

    • Der Rauch in den Beizen hat sich auch ohne staatsdiktatorische Massnahmen verzogen und die Atmosphäre wird nur noch von obrikeitsgläubigen Staatsdienern vergiftet, die eine Staatsquote von über 50% anstreben. Natürlich auf dem Buckel des immer mehr ausgesaugten Bürgers und bequem Leistung verweigernd sowie den Neid legalisierend. Die bedauerliche Raucherei ist nur ein kleines Beispiel dafür, wie die echte Gemütlichkeit in unserer Zivilisation scheinheilig von allen Seiten her und rund um die Uhr zerstört wird. Auf dem Land sind übrigens Güllengestank und Schweinemästereien ein weit penetranterer Geruch als der Tabakrauch, aber wir akzeptieren ja auch das Argument der Verursacher, sie seien schon vor uns da gewesen.

      • Lieber Bruno, das ist natürlich Quatsch. Weder hat Rauchen auch nur das Geringste mit „echter“ Gemütlichkeit zu tun, sondern mit skrupelloser Geldmacherei, noch sind Güllengestank und Schweinemästereien tödlich (ausser im zweiten Fall für die bedauerlichen Schweinchen).

        • suum cuique ¨Jedem seine Gemütlichkeit ! Es gibt kein Recht auf eine allgemein gültige ECHTE gemütliche Seligkeit. Das ist nur radikalen Sekten vorbehalten. Wer kein Rauch mag muss nicht in ein Raucherlokal. Wer kein Grillrauch mag soll sich kein Grill anschaffen. Wer Rauchfrei essen will soll das können. Zitat Frank Zappa: Für mich sind Zigaretten wie essen. Tabak ist mein Lieblingsgemüse.

    • Heieiei, Herr Klein, Sie führen sich ja talibaniger als die Taliban auf. Vorsicht, solche Hysterie ist der eigenen Gesundheit sicher nicht zuträglich.
      Mal abgesehen davon, dass ich weder Ihre Einschätzung zum Suchtpotenzial des Tabaks (ich bin seit 15 Jahren Gelegenheitsraucher mit einem Wochenkonsum zwischen Null und 100 Zigaretten), noch die zur Gefährdung durch Passivrauchen teile:
      Die Raucher haben sich das Recht auf „Selbstverstümmelung“ schon durch die mehr als 100% Tabaksteuer sauer verdient. Zumal es höchst umstritten ist, ob Raucher tatsächlich höhere Gesundheitskosten verursachen. Ein Blick in die Statistiken zu den Gesundheitskosten zeigt, dass die extremen Kostenverursacher Personen weit jenseits des 80. Lebensjahres sind. Das sind aber Höhen, die mit Ausnahmen einiger Rossnaturen wie Winston Churchill, Helmut Schmidt oder Joopi Heesters kaum je ein Raucher erreicht. Den wie sagte der von Ihnen offenbar so gehasste (von mir dafür heiss geliebte) Beda Stadler einst bei Giaccobo und Müller so schön: „Raucher sind lange gesund, dann kurz krank und schliesslich sehr lange tot.“
      Kein Mensch muss zudem in Kneipen gehen, in denen geraucht wird. Dass dort fröhliche und gesellige Menschen bei Alkoholabusus und Rauch Spass haben, mag den Gesundheitstaliban vor Zorn und Neid erbeben lassen, trotzdem ändert das nichts daran: Jeder kann da freiwillig rein oder freiwillig draussen bleiben. Ganz so einfach ist es da im Tiefbahnhof des Hauptbahnhof Zürich nicht: Dort ist zwar Rauchverbot, aber die Feinstaubbelastung im Tunnel mit wenig Luftzirkulation und Bremsabrieb durch die Züge dürfte so manche rauchige Spelunke überbieten, trotzdem muss der Pendler dort gelegentlich ein bisschen Luft einatmen.

      Ja, nun denn: Sie sind ein Mensch, dessen Recht auf eine eigene Meinung im unbenommen sei. Grössere Probleme bereitet mir da schon der Bundesgerichtsentscheid. Die Begründung für die Durchsetzung des Rauchverbots erscheint mir höchst fragwürdig: „Eine Mitgliedschaft diene offenkundig nur einem Zweck, nämlich trotz dem gesetzlichen Verbot in Lokalen frei rauchen zu können.“ Das Bundesgericht hebelt hier den Artikel 23 der Bundesverfassung zur Vereinigungsfreiheit aus. Dort steht nämlich gar nichts davon, dass ein Verein gegenüber irgendjemandem ausserhalb Rechenschaft über seinen Zweck ablegen muss. Wenn es das Vereinsziel ist, in geselliger Runde in einer Beiz zu rauchen, dass ist das verdammt nochmal das heilige Recht des Eidgenossen!! Auch das Schweizerische Zivilgesetzbuch kennt keine Bestimmungen, welche die abenteuerliche Interpretation des Bundesgerichts zulassen würden. Hier masst sich die Judikative legislative und sogar verfassungsgebende Gewalt an, die nur uns Stimmbürgern zusteht. Sollen die Knallköpfe von Bundesrichter doch 100’000 Unterschriften sammeln für eine Volksinitiative, welche die Vereinigungsfreiheit dahingehend einschränkt, dass die Vereinigungsfreiheit nicht für Organisationen gilt, die in Kneipen rauchen wollen.

    • Noch ein Nachtrag zu Ihrer Behauptung, das Rauchverbot wirke sich bereits positiv auf die Gesundheit aus. Kann es sein, dass Sie sich da auf die „Studie“ des Kantonsspitals Graubünden stützen?
      Falls ja. Die ist ein ganz grosser Witz. Schon 2010 haben die Bündner da „eindrückliche Zahlen“ (Tages-Anzeiger) präsentiert. Hatten in Graubünden 2006 noch 229 und 2007 242 Leute einen Herzinfarkt, waren es im Jahr 2008 bei Einführung des Rauchverbotes noch 183. Jubel!
      Nur darf man sich fragen, seit wann Herzinfarkte auf die Uhr schauen. Die Schwankungen dürften völlig normal sein. In einem Jahr haben mehr Leute Probleme mit der Pumpe, ein anderes Jahr weniger. 2009 waren es dann 188.
      Des weitern waren die Herzinfarktzahlen in Graubünden schon vor dem Rauchverbot überaus tief. Die 242 Fälle im 2007 entsprechen 125 Herzinfarkte pro 100’000 Einwohner. In Grossbritannien, wo sie schon viel länger ein Rauchverbot haben, sind 400 bis 500 Fälle auf 100k EW üblich. In D und A sind es auch etwa 300. Man darf sich also fragen, ob vielleicht ein Fish ’n Chips- oder ein Currywurst-Verbot weit erfolgreicher wäre bei der Senkung der Herzinfarkte. He, Kausalität ist schliesslich Kausalität!

      • Die neueste Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass an den Folgen des Tabakgenusses auf der Erde die meisten Menschen sterben. Jeder Zehnte wird Opfer von Erkrankungen, die aus dem Rauchen resultieren.

        Eine Sucht ist ausserdem niemals „freiwillig“. Schon gar nicht, wenn der „mündige Bürger“ (aber auch Kinder und Jugendliche, die erklärte Hauptzielgruppe der Verbrecher, die Zigaretten und Alkohol verkaufen) tagtäglich mit Raucher- und Alkohol-Werbung zugemüllt wird. Würde gleichviel Werbung gegen das Rauchen und den Alkohol geschaltet, wie dafür, würde das Ganze wohl anders aussehen.

        Und „Genuss“ erschöpft sich (hoffentlich) nicht im Qualmen und Saufen. Sollte dies bei Dir, lieber Christian, der Fall sein, bedauere ich das zutiefst.

        • „Die neueste Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berichtet, dass an den Folgen des Tabakgenusses auf der Erde die meisten Menschen sterben.“
          Jede „neue“ Statistik der WHO (und es gibt viele) kommt mit anderen Zahlen daher, meist von Jahr zu Jahr zunehmend. Haben Sie sich einmal überlegt, wie man zu solchen Zahlen kommt, wenn selbst in industrialisierten Ländern Tabak in keinem Totenschein als Todesursache erscheint. Selbst die WHO-Klassifizierung der Todesursachen (statistische Grundlage aller Länder) erwähnt Tabak nicht.

          „wenn der “mündige Bürger” […] tagtäglich mit Raucher- und Alkohol-Werbung zugemüllt wird“
          Sie scheinen einer der ganz wenigen Menschen zu sein, der immun gegenübe Werbung ist, sonst müssten Sie ja als rauchender Alkoholiker dahinvegetieren. Sie fahren vermutlich auch kein Auto, haben keine Swatch am Handgelenk und keine Handy in der Tasche. Aber Sie haben immerhin einen PCund surfen auf dem Internet; Ihre Immunität hat Lücken …

      • Die offiziellen Statistiken für Herzinfarkte des Kantonsspitals Graubünden (seit 2006 kontinuierlich zunehmend) sowie des Bundesamts für Statistik zeigen beim besten Willen keinen Knick in Folge des Rauchverbots.
        Das selbe gilt für den Kanton Tessin, entgegen der Behauptung einer Studie, die eine Abnahme um sensationelle 20% festgestellt haben will. Rein „zufällig“ wurde während der Studienperiode die Diagnosemethode für Herzerkrankungen geändert: http://grieshaber.wordpress.com/2013/09/26/gastbeitrag-von-bernd-palmer-offener-brief-an-die-deutsche-gesellschaft-fur-kardiologie/

        Im Kanton Genf wurde ein Jahr nach dem Rauchverbot eine Studie veröffentlicht, die bei Herzinfakten eine Verminderung um 7% geortet haben will. Eine ähnliche Verminderung gab es aber schon in den Jahren 2006 – 2009, vor dem Rauchverbot! Und nach dem Rauchverbot, von 2010 – 20011, stagnierte der Rückgang, die Zahl nahm sogar leicht zu! http://lesdissidentsdegeneve.ch/index.php?option=com_content&view=article&id=2944:les-faux-miracles-

        Auch die gesamtschweizerischen Mortalitäts-Statistiken zeigen insgesamt und nach Kantonen aufgeteilt absolut keinen Einfluss der Rauchverbote auf Herzinfarkte oder Atemwegserkrankungen. Keinen! Null!

        David Klein hat sich offensichtlich ein Weltbild aus Halbwahrheiten und Lügen zusammengeschustert, die er den Massenmedien entnommen hat. Er hat dabei übersehen, dass man die Welt nicht so einfach nach persönlicher Ideologie in Gut und Böse unterteilen kann. Selbst Mediziner scheuen sich nicht, gefärbte Studien zu publizieren, solange sie dafür den Auftrag oder Geld und Ruhm erhalten.
        Die selben Vorwürfe, die David Klein an die Tabakindustrie richtet, kann man auch unseren Politikern und den in ihren Diensten stehenden „Wissenschaftlern“ vorhalten: Halbwahrheiten und Lügen werden dazu benutzt, um die „Volksmeinung“ zu beeinflussen, um Abstimmungen zu gewinnen. Der Zweck heiligt die Mittel.

    • @Klein: „Laut BAG und der amerikanischen FDA genügt bereits der Konsum einer einzigen Zigarette, um den “Verlust der Selbstbestimmung” (Abhängigkeit) herbeizuführen.“ … und ein Glas Kirsch im Fondue, um Alkoholiker zu werden? Wussten Sie, dass manche Nachtschattengewächse (Kartoffeln, Aubergine) Nikotin enthalten?

    • „Da Zigaretten auf die Erzeugung und Erhaltung einer Sucht ausgerichtet sind, sollte die WHO den Nikotingehalt auf ein Niveau senken, das nicht mehr zu einer Sucht führen kann. Das würde es Rauchern erleichtern, mit dem Rauchen aufzuhören.“

      Im Gegenteil! Die WHO empfiehlt, in Zusammenarbeit mit und in finanzieller Abhängigkeit von der Pharma-Industrie, die medizinische Verabreichung von Nikotin zur Raucherentwöhnung. Gleichzeitig finden erbitterte Grabenkämpfe um das Verbot von e-Zigaretten durch die WHO und die EU statt. Zigaretten will man nicht verbieten, aber die harmlose e-Zigarette als Tabakersatz sehr wohl.

      David Klein, vielleicht sollten Sie aus Ihrer von Ideologie und Halbwissen durchtränkten Welt herabsteigen und sachlicher argumentieren. Es ist nicht das Nikotin, das „süchtig“ macht.

  4. Die Bemerkung im Kasten “ Fümoar … the end“ (stammt nicht vom Verfasser des übrigens ausgezeichneten Artikels) ist falsch! Es sollte heissen: „Fümoar … first game over“. Es geht nämlich nicht um Fümoar, sondern um Arbeitsplätze, gesellschaftliche Institutionen (die Eckkneipe und ihr Stammtisch) und um wirtschaftliche Existenzbedrohungen.

    • Seien Sie doch für einmal ehrlich, Herr Julliard. Es geht beim Rauchen, mit Verlaub, hinter der Maske einer grotesk pervertierten Individualität, einzig und allein um’s Geldmachen mit Abhängigen.

      • Aber natürlich! Vom Verkaufpreis eines Päckchen Zigaretten kassiert der Bund rund 78% an Einfuhrzöllen, Mehrwertsteuern, und insbesondere 3 M i l l i a r d e n Tabaksteuern (bald werden es 4 Milliarden sein). Die Lungenliga bekommt davon à fonds perdu 20 Millionen pro Jahr. Und die AHV spart jährlich rund 30 Milliarden Rentengelder, welche die angeblich früher sterbenden Raucher nicht beziehen. Ja, es geht um’s Geldmachen!
        Übrigens: Der Verein Fümoar erhält keinen einzigen Rappen von den Tabakwarenherstellern (vgl. die publizierte, von einem eidgen. diplomierten Steuer- und Revisionsexperten kontrollierte Jahresrechnung).

        • Aber natürlich! Es ist eine gottverdammte Sauerei und eine himmelschreiende Schande ohnegleichen, dass sich der „Bund“ mit Drogen wie Tabak und Alkohol, will heissen über nikotinabhängige Kinder und Jugendliche finanziert.

          Mit „Bund“ meinen Sie wohl diesen unqualifizierten, unmoralischen, ineffizienten und korrupten Haufen in Bern, diese Volksverräter und willfährigen Handlanger einer Industrie, die industrialisierten Massenmord an der Weltbevölkerung begeht.

          Dass Anwälte über Leichen gehen ist ja bekannt, aber wenn ich Sie manchmal in der Schützenmattstrasse sehe, wenn Sie mit Leichenbittermiene vom Gericht kommen, oder auf dem Weg zu Nanni sind, frage ich mich doch, ob es Ihnen tatsächlich egal ist, dass diese Industrie, die Sie so hartnäckig unterstützen, mit Ihrer „gut gefüllten Kriegskasse“, Kinder und Jugendliche, die erklärte Zielgruppe der Tabakindustrie, zu Junkies macht.

          Zu Ihrer „publizierten, von einem eidgen. diplomierten Steuer- und Revisionsexperten kontrollierten Jahresrechnung“: Als Basler Anwalt ist Ihnen die Thematik des Schmiergelds sicherlich ein Begriff und dass dieses eher selten in Jahresrechnungen auftaucht.

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