Lohndumping nützt allen!

 Prof. Dr. David Dürr

An vielen 1. Mai-Reden vorgestern ging es um die Lohn-Obergrenze (warum stören sich Gewerkschaften überhaupt an hohen Löhnen?), zwischendurch aber auch um ein traditionelleres Gewerkschaftsthema, nämlich die Lohn-Untergrenze. Gebetsmühlenartig war dann jeweils von „Lohndumping“ die Rede, das es zu bekämpfen gelte.

Was ist überhaupt schlimm an Lohndumping? Oder vorweg noch: Was ist überhaupt Lohndumping?

Das Wort Dumping ist englisch, to dump, und heisst abladen in einem etwas derben Sinn, eher hinwerfen oder hinschmeissen, so wie man wertlosen Ramsch hinschmeisst. Im wirtschaftspolitischen Bereich wurde und wird diese negative Färbung schon lange gezielt eingesetzt, um etwas zu diskreditieren, was man eigentlich loben sollte: die Unterbietung von Kartellpreisen. Vor allem im internationalen Handel verstanden es schon früh nationale Kartelle, günstige Preise von Importwaren ausländischer Konkurrenz schlecht zu machen. Diese Ware werde ja einfach hingeschmissen, wie billiger Ramsch, unter den Herstellungskosten, diese Importeure legen ja noch drauf – kurz: Dumping, Pfui! Dem müsse ein Riegel geschoben werden. Ein naher Verwandter der Kartelle, der Staat, eilte und eilt dann jeweils zu Hilfe und erlässt beispielsweise Importzölle.

Heuchlei

Natürlich eine durchsichtige Heuchelei: In Tat und Wahrheit ging und geht es den nationalen Kartellen um nichts anderes als darum, ihre eigene Marge hoch zu halten, sehr zum Nachteil der Konsumenten. Was ist denn schlimm daran, wenn der Importeur unter den eigenen Kosten verkauft? (abgesehen davon, dass dies in der Regel gar nicht stimmt) Soll man ihn denn zwingen, viel zu verdienen, wenn er sich mit weniger begnügen will? Der Konsument wird’s ihm jedenfalls danken.

Und genau gleich beim sogenannten Lohndumping: Was ist schlimm daran, wenn sich beispielsweise ein Ausländer mit weniger Lohn zufrieden gibt, als es in unserem Land üblich ist. Bei sich zu Hause würde er jedenfalls noch weniger verdienen, sonst käme er nicht hierher. Auch der hiesige Konsument wird’s ihm danken. Denn der Unternehmer, der den günstigen Arbeitnehmer anstellt, wird seine Produkte umso günstiger verkaufen können. Lohndumping nützt also allen. „Schlimm“ ist höchstens, dass die hohen Schweizer Löhne unter Druck geraten. Dies stört wohl die Arbeitnehmerkartelle, doch ist dies natürlich kein legitimer Grund, den Unternehmer von der Anstellung eines günstigen ausländischen Arbeitnehmers abzuhalten. Weder durch faktischen oder juristischen Zwang zu Gesamtarbeitsverträgen, noch durch staatliche Bewilligungshürden. Und schon gar nicht durch heuchlerische Verunglimpfung als „Lohndumping“.

Übrigens:

Den Berufsstand, dem ich selbst als Rechtsanwalt angehöre, will ich keineswegs ausnehmen. Im Gegenteil, er ist vielleicht der schlimmste von allen punkto Einkommenskartellisierung und Staatsverbandelung. Von mir aus kann man das Monopol der Anwälte zum beruflichen Auftreten vor Gericht und die dafür geltenden Anwaltstarife ersatzlos streichen. Ich müsste mich dann halt der neuen, vielleicht günstigeren Konkurrenz stellen, zum Beispiel mit einem noch besseren Preis-Leistungs-Verhältnis, aber sicher nicht, indem ich ihr einfach „Lohndumping“ entgegenschleudere – nicht einmal am 1. Mai.

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2 Gedanken zu “Lohndumping nützt allen!

  1. Na ja. Das Wissen eines hochkarätigen Akademikers der ältesten Fakultät, die es gibt, in Ehren. Bei uns in Deutschland begleitet ein interessanter Leitsatz das berufliche Werden eines Juristen: „iudex non calculat“. Leider geht es bei diesem Thema nicht ohne Kalkulation und ein bisschen Volkswirtschaft.

    Nehmen wir einmal etwas an, was gar nicht so weit von der Realität entfernt ist: Dass nämlich in Deutschland das Bundesland Baden-Württemberg (BW) das Land mit der höchsten Produktivität und Leistungsfähigkeit ist. Nehmen wir weiter an, es gelänge im Laufe von 10 Jahren das Nettoeinkommen der Bewohner von BW im Vergleich zu allen anderen Bundesländern um 30% abzusenken (Lohndumping). Was wäre die Folge?

    Genauso einfach wie brutal. Die Preise der Produkte aus BW werden in zweistelligen Prozenten fallen. Kein Unternehmen aus den Restländern kann mit diesen Preisen konkurrieren. Da die Leistungskraft von BW die gesamte Nachfrage decken kann, gehen alle Unternehmen der Restländer pleite. Die arbeitenden Bevölkerung erstarrt entweder in Arbeitslosigkeit oder macht sich auf den Weg nach BW. Dort angekommen stellen die Leute zwar fest, dass sie sich nicht mehr so viel leisten können. Das macht ihnen aber nichts aus, weil sie Arbeit haben.

    Weil die Wirtschaft von BW inzwischen das gesamte Land versorgt, boomt es in BW, dass es nur so kracht, während Restdeutschland abstirbt. Weil das alles so gut funktioniert hat und BW die Konkurrenz aus Deutschland ausgeschaltet hat, ist es plötzlich auch auf den Weltmärkten der Anbieter mit den günstigsten Preisen. Ganz nebenbei auch mit der höchsten Qualität. Und allmählich passiert in der ganzen Welt erstmal das, was Restdeutschland schon hinter sich hat. Die Unternehmen gehen pleite. Da das von keinem Land hingenommen werden kann, ergreift man dort Gegenmaßnahmen. Bis die greifen vergeht ziemlich viel Zeit. Wenn sie gegriffen haben ist BW pleite. Die Volkswirtschaft Deutschlands implodiert und muss mit fremder Hilfe wieder aufgebaut werden.

    Diese Fiktion hat leider ein reales Pendant. Sie beschreibt den einzig relevanten Grund für die Eurokrise. Das Land mit der höchsten Produktivität und der höchsten Leistungskraft in der Eurozone ist auf den genialen Dreh gekommen, über mehr als 10 Jahre auf Lohnerhöhungen praktisch zu verzichten. Weil mit Einführung des EURO alle Länder der Eurozone darauf verzichtet haben, ihre Volkswirtschaften durch Auf- und Abwertung vor Wettbewerbsverzerrungen zu schützen, haben wir heute die oben fiktiv beschriebene Situation. Die Resteurozone hat die höchste Arbeitslosigkeit in der ganzen Welt. Die restliche Welt hat bereits mit Gegenmaßnahmen begonnen. Wenn es zu einer Implosion der Eurozone kommen sollte, wird das auch sehr tiefe Spuren in der Schweiz hinterlassen.

  2. OHH GOTT, weis der was über die Wirschaftlichen Auswirkungen von niedrigen Löhnen ?

    Ganz einfach:
    können sich die Menschen wenig leisten ,nur die Existens-Bedürfnisse ,schwächt das eine Wirtschaft ,ganz kla.

    Mit dem € zusamm ist das so eine Sache da der € eh absolut Bannane ist ,weil es in unserem Binnenmarkt(Gemeinschaft mit der selben Währung) verschiedene Wirtschaftssysteme gibt und der € auch nicht an die Wirtschaften angepasst sind.
    undund

    >Dirk Müller ;mal googlen 😉

    Lohn dumping nutzt uns nicht ! das macht die Wirtschaft kaputt so wie „In eine Kriese hinnein zu sparen“ was Frau Dr. Merken den „Pleite Ländern“ auf Diktiert ,wissen wir seit GENAU 100Jahren 😉 1913 Wirtschaftskriese in Deutschland.

    von einem Prof. Dr. hätte ich mir erwahrtet sry 😦

    PS: kann man jetzt natürlich noch gaaaaanz viel schreiben.

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