SRF und Rüdiger «Kim Jong Un ist sehr rational» Frank!

Nun, nach Frau Brunner und „Michael Lüders phantastische Erzählungen“ ff. „Schweizer Radio’s phantastische Antworten!“ beschäftigen wir uns wieder mit SRF-Peinlich-Radio. Dieses Mal geht es nicht mehr und nicht weniger als um Nordkoreas Atombombe. Aus Echo der Zeit vom 02.04.2013, 18:00 Uhr! Der „Experte“ Rüdiger Frank.

SRF: „Rüdiger Frank leitet das Institut für Ostasien-Wissenschaften in Wien mit Schwerpunkt Nordkorea. Ihn habe ich zuerst gefragt: Wie gefährlich ist Nordkoreas Atombombe für uns?“

R. F. „Ich glaube, eine unmittelbare Gefahr der Nordkoreanischen Atombombe für den Westen existiert nicht. Die grösste Gefahr besteht eigentlich in einem Unfall, dass also unbeabsichtigt im Zuge von Militärmanövern oder wenn jemand an der Grenze die Nerven verliert und es zu einem begrenzten militärischen Konflikt kommt, der sich dann ausweitet und wo dann in einem letzten Schritt auch tatsächlich eine Atombombe eingesetzt werden würde. Das halte ich allerdings aber für absolut unwahrscheinlich, weil es den Selbstmord Nordkoreas bedeuten würde. Die Führung Nordkoreas, Kim Jong Un, ist aus meiner Sicht sehr rational. Die wollen sich nicht umbringen und deswegen glaube ich nicht, dass es zum Schlimmsten kommen wird. Ganz auszuschliessen ist es aber leider nicht.“

Ja, klar, der kleine dicke Knuddelbär Kim Jong Un will doch nur spielen, und wenn er die Nerven verliert, dann könnte es zukimjongun einem kleinen atomaren Unfall kommen. Wir erinnern uns an den Unfall, der auch Saddam Hussein passiert ist, als er Luftballons mit Giftgas aufblasen und über Haladscha werfen wollte. Und klar ist Kim Jong Un ein rational denkender Diktator, wie übrigens alle Diktatoren, und will keinen Selbstmord begehen, siehe Beispiel Gaddafi oder die islamischen Märtyrer. Ratio-Pur! Und weiter:

SRF: „Warum braucht Nordkorea die Bombe“?

R. F. „Nordkorea braucht die Atombombe als Lebensversicherung in einem, aus seiner Sicht, feindlichen Umfeld.“

Die Antwort war nicht so richtig befriedigend, also suggeriert der Moderator:

SRF: „Aber aus Ihrer Sicht braucht Nordkorea die Bombe auch aus innenpolitischen Gründen?“

Jetzt hat es Klick gemacht, jetzt ist auch, Rüdiger «Kim Jong-Un ist sehr rational» Frank klar, was gefragt ist.

R. F.: “Das ist korrekt. Nordkorea hat einen Führer, der relativ jung ist, der noch nicht all zu grosse Errungenschaften vorzuweisen hat. Der muss, auch wenn er ein Diktator ist, trotzdem seine Legitimität irgendwo nachweisen. Das kann man auf viele verschiedene Arten tun. In so einem nationalistischen Staat wie Nordkorea gehört das Zeigen militärischer Stärke unbedingt mit dazu. Und nicht zuletzt wird er, indem er militärische Stärke zeigt, auch innenpolitische Kräfte beruhigen, die sich möglicherweise Sorgen machen, wenn es zu einer von mir erwarteten Wirtschaftsreform kommen würde.“

Doch er hat wohl was und wo nachzuweisen: ca. 200‘000 Menschen (was) in Arbeitslager (wo), die er systematisch foltert und nach Lust und Laune exekutiert. Ist das keine Leistung? Aber, aber Rüdiger. Ja, der arme kleine knuddelige Diktator wird von den innenpolitischen Kräften gehindert, die Wirtschaftsreformen durchzusetzen. Zum Glück hat er Rüdigers moralische Unterstützung, gesponsort von SRF! Wahre Gutmenschen sind das!

SRF: „Wie wird diese Wirtschaftsreform aussehen?“

R. F.: „Grundsätzlich wird es darum gehen, dass man das Eigentum des Staates an der Wirtschaft reduziert zugunsten von Privateigentum, von dem man sich eine entsprechende Dynamik und Produktivitätssteigerung erhofft. In China hat man das seinerzeit zunächst im Bereich der Landwirtschaft gemacht, ab 1978. Ich glaube dieser Weg wird Nordkorea nicht ausreichen. Dort wird es auch nötig sein, im Bereich der verarbeitenden Industrie zu reformieren und dafür braucht man das Ausland, das im Augenblick in keiner Weise kooperationsbereit ist.“

Ja, das böse, böse Ausland. Der Westen hat versagt, konkret das Schweizer-Schulsystem, wo der kleine Diktator die Schule besuchte und Schweizer Radio hörte. Nebenbei hat Rüdiger eine Kleinigkeit vergessen, dass um die Produktivität zu steigern, zuerst produziert werden muss und um eine Industrie zu reformieren, muss zuerst eine existieren. Aber, das sind Kleinigkeiten! Unwichtig, was soll’s!

Jetzt kann sich auch der Moderator nicht mehr zurückhalten. Er muss uns zeigen, dass er etwas von Wirtschaft versteht und uns unsere Gefühlslage täuscht!

SRF: „Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund, wir haben im Westen das Gefühl, Nordkorea sei mausbeinarm und deshalb sei es gar nicht möglich, einfach durch die Privatisierung die Wirtschaft in Gang zu bringen. Wie soll denn die Industrialisierung gelingen?

Dumme Frage, denkt sich Rüdiger.

R. F.: „Nordkorea ist bereits ein industrialisiertes Land. Schon seit den 30-er Jahren als es noch Teil der japanischen Kolonie Korea war, sind dort Industrieanlagen grösserer Dimensionen gebaut worden. Schwer- und Chemieindustrie insbesondere. Nordkorea hat dann ab 1945 durch Unterstützung der Sowjetunion und China, sich weiter industrialisiert. Man kann davon ausgehen, dass ungefähr 70 Prozent der Menschen im Bereich der Industrie tätig sind. Es ist bereits ein Industrieland. Die Bevölkerung ist sehr gut gebildet. Man hat in den letzten Jahren ein weiteres „JA“ zum Pflichtschulsystem hinzugefügt, explizit mit dem Hinweis darauf, dass dieses JA zur technischen und anwendungsorientierten Ausbildung zu nutzen sei. Das heisst, wir haben ein Land mit Rohstoffen, wir haben ein Land mit einer bestehenden Industriestruktur, das dabei ist seine Humanressourcen zu upgraten und das ist ein Land, das sehr profitiert von der engen Kooperation mit China. Also auch da stehen die Zeichen eigentlich gar nicht so schlecht.“

Wir alle sind von der Qualität der koreanischen Industrieprodukte überzeugt. Leider sind die Produkte so rar! Ich war der Meinung, es sind nur 68.5 Prozent der Menschen in der Industrie tätig, aber ich habe mich geirrt. Da hat Rüdiger verlässlichere Statistiken. Wahrscheinlich von Kim Jong Un persönlich erstellt. Wie gut das Bildungssystem sei, zeigen die zahlreichen Austauschstudenten. JA, zum Pflichtschulsystem ist natürlich eine grosse Leistung „Obersten Führers“ – schliesslich ist einem freien Land wie Nordkorea, schon das Wort „Pflicht“ verpönt… und die Rohstoffe, die Industriestrukturen, die Humanressourcen, besonders die im Arbeitslager: das sind blühende Landschaften. Und die enge Kooperation mit China wurde gerade bestätigt… Sorry, Rüdiger, you are (siehe HIER)!

…Aber nicht genug. Der Moderator will unbedingt zeigen, dass er lesen kann und sich auf das Gespräch vorbereitet hat:

SRF: „Sie sprechen auch in dem Artikel von atemberaubenden Fortschritten von Nordkorea. Also heisst das, es widerspricht also unseren Vorstellungen von einem wirklich grauen und armen Land?“

Und die Antworten werden immer skurriler:

R. F.: „Nordkorea ist in vielen Teilen grau, es ist in vielen Teilen arm aber wenn man Nordkorea mit sich selbst vergleicht, dann sieht man unübersehbare Fortschritte. Ich habe das Land das erste Mal vor fast einem Vierteljahrhundert besucht und wenn ich es vergleiche, mit dem was ich bei meinem letzten Besuch im September des vergangenen Jahres gesehen habe, dann sind das schon fast zwei verschiedene Länder.

Dann will es aber der investigative SRF-Journalist wissen und verlangt Beweise:

SRF: „Können Sie da Beispiele geben.“

Und selbstverständlich, liefert Rüdiger diese,…

R. F.: „Ich glaube, das augenscheinlichste Beispiel ist die Tatsache, dass es jetzt ungefähr 2 Millionen Mobiltelefonen in Nordkorea gibt. Einem Land, wo der Staat vorher sehr paranoid war, was die Kommunikation der Staatsbürger anbetrifft. Ich habe jetzt auch die neusten Preislisten bekommen für den Breitband-Internet-Zugang in Pjöngjang, zumindest mal. Auch in diesem Bereich tut sich etwas. Das Erscheinungsbild der Menschen auf der Straße ist ein ganz anderes geworden. Die Menschen sind sehr modebewusst, die Kinder laufen Rollschuhe, das ist fast zum Verkehrsproblem geworden in Pjöngjang wiederum. Das ist eine ganz grosse Mode. Also, die komplette Freizeitindustrie, wenn man es so nennen darf, hat einen gewaltigen Aufschwung genommen. Auch da sieht man in welche Richtung das Ganze geht. Brot und Spiele und die Spiele scheinen eine zunehmende Bedeutung zu gewinnen.„

…nach dem Motto, dann sollen sie die Mobiltefone… (Wir kennen alle die „Sollen sie doch Kuchen essen“-Lösung der Maria Antoinette)! An der Preisliste für das Breitband-Internet hat er auch nichts auszusetzen, dazu wird SRF demnächst den Preisüberwacher befragen und der Kassensturz Tarife vergleichen. Sollte es Mängel geben, wird Sandro Brotz Kim Jong Un nach seinem Rücktritt fragen… Die Probleme mit den Kindern, die Rollschuhe fahren sind akut in Nordkorea. Sollte das Problem nicht gelöst werden, wird Nordkorea nicht in die EU aufgenommen. Offensichtlich hat ein Kind Herrn Frank angefahren und er ist auf dem Kopf gefallen!

Jetzt erinnert der Moderator wieder, dass der Westen sich unbedingt benehmen muss.

SRF: „Was wäre die richtige Strategie des Westens um Nordkorea auf Kurs zu bringen bzw. von der Bombe wegzubringen?“

Und Rüdiger erklärt weiter, dass auf den Diktator verlass sei. Die Frage ist natürlich, kann der Westen mit den oben gelobten Wirtschaftsleistungen Nordkoreas Schritt halten…

R. F.: „Die richtige Strategie des Westens wäre auf jeden Fall, einfach zu akzeptieren, dass Nordkorea derzeit eine Atommacht ist. Ich glaube, die lassen sich die Bombe nicht ausreden. Wegnehmen können wir sie ihnen nicht. Wichtig ist, wie Nordkorea auch betont hat, dass strikte Non-Prolieferation eingehalten wird; sowohl von Software als auch von Hardware. Das hat man gestern noch ein Mal deutlich erklärt und ich glaube, darauf sollte sich der Westen zunächst auch stützen können. Ansonsten wäre es wichtig, dass wir alles, was nach wirtschaftlichen Reformen, nach einer Anbindung an die internationale Wirtschaft aussieht, nachdrücklich unterstützen, weil wir genau wissen: Entweder wird es in Richtung einer sowjetischen Lösung führen also zum Kollaps oder in Richtung einer chinesischen Lösung. Und beides, obgleich ich glaube, letzteres deutlich mehr, wäre im Interesse des Westens. Eine Sanktionspolitik bringt gar nichts. Die drängt Nordkorea zurück in die Zeit der stalinistischen Planwirtschaft und wohin das führt, das sehen wir.“

Hätte Günter GraSS nur nicht seine letzte Tinte verbraucht: Die Atommacht Nordkorea gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.

Best of Rüdiger:

“Ich sehe überhaupt keinen Grund, ihm die Rationalität abzusprechen. Zumindest hat er sich bislang noch nicht besonders irrational verhalten – er hat möglicherweise einige Fehler gemacht, aber er verfolgt offenbar ein klares Ziel: Es geht ihm um die Verbesserung des Lebensstandards der nordkoreanischen Bevölkerung.” (Spiegel-Online)

Nachtrag:

Von: Isabelle.Jacobi@srf.ch Adresse Gesendet: 09.04.2013 12:29

An: etwasanderekritik@bluewin.ch

Kopie/Cc: Cathy.Flaviano@srf.ch

Betreff: Anfrage Rüdiger Frank

Sehr geehrte Frau Brandt

Sie haben uns um ein Statement zur Auswahl des Nordkorea-Experten Rüdiger Frank sowie zu unserer Honorarpraxis gebeten.

1) Wir wählen unsere Experten nach Relevanz-Kriterien aus (fundierte Kenntnis der Materie). Dabei achten wir darauf, dass wir unterschiedlichen Perspektiven und differenzierenden Stimmen Raum geben. Unsere Wahl fiel letzte Woche auf Prof. Frank, weil er im deutschsprachigen Raum einer der ausgewiesenen Nordkorea-Experten ist. Der Ökonom lehrt ostasiatische Studien an der Universität Wien und an zwei Universitäten in Seoul. Er kennt Nordkorea nicht nur aus Büchern sondern bereist das Land regelmässig – was man nicht von allen „Experten“ sagen kann.

2) Wir bezahlen Rüdiger Frank kein Honorar, da Medienarbeit zu seinen Pflichten als Universitätsprofessor gehört.

Mit besten Grüssen

Isabelle Jacobi

Redaktionsleiterin

CR Radio/Echo der Zeit

Zugabe…

P. Altmaier u. Kim Jong Un

10 Gedanken zu “SRF und Rüdiger «Kim Jong Un ist sehr rational» Frank!

  1. Es sollte nicht typisch sein, dass genau dieser komisch rundliche Typ im Schokoladen-Chalet-Uhren-Ländle studiert hat. Das er womöglich v.a. von den Banken und Versicherungen gelernt hat, mit denen die Schweiz reich ausgestattet ist, wird allzugerne tabuisiert.
    Damals hätte man genug Zeit gehabt, ihn auf den gesund vorbildlich europäischen Weg zu bringen. Inbegriffen aller Künste der Kultur- und Bildungvorbildlichkeit.
    Wie hiess es vor 2 Jahrzent so schön: Schuster bleib bei denen Leisten. Der Beruf ist mittlerweile ausgestorben bzw. voll automatisiert aufgerüstet wie fast alles.
    Die eigene Haustüre wird in den allermeisten CH-Haushalten noch selber gewüscht, jedoch nicht bei den Entscheidungsträgern und den Firmenbossen. Sklavenhaft gehaltene Putzfrauen besorgen das. Kultur sollte wachsen, nicht zerfallen.

  2. Kritik wird das ganz oben genannt. Dabei ist es eher Blödelei und Kinderstubenfrivolität anstatt ernsthafte Verantwortungs- und Vernunftsappellation.

    Aber sowas leiste man und frau in Zeiten des totalen Materialismusdiktats kaum, weil es zuviel Risiken und bestimmte unbekannte Lebensalternativen bedeuten würde. Z.Bsp. mit gutem Bsp. einfach die eigenen Luxusansprüche auf ein gesundes Mass reduzieren. Sozusagen die goldene Mitte anstelle der Überflusses und der Verfettung bzw. Luxus-Konsum-Dekadenz à la renaisiertem spätrömischen Zeitalter.
    Prost Güppli-Unterhaltungs-Show

  3. Inzwischen hat sich doch herausgestellt, dass Herr Rüdiger Frank, der Berufsdummkopf vom SRF, Unrecht hat. Er hat schlicht am Niagara-Seil gezogen.
    Sein rationaler Kim Jong-un lässt sein Volk verhungern, hat etwa 250000 Bürger in Gulags eingesperrt und nun will er den Rest der Welt mit seiner A-Bombe erpressen.
    Hat sich Herr Rüdiger Frank von seinem politischen Vorbild, Kim Jong-un anstecken lassen? Kriegt er jetzt auch so fette Backen?

  4. Ich bin ja so froh, dass ich für das de Weck Institut Zwangsabgaben leisten darf, so lange Koniferen (oder Koriph…Dingsda)wie der gute Rüdiger, Herr „ich weiss gar nicht was Israel hat“ Lüders, oder Greenpeace Energieexperten exclusiv zu Wort kommen. Das ist doch mal Information!

  5. Nicht dass ich dem armen Kim (dessen Führerschaft heller leuchtet, als die Morgensonne) zu nahe treten möchte, aber mich molestiert ein entsetzlicher Verdacht, bezüglich dessen wer seine Mutter ist.
    Zwei Bilder, zum wohlwollenden Vergleich:

  6. Okay. Ab sofort wird Entrichtung des Rundfunkbeitrags mindestens so schwer geahndet wie Steuerhinterziehung. Sorgt schließlich für wesentlich schlimmere Langzeitfolgen.

    • Da möchte ich Loriot aber in Schutz nehmen: Er war ein glänzender Humorist, aber kein Idiot…

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