“Aber Du bist doch bedingungslos für das Exitenzrecht Israels!”

Axel Springer

„Es ist die Aufgabe unserer Generation, fest an der Seite Israels zu stehen, selbst wenn das unserer Politik anderswo Schaden bringt. Das israelische Volk ringt um den Bestand seines kleinen, dem Wüstensand abgetrotzten Staates, kämpft unter sengender Hitze um sein Lebensrecht – hinter sich das Meer und rundherum den Haß seiner Feinde. Und wir?“ (Axel Springer)

„Du bist ja so pro-israelisch!”… Schon waren wir mitten im Streit, der in dem Ausspruch mündete: “Aber Du bist doch bedingungslos für das Exitenzrecht Israels!”

untitledJa”, sagte ich “aber was bitteschön ist daran pro-israelisch? Ist es neuerdings pro-israelisch, wenn ich die Vernichtung des Staates Israel nicht als Alternative akzeptieren möchte?”

Plötzlich wurde mir klar, was es mit dieser ständigen Unterstellung ich sei pro-israelisch auf sich hat. Diese Unterstellung ist der rhetorisch beste Coup, den die pro-palästinensische Seite je gelandet hat. Sie ist so brillant wie der Solgan: “Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!”

Ein Mensch, der sich selbst als pro-palästinensisch versteht, braucht ein feindliches Gegenüber, jemand, den er als pro-israelisch bezeichnen kann. Nicht selten sind diese pro-israelischen Menschen dann einfach all die Personen, die sich nicht voll und ganz auf die pro-palästinensische Seite schlagen, die nebenbei bemerkt oft alles andere als pro-palästinensisch ist, aber dazu später mehr.

Es ist nicht pro-israelisch, für das Existenzrecht Israels zu streiten!

Es ist nicht pro-israelisch, gegen die Vernichtung des Staates Israels zu sein!

Es ist nicht pro-israelisch, auf das Recht Israels zur Selbstverteidigung zu pochen!

Es ist kein besonderes Zeichen der Zuneigung, wenn ich einem Land das Recht auf Existenz und Verteidigung zuspreche, schließlich spreche ich jedem Land diese Selbstverständlichkeit zu. In der Verteidigung des Existenzrechts Israels einen pro-israelischen Akt zu vermuten, ist so absurd, wie zu behaupten, man sei pro-jüdisch, wenn man gegen Auschwitz und die Vernichtung von Juden sei. Die Verurteilung des Holocaust ist natürlich nicht pro-jüdisch, sondern schlicht pro-menschlich, so wie die Verurteilung der Sehnsucht nach der Vernichtung Israels auch nicht pro-israelisch sondern schlicht pro-menschlich ist.

Israel ist allerdings zur Zeit das einzige Land auf der ganzen Welt, das um seine Existenz fürchten muss, da es von verschiedenen Seiten der Landkarte mit der Auslöschung bedroht wird. Wäre Italien von der Vernichtung bedroht, ich würde auch Italien verteidigen, trotz Berlusconi!

Keines der vielen islamofaschistischen Länder, in denen Homosexuelle gehängt, freizügige Frauen gesteinigt, Juden verfolgt und kritische Muslime getötet werden, wird in seiner puren Existenz bedroht. Diese ganz besondere Ehre der besonderen Behandlung kommt nur Israel zu, dem Juden unter den Staaten.

Ach wie schön wäre diese Welt, könnte Israel mir egal sein, aber leider kann mir dieses winzige Land, das kleiner ist als Hessen, dieser einzige jüdische Staat in einer Welt voller christlicher, muslimischer und kommunistischer Nationen nicht egal sein, weil dem Land und somit seinen Bürgerinnen und Bürgern täglich mit der Vernichtung gedroht wird seit Jahren fast täglich bombardiert wird.

Nicht wenige Regierungen dieser Welt wollen Israel von den Seiten der Geschichte tilgen, so wie einst Hitler alle Juden von den Seiten der europäischen Geschichte streichen wollte. Woran Hitler vor 70 Jahren gescheitert ist, nämlich ein „judenfreies“ Deutschland zu schaffen, ist anderen Diktatoren in anderen Ländern gelungen: Algerien, Saudi-Arabien, Jordanien und Libyen erklären stolz, „judenrein“ zu sein. Es sind zudem genau diese Länder, deren Regierungen geschmackloser Weise auch noch das Existenzrecht Israels in Frage stellen, ganz so als wäre es noch nicht genug, dass in ihren Ländern Juden verfolgt werden, sondern die ganze Welt ein Hort der Unsicherheit und der Verfolgung für Juden werden müsse. Nicht mal diesen Ländern wird das Existenzrecht abgesprochen, auch nicht von mir. Ist das etwa pro-israelisch?

Es ist nicht pro-israelisch, sondern schlicht pro-menschlich, so wie viele Menschen, die sich als pro-palästinensisch bezeichnen, alles andere als pro-palästinensisch sind, sondern vielmehr pro-unmenschlich. In ihrem Hass auf Israel und nicht selten in ihrem Hass auf Juden haben sie keine Skrupel davor, selbst die größten Feinden der freien Palästinenser zu verharmlosen. Kaum eine Organisation hat mehr Palästinenser auf dem Gewissen als die Hamas. Demokraten, Liberale, emanzipierte Frauen, Konvertiten, Homosexuelle, sie alle werden von der Hamas verfolgt, gefoltert und ermodert. Wenn das pro-palästinensisch sein soll, dann brauchen die Palästinenser bei solchen Freunden wahrlich keine Feinde.

imagesCA787I4NDie wahren Freunde Palästinas sind bei jenen zu finden, die von den falschen Freunden Palästinas als pro-israelisch diffamiert werden. Am 13. Juni 2010 war ich auf einer sogenannten pro-israelischen Demo in Köln und hörte über tausend Menschen vor dem Kölner Dom rufen: „Freiheit für Gaza! Freiheit für Gaza von Krieg und Terrorismus! Freiheit für Gaza von Gewalt gegen Homosexuelle und Andersgläubige! Freiheit für Gaza von der Hamas!“ Die Demonstration fand unter dem Titel “Fairplay für Israel – für Wahrheit und Solidarität“ statt.

Ich muss gestehen, an jenem Tag im Juni sind mir die Tränen gekommen. Ich hätte nie gedacht, dass sich über tausend Menschen in Köln zusammen finden würden, um gegen die einseitige Verurteilung Israels zu demonstrieren, aber noch viel weniger hatte ich damit gerechnet, dass die Anwesenden trotz der weltweiten anti-israelischen und antisemitischen Hetzkampagne gegen Israel an den Prinzipien Hoffnung und Vernunft festhalten und gemeinsam für den Frieden und die Freiheit Palästinas eintreten würden. Ich fühlte mich spontan an den Spruch von Golda Meir erinnert.

„Wir können den Araber vergeben, dass sie unsere Kinder töten. Wir können ihnen nicht vergeben, dass sie uns zwingen, ihre Kinder zu töten. Wir werden erst Frieden mit den Arabern haben, wenn sie ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen.“

Solange Israel mit der Vernichtung gedroht wird, solange verteidige ich es. Ich würde es mit jedem Land so machen! Deshalb bin ich nicht pro-israelisch, sondern schlicht konsequent. Ich mache einfach keine Ausnahmen. Nicht ich bin einseitig, sondern jene, die mich zu ihrem Feind auserkoren haben, die mich brauchen, um ihre eigene vermeintliche pro-palästinensische Seite zu stärken. Ich bin der pro-israelische Andri, den sie brauchen, um sich selbst ihrer guten Haltung zu versichern, aber dabei nichts anderes tun, als die Verbrechen der Hamas und der Hisbollah zu weißeln.

Israel und Juden sind für mich schlicht nicht besser und nicht schlechter als andere und bedürfen daher auch keiner besonderen Behandlung. Ein Antisemit ist schließlich der, der Juden mehr hasst als strikt notwendig.

Gerd BuurmannDieses Statement schrieb Regisseur und Autor Gerd Buurmann anfangs Januar 2011. Seine Aussagen sind jedoch zeitlos und aktueller denn je!

(Veröffentlicht mit der Einwilligung des Autors! Unbürokratisch wie immer, vielen Dank lieber Gerd!)

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