Einstein über die Bibel als eine Sammlung primitiver Legenden

Einsteins Brief zum Thema Religion wird bei Ebay für mindestens drei Millionen Dollar angeboten.

Hier sein Inhalt:

„Lieber Herr Gutkind!

Angefeuert durch wiederholte Anregung Brouwers habe ich in den letzten Tagen viel gelesen in Ihrem Buche, für dessen Sendung ich Ihnen sehr danke. Was mir dabei besonders auffiel war dies. Wir sind einander inbezug auf die faktische Einstellung zum Leben und zur menschlichen Gemeinschaft weitgehend identisch: über-persönliches Ideal mit dem Streben nach Befreiung von ich-zentrierten Wünschen, Streben nach Verschönerung und Veredelung des Daseins mit Betonung des rein Menschlichen, wobei das leblose Ding nur als Mittel anzusehen ist, dem keine beherrschende Funktion eingeräumt werden darf (Diese Einstellung ist es besonders, die uns als ein echt „unamerican attitude“ verbindet.)

Trotzdem hätte ich mich ohne Brouwers Ermunterung nie dazu gebracht, mich irgendwie eingehend mit Ihrem Buch zu befassen, weil es in einer für mich unzugänglichen Sprache geschrieben ist. Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind naturgemäss höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen. Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation (sic) des primitiven Aberglaubens. Und das jüdische Volk, zu dem ich gerne gehöre und mit dessen Mentalität ich tief verwachsen bin, hat für mich doch keine andersartige Dignität als alle anderen Völker. Soweit meine Erfahrung reicht ist es auch um nichts besser als andere menschliche Gruppen wenn es auch durch Mangel an Macht gegen die schlimmsten Auswüchse gesichert ist. Sonst kann ich nichts „Auserwähltes“ an ihm wahrnehmen.

Überhaupt empfinde ich es schmerzlich, dass Sie eine priviligierte Stellung beanspruchen und sie durch zwei Mauern des Stolzes zu verteidigen suchen, eine äussere als Mensch und eine innere als Jude. Als Mensch beanspruchen Sie gewissermassen eine Dispens von der sonst akzeptierten Kausalität, als Jude ein Privileg für Monotheismus. Aber eine begrenzte Kausalität ist überhaupt keine Kausalität mehr, wie wohl zuerst unser wunderbarer Spinoza mit aller Schärfe erkannt hat. Und die animistische Auffassung der Naturreligionen wird im Prinzip durch Monopolisierung nicht aufgehoben. Durch solche Mauern können wir nur zu einer gewissen Selbsttäuschung gelangen; aber unsere moralischen Bemühungen werden durch sie nicht gefördert. Eher das Gegenteil.

Nachdem ich Ihnen nun ganz offen unsere Differenzen in den intellektuellen Überlegungen ausgesprochen habe, ist es mir doch klar, dass wir uns im Wesentlichen ganz nahe stehen, nämlich in den Bewertungen menschlichen Verhaltens. Das Trennende ist nur intellektuelles Beiwerk oder die „Rationalisierung“ in Freud’scher Sprache. Deshalb denke ich, dass wir uns recht wohl verstehen würden, wenn wir uns über konkrete Dinge unterhielten.

Mit freundlichen Dank und besten Wünschen,

Ihr A. Einstein.“

P. S. Youtube! 

 

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Ein Gedanke zu “Einstein über die Bibel als eine Sammlung primitiver Legenden

  1. Vor Kurzem ist mir noch eine andere, gegenteilige Aeusserung von Albert Einstein in die Hände gekommen. Sie lautet:

    „Ich bin zwar ein Jude,
    aber das strahlende Bild Jesu, des Nazareners,
    hat auf mich einen überwältigenden Eindruck gemacht.
    Es hat sich keiner so ausgedrückt wie er.
    Es gibt wirklich nur eine Stelle in der Welt,
    wo wir kein Dunkel sehen.
    Das ist die Person Jesu Christ.

    In ihm hat sich Gott
    am deutlichsten vor uns hingestellt.
    Ich verehre ihn.

    Albert Einstein 1879 – 1955“

    Wie ist das möglich? In welcher Lebensphase hat Einstein was gesagt?
    Und wenn er seine Meinung änderte – was ja keine Schande ist – dann finde ich, sollte man ehrlicherweise beide Haltungen erwähnen und möglichst mit seiner Biographie in Beziehung setzen.

    Hochachtungsvoll
    Erwin Grau, Stäfa

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