Montenegros emanzipierte Prinzessinnen

Inspiriert von Geschehnissen im Fürstenhaus des Nikola I. von Montenegro schrieb Franz Lehar die Operrette „Die lustige Witwe“. Der Name Montenegro kam jedoch im Originallibretto aus Zensurgründen nicht vor, sondern wurde durch das Synonym der spanischen Stadt „Pontevedro“ ersetzt.

Nikola I. Petrovic Njegos (1841 – 1921), Fürst und letzter König von Montenegro, war ein geschickter und strategisch handelnder Diplomat. In der Geschichte ist er auch als der „Schwiegervater von europäischen Adelshäusern“ bekannt.

Nikola I. bekam mit seiner Frau Milena neun Töchter und drei Söhne. Keine günstige Lage, für einen Vater und den Monarchen eines kleines Landes, seine Töchter standesgemäss zu verheiraten. Er legte Wert auf gute Ausbildung seiner Töchter. Seine Frau liess vorsorglich ein Kloster bauen, damit die unverheirateten Töchter dort als Klosterfrauen leben könnten.

Jedoch machten ihm die jungen Frauen einen Strich durch die Rechnung. Europaweit faszinierten sowohl ihre Schönheit als auch ihr scharfer Verstand die adeligen Männer. Man fürchtete sie aber auch wegen ihres Eigensinns, sie waren unangepasst und selbstbewusst.  Durch das Einheiraten in europäische Königshäuser ergriffen sie bewusst die Macht und übten ihren Einfluss aus. Sie setzten wohl eine alte montenegrinische Tradition um: „Der Mann ist der Kopf und die Frau der Hals“. Aus historischer Sicht haben die Prinzessinnen  mehr für Montenegro getan, als alle „ach so tapferen Krieger“.

Besonderes interessant sind die Verbindungen in Adelskreisen von sechs der neun Schwestern bis heute:

  • Die älterste Ljubica Zorka (1864 – 1890), wurde durch die Heirat mit Peter I Karadjordjevic König der Serben, Kroaten und Slowenen, Kronprinzessin von Serbien. Sie hatten fünf Kinder. Ihre Tochter Prinzessin Elena Karadjordjevic von Serbien heiratete Grossfürst Iwan Konstantinowitsch Romanow. Sohn Alexander I Karadjordjevic heiratete Prinzessin Marie von Rumänien (geboren als Prinzessin Marie von Hohenzollern-Sigmaringen)
  • Milica (1866 – 1951), heiratete Grossfürst Nikolai Nikolajewitsch Romanow russische Grossfürstin. Sie hatten vier Kinder.
  • Anastasia Stana (1868 – 1935), sorgte damals für einen Skandal, indem sie sich von ihrem ersten Mann Georg Maximilianowitsch de Beauharnais, Herzog von Leutenberg und Fürst Romanowsky scheiden liess. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor. Der offizielle Grund der Scheidung soll ihre zu enge Verbindung zum Wanderprediger Rasputin gewesen sein. Sechs Monate nach der Scheidung heiratete sie Grossfürst Nikolai Nikolajewitsch aus der Zarenfamilie, Romanow.    
  • Jelena (1873 – 1952), die einflussreiche Denkerin, wurde durch ihre Heirat mit dem letzten König von Italien Vittorio Emanuele III. Königin von Italien und Albanien, Kaiserin von Äthiopien und Herzogin von Savoyen. Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor:
  • Ana (1874 – 1971) heiratete Prinz Franz Joseph von Battenberg, eine Nebenlinie des hessischen Herrscherhauses. Die Ehe blieb kinderlos.
  • Ksenija (1887 – 1960), die wilde Athletin, blieb entgegen allen Konventionen und zahlreichen Gelegenheiten unverheiratet. Ihr Vater wollte sie mit Alexander I. von Serbien verheiraten. Als dieser in Montenegros Hauptstadt eintraf und um ihre Hand anhielt, stellte sie ihr Entsetzen und ihre Abscheu über sein Aussehen und seine Umgangsformen so öffentlich dar, dass der verärgerte und entwürdigte Alexander I. alle diplomatischen Beziehungen zu Montenegro abbrach. 1899 verlobte sie sich mit Prinz Nikolaus von Griechenland, heiratete ihn jedoch auch nicht. Zahlreiche Affären folgten. Ihr unortodoxes Leben setzte sie in der Pariser Gesellschaft fort, wovon ihr Vater gar nicht begeistert war. Sie provozierte gerne, liebte Oper und Theater. Montenegro hinterliess sie wertvolle photographische Kunst.

Ja, das waren bemerkenswerte Frauen: Sie forderten nicht ihre Rechte ein, sondern übten sie aus. Sie strebten nicht nach Emanzipation, sie waren emanzipiert. 

Ihre Brüder gingen unspektakulär in die Geschichte ein. Als die Söhne des letzten Königs Nikola I. von Montenegro.

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