Sexualleben auf Twitter: Die Pillepalle-”Partei” erreicht einen neuen Tiefpunkt

 Gastbeitrag von André Freud, Nürnberg 

 

Die abgebildete Person ist eine gewisse Birgit Rydlewski. Sie war vermutlich einmal Lehrerin und sitzt nun für die Piraten-”Partei” im nordrhein-westfälischen Landtag. Von politischer Arbeit hört man wenig – wie sollte das auch möglich sein: für politische Arbeit ist diese “Partei” nicht bekannt und wird es auch nicht werden.

Also tut diese Dame, was augenscheinlich das wichtigste dessen ist, was “Piraten” tun: sie twittert. Das wäre an und für sich völlig in Ordnung, unter Umständen gar lobenswert. Aber in diesem Falle ist es das natürlich nicht. Ein Politiker, der die modernen Medien nutzt, um seine Politik darzustellen, zu erläutern und auch mal zu diskutieren, ist eine Sache. Aber das tut diese Dame nicht so sehr. Was sie vielmehr tut, ist, die geneigte Öffentlichkeit an ihrem Sexualleben teilhaben zu lassen.

“So: Allen einen lieben Dank, die wegen des gerissenen Kondoms mitgezittert haben: Alle Tests negtativ!”, verlautbarte sie über Twitter. Ja, da legst dich nieder!

Zunächst drängt sich hier die Frage auf: Wer zitterte denn da mit? Frau Rydlewski hat 3.743 Follower, also: 3.743 Zeitgenossen folgen ihren Twitter-Botschaften und nehmen somit wenigstens lesend an ihrem Sexualleben teil. Da stellen sich Fragen über Fragen! Hat Frau Rydlewski die Öffentlichkeit sogleich nach dem Riß des Kondoms informiert? Hat sie es noch – denn Twitter ist ja immer topaktuell – gleich aus dem Bett heraus getan? Wer war der Mann, mit dem sie ihren One-Night-Stand hatte, und warum schimpft sie später über ihn: “Liebe Kinder: nicht nachmachen! Nicht mit irgendwelchen Typen ins Bett gehen, die man nicht einschätzen kann”. Aha.

Es ist unerträglich, daß solche Knallchargen in Parlamenten sitzen. Gut an einer wie Rydlewski ist nur, daß sie all denen, denen es zu gut geht und die aus Langeweile “Piraten” wählten, zeigt, wen man da wählt, wenn man die wählt.

Mir ist das Privatleben dieser Dame gleichgültig. Was mich aber nachgerade anwidert, ist der Mißbrauch ihrer Funktion als MdL. Es ist unerträglich, wenn selbstverliebte und von der eigenen Bedeutung durchdrungene Nullnummern meinen, ihre banalen, peinlichen Erlebnisse bloßzustellen. Das zeigt aber auch, was für Menschen das sind, die da innerhalb der Piraten-”Partei” nach oben gespült werden. Gut nur ist zu wissen, daß sich das mit der politischen Verantwortung schnell wieder erledigt haben wird.

Wohin man auch schaut: in dieser “Partei” der ewig zu kurz gekommenen, der simpel strukturierten, derjenigen, die die Welt ändern wollen, ohne sie je begriffen zu haben, der inhaltlsleeren Wichtigtuer, kurz: der verkörperten Unfähigkeit, finden sich keine guten Köpfe. Es gibt die bekannte Nullnummer Ponader, der schon auf unterstem Niveau unterwegs ist, dann kommt lange nichts, und dann kommen Rydlewski & Co. Es ist erbärmlich. Um Frau Rydlewski sinngemäß zu zitieren: “Liebe Wähler: nicht wiederholen! Nicht irgendwelche “Parteien” wählen, deren Funktionäre eher in eine RTL-II-”Doku-Soap” gehören als in Parlamente!”

Leider gibt es das Wort “Fremdschämen” bereits. Existierte es noch nicht, dann würde es nun erfunden werden.

(Übrigens, und nur am Rande: Man stelle sich den Aufschrei vor, der durch die Republik ginge, wenn ein männlicher Politiker ein solches Erlebnis twitterte…

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