Behördenirrsinn: Bier und Schnaps für den Autofahrer, Fussgänger bleiben durstig!

Das Bayerisches Sozialministerium hat den Ladenschlussgesetz verschärft. Nach dem neuen Vollzugshinweis zum Ladenschlussgesetz  darf ein Autofahrer nach 20 Uhr Bier kaufen aber Fussgänger nicht mal eine Apfelschorle!

 

§ 6 Tankstellen heisst es:

„(1) Abweichend von den Vorschriften des § 3 dürfen Tankstellen an allen Tagen während des ganzen Tages geöffnet sein.

(2) An Werktagen während der allgemeinen Ladenschlusszeiten (§ 3) und an Sonn- und Feiertagen ist nur die Abgabe von Ersatzteilen für Kraftfahrzeuge, soweit dies für die Erhaltung oder Wiederherstellung der Fahrbereitschaft notwendig ist, sowie die Abgabe von Betriebsstoffen und von Reisebedarf gestattet.“

Praktisch bedeutet es:

Ab 20 Uhr darf ein Autofahrer zwei Liter Bier oder 0,1 Liter Schnaps kaufen aber ein Fussgänger bzw. Velofahrer nicht mal eine Apfelschorle.

Als Reisende hat Bundesverwaltungsgericht Kraftfahrer und Mitfahrer des Kraftfahrzeugverkehrs deklariert.

Und wie soll der Tankstellenverkäufer unterscheiden zwischen Fussgänger und Mitfahrer, fragt man sich? Ganz einfach laut dem Bayerischem Sozialministerium: „Nachts ist erfahrungsgemäß der Kundenandrang so gering, dass der Verkäufer durch einen Blick aus dem Tankstellenfenster feststellen kann, ob sich ein Kfz an der Zapfsäule oder auf dem Tankstellengelände befindet. Im Zweifel ist ihm eine Nachfrage durchaus zuzumuten.“

Prost auf die Bürokratie!

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2 Gedanken zu “Behördenirrsinn: Bier und Schnaps für den Autofahrer, Fussgänger bleiben durstig!

  1. Schöne Grafik 🙂

    Ich finde das eigentlich Spannende an dieser Regelung ist das Wort „Reisebedarf“. Was zählt wohl alles zum Reisebedarf? Bier und Schnaps, ok, Brezeln, Zeitschrift, ja, Brillenputztücher, Kaffeebohnen, naja, Brötchen, Messer, Teller, Becher, Reiselektüre, … Im Prinzip heißt das doch nur, dass man weiterhin alles verkaufen darf und dass der Käufer, wenn er halt mehr als das erlaubte Quantum an Bier kaufen will, einmal um die Zapfsäule fahren muss (jeweils für 10 Euro tanken…) – oder eine Tankstelle weiter – Ich wette, es dauert nicht lange, bis in Bayern eine neue Sportart erfunden wird: Tankstellen-Hopping. Das wird natürlich dazu führen, dass die Regulation verschärft werden muss, Ausweispflicht nach Ladenschluss oder so, was dazu führen wird, dass diejenigen, die sich der Regulation nicht unterwerfen wollen, neue Schlupflöcher suchen werden und so weiter und so weiter. Jetzt könnte man natürlich denken, das sei nicht im Sinne des Erfinders und im Sozialministerium würde man kochen, ob der vielfältigen Weisen, die Regelung zu unterlaufen. Aber seit DiMaggio und Powell (1983) wissen wir ja: Bürokratien sind nicht daran interessiert, Resourcen sinnvoll einzusetzen, sie sind daran interessiert, Regelungen zu erlassen. Und so hat jeder seinen Zweck erfüllt: Das Sozialministerium kann nach Lust und Liebe sinnlose Regulationen erlassen und damit seine Existenz legitimieren und alle, die davon betroffen sind, können sich überlegen, wie sie den Blödsinn unterlaufen.

    In England gibt es ähnlichen Unsinn: Paracetamol in ordinären Schmerztabletten, darf man nur in der Menge von zwei Packungen kaufen. Und was macht man daher, Bekanntenshopping, vier Leute gehen zu Tesco, greifen sich je zwei Päckchen Anadin und stellen sich an der gleichen Kasse an. Und nach der Kasse wird die Beute dem Auftraggeber in die Hand gedrückt. Scheinbar haben die Verantwortlichen den Unsinn hinter ihrer Regelung bemerkt, denn an eine Veränderung/Verschärfung wird derzeit nicht gedacht. Das ist immerhin etwas. Dass Behörden Regulationen zurücknehmen ist dagegen „unheard of“, naja, zumindest auf dem Kontinent…

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