obamaBy Hal G.P. Colebatch/Übersetzung Joachim Nikolaus Steinhöfel

In Herman Wouks im 2. Weltkrieg spielenden Roman-Klassiker „Die Caine war ihr Schicksal“ gibt es eine Szene, in der sich eine Gruppe der Schiffsoffiziere an Land erholt; weit weg von dem zunehmend eigenartig agierenden Kapitän Queeg.

Urplötzlich fragt der unzufriedene Leutnant Keefer die anderen: „Habt Ihr nicht auch den Eindruck, dass Kaptain Queeg den Verstand verloren hat?“

Tatsächlich ist Queeg nicht geistesgestört, zumindest nicht zu jenem Zeitpunkt. Er ringt vielmehr, mit immer desaströseren Konsequenzen, mit den Herausforderungen eines Jobs, der schlicht eine Nummer zu groß für ihn ist. Als das Schiff in einen Taifun gerät, ist Queeg wie gelähmt, unterlässt es, die erforderlichen Befehle zu geben und versenkt die „Caine“ fast.

In dem folgenden Kriegsgerichtsverfahren erscheint er zunächst völlig normal, bis er schließlich im Kreuzverhör zusammenbricht. Zuvor hatten die Offiziere die Vorschriften nach einer Lösung durchsucht. Diese boten aber nur bei einem Kapitän Abhilfe, der eindeutig den Verstand verloren hat, nicht bei einem solchen, der lediglich überspannt ist und ein verheerendes Urteilsvermögen hat.

In einer Position mit geringerer Verantwortung hätte Queeg möglicherweise einen ordentlichen Job gemacht. Obama_ChangeObamas zweite Amtseinführungsrede dürfte sein Queeg-Moment gewesen sein. Es war die unwiderlegliche Demonstration von völligem Realitätsverlust in einer Krise. Trotz seiner unaufhörlichen Beschwörung des Begriffes „Change“ ist das herausragende Merkmal Obamas sein offensichtliches Unvermögen zu handeln, selbst wenn eine Notsituation dies dringend gebietet. Wie Queeg steht er wie gelähmt auf der Brücke, während die Wellenberge um ihn herum anwachsen. Oder er arbeitet sich an seiner Besessenheit ab, Homosexuelle und Frauen ins Militär zu bekommen, während sich der Taifun aufbaut.

Obama ist mit der grössten Schuldenkrise der Weltgeschichte konfrontiert und tut, wie Queeg, nichts. Alles, wozu er noch imstande ist, besteht im Absondern leerer Phrasen. Seine pseudo-keynesianischen Vorstellungen und mantrahaft wiederholten alten und gescheiterten Ideen bezeugen einen dramatischen Mangel an intellektueller Substanz.

Die Ökonomie ist keine exakte Wissenschaft, aber einige ihre Erkenntnisse sind wohlbekannt. Eine davon lautet, dass man sich nicht mit erhöhten Staatsausgaben aus einer Rezession herauskaufen kann. Trotzdessen lässt Obama nicht erkennen, dass ihm die Dringlichkeit der Situation bewusst wäre. Blasiert und selbstgefällig gibt er lediglich zu erkennen, dass er sich als großartig erachtet.

Die einzige fiskalische Massnahme, der er sich verpflichtet fühlt – die Reichen zu besteuern – ist infantiler Unsinn. Wie Queegs Besessenheit zu ermitteln, wer in der Offiziersmesse die Erdbeeren aufgegessen hat. Jeder Volkswirtschaft- oder Politikstudent im ersten Semester weiß, dass es selbst in einem wohlhabenden Land wie den USA nicht genügend Reiche gibt, als dass die Erhöhung ihrer Steuern einen spürbaren Unterschied machen würde.

Präsident Reagans Anwendung der Laffer-Kurve bewies, und das erst vor kurzem, eindrucksvoll, dass man die Wirtschaft stimuliert und die Staatseinnahmen erhöht, wenn man die Steuern senkt.

Unfähig, ahnungslos…gescheitert

Wie Queeg ist Obama unfähig, den einmal eingeschlagenen Kurs zu ändern, selbst, wenn ein solcher Wechsel dringend erforderlich ist. Zwanzig F-16 Kampfflugzeug und Hunderte von Panzern an Ägypten zu liefern, war in meinen Augen zu keinem Zeitpunkt eine gute Idee. Selbst als Ägypten noch ein zuverlässiger Freund der USA war, benötigte es für seine Sicherheit allenfalls gepanzerte Fahrzeuge um lokale Unruhen niederzuschlagen, nicht jedoch diese Hi-Tech-Waffen, deren einziger denkbarer Einsatz ein solcher gegen Israel wäre.

In der Tat scheint sich Obama nicht darüber im Klaren zu sein, dass Ägypten und andere islamische Länder von Freunden in wenigen Monaten mehr oder weniger zu Feinden mutierten. Es macht für jeden Präsidenten der Vereinigten Staaten einen Unterschied, ob er eine falsche politische Entscheidung trifft oder ob er sich an diese Entscheidung klammert, selbst wenn sie sich als komplett fehlerhaft erweist. Wie die „Caine“, die im Kreise stampft und ihr eigenes Abschleppseil kappt. Fehler, die man nicht mehr wegdiskutieren kann, sind immer die Schuld eines Anderen (meistens die von George W. Bush).

Aber er tanzt immer noch auf Bällen, spielt Golf, trifft die Stars und macht Urlaube, die Millionen verschlingen. Doch hinter alledem erkennt man eine verzweifelte Leere, ein zusammenhängendes Mosaik des Scheiterns. Der einzige, hinreichend und prahlerisch hinausposaunte Triumph, die Tötung Osama Bin Ladens, war die Leistung anderer Männer. Einer der verdienstvollsten, Dr. Shakil Afridi, verrottet in einem Höllenloch von einem pakistanischen Gefängnis; von Obama im Stich gelassen.

Obamas Schwur, die Mörder des Terroranschlags auf die US-Botschaft im libyschen Benghasi zur Rechenschaft zu ziehen, scheint schon im Moment des Versprechens in Vergessenheit geraten zu sein. Ein Eid – ich weiss nicht, ob ein passender Begriff dafür existiert –, noch unglaubwürdiger als ein Wahlkampfversprechen.

In fast allen Teilen der Welt wurden Verbündete verloren, beleidigt oder gekränkt. Der Krieg in Afghanistan entwickelt sich zu einer Demütigung für die USA und die NATO, Russland und China übernehmen die Führung im Weltraum. Die Verteidigungsfähigkeit der wichtigsten US-Verbündeten, wie zB Grossbritannien, ist in einem noch düsteren Zustand.

All dies berücksichtigt noch nicht einmal die explodierende Armut in den USA. Flexibilität für das Vergütungssystem, um die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industrie zu verbessern, erscheint indiskutabel.  [Weiterlesen  Steinhoefel.de/Leseempfehlung J. N. Steinhöfel: Obamas zweite Amtszeit – Die USA bekommen ihre Quittung und Obamas Werte auf dem Weg nach unten

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